Rheuma

Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist „Rheuma“ ein Überbegriff für alle Erkrankungen, die mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparates einhergehen. Diese Erkrankungen verlaufen meist chronisch, so dass Betroffene häufig ein Leben lang therapiert und betreut werden müssen. Der Begriffsursprung kommt aus dem Griechischen „rheo“ und bedeutet „ich fließe“. Heute wird es frei übersetzt mit „fließenden Schmerzen“.

Da sich hinter dem Begriff Rheuma eine inhomogene (nicht gleichartig zusammengesetzte) Gruppe von mehr als 100 Krankheitsbildern versteckt, werden diese häufig als Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zusammengefasst. Dabei können die verschiedenen Krankheitsbilder grob in 4 Gruppen unterteilt werden:

1. entzündlich-rheumatische Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis)

2. degenerative, verschleißbedingte Gelenkerkrankungen (z.B. Arthrose)

3. Stoffwechselerkrankungen (z.B. Osteoporose, Gicht)

4. Weichteilrheuma (z.B. Fibromyalgie)

Die meisten rheumatischen Erkrankungen gehen mit Entzündungen der Gelenke einher. Es können allerdings auch andere Teile des Bewegungsapparates wie Sehnen, Muskeln und Bindegewebe betroffen sein. In einigen schweren Fällen gibt es eine sogenannte Organbeteiligung. Das bedeutet, dass auch Augen, Lunge, Herz, Haut, Nieren oder Darm angegriffen werden.

Viele Patienten erkranken zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Es können aber auch Kinder und Jugendliche betroffen sein. Anders als häufig gedacht, ist Rheuma keine typische Alterskrankheit. Jährlich erkrankt eins von 1000 Kindern an Rheuma; schätzungsweise 20.000 Kinder sind bundesweit betroffen. Die verschiedenen Arten von Kinderrheuma werden unter dem Sammelbegriff „Juvenile idiopathische Arthritis“ zusammengefasst.

Die meisten rheumatischen Erkrankungen verlaufen schubförmig. Das heißt, es gibt schmerzhafte Schübe mit hoher Entzündungsaktivität, gefolgt von beschwerdefreien Intervallen. In der Regel ist der Verlauf chronisch. Da die Ursachen und die Entstehung von Rheuma noch nicht vollständig aufgeklärt sind, kann die Krankheit durch moderne Therapien zwar wirksam behandelt, aber nicht vollständig geheilt werden.

Für eine gute Prognose und den weiteren Krankheitsverlauf ist ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn wichtig. Das Ziel ist, durch diese frühe Behandlung bleibende Schäden in den Gelenken und die daraus resultierende Gelenkzerstörung möglichst zu vermeiden. Hierzu muss der Entzündungsprozess schnell und effektiv mit den entsprechenden Medikamenten eingedämmt werden. Ein erfahrener Facharzt hilft dabei, die richtige Diagnose zu stellen und die für den Patienten passende Therapie auszuwählen.

„I had to restructure my friends and support system. You have to find a core group of family and friends to love you and stand by you.“

Tatum O’Neal, Actress (Rheumatoide Arthritis)

Säulen der Therapie

-medikamentöse Therapie
-physikalische Therapie (Physiotherapie + Sport, Ergotherapie)
-operative Maßnahmen
-Rehabilitation
-psychologische und Sozial-Betreuung
-Ernährung

Beispiel: rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Frauen sind 3 mal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten.
Sie ist charakterisiert durch Schmerzen, Schwellungen und Rötungen in bzw. an den Gelenken v.a. der Finger und Zehen. Typischerweise tritt eine Morgensteifigkeit in den Gelenken auf, die ca. 1 Stunde andauert.
Ausgelöst wird die rheumatoide Arthritis vermutlich durch eine Fehlregulation des Immunsystems, aber auch genetische Faktoren und Umwelteinflüsse wie Rauchen sind teilweise für das Ausbrechen der Erkrankung verantwortlich.

eingesetzte Medikamente

KORTISON
Kortison wird eingesetzt für eine besonders schnelle und starke Entzündungshemmung. Deswegen wird es häufig zu Therapiebeginn gegeben, damit die Gelenke nicht zerstört werden. Aufgrund der Nebenwirkungen, sollte die Anwendung aber möglichst kurzfristig erfolgen bzw. wenn möglich die Dosis reduziert werden.

NSAR = Nicht-steroidale Antirheumatika:
Dazu zählen z.B. Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Diese Medikamente wirken vor allem schmerzlindernd und werden zur Überbrückung eingesetzt bis die sogenannten Basistherapeutika ausreichend wirksam sind. Auch hier sollte wegen der Nebenwirkungen (z.B. Magen-Darm-Beschwerden, Blutdruckanstieg, Blutungskomplikationen) auf eine möglichst kurzfristige Anwendung geachtet werden. Obwohl diese Medikamente zum Teil freiverkäuflich und ohne Rezept erhältlich sind, wird von einer eigenmächtigen Einnahme ohne Absprache mit dem behandelnden Rheumatologen abgeraten.

BASISTHERAPETICA (= DMARDs):
Die sogenannten Basistherapeutika verringern die Gelenkzerstörung und reduzieren die Entzündungsaktivität langfristig. Sie bilden dementsprechend die Grundlage jeder Behandlung und sind auch für die Langzeittherapie geeignet. Da sie aber nicht sofort wirken, sondern meist erst nach ein paar Wochen oder Monaten, werden sie anfangs mit Kortison und/oder NSARs kombiniert. Neben den klassischen Basismedikamenten wie MTX, Leflunomid und Sulfasalazin, werden auch die ursprünglich als Antimalariamittel entwickelten Stoffe Chloroquin und Hydroxychloroquin eingesetzt. Azathioprin und Ciclosporin sind sogenannte Immunsuppressiva, die das Immunsystem herunter regulieren und somit die überschießende Immunreaktion bei rheumatischen Erkrankungen dämpft.

BIOLOGIKA/BIOSIMILARS:
Biologika sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, in der Regel Antikörper aus lebenden Zellkulturen, die gespritzt oder als Infusion verabreicht werden. Diese Medikamente sind gegen entzündungsfördernde Botenstoffe des Immunsystems gerichtet, fangen diese ab und reduzieren dadurch den Krankheitsprozess sowie die Entzündungsreaktionen. Biosimilars sind Nachahmerprodukte der Biologika, die kostengünstiger sind und zu dem Originalpräparat zwar ähnlich aber nicht identisch sind. Biologika wirken meist etwas schneller als die klassischen Basistherapeutika und sind ebenfalls für den langfristigen Gebrauch geeignet. Die Auswahl der entsprechenden Therapie erfolgt durch den Rheumatologen und wird für jeden Patienten individuell je nach Krankheitsaktivität und Lebenssituation ausgewählt.

Eine neue Medikamentengruppe wirkt ähnlich wie die Biologika und reduziert bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe im Immunsystem, die für die Gelenkzerstörung verantwortlich sind. Der Vorteil der beiden Wirkstoffe Baricitinib und Tofacitinib ist, dass sie im Gegensatz zu den Biologika nicht gespritzt, sondern als Tabletten eingenommen werden, weil es sich hierbei um besonders kleine Moleküle handelt.

EINE WAHRE GESCHICHTE VON TANJA: DIAGNOSE PSORIASIS-ARTHRITIS
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