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Experteninterview mit Dr. med. Katharina Ottes

Als Oberärztin in der Neurologischen Rehabilitation auf dem Campus UKE in Hamburg sieht Dr. med. Katharina Ottes jeden Tag, wie Patienten über sich hinauswachsen.


NIK e.V.:  
Welche Patienten kommen zu Ihnen? Wer sucht Sie auf?
 
Als Oberärztin für Neurologie im RehaCentrum Hamburg betreue ich – dank der zentralen Lage auf dem Campus der Uniklinik Eppendorf (UKE) – ein sehr vielfältiges Spektrum an neurologischen Patienten. Das macht große Freude, denn es bleibt immer spannend. Ob Multiple Sklerose, Schlaganfall, oder gar seltene Muskeldystrophien.
NIK e.V.: 
Wie bereitet sich der Patient auf den ersten Termin mit Ihnen vor?

Erfreulicherweise muss sich ein Patient überhaupt nicht vorbereiten. Manchmal werden Patienten direkt aus dem Krankenhaus in die Reha verlegt, manche kommen mit einer chronischen Erkrankung. Das Faszinierende ist doch: alle haben ein Ziel. Fit werden oder fit bleiben und das nicht nur körperlich, sondern auch mental! Und genau da, nämlich ganzheitlich, setzt die Reha an.

NIK e.V.:  Gibt es ein Netzwerk an Partnern, auf das Sie bei der Behandlung der Patienten zugreifen können?

Selbstverständlich, und das ist eine große Bereicherung. Ich bin sogar der festen Überzeugung, wenn wir uns berufs- und fachübergreifend austauschen können wir unglaublich viel von einander lernen und damit dem Patienten sinnvoller und effektiver helfen.

Es findet zum Beispiel regelmäßig die MS Visite mit Prof. Heesen aus der MS Ambulanz (UKE) im RehaCentrum statt. Gemeinsam mit Neuropsychologen, MS Schwestern und den Neurologen des RehaCentrum kann uns der Patient dann ganz individuell Fragen stellen, um neue Möglichkeiten für sich zu entdecken. Darüber hinaus biete ich eine Bewegungsanalyse an, wo der Patient mittels Videoaufnahme seine Gangstörung besser verstehen kann, einen persönlichen Trainingsplan bekommt und ganz individuell Hilfsmittel prüfen kann. Das wäre ohne die richtigen Hersteller, Techniker und das Sanitätshaus gar nicht möglich. Zudem lerne ich auf Kongressen spannende Menschen kennen, die mir dann bei speziellen Fragestellungen zu meinen Patienten weiterhelfen und Ihre Erfahrung mit mir teilen. Das ist unbezahlbar und einfach klasse.

NIK e.V.:  Erzählen Sie uns etwas die Vorteile über Hypnotherapie

Jede Therapie, die dem Patienten die Möglichkeit schenkt eine neue Perspektiven zu finden und sich selbst besser anzunehmen, ist ein Vorteil. Das kann für den einen Heavy Metal, für den anderen Sport und für den dritten mentales Training/Hypnose sein. Trance ist ein natürliches Phänomen, was einem erlaubt seinen Fokus nach innen zu richten und dort Ressourcen zu entdecken, die er im normalen „Wachzustand“ einfach nicht findet. Es ist ein bisschen wie mit einem Eisberg. Es heißt, nur 10% des Eisbergs erscheinen über dem Wasser. 90% sind verborgen. Jemandem Zugang zu seinen 90% zu ermöglichen, damit er herausfinden kann was genau er/sie gerade braucht, das ist spannend. Nicht nur für den Patienten. Bevor ich mit Hypnose gearbeitet habe waren Albert Schweitzers Worte für mich ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber langsam verstehe ich, was er meinen könnte wenn er sagt: „Das Beste was wir tun können, ist diesen Arzt, der im Inneren des Patienten wohnt, eine Gelegenheit zur Wirkung zu geben.“

NIK e.V.:  Haben Sie Tipps für Patienten wenn Heil- und Hilfmittel von Krankenkasse abgelehnt werden?

1.    Fordern Sie eine schriftliche Ablehnung mit einer detaillierten Begründung.

2.     Formlos innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen, sonst verfällt der Anspruch. Auf meiner Homepage www.neuroreha4you.de, oder auch im Internet finden Patienten kostenlos ein Musterformular.  Ausfüllen, ausdrucken, zusenden, fertig.

3.    Wenn dann erneut ein Widerspruch erfolgt, holt man sich am Besten Hilfe vom Arbeitskreis Gesundheit, oder man wird Mitglied beim Sozialverband (VdK). Die regeln dann alles für die Patienten ohne teure Anwaltskosten.

NIK e.V.:  Was schätzen Sie am Netzwerk Autoimmunerkrankter bzw. warum sind sie bei NIK e.V. dabei

Auch wenn die Versorgungspolitik das anders sehen mag, der Alltag ist doch der: wir brauchen gerade für den ambulanten Bereich mehr Unterstützung für unsere Patienten. Was bringt es Dir als Patient, wenn Du wochenlang im Krankenhaus oder der Reha warst, aber jetzt zuhause plötzlich unsicher bist und eine Frage schnell beantwortet haben willst. Wir sind im 21. Jahrhundert und was macht man da? Dr. Google und Social Media. Aber was, wenn Du nicht weißt wonach Du suchen sollst? Und was, wenn Du in Foren rumstöberst und das einzige Resultat ist, dass Du am Ende noch verunsicherter bist als am Anfang? In einem kompetenten Netzwerk wie NIK kann sich der Patient in Ruhe umsehen, um herauszufinden, wer am Besten die  Fragen beantworten könnte und sicher und fundiert weiterhilft.

NIK e.V.:  Was war Ihr bisher erfolgreichstes Erlebnis in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen?

Ehrlich gesagt: was ist das… wahrer Erfolg? Ich versuche es mal so zu formulieren: Es ist für mich ein Mensch, der sich – trotz aller unkontrollierbaren Hürden des Lebens – ein fröhliches Herz behält. Daher freue ich mich unglaublich, wenn ich einen Menschen begleiten kann, der sich selbst wieder ein Stück begegnet. Ein Stück annähert und nach langer Zeit vielleicht wieder lächelt über etwas, was er erreicht hat – gerade, weil er seine Angst überwunden hat und über sich hinaus gewachsen ist. Das ist für mich ein erfolgreiches Erlebnis.

NIK e.V.:  Für wie wichtig sehen Sie den Einsatz einer Nurse

Die MS Nurse stellt ein wichtiges Bindeglied dar. Von korrektem Umgang mit dem Spritzen bis zum Erlernen von Coping Strategien bei Fatigue und Krankheitsverarbeitung. Die Nurse kann – natürlich je nach Wunsch des Patienten – eine zentrale Rolle in der Begleitung einnehmen und genau deswegen ist sie ein nicht mehr wegzudenkender Team Player.

NIK e.V.:  Welche neuen MS-Therapiemöglichkeiten und Alltags-Rehatipps gibt es aktuell bzw. welche sind gerade im Trend?

2012 wurden die besten Empfehlungen rund um die Rehabilitation bei MS im Rahmen eines europäischen Netzwerks (EMPS) zusammengefasst (RIMS, 2012). Das zeigt, wie wichtig und vielseitig das Interesse im Umgang mit der Erkrankung ist. Die Autoren dieser Empfehlung gehen davon aus, dass 600.000 Menschen in Europa betroffen sind. Zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung liegen mal mehr, mal weniger Symptome vor, so dass klar wird, dass eine multimodale Rehabilitation so wichtig ist, wie eine medikamentöse Behandlung. Wenn ich Ihnen nur zwei  Sachen mitgeben könnte, wären es:

1. Machen Sie bitte weiterhin alles, wie zuvor, aber Tagesform abhängig.

2. Wundermittel Ausdauertraining: 3x30min/Woche Ausdauertraining im aeroben Bereich. Es ist ein unglaublich effektives Mittel gegen Fatigue. Zudem hat es positiven Einfluss auf die Stimmung, Schmerzen, Blasenfunktion, Herz- Kreislauf- System sowie Kognition. Sie trauen sich das nicht zu, weil Sie Angst haben, dass es Ihnen eher schlechter gehen könnte? Ich kenne viele Patienten mit diesen Sorgen, gerade wenn sie das erste Mal zur Reha kommen. Probieren Sie es doch einfach aus. Nutzen Sie den geschützten Rahmen einer Reha und die Hilfe von Profis, um genau in Ihrem Tempo wieder ein fröhlicheres Herz zu bekommen. Eine einfache Anleitung und Tricks zur Beantragung einer Reha finden sie unter www.neuroreha4you.de . Denn eines sehe ich jeden Tag: Es geht mehr, als man glaubt.

Dr. med. Katharina Ottes
Oberärztin Neurologische Rehabilitation I Fachärztin für Neurologie I Hypnotherapeutin (M.E.G.) I Bewegungsanalyse (O.G.I.G)

  • Schon mal eine Reha bei der Rentenversicherung, oder ihrem Neurologen/Hausarzt beantragt? Probieren Sie es einfach mal aus. Denn Sie auf Ihrem Weg zu mehr Lebensqualität zu begleiten liegt mir am Herzen.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass wir manchmal jemanden brauchen, der an uns glaubt und zwar genau dann, wenn man es selbst am wenigsten kann.
  • Sie möchten mehr erfahren? Besuchen Sie gerne meine beiden Homepages. Hier finden Sie neben meinem Werdegang faszinierende Möglichkeiten rund um die Reha, viel Motivation und wichtige Infos zur Bewegungsanalyse. Und noch spannender: Erfahren Sie, warum die Hypnotherapie eine unfassbar bereichernde Unterstützung für Sie sein könnte.

Kontakt
Dr. med. Katharina Ottes
Martinistraße 66
20246 Hamburg
Tel.: 040 25 30 63-0
E-Mail: smile@dr-ottes.de
Hompage: www.dr-ottes.de oder www.neuroreha4you.de

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