Dr. Peer Aries: Was ist Vaskulitis?

Was ist eine Vaskulitis?

 Eine Vaskulitis, auch als Gefäßentzündung bekannt, bezeichnet eine Entzündung der Blutgefäße. Es gibt verschiedene Arten von Vaskulitis, die sich je nach den betroffenen Gefäßarten und -größen unterscheiden. Die Ursachen der Vaskulitis sind oft unbekannt, aber es wird vermutet, dass sie durch eine Autoimmunreaktion verursacht wird, bei der das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe angreift und Entzündungen in den Gefäßwänden auslöst.  

Je nach Art der Vaskulitis kann sie sich auf verschiedene Körperbereiche und Organe auswirken. Zu den häufigen Symptomen gehören Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Hautausschläge, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Nervenschäden und Organschäden. Die Symptome können schwerwiegend sein und in einigen Fällen lebensbedrohlich sein.  

Die Behandlung der Vaskulitis hängt von der Schwere der Erkrankung und den betroffenen Organen ab. Die Therapie kann eine Kombination aus entzündungshemmenden Medikamenten, Immunsuppressiva und Steroiden umfassen, um die Entzündungen zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. In einigen Fällen kann eine Langzeitbehandlung erforderlich sein.  

Es ist wichtig, eine Vaskulitis so früh wie möglich zu diagnostizieren und zu behandeln, um eine Schädigung der betroffenen Organe zu verhindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Wenn du Symptome einer Vaskulitis bemerkst, solltest du einen Arzt aufsuchen, um eine Diagnose und Behandlung zu erhalten.  



Unser Immunsystem – Freund und Feind

Unser Immunsystem ist rund um die Uhr für uns im Einsatz. Zudem lernt es ständig neu dazu – eine Eigenschaft, die Impfungen wie z. B. gegen das Corona-Virus erst ermöglicht. Doch nicht immer funktioniert es fehlerfrei: Bei Autoimmunerkrankungen richtet es sich gegen den eigenen Körper. Um diese Erkrankungen besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in den Körper: Wie arbeitet die körpereigene Abwehr? Und was läuft bei einer Autoimmunerkrankung eigentlich schief?

Allzeit bereit

Das Immunsystem zählt zu den komplexesten Systemen in unserem Körper. Um uns vor Bakterien, Viren, Pilzen und Keimen zu schützen, arbeiten verschiedene Körpersysteme und Organe perfekt zusammen. Haut und Schleimhäute bilden die erste Schutzbarriere gegen krankmachende Eindringlinge. Lymphknoten und Lymphbahnen sammeln und transportieren Abwehrzellen (B-Zellen), die Antikörper bilden. Auch die Mandeln,
ebenso wie die Milz, enthalten Abwehrzellen. Das Knochenmark bildet vorrangig Vorstufen von Abwehrzellen und in der Thymusdrüse reifen T-Zellen aus


Insgesamt lassen sich drei Schutzbarrieren unterscheiden, die es Krankheitserregern schwer machen:

  1. Der erste Schutzwall besteht vor allem aus Haut, Härchen, Speichel, Tränen, Schleimhäuten und Magensäure. Mit Reflexen wie Niesen und Husten wehren wir den größten Teil der Eindringlinge schon an der Außengrenze ab.
  2. Hat doch ein Erreger den Schutzwall durchdrungen, eilt die schnelle Eingreiftruppe herbei: Die unspezifische Immunabwehr. Dazu gehören u. a. Fresszellen und Killerzellen, die alles angreifen, was fremd oder bedrohlich erscheint
  3. Kann das unspezifische Immunsystem den Erreger nicht allein vernichten, übernimmt das spezifische Immunsystem. Es bekämpft Erreger ganz gezielt und ist dadurch besonders effektiv. Diese Form der Abwehr muss jedoch erst durch Konfrontation mit verschiedenen Erregern erlernt werden, darum dauert sie etwas länger. Zum spezifischen Immunsystem gehören vor allem T-Lymphozyten, B-Lymphozyten und Antikörper.

Ein weiterer Vorteil: Nach einer spezifischen Immunreaktion bleiben sogenannte Gedächtniszellen zurück, die die Merkmale von Erregern speichern. Bei einer erneuten Infektion kann der Körper sofort die passenden Antikörper bilden und die Infektion abwehren. Auch Impfungen funktionieren nach diesem Prinzip.

Fehlgleitet: Was läuft schief bei Autoimmunerkrankungen?

Trotz intensiver Forschung ist noch nicht ausreichend geklärt, warum Autoimmunerkrankungen entstehen. Klar ist jedoch, dass dabei T-Lymphozyten eine zentrale Rolle spielen. Während der Kindheit werden sie im Thymus „geschult“ und lernen, zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe zu unterscheiden. Das Ergebnis bezeichnen Mediziner als Immuntoleranz. Bei Autoimmunerkrankungen ist diese Immuntoleranz fehlerhaft. Das führt dazu, dass T-Zellen in manchen Fällen nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden können. Irrtümlich erkennen sie körpereigene Strukturen als fremd und alarmieren B-Zellen, die dann Antikörper gegen eigene Körperstrukturen bilden. Dies kann zu anhaltenden Entzündungen und Gewebeschäden führen.

Beispiel rheumatoide Arthritis

Auch bei rheumatoider Arthritis (RA) wird das erworbene Immunsystem fälschlicherweise aktiviert. Fehlgesteuerte T-Zellen wandern in die Gelenke und greifen die Innenhaut der Gelenkkapsel (Synovialis) an. Es kommt zu einer Entzündung: Das Gelenk schwillt an, schmerzt und fühlt sich vor allem morgens steif an. Zugleich werden entzündungsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet. Sie sorgen dafür, dass der Entzündungsprozess in Gang gehalten wird.


Eine effektive Behandlung kann verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet und Gelenkstrukturen zerstört. Je früher und konsequenter behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, die Gelenke gesund zu erhalten und somit ein aktives Leben ohne Einschränkungen zu führen.

Tipps für ein starkes Immunsystem

Ergänzend zur medikamentösen Therapie empfehlen Experten, das eigene Immunsystem zu stärken.

  • Mit regelmäßiger Bewegung, besonders an der frischen Luft trainieren Sie Ihren Körper und Ihr Immunsystem.
  • Bauen Sie tägliche Auszeiten in Ihren Alltag ein. Denn Ihr Immunsystem arbeitet am besten, während Sie entspannen.
  • Wappnen Sie Ihr Immunsystem, indem Sie sich gegen Infektionserkrankungen impfen lassen.

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Meditation und Entspannung
Hygienetipps
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Dr. Howaldt: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Nachdem unsere CED-Woche und die Veranstaltung mit Dr. med. Stefanie Howaldt und Dr. med. Julian Holzhüter ein voller Erfolg waren hat sich Frau Dr. Howaldt netterweise bereit erklärt, die vielen noch offenen Fragen hier in diesem Blogbeitrag zu beantworten.

Dr. med. Stefanie Howaldt beantwortet Fragen zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen:Wie wirkt sich Behandlungsmethoden auf Autoimmunerkrankung aus?


Welche Werte und Vitamine sollten bei CED kontrolliert und wie oft?

Bei der Erstvorstellung sollte alle Vitamine mit Vitamine A, D, E, K, B12, B1, B6, Folsäure kontrolliert werden. Dann schauen wir, was fehlt und kontrollieren dann individuell. Auf jeden Fall sollte bei Morbus Crohn das Vitamin B12 kontrolliert werden.

Welche Impfungen sind als CED Patient wichtig?

Weil man nicht genau weiß, ob irgendwann eine Biologika Therapie eingeleitet wird, sollte man alle Lebendimpfungen machen: Also Masern Mumps und Röteln.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Colitis Ulceros und mentaler Gesundheit?

Die meisten Schübe werden durch negativen Stress ausgelöst, daher gibt es einen großen Zusammenhang. Außerdem macht die Erkrankung auch etwas mit einem, wenn man ständig das Haus nicht verlassen kann und immer nur die nächste Toilette sucht, immer müde und schlapp ist und am sozialen Leben fast gar nicht mehr teilnehmen kann.

Kann eine Urticaria auch von einer Colitis Ulceros kommen?

Nein

Was halten Sie von Schonkosternährung im mittelschweren Schub?

Die Schonkost sorgt dafür, dass es einem etwas besser geht. Sie hat aber meiner Meinung nach nichts ursächlich mit einer besseren Abheilung der Entzündung zu tun. Die Ärzte sind sich in dem Punkt sehr uneinig…

Ich habe Morbus Crohn und leider wurde auch bei meinem Sohn vor 4 Jahren mit 10 Jahren Morbus Crohn festgestellt. Er wird seitdem mit Remicarde behandelt… Was sagen Sie denn zum Thema Vererbung? Wie hoch das das Risiko, dass später auch die Enkelkinder Morbus Crohn bekommen?

Das Risiko ist nicht sehr hoch, es ist etwas erhöht, da aber auch ganz viele Umweltfaktoren nötig sind, damit ein Morbus Crohn ausgelöst wird, wäre das überhaupt kein Grund keine Kinder zu bekommen.

Kann Colitis Ulcerosa auch mit Gelenkschmerzen zusammen hängen?

Ja, da muss man genau schauen, ob es eine extraintestinale Manifestation ist oder eine Nebenwirkung von den TNF Alphaantikörpern oder eine eigenständige Erkrankung wie z. B. rheumatoide Arthritis.

Würden sie die Medikamente für Morbus Crohn in Remission auch absetzen, wenn unzählige Pseudopolypen vorhanden sind?

Pseudopolypen bedeuten nur, dass über eine lange Zeit die Entzündung im Darm gewesen ist. Die muss man nicht behandeln, man sollte sie aber sehr engmaschig überwachen, damit man keinen echten Polypen übersieht.

Kann eine CED oder Biologika Herz-Kreislauf-Beschwerden (Herzhythmusstörung) verursachen? Kardiologie ohne Befund.

Eher nicht.

Welche Begleiterkrankung außerhalb des Dünn-/Dickdarms gibt es bei Morbus Crohn?

Es gibt die extra intestinalen (also außerhalb des Magen-Darm-Traktes) Manifestationen. Diese sind Gelenkschmerzen, Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum und sehr, sehr selten auch Augenentzündungen wie Uveitis oder Iritis.

Wenn man einmal den kompletten Dickdarm aufgrund einer Colitis Ulcerosa entzündet hatte, diese sich dann zurückbildet, ist es dann bei jedem Schub wieder so, dass der ganze Dickdarm entzündet ist oder kann das bei jedem Schub unterschiedlich sein?

Das kann vollständig unterschiedlich sein.

Welches Probiotika empfehlen/geben sie?

VSL#3

Welche Schmerzmittel empfehlen sie bei Colitis Ulcerosa?

Auf jeden Fall kein Diclofenac oder Ibuprofen, das kann Schübe auslösen. Am besten geht immer noch Novaminsulfon oder Paracetamol.

Darf man bei Colitis Ulcerosa überhaupt noch Antibiotika nehmen?

Ja, aber am besten in enger Absprache mit einem CED Spezialisten. Metronidazol und Ciprofloxacin und Cefuroxim geht meistens gut, Penicilline auch. Doxycyclin sollte man vermeiden.

Wie erkläre ich meinem Partner das Stoma? Gibt es Einschränkungen?

Hier würde ich empfehlen, sich mit jemandem zusammen zu setzen, der schon ein Stoma hat und bereit ist, anderen Patienten und Angehörigen darüber zu berichten.

Ich habe seit 1 Jahr unregelmäßig Blut im Stuhl, oft ist aber auch alles gut, sollte ich direkt zu einem Gastroenterologen?

Man sollte auf jeden Fall einmal eine Darmspiegelung machen, um eine exakte Diagnose zu stellen.

Können sie Kollegen über NIK empfehlen? Meine Freundin lebt in Leipzig?
Danke für das tolle Zoom-Meeting. 

Ja, in Leipzig gibt es Prof. Ingolf Schielke. Das ist ein sehr guter CED Spezialist.

Vielen Dank für diese tolle Veranstaltung bei NIK e.V. Es war sehr informativ und sympathisch. Im Laufe des Gesprächs kamen sie auf Probiotika zu sprechen. Können Sie mir dazu nähere Informationen geben?

Siehe oben. VSL#3.

Ich war bereits bei Ihrem Team wegen wiederkehrender Proktitis in Behandlung und wurde mit Mesalazin behandelt, welches eine gute Wirkung zeigt, wenn ich es dauerhaft statt bei Bedarf anwende. Gern würde ich meinen Darm zusätzlich noch probiotisch stärken. Gerade vor einiger Zeit hatte ich nämlich wieder eine länger andauernde Entzündungsphase in diesem Bereich. Weiterhin nehme ich MTX 20 mg und Cymzia bei einer bestehenden Spondyloarthritis (nicht röntgologisch) und einem SLE.
Wenn Sie noch einen Tipp für die Übelkeit hätten, wäre ich ebenfalls sehr dankbar.

Wir geben normalerweise kein MTX weil es so viele Nebenwirkungen macht. Wenn man es denn unbedingt nehmen muss, machen wir es so, dass wir Tabletten geben und die Dosis aufteilen. In ihrem Falle wären das dann 2 x 10 mg Tabletten in der Woche.

Leaky Gut Syndrom, wird es automatisch eine CED?

Nein.

Wieso wird Cortison immer so schlimm angesehen und Biologika nicht? Cortison hat z.B. als schlimmste Nebenwirkungen meiner Meinung nach Nebenniereninsuffizienz oder Osteoporose, bei Biologika stehen diverse Krebsarten in den NW – das macht tierisch Angst. Ich hätte lieber Osteoporose als Krebs, zum Beispiel.

Biologika machen kein Krebs, das steht nur in den Beipackzettel drin, damit die Firmen sich absichern. Cortison kann auch zum Tode führen, es macht hohen Blutdruck, grünen Star, der Augenoperationen nach sich zieht, die Knochen brechen schnell, dadurch können multiple Komplikationen kommen. Weiterhin ist man massiv infektgefährdet, sepsis gefährdet, die Haut reißt irgendwann ein, ich kann gar nicht so viele schlimme Nebenwirkungen aufzählen, wie Cortison macht.



Infektionsschutz – mit der richtigen Hygiene

Können Sie Ihre Hände gerade nicht waschen oder desinfizieren, vermeiden Sie, sich ins Gesicht zu fassen. Haben Sie sich verletzt, können Sie mit einem Pflaster oder einem Verband verhindern, dass Keime in die Wunde eindringen.

Tipp: Mit einem kleinen Fläschchen Desinfektionsgel oder -tüchern für unterwegs können Sie Keime auf Ihren Händen und Oberflächen reduzieren.

Mitmenschen vor Ansteckung schützen

Ein umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten kann dazu beitragen, Ansteckungsgefahr zu minimieren und den Infektionskreislauf zu durchbrechen. Husten oder niesen Sie stets in Ihre Armbeuge oder ein Einmaltaschentuch und halten Sie im Krankheitsfall Abstand zu Ihren Mitmenschen.

Gesund sein – und bleiben

Auch im Haushalt kann eine gute Hygiene dazu beitragen, Sie und Ihre Familie vor Erkrankungen zu schützen. Putzen Sie Räume wie Bad und Küche gründlich und waschen Sie die verwendeten Tücher anschließend bei mindestens 60° C. Lebensmittel wie Obst und Gemüse sollten Sie gründlich abspülen und rohes Fleisch stets durchgaren. Regelmäßiges Lüften kann außerdem dazu beitragen, die Anzahl von Erregern in der Luft zu verringern. Vor allem in Zeiten von Homeoffice sorgt der Luftaustausch außerdem für frischen Wind in unseren Köpfen.

Hilfreiche Tipps zu einem hygienisch einwandfreien Verhalten in Ihrem Alltag finden Sie anschaulich und kompakt in der Hygiene-Broschüre von Biogen:

Interessante Informationen zum Thema chronisch-entzündliche Erkrankungen und Corona sowie weitere Tipps und Services – auch in Form von Broschüren zum Download – finden Sie auf www.MeinCarePlus.de. Biogen-104098

Am 5. Mai findet der Welthändehygienetag der Weltgesundheitsorganisation WHO statt. Er macht darauf aufmerksam, wie wichtig Handhygiene in Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen und im Alltag ist. Hände waschen, einseifen, desinfizieren – nicht nur in der Corona-Pandemie gehören Hygienemaßnahmen zu den wirksamsten Mitteln, um Erkrankungen vorzubeugen. Die folgenden Tipps ….
… für Ihren Alltag finden Sie auch anschaulich und kompakt in der Hygiene-Broschüre am Ende des Beitrags.

Schutz vor Viren und Bakterien

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Wir verfolgen Arlow Pieniak von Work It Training schon länger auf Instagram und sind so begeistert von seiner unermüdlichen Aufklärungsarbeit rund um Bewegungsmuster, das richtige Training, den Fettstoffwechsel und den Weg zu einem schmerzfreieren Leben dank den richtigen und nachhaltigen Übungen, dass wir ihn unglaublich gerne als Experte für unser Netzwerk gewinnen wollten. Wir freuen uns sehr, dass das jetzt geklappt hat und Arlow sich bereit erklärt hat, uns ein paar Fragen zu beantworten, die man sich häufig nach einer MS- oder Rheuma-Diagnose stellt.

Kann ich nie wieder Sport machen?

Nie wieder Sport ist gar keine Option! Wichtig ist, dass jeder für sich selber entscheidet, welche Sportart passend ist. Eventuell ist Laufen zu belastend für Gelenke oder Herz-Kreislauf-System. Aber dann funktioniert vielleicht Fahrrad fahren oder Körpergewichtsübungen. Kein Sport ist auf jeden Fall nicht die Lösung.

Wie kann ich fit für den Sportunterricht in der Schule werden? Ich habe Angst, nicht mehr daran teilnehmen zu können.

Hier ist wichtig, den Unterschied von Sport und Training zu verstehen. Sport ist willkürlich fast jede Art von Bewegung. Jede Krankheit, egal ob chronische, Autoimmunkrankheiten oder auch eine akute Krankheit führt zu Entzündungen im Körper. Bei chronischen oder Autoimmunerkrankungen sind sehr wahrscheinlich dauerhaft Entzündungen im Körper und dadurch die Muskulatur schlechter oder vielleicht sogar komplett inaktiv, was wiederum zu falschen Bewegungsmustern führt. Durch ein strukturiertes und gezieltes Krafttraining kann abgeschwächte oder inaktive Muskulatur wieder aufgebaut und Bewegungsmuster korrigiert werden. So besteht die Möglichkeit wieder fit genug für den Sportunterricht zu werden.

Kann ich mit Sport meinen Zustand verbessern?

Nein 😉 – Aber mit Training. Sport ist sehr ungezielt, natürlich kann man durch Sport sein Gemütszustand verbessern, weil man Freunde trifft, sich bewegt, an der frischen Luft ist usw. Wenn man allerdings seinen körperlichen Zustand verbessern will, dann geht das nur durch gezieltes aufeinander aufbauendes Training. Man muss sich überlegen, welche motorische Grundfähigkeit man verbessern möchte und diese dann gezielt trainieren.

Welche Erfahrung hast Du bereits mit Rheuma- und MS-Patienten gemacht?

Ich hatte schon sehr viele Kunden mit leichten rheumatischen Beschwerden, die fast alle minimiert wurden und manchmal sogar schmerzfrei wurden. Mit MS-Patienten habe ich auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Allerdings kann man leider gegen einen rapiden Leistungsabfall durch die Erkrankung auch nicht mit Training ankämpfen. Das ist sehr frustrierend, weil man nicht helfen kann. Allerdings selbst bei ganz rapid schlecht verlaufenden Verläufen, kann Training auch diesen Zustand angenehmer machen, weil die Muskeln langsamer degenerieren und auch die Patienten den Zustand durch das Training etwas in der Hintergrund rücken lassen.

Welchen Einfluss hat Sport auf mein Immunsystem? 

Der Einfluss von Sport auf dein Immunsystem ist aus verschiedenen Gründen großartig, Sport reduziert Stress, hebt die Laune, macht glücklich! Aber man kann das Immunsystem auch noch besser stärken, wo wir bei der nächsten Frage sind.

Wie kann ich mein Immunsystem stärken?

Auch hier wieder meine Lieblingsantwort; vor allem durch strukturiertes Training. Stress reduzierst Du durch jeglichen Sport wie z.B. lange Läufe. Die wiederum ist gut für dein Immunsystem. Durch Intervalltraining jedoch kann man das Immunsystem direkt stärken. Grundsätzlich ist es aber von Person zu Person unterschiedlich, wie das aussehen kann und natürlich auch von Krankheit zu Krankheit. Die Grundlage ist, dass man seine Herzfrequenz einmal ordentlich über eine normale/alltägliche Belastung bringt. Praktisch: 6x 30 Sekunden Belastung – 20 Sekunden Pause dazwischen. Übungen können sein: Hampelmänner, schnelle Kniebeuge, schnelle Schritte auf der Stelle, Luftboxen u.ä.

Was ist für Dich gute Ernährung und ein ausgewogenes Essverhalten? 

Der wichtigste Punkt ist: Iss Essen, was du magst! Denn wenn man Essen ist, was man nicht mag, dann wird es dein Körper auch nicht so gut verstoffwechseln. Der zweitwichtigste Punkt ist, dass man Insulinpausen einhält. Das bedeutet, dass man zwischen den Mahlzeiten keine Art von Zucker zu sich nehmen darf, da dass das Insulin wieder steigen lassen würde. Also entweder 3 Mahlzeiten am Tag und zwischen den Mahlzeiten Wasser und schwarzen Kaffee oder intermittierendes Fasten (zum Beispiel 16 Stunden Pause, 8 Stunden Essen). Wichtig ist, dass man auf jeden Fall eine Art der Pausen einhält. Zudem sollte man auf Zucker, Weizen und Alkohol so gut wie möglich verzichten. Als letzten Punkt, scheitert nach meiner Erfahrung nach ein ausgewogenes Essverhalten am Häufigsten: an gut ausgewogenen Fetten. Also achtet bei eurer Ernährung mit darauf.

Was kann ich tun, um stressbedingte Schmerzen zu reduzieren?

Stress reduzieren! Jeder Körper reagiert auf Stress mit Schmerzen. Also ist es an uns, an der Ursache zu arbeiten. Natürlich ist es leichter gesagt als getan. Stress kannst du aber ganz pragmatisch mit Entspannungstechniken reduzieren. Wichtig ist, dass du es schaffst, dein parasympathisches Nervensystem zu aktivieren. Dies kann dir durch Meditationen, Autogenes Training oder ähnliche Entspannungstechniken gelingen. Zudem reduziert Sport Stress, wie weiter oben im Interview schon erwähnt. Wichtig ist, dass du es schaffst, Pausen in deinem Alltag zu schaffen, dass dein Körper nicht immer unter maximaler Spannung steht.

Normalerweise empfangen Arlow und sein Team ihre Kunden für die individuellen längerfristig ausgelegten Personal Trainings in ihrem Hamburger Studio – mit ausführlicher Anamnese und intensiver Begleitung. Während des letzten Jahres machte die Corona-Not das Team erfinderisch. Work It Training hat neben Online Personal Trainings auch drei unglaublich informative Onlinekurse entwickelt: „Nie wieder Rücken“ und „Nie wieder Nacken“ für einen schmerzfreieren Alltag und „Endlich richtig Fett“ für alle, die ihren Fettstoffwechsel besser verstehen wollen.

Ihr könnt Euch in Zukunft auf weiteren informativen Input von Arlow und seinem Team freuen – hier bei uns auf der Website, auf Instagram und sicher in Zukunft auch mal bei einer digitalen Veranstaltung. Wir freuen uns über die Zusammenarbeit!



Hätten Sie’s gewusst? Tattoos bei Autoimmunerkrankungen – Go or no go?

Hätten Sie’s gewusst?
Tattoos bei Autoimmunerkrankungen – Go or no go?

Die Haut bei Autoimmunerkrankten ist besonders empfindlich und pflegeintensiv. Dennoch stellen sich viele Betroffene die Frage, ob sie sich nicht doch tätowieren lassen können. Welche Gefahren eine Tätowierung für Patienten mit Erkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis birgt und wie stark das Tattoo selbst von den Schüben betroffen sein kann, erfährst Du jetzt im Interview mit derma2go.

NIK: Wieso sollten sich Patienten, die an Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis leiden, besser keine Tattoos stechen lassen?

derma2go: Patienten mit Neurodermitis oder Psoriasis haben ein fehlreguliertes Immunsystem, welches Entzündungen an der Haut verursacht. Im Rahmen von Tätowierungen werden Farbstoffe in die Haut eingebracht, welche auch bei gesunden Patienten zumindest zeitweise eine Entzündungsreaktion der Haut im Sinne einer Abwehrfunktion auslösen. So kann beobachtet werden, dass bei Patienten mit Neurodermitis und Psoriasis deutlich stärkere bzw. länger anhaltende Entzündungen auftreten.

Hinzu kommt, dass Patienten mit Neurodermitis vermehrt an Allergien leiden. Die zum Tätowieren verwendeten Farbstoffe bergen die Gefahr allergischer Reaktionen – das Risiko ist bei Neurodermitis-Patienten erhöht. Interessanterweise ist das Risiko einer Allergie abhängig von der gewählte Tattoo-Farbe– so ist das Risiko bei rotem Farbstoff am größten. Schwarz wird am häufigsten tätowiert, führt aber eher selten zu schweren allergischen Reaktionen. Generell sind die meisten gängigen Inhaltsstoffe von Tattoofarben potentiell allergieauslösend und haben das Potenzial die Neurodermitis deutlich zu verschlimmern. Tritt eine allergische Reaktion auf ein Tattoo auf, bleibt im schlimmsten Fall nur eine Entfernung des Tattoos mit dem Laser oder Skalpell. Vorübergehend kann die Verwendung von Kortison-Cremes Linderung verschaffen.

NIK: Wie sieht es bei Patienten mit Psoriasis aus?

derma2go: Bei Patienten mit Psoriasis (=Schuppenflechte) spielt zusätzlich der sogenannte isomorphe Reizeffekt (sog. Köbner-Phänomen) eine wichtige Rolle. Durch mechanische Reizungen, eben auch Tätowierungen, kann im Bereich der Reizung eine Psoriasis lokal ausgelöst werden. Ein analoges Phänomen beobachten wir auch bei Verletzungen anderer Art.

NIK: Unter welchen Voraussetzungen könnte sich ein Patient mit Neurodermitis oder Psoriasis trotzdem tätowieren lassen?

derma2go: Wenn der Wunsch nach einem Tattoo stärker ist als die Sorge um potentielle Nebenwirkungen, sollte eine Vorbereitung dem Tattoo voraus gehen. Es sollte mit einem Hautarzt über diesen Wunsch gesprochen werden, um potentielle Nebenwirkungen individuell abzuklären. Wichtig ist auch eine Absprache mit dem Tätowierer und dass dieser bestenfalls bereits Erfahrungen im Umgang mit aufweisen kann. Man sollte mindestens sechs Monate symptomfrei sein und sich auf keinen Fall während eines aktiven Schubes tätowieren lassen. Idealerweise wird eine Hautstelle gewählt, die nicht von Schüben betroffen ist und somit weder vernarbt noch extrem trocken ist. Nach der Tätowierung gilt: Pflegen, pflegen, pflegen. Sollte es zu Nebenwirkungen kommen, ist unverzüglich ein Hautarzt aufzusuchen.

Wir raten Betroffenen mit Neurodermitis oder Psoriasis davon ab, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Wer sich dennoch von einem erfahrenen Experten der entzündlichen Hauterkrankungen beraten lassen möchte, kann jederzeit unsere Ärzte kontaktieren.

Nik stellt vor: Leben mit Neurodermitis Blog

In dem Blog „Leben mit Neurodermitis„, den wir Ihnen heute vorstellen möchten, berichten andere Betroffene regelmäßig über ihr Leben und den Alltag mit Neurodermitis. In spannenden Beiträgen, Videos und Podcasts erhalten Sie regelmäßig authentische Einblicke in das was Menschen mit Neurodermitis bewegt. Eine der sechs Blogger ist Laura Grube, die Sie bereits vor ein paar Tagen in unserer Mut-Mach-Geschichte kennenlernen konnten.

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Neurodermitis. Neurodermitis ist außerdem die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter. Etwa jedes sechste bis zwölfte Kind hat Neurodermitis oder atopische Dermatitis. Häufig nehmen die Symptome mit zunehmendem Alter ab.

Beim Umgang mit Neurodermitis ist eines sehr wichtig: das Akzeptieren und das Lernen, mit der Erkrankung und all ihren Tücken umzugehen. Wer über die Erkrankung, deren Entstehung, und Behandlungsmöglichkeiten Bescheid weiß, kann Ängste und Unsicherheiten aus dem Weg räumen. Dies führt zu einem selbstbewussten und situationsangepassten Umgang mit sich selbst und mit Außenstehenden. Wichtige Anlaufstellen für Informationen sind der behandelnde Dermatologe und Patientenschulungen, deren Kosten von manchen Krankenkassen übernommen werden.

Ihr Arzt ist der Experte, wenn es um die medizinische Behandlung geht, aber Sie sind der Experte, wenn es um Sie geht. Es gibt keine Standardtherapie für alle Neurodermitis-Patienten. Jeder Patient muss individuell behandelt werden. Berichten Sie Ihrem Arzt, wie Sie Ihre Krankheit erleben, dann können Sie mit ihm zusammen das beste Konzept für Ihre Behandlung finden. So werden Sie das Gefühl haben, Ihre Neurodermitis besser im Griff zu haben. Eine gute Kommunikation mit Ihrem Arzt kann sich sogar positiv auf Ihre Gesundheit auswirken. Dafür ist eine gute Vorbereitung auf Ihr Arztgespräch sehr hilfreich.

Einfluss von Vitamin D auf Autoimmunerkrankte

Es wird vermutet, dass 85 Prozent aller Deutschen unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Da ist ein unglaublich hoher Wert. Ist der tatsächlich realistisch?

Ich habe selber tatsächlich nicht nachgezählt, aber es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der deutschen Bevölkerung einen Mangel an Vitamin D hat. Ein Vitamin-D-Mangel hängt aber immer auch von der verwendeten Definition ab. Eine amerikanische Gesundheitsstudie hat herausgefunden, dass 41,6 Prozent der Teilnehmer, die über 20 Jahre alt waren, einen deutlichen Vitamin-D-Mangel hatten. Ihr 25-Hydroxivitamin D-Wert lag im Durchschnitt bei unter 20 ng/mL, wobei ein normaler Wert bei 20 ng/mL oder höher liegen sollte. Darüber hinaus haben Analysen gezeigt, dass Menschen vor allem dann einen niedrigen Vitamin D-Spiegel haben, wenn sie einer nicht-weißen Population angehören, keine Hochschule besucht haben, fettleibig und von schlechter Gesundheit sind, einen niedrigem HDL-Cholesterin (High-Density-Lipoprotein)-Cholesterin haben und nicht tägliche Milch trinken. Während die Definition des Vitamin-D-Mangels momentan noch nicht geklärt ist, sind sich alle Experten einig: Ein zu niedriger Vitamin D-Wert ist schlecht für den Knochenstoffwechsel.

Bei Autoimmunerkrankten wird sogar vermutet, dass die Krankheit direkt an den Vitamin-D-Mangel gekoppelt ist. Ist da was dran?

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei vielen Prozessen im Körper, vor allem bei der Gesundheit der Knochen. Der Zusammenhang zwischen einem schlechten Vitamin-D-Status und Autoimmunkrankheiten oder Infektionen beim Menschen bleibt jedoch zurzeit unklar. Die aktive Form von Vitamin D kann die Aktivierung eines Teils des Immunsystems reduzieren. Daher könnte ein Vitamin-D-Mangel theoretisch das Risiko von Autoimmunerkrankungen erhöhen, was in Tiermodellen berichtet wurde. Beobachtungsstudien am Menschen deuten auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Typ-1-Diabetes, Multipler Sklerose und entzündlichen Darmerkrankungen hin.

Kann im Umkehrschluss sogar gesagt werden, dass hoch dosiertes Vitamin D die Autoimmunerkrankung eindämmen kann?

Nein, das kann leider noch nicht gesagt werden. Die bisher vorliegenden Studien zu Vitamin D als Therapie für Autoimmunerkrankungen waren leider nicht sehr erfolgreich. Es ist definitiv zu früh, das Vitamin D als wichtigen Teil der Therapie von Autoimmunerkrankungen zu bezeichnen. Auf der anderen Seite ist Vitamin D besonders wichtig für eine Begleitung einer Cortisontherapie. So oder so bekommen deshalb viele unserer Patienten bereits jetzt parallel zur Immunsuppression auch eine Vitamin D Therapie.

Sonnenlicht füllt ganz natürlich unsere Vitamin D Speicher im Körper auf. Reicht es in den Sommermonaten aus, das Sonnenlicht zu genießen?

Leider reicht das Vitamin D aus dem Sonnenlicht nicht aus, denn viele Patienten mit Autoimmunerkrankung meiden das Sonnenlicht, da Medikamente wie Cortison z.B. eine Lichtempfindlichkeit der Haut verursacht. Und selbst wenn man regelmäßig in die Sonne gehen würde, ist in unseren Breitengraten durch das Tragen der Kleidung häufig die Haut derartig bedeckt, dass die Sonnen-UV-Strahlen gar nicht bis an die Haut herankommen. Und würden die UV-Strahlen die Haut erreichen, wäre die Entfernung zur Sonne in Nordeuropa nicht selten zu groß, als dass sie eine ausreichende Vitamin-D Produktion anregen könnte.

Was für einen Vitamin D Wert sollte ein gesunder Mensch idealerweise haben?

Wir empfehlen eine Serumkonzentration 25(OH)D zwischen 20 und 40 ng/mL (50 bis 100 nmol/L)

Ist dieser Idealwert bei Autoimmunerkrankten der gleiche oder benötigen Patienten mehr Vitamin D?

Es gibt diesbezüglich keine Empfehlung. Jedoch bezogen auf die Häufig begleitende Cortisontherapie ist jedoch ein deutlich im normalen liegender Vitamin-D-Spiegel sicherlich anzustreben.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einer Covid-19 Erkrankung?

Während der COVID-19-Pandemie besteht ein wachsendes Interesse an einer Vitamin-D-Therapie. Berichten zufolge sind die Serum Vitamin-D-Spiegel bei kritisch kranken Patienten (Intensivstation) niedriger als bei Patienten auf der allgemeinmedizinischen Station. Obwohl kleine Beobachtungsstudien über einem Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und den COVID-19-Fällen berichten, wird dieser Zusammenhang durch gemeinsame Risikofaktoren sowohl für Vitamin-D-Mangel als auch für SARS-CoV-2 (z.B. Übergewicht) verfälscht. Größere Beobachtungsstudien liefern uneinheitliche Ergebnisse.

Es gibt somit keinen eindeutigen Beweis dafür, dass eine Vitamin-D-Therapie das Risiko oder den Schweregrad von COVID-19 verringert.

Welche Ursachen gibt es für eine Vitamin-D-Mangel?

Ursachen für einen Vitamin-D-Mangel können sein: Eine verminderte Aufnahme, eine verminderte Sonneneinstrahlung, ein erhöhter Leberstoffwechsel, eine verminderte eigene Produktion (in der Leber oder in der Niere) oder eine Art „Resistenz“ der Organe gegen Vitamin D.

Was soll noch weiter untersucht werden, wenn ein Vitamin-D-Mangel besteht?

Die Mehrheit der gesunden Erwachsenen mit Serum 25(OH)D im Bereich von 12 bis 20 ng/mL (30 bis 50 nmol/L) benötigt keine zusätzliche Diagnostik. Bei Patienten mit Serum 25(OH)D-Spiegeln <12 ng/mL besteht ein Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose. Bei solchen Patienten messen wir Serumkalzium, Phosphor, alkalische Phosphatase, Parathormon (PTH), Elektrolyte, Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN), Kreatinin und Gewebetransglutaminase-Antikörper (zur Beurteilung der Zöliakie).

Wie kann ein Vitamin-D-Mangel beseitigt werden?

Für Hochrisikopatienten mit Serumspiegeln von 25(OH)D <20 ng/mL (50 nmol/L) empfehlen wir eine Vitamin-D-Substitution.

Bei Patienten mit Serum 25(OH)D <12 ng/mL (30 nmol/L) ist ein üblicher Ansatz die Behandlung mit 50.000 internationalen Einheiten (1250 Mikrogramm) Vitamin D3 oral einmal pro Woche über sechs bis acht Wochen und danach täglich 800 internationalen Einheiten (20 Mikrogramm) Vitamin D3.

Bei Personen mit Serum 25(OH)D-Spiegeln im Bereich von 12 bis 20 ng/mL (30 bis 50 nmol/L) ergänzen viele Ärzte zunächst mit 800 bis 1000 internationalen Einheiten (20 bis 25 Mikrogramm) täglich.

Personen mit Serum 25(OH)D-Spiegeln von 20 bis 30 ng/mL (50 bis 75 nmol/L), kann eine anfängliche Supplementation mit 600 bis 800 internationalen Einheiten (15 bis 20 Mikrogramm) Vitamin D3 täglich ausreichend sein, um die Spiegel im Zielbereich zu halten.

Follow-up 25(OH)D-Messungen sollten etwa drei bis vier Monate nach Beginn der Erhaltungstherapie durchgeführt werden, um zu bestätigen, dass der Zielwert erreicht wurde.

Alle Patienten sollten eine tägliche Gesamtkalziumzufuhr (Ernährung plus Nahrungsergänzungsmittel) von 1000 mg (im Alter von 19 bis 70 Jahren) bis 1200 mg (für Frauen im Alter von 51 bis 70 Jahren und alle Erwachsenen ab 71 Jahren) einhalten. Dieses wäre am besten über die Ernährung, bei Laktose freier Kost jedoch gegebenenfalls auch in Tablettenform möglich.

Vitamin D kann auch ohne Rezept bezogen werden. Ist eine prophylaktische Einnahme ratsam?

Vitamin D kann man auch ohne Rezept erwerben. Eine prophylaktische Einnahme würden wir nicht empfehlen.





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Das Uhthoff Phänomen der MS-Patienten

Die meisten MS Patienten kennen das Uhthoff-Phänomen. Wenn die Körpertemperatur durch Sport, Fieber oder heißes Wetter ansteigt, kann es vorübergehend zu Verschlechterung der MS-Symptome kommen. Beispielsweise können Fatigue, Sehstörungen und Spastik zunehmen. Wichtig zu wissen ist, dass durch die Hitze ein Pseudoschub ausgelöst werden kann und die damit verbundene Verschlechterung der Symptome nur vorübergehend ist. Wenn die Körpertemperatur sinkt, gehen auch die Symptome zurück. Die Pseudoschübe verunsichern oft Neubetroffene. Es gibt viele Möglichkeiten um die Uhthoff-Symptomatik zu lindern Kühlkleidung kann sehr hilfreich sein, um die Körpertemperatur zu senken. Es gibt unter anderem Kühlwesten, Kühl T-Shirts oder Manschetten für die Handgelenke, neuerdings auch ein Kühlmundschutz. Die Kühlkleidung bleibt je nach Marke und Qualität bis zu 20 Std kühl, natürlich auch abhängig von der Außentemperatur. Kühlkleidung wird leider nicht von der Krankenkasse übernommen bzw. bezuschusst. Manchmal übernimmt die Rentenversicherung die Kosten, wenn zuvor ein Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben gestellt wurde. Es gibt auch Stiftungen, bei denen man einen Zuschuss beantragen kann. Einige MS-Stammtische/-Selbsthilfegruppen machen Sammelbestellungen.

Weitere Möglichkeiten dem Uhthoff Phänomen selbst entgegenzuwirken, sind kalte Getränke und ein kaltes Hand-/Fußbad nehmen. Zudem sollte man die Mittagshitze meiden und sich in kühle, klimatisierte Räume zurückziehen.

Wichtig: Wenn ihr unsicher seid, ob es vielleicht nicht doch ein Schub sein könnte, sprecht unbedingt mit eurem Neurologen.

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Die Angst, die uns als MS Patienten begleitet – Dipl.-Psych.Till Niewisch

Ich bin Till Niewisch. Ich bin psychologischer Psychotherapeut und seit mehr als 30 Jahren niedergelassen in Hamburg. 

Ich habe von Anfang an mit chronisch Kranken gearbeitet, bisher geschätzt 700 Patienten. Etwa ein Drittel davon waren MS- Betroffene, die übrigen litten vor allem an CED und Krebserkrankungen. Erstmal erscheint diese Zahl nicht besonders hoch, aber da Behandlungen bis zu hundert Stunden umfassen, verbergen sich hinter diesen Ziffern zehntausende von Einzelbegegnungen. 

Und vorausgeschickt sei: Psychotherapie ist eine sehr diskrete Angelegenheit, deswegen bleibe ich in den Schilderungen zurückhaltend. Mein Alltag ist das Zwiegespräch, der Dialog.

Was ist überhaupt Angst?

Angst ist eine von 44 unterscheidbaren Emotionen des Menschen, die der animalischen Seite in uns am nächsten ist. Angst ist die existenziellste und belastendste von allen Emotionen. Man kann sie nicht weg reden. Angst ist in ihren Auswirkungen komplett biologisch, wir empfinden sie zentral. Am unangenehmsten, vor allem wenn sie sich zur Panik steigert, erleben wir sie in unseren vitalsten Zentren, zwischen Hals, Herz und Oberbauch.

Angst ist die einzige Emotion, die den Betroffenen töten kann. Man kann buchstäblich vor Angst durchdrehen oder sterben. Für unsere Vorfahren war Angst ein Warnsignal, auf das sie je nachdem mit a) Flucht, b) Kampf oder c) Duldungsstarre reagieren konnten. Angst war also biologisch gesehen ein wichtiger, positiver, emotionaler Schutz. Das gilt noch heute. Wir kennen Angst auch in Beziehungen zu anderen Menschen. Dann kann sie dem Schutz vor Schädigung oder Bedrohung dienen. Das mag eine Bande von kettenschwingenden Skinheads sein, es kann aber auch der eigene Partner sein. Angst gibt es sogar ohne Gegenüber, wenn wir uns fragen: Habe ich mich daneben benommen? Habe ich etwas Falsches gesagt? Oh Gott, wenn das rauskommt! Das ist die Angst vor eigenen strafenden, rächenden inneren Instanzen, meist mit Zweifeln und Grübeln verbunden. Es ist die Angst bei der Verarbeitung.

Angst kann also hilfreich sein und uns schützen, vor allem in ihrer akuten Form, wenn sie als Weckruf dient. Wenn sie sich allerdings dauerhaft einrichtet und zur Leitlinie unseres Verhaltens wird, wird es problematisch. Angst führt dann zu Rückzug und genereller Ängstlichkeit. Sie schadet uns. Angst ist vielschichtig und hat viele Gesichter. Mit ihr zu leben, ist schon ein sportlicher Anspruch.

Was selbstverständlich Angst macht, ist die Diagnose einer chronischen Erkrankung wie multipler Sklerose. Und erst recht das Leben damit. Was uns dabei begegnet, ist massiver negativer Stress, bei dem sich die Impulse Kampf, Flucht oder Duldungsstarre gegenseitig behindern und lähmen. Das Vertrauen in die Folgerichtigkeit der Welt ist erst mal dahin. Das ist ein für mich sehr wichtiger Gedanke, da wir alle – unterschiedslos – Vertrauen in die Richtigkeit der Welt brauchen. Wir sind nämlich nur für eine ziemlich kleine Welt gemacht, und wir brauchen Vertrauen darauf, dass sie funktioniert, sowohl in unserem überschaubaren Bereich als auch anderen Orts. Dass wir Resonanz erzeugen können und dass dann etwas zurückkommt, was wir verstehen. Nach der Diagnose einer chronischen Erkrankung gelten diese bisherigen Sicherheiten nicht mehr. Was sonst immer funktioniert hat, funktioniert nicht länger. An seine Stelle tritt die Kernüberzeugung: Ich bin nicht mehr intakt.

Jeder weiß es, ich sage es aber noch einmal: Mit der Diagnose einer chronischen Erkrankung beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Ab jetzt ist man im Dauerzustand angespannt und alarmiert, vergleichbar mit der Wirkung terroristischer Anschläge, die auch eine generelle Angst erzeugen. Unerbittliche Fragen treten auf: Wie werde ich damit fertig, nicht mehr intakt zu sein? Bis an mein Lebensende? Wie werde ich mich körperlich verändern? Wie sehe ich dann aus? Was ist mit Geld und Versorgung? Gibt es noch Sicherheit?

Typische Sorgen, die ich in den ersten Gesprächen nach einer Diagnose höre, sind: „Auf einmal erscheint mir alles unberechenbar!“ „Ich habe mich immer stark gesehen. Jetzt bin ich mit einer absolut fremden Schwäche konfrontiert.“ „Eigentlich möchte ich nur aufgeben, aber das darf ich nicht.“ „Habe ich mein Leben noch in der Hand?“ „Werde ich jetzt abhängig von Maschinen, Medizin, fremden Menschen?“ „Wem kann ich, wem soll ich denn eigentlich jetzt noch vertrauen?“ Das ist so, das sollte man nicht verniedlichen, es ist schwer.

Was machen Betroffene, wenn sie aus der Balance gekommen sind, wie das Bild zeigt? Beim Versuch der Angstbewältigung stützt man sich zunächst auf die aus der eigenen Alltagserfahrung gewonnenen Bordmittel: Arzt, Internet-Recherche, Foren, Gespräche mit der Familie, mit Freunden, mit anderen Patienten. Aber auch Rückzug, Beruhigungstabletten, Ablenkung durch Reisen, die Parkbank, ein Tagebuch. Wie schon gesagt, wir sind nur für eine überschaubare Welt, in der wir uns auskennen, gemacht. Die Möglichkeiten der grenzenlosen Information überfordern uns völlig, im Denken und emotional. Die Informationsgesellschaft hat die Beschränkungen von Ort und Zeit für uns eingerissen, sie setzt sich über die Grenzen unseres Körpers hinweg. Emotional und kognitiv sind wir kaum in der Lage, zu verarbeiten, was wir alles wissen, sehen und erfahren.

Was bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht. Vor diesem Hintergrund kann der Einsatz der oben genannten Bordmittel hilfreich sein, häufig aber wird er als nicht ausreichend erlebt. Die Krankheit nämlich räumt mit allen Illusionen auf, schlägt unerbittlich mit dem nächsten Schub zu. Alles hat wieder mal nichts genützt. Viele meiner Patienten standen bei Therapiebeginn genau an diesem Punkt. Was hat sich als hilfreich erwiesen, wie können Krankheitsbewältigung und Umgang mit Angst besser funktionieren?

MS ist ein Drama. Das muss in voller Wucht ausgehalten werden, statt sich zu verstecken, sich zu betäuben oder zu leugnen. Zur Bewältigung von Krankheit aber ist eine Entdramatisierung notwendig: Geschwindigkeit herausnehmen, Druck abbauen und im eigenen Rhythmus wieder Tritt fassen. 

Lassen Sie mich hier zugespitzt 5 vorausstellen: Mein Konzept ist ein Konzept des Kampfes, und zwar in drei Schritten. Ich beginne mit einem Beispiel: Patient B. kommt mit frischer Diagnose, ein relativ später Beginn der Erkrankung, ein kräftiger Mittvierziger, dem bisher alles gelungen ist. Selbständig als Handwerker, bei der Kammer als Ausbilder geschätzt. Herr B. ist immer sportlich gewesen, gepflegt, kräftig und energisch. Er wirkt bedrückt, fassungslos, unkonzentriert, versteht sich selbst nicht mehr. Die Möglichkeit, den Betrieb weiter zu führen, ist nicht mehr gegeben. Da seine Feinmotorik versagt, kann er auch nicht mehr als Anleiter tätig sein, es zeichnet sich eine Berufsunfähigkeit ab, die erst einmal durch nichts abgesichert erscheint. Angst vor der Zukunft erscheint fast körperlich fassbar. 

In den ersten Sitzungen geht es zunächst darum, Ruhe ins Spiel zu bringen und eine gewisse Distanz herzustellen. Man muss nicht nur reden, man muss sprechen. Langsam gelingt es, eine unaufgeregte, fortgesetzte Kommunikation herzustellen. Es kommt zum Nachdenken, zur Entwirrung. Mit diesem Patienten ist es bis heute – nach zwei Jahren Behandlung – immer noch sehr schwer, ein ruhiges und beruhigendes Gespräch zu führen; die Fassungslosigkeit und die Angst sind auch heute noch greifbar.

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