Interview mit Dr. Aries: Ist Rheuma vererbbar?

Welche Risikofaktoren gibt es eine Autoimmunerkrankung zu bekommen?

Neben dem genetischen Risiko, das man vererbt bekommt, gibt es noch zahlreiche andere Risiken, die zu der Entstehung einer Autoimmunerkrankung führen können. Dazu gehören unter anderem Infektionen, Umweltfaktoren und Lifestylefaktoren. Alle diese Faktoren haben in unterschiedlichen Ausmaße Einfluss auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen, wobei man für jeden einzelnen Patienten und jede einzelne Erkrankung das Ausmaß des Einflusses nicht quantifizieren kann.

Kann man es prüfen, ob man eine genetische Disposition hat?

Es gibt eine Vielzahl von Genen, die mit bestimmten Autoimmunerkrankungen wie der Psoriasis, der MS oder entzündlich rheumatische Erkrankung assoziiert sind. Eine Testung dieser vielen Gene ist jedoch im im praktischen Alltag nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Fast keines dieser Gene gibt einen tatsächlich Auskunft darüber, wie wahrscheinlich es ist, eine Autoimmunerkrankung im weiteren Verlauf zu bekommen. Assoziation bedeutet lediglich, dieses Gen kommt bei dieser Erkrankung häufiger vor, hilft dann aber nicht bei der Diagnosestellung, bei der neben diesem einen Gen noch viele andere Gene, die Kombination von Genen oder einer von den anderen oben genannten Faktoren eine Rolle spielen.

Was kann man präventiv tun, wenn man weiß, man hat eine genetische Disposition?

Eine gesunde Lebensweise ist sicherlich so oder so sinnvoll. Egal ob man eine genetische Veranlagung für bestimmte Erkrankungen hat oder nicht: Eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensgestaltung sind in jeder Hinsicht sinnvoll. Auch wenn die Auswirkung davon ebenfalls nicht quantifiziert werden kann, so ist z. B. der Verzicht auf Nikotinkonsum, nur geringe Mengen von Alkohol, viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung genauso sinnvoll wie negativen Stress zu reduzieren. Dieses hat nicht nur Auswirkung auf die Autoimmunerkrankung sondern natürlich auch auf das sonstige Wohlbefinden, die kardiovaskulären Erkrankungen und die psychische Gesundheit.
Was spielt eine größere Rolle eine Autoimmunerkrankung zu bekommen – der Lebensstil oder die Gene?
Das ist tatsächlich nicht zu quantifizieren. Dadurch, dass fast keine der Erkrankung nur durch einen der Faktoren hervorgerufen wird, sondern es sich um multifaktorielle Erkrankungen handelt, kann man das Risiko nicht quantifizieren. Zudem ist auch nicht bekannt wie viele dieser Faktoren zu welchem Maße bestehen müssen, damit eine Erkrankung entsteht.

Kinderwunsch: Mein Mann und ich haben beide Rheuma – Ist es ein großes Risiko für unser Kind oder kann man es schon im Mutterleib testen?

Weder eine Testung vor der Geburt noch nach der Geburt wird heutzutage empfohlen, da es keine Möglichkeit gibt, das konkrete Risiko zu berechnen. Viele Eltern fragen, ob sie nicht bei den Kindern schon eine genetische Untersuchung machen sollten, die Antwort sollte immer sein: Nein. Ohne eine klinische Symptomatik oder einen konkreten Verdacht der vorliegenden Autoimmunerkrankung ist eine genetische Diagnostik definitiv nicht zu empfehlen. Selbst wenn man die Möglichkeit hätte, das konkrete Risiko zu berechnen, wäre es heutzutage keine Möglichkeit, eine präventive Therapie den Menschen zu empfehlen. Es bleibt dabei, sollten die Eltern Autoimmunerkrankungen haben, dann sollten die Kinder nur dann im Hinblick auf diese Autoimmunerkrankung dem Arzt vorgestellt werden, wenn eine klinische Symptomatik vermutet wird.

Nik stellt vor: Dr. Peer M. Aries – Rheumatologe

Einer unserer Experten der ersten Stunde: Der Rheumatologe Dr. Peer Aries unterstützt NiK e.V. schon von Anfang an mit wertvollem Input. Ob in diversen Interviews zum Thema Rheuma, Corona oder als Experte in unseren digitalen Patientenveranstaltungen – er steht NiK und allen Betroffenen immer mit Tipps und Ratschlägen auf neuestem wissenschaftlichen und medizinischen Stand zur Seite.

Der in Hamburg geborene und heute wieder in der Hansestadt praktizierende Internist, Rheumatologie und Immunologe, Dr. Peer Aries ist Hamburger Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Rheumatologen, wurde im Jahr 2020 erneut als einer der Top-Mediziner von FOCUS-Gesundheit gelistet.

Zusätzlich sind Herr Dr. Aries und zwei seiner Kollegen auch Fachärzte für Immunologie. Um noch mehr von Dr. Aries zu erfahren, haben wir ihm ein paar Fragen zu sich und seiner Arbeit gestellt.

Welchen Schwerpunkt legen Sie in Ihrer Behandlung?

Ich glaube für alle unsere Mitarbeiter behaupten zu können, dass wir eine sehr persönliche Betreuung unserer Patienten anbieten. Wir haben die Möglichkeit, die Patienten dort abzuholen, wo sie zum jetzigen Zeitpunkt stehen und können Ihnen eine bedarfsgerechte Therapie anbieten. Dabei geht es uns nicht nur um die Suche nach neuen Medikamenten, sondern es geht uns insbesondere auch darum, dass unsere Patienten über ihre eigene Erkrankung Bescheid wissen und unsere Therapiekonzepte verstehen. Meistens entscheiden wir mit dem Patienten gemeinsam über das weitere Vorgehen, wobei wir mit unserer Erfahrung und Kompetenz dem Patienten aufzeigen, was ein sinnvoller Weg bezüglich der Diagnostik und Therapie sein könnte. Letztendlich entscheidet aber der Patient, ob er unserer Empfehlung folgen möchte.

Würden Sie sagen, in den letzten Jahren hat sich das Feld der Rheumatologie verändert? Wenn ja, wohin?


Das Feld der Rheumatologie hat sich insofern verändert, als dass wir aufgrund der neuen Möglichkeiten bei der Diagnostik und der Therapie zunehmend mehr als Immunologen arbeiten und uns von den reinen entzündlichen Gelenkerkrankungen entfernt haben. Früher war es so, dass entzündlich rheumatische Erkrankte, die mehr als nur Gelenksentzündungen aufwiesen, stationär aufgenommen werden mussten. Heutzutage kann jeder niedergelassene Rheumatologe auch komplexe entzündliche Systemerkrankungen betreuen, sodass deutlich weniger stationäre Krankenhausaufenthalte notwendig sind.

Was machen Sie, um dieser Veränderung auch in der Praxis Rechnung zu tragen?

Durch die Ansiedlung in einem Fachärztezentrum können wir auf eine geteilte Kompetenz auch von den anderen Fachrichtungen zurückgreifen. Zeitnahe Termine in der Lungenabteilung, Röntgenabteilung, bei den Kollegen der Hämatologie, und der Nephrologie ermöglichen uns eine ambulante bereit aufgestellte Diagnostik und Therapie.

Wie gut lässt ich Rheuma heute behandeln?

Im Gegensatz zu früher, wo wir uns mit Medikamenten beschäftigt haben, die das Rheuma nur etwas erträglicher gemacht haben, haben wir heute den Ehrgeiz, die entzündlich rheumatische Erkrankung komplett zu stoppen. Wir sprechen zwar immer noch nicht von Heilung, wir haben aber durchaus für die meisten Patienten die Möglichkeit, die Krankheit komplett unter Kontrolle zu bringen. Dass ist das Ziel eines jeden Rheumatologen aktuell.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Die Entwicklung der medikamentösen Therapien in den letzten 20 Jahren war berauschend. Wir werden in der kommenden Zeit weitere Therapien und Therapiekonzepte bekommen. Ich gehe weniger davon aus, dass wir ein Medikament für alle Patienten finden, wir werden aber zunehmend individuelle Therapieoptionen für jeden einzelnen Patienten finden. Dabei ist es wichtig, die Krankheiten besser zu verstehen und zu suchen, welcher Mechanismus tatsächlich zu der Erkrankung geführt hat.

Worüber schlagen Sie heute noch die Hände über dem Kopf zusammen, wenn es ums Thema rheumatische Erkrankung geht?

Wir ärgern uns über die Bewerbungen in den Tageszeitungen und Zeitschriften, die suggerieren, dass man entzündlich rheumatische Erkrankung mit Grünlippenmuschelextrakt, Weihrauchkapseln oder Murmeltieröl heilen kann. Wir haben nichts dagegen, wenn Patienten auch außerhalb der Schulmedizin nach Hilfe suchen, es ist aber ärgerlich wenn dadurch Zeit
verschwendet wird, die wir hätten brauchen können, um die Prognose der Erkrankung möglichst günstig zu gestalten.

Wo gestaltet sich die Rheumatologie noch besonders schwierig?

Wie bereits oben angesprochen, haben wir zwar viele unterschiedliche Therapiekonzepte, aber eine Personal-isolierte Medizin, das heißt ein spezielles Medikament für einen speziellen Patienten, können wir zur Zeit noch nicht anbieten. Erste Therapieversuche diesbezüglich sind allerdings schon unterwegs. Es wird jedoch noch ein wenig dauern, bis wir das individuelle Medikament für den einzelnen Patienten auch tatsächlich im klinischen Alltag einsetzen können.

Ihrer langen Erfahrung nach, würden Sie sagen, dass es ein oder zwei ziemlich eindeutige Zeichen für Rheumatiker gibt, woran sie die Krankheit an sich selbst erkennen können?

Leider nein, wie ebenfalls oben angedeutet, ist das Bild der entzündlich rheumatischen Erkrankung sehr bunt. Das Fokussieren auf eine bestimmte klinische Symptomatik würde dazu führen, dass Patienten ihre Erkrankung möglicherweise verkennen. Auf der anderen Seite haben viele Patienten durch die chronische Entzündung das Gefühl der Abgeschlagenheit. Dieses ist zwar keine spezifische Symptomatik, die es nur für entzündliche rheumatische Erkrankung gibt, häufig gehen sie aber mit den unterschiedlichen rheumatologischen Erkrankungen einher.

Wie lange behandeln Sie Patienten in der Regel?

Das ist in der Tat sehr unterschiedlich, da einzelne Erkrankungen nach einem Jahr häufig
eingeschlafen sind, andere Erkrankungen, wissen wir, kommen im weiteren Verlauf immer wieder und da muss dann eine langfristige Betreuung sichergestellt sein. Es ist jedoch so, dass bei jeder Visite mit dem Patienten darüber gesprochen wird, wie der aktuelle Stand der Dinge ist, und wie das weitere Prozedere bis zum nächsten Besuch sein soll. Dabei kann es auch durchaus sein, dass Patienten sich nur alle 6 Monate oder 12 Monate bei uns vorstellen.

Was ist die häufigste Frage, die Ihnen Ihre Patienten aktuell stellen?

In der aktuellen Phase sind das natürlich Fragen rund um die SARS-CoV-2 Impfungen. Außerhalb der Pandemie fragen aber die meisten Patienten, was sie selber zu der Behandlung der Erkrankung beitragen können und denken dabei insbesondere an Ernährungsumstellung. Wir informierten die Patientin ausführlich über das Potenzial der Ernährung, weisen aber auch darauf hin, dass dies nur eine additive Unterstützung sein kann und eine adäquate medikamentöse Therapie leider nicht ersetzen kann.

Was wünschen Sie sich und Ihren Patienten für 2021/2022?

Der sehnlichste Wunsch ist eine Kontrolle der Pandemie, um den Patienten wieder die Sorgen vor einem schweren Verlauf der Infektion nehmen zu können und sich wieder auf die normale rheumatologische Betreuung konzentrieren zu können. Zur Zeit wird zu einem nicht unwesentlichen Teil im Rahmen der Visiten über die Informationen zu COVID-19 und SARS- CoV-2 Impfungen gesprochen, da kommen manchmal die optimale Therapie der entzündlich rheumatischen Erkrankung tatsächlich zu kurz.

Wir danken Herrn Dr. Aries für seine unermüdliche Unterstützung 

und die Beantwortung unserer Fragen!

Warum muss ich meine Diagnose ernst nehmen? – Ein Interview mit Dr. Peer M. Aries

Die Diagnose einer Autoimmunerkrankung ist für fast alle Betroffenen ein harter Schicksalsschlag. Wie geht es nun weiter? Was muss ich nun tun? Wer kann mir helfen? Während die einen sich aktiv mit der Krankheit auseinandersetzen und diese zu „bekämpfen“ versuchen, ignorieren die anderen die Diagnose und Symptome aus Angst und Unsicherheit vor der Erkrankung und der Zukunft. 

Dr. Peer M. Aries, Spezialist für Rheumatologie in Hamburg, erklärt uns, warum man eine Diagnose immer ernst nehmen muss und was neuartige Therapieoptionen für Möglichkeiten bieten.

Warum muss ich meine Diagnose ernst nehmen?

Aus ärztlicher Sicht ist es aus unterschiedlichen Gründen wichtig, dass die Diagnose einer chronischen Entzündungserkrankung ernst genommen wird. Z.B. geht es nicht nur um das Hier und Jetzt sondern auch um die zukünftige Lebensqualität. Auch wenn sie als Patient zum heutigen Zeitpunkt vielleicht nicht viel von der Erkrankung merken, so kann sich die Erkrankung im Laufe der Zeit auch verändern.

Auch kann eine subtile Entzündung (eine chronische Entzündung die man aber im Alltag nicht wirklich merkt) langfristig zu erheblichen Komplikationen führen. Wir wissen z.B., dass bei bestimmten chronisch-entzündlichen Erkrankungen das Risiko für Herzinfarkte erhöhtes sind, was bedingt ist durch die ständig ablaufende Entzündung. Diese chronische Entzündung macht z.B. die Wände der Blutgefäße klebrig, sodass sich dort leichter Cholesterinablagerungen festsetzen können.

Auch kann z.B. die fortgesetzte Einnahme von niedrigdosierten Kortison zwar heute gut vertragen werden und die Lebensqualität positiv beeinflussen, langfristig aber zu erheblichen Nebenwirkungen am Knochen führen (Osteoporose).

Was macht die Krankheit im Hintergrund mit mir?

Wichtig ist es zu verstehen, dass alle chronischen entzündlichen Erkrankung, egal ob sie im Darm, auf der Haut oder in den Gelenken sind, nicht per se im Hintergrund zu weiteren Komplikationen führen.

Das Entscheidende ist, dass die Entzündung komplett unter Kontrolle ist, sowohl die Entzündung die man merkt, als auch die Entzündung die nicht von den Patienten subjektiv gemerkt werden. Das Ziel muss also sein, sich nicht nur auf die zur Zeit im Vordergrund stehenden klinischen Symptome oder Einschränkung zu fokussieren, sondern auch auf die im Hintergrund ablaufenden Entzündung zu achten.

Ist beides gut unter Kontrolle, machen die chronischen Entzündungserkrankung keine zusätzlichen Komplikationen.

Muss ich therapieren, wenn ich kaum was merke?

Wie oben bereits geschildert, muss eine chronische Entzündung nicht immer von dem Patienten bemerkt werden. Diese unterhalb der Wahrnehmungsschwelle ablaufenden Entzündung (subtile Entzündung oder subklinische Entzündung) kann, wie oben geschildert zu schweren Komplikationen nach vielen Jahren führen.

Es ist deshalb anzuraten, sich nicht nur auf die von den Patienten bemerkten Symptome zu fokussieren, sondern auch die im Hintergrund ablaufenden Entzündung zu behandeln. Dabei ist es genauso wichtig, dass man versteht, dass nicht alle Entzündung sich immer in Form einer Erhöhung der Blutsenkung oder des CRP-Wertes im Blut darstellen. Gerade auch die chronischen Entzündung der Haut gehen nämlich nicht mit Veränderung der Laborwerte einher.

Was passiert, wenn ich die Augen verschließe?

Jeder Patient hat im Rahmen seiner chronischen Entzündungserkrankung immer mal wieder Phasen, bei denen er von der Erkrankung nichts wissen möchte. Vielleicht weil es dem Patienten zur Zeit gerade gut geht oder aber weil der Patient von den bisherigen Therapieversuchen frustriert ist.

Es wäre ungewöhnlich, wenn ein Patient immer die gleiche Motivation hat, das Beste aus seiner Krankheitssituation zu machen. Es ist aber die Aufgabe der Ärzte die Patienten in solchen Situationen abzuholen und zu verdeutlichen, dass das Ignorieren von Beschwerden langfristig zu noch weiteren Komplikationen führen kann.

Wie gut sind neuartige Therapieoptionen?

Neue Therapien sind deshalb gut, weil sie uns neue bzw. andere Optionen bieten. Dabei ist nicht jede neue Therapie gleich besser als eine ältere Therapie. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass wir in näherer oder weiterer Zukunft eine Therapie finden, die für alle Patienten besonders gut geeignet ist, besonders gut vertragen wird oder besonders effektiv ist.

Es ist deshalb wichtig, dass wir für jeden einzelnen Patienten mit seinem individuellen Verlauf unterschiedliche Therapieoptionen haben. Jede neue Therapie ermöglicht uns wieder eine neue Option für andere Patienten.

Nicht selten ist es heutzutage so, dass die neuen Therapien zwar stärker und effektiver sind, aber auch zumeist mit eher höherem Risiko von Nebenwirkungen (zumeist Infektionen) einhergehen. Es ist deshalb wichtig als Patient zu verstehen, dass es nicht immer gut ist die neueste Therapie zu bekommen, die möglicherweise stark ist, aber gleichzeitig mit dem Risiko der erhöhten Nebenwirkung einhergeht, und für die vielleicht noch nicht so viele Erfahrungen aus dem klinischen Alltag vorliegen.

Lupus erythematodes: Experteninterview mit Dr. Peer M. Aries

Laut Angaben der Berliner Charité leiden in Deutschland rund 20.000 Menschen an der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes oder auch „Schmetterlingsflechte“ genannt. Die Ausprägung der Krankheit reicht dabei von Gesichtsrötungen bis zu Gelenkschmerzen und hat eine Vielfalt an Symptomen. Dr. Peer M. Aries von der Rheumatologie im Struenseehaus in Hamburg erzählt uns, welche Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten es gibt, was Betroffene selbst tun können und was man bei Kinderwunsch beachten sollte.

Was ist Lupus erythematodes (LE)?

Der Lupus erythematodes gehört zu den Formen des Weichteilrheuma, auch genannt Kollagenosen. Es ist eine Autoimmunerkrankung, die insbesondere die Haut und Schleimhäute betreffen kann. Bei der systemischen Verlaufsform kann es auch zu entzündlichen Veränderungen der Gelenke bzw. der inneren Organe (Herz, Lunge und Niere) kommen. Für die Patienten ist es wichtig zu wissen, dass nicht jeder Patient mit einem Lupus einen schweren Verlauf mit Beteiligung aller Organe haben wird. Die meisten Patienten haben eine mildere Verlaufsform.

Was ist die Ursache von LE und wie entsteht er?

Einen einzelnen Auslöser für den Lupus erythematodes gibt es – wie für viele andere Autoimmunerkrankung – tatsächlich nicht. Wir wissen heute, dass offensichtlich einige Gene zu dieser Erkrankung prädisponieren, das heißt die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Patient diese Erkrankung bekommt. Diese Gene sind jedoch nicht allein entscheidend. Es gibt viele Menschen mit solchen Genen, die keine Autoimmunerkrankung bekommen. Es müssen also noch andere Faktoren hinzu kommen, wie z.B. Umweltfaktoren oder auch Infektionen. Auch dabei spielt es eine wichtige Rolle das nicht der einzelne Umweltfaktoren oder die einzelne Infektion letztendlich für die Autoimmunerkrankung entscheidend ist, es scheint in der Hinsicht aber eine Rolle zu spielen, dass es das Immunsystem durcheinanderbringt und zu einer autoaggressiven handelsweise verleitet.

Welche Formen des LE gibt es?

Wir unterscheiden grob zwischen dem auf die Haut begrenzten Lupus erythematodes und der systemischen Verlaufsform, bei dem auch außerhalb der Haut entzündliche Veränderungen auftreten können.

Welche Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Therapie hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel getan. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass wir eine Vielzahl von Medikamenten inzwischen zur Verfügung stehen haben, sondern auch das Konzept, wann man welche Therapie einsetzt ist heutzutage von entscheidender Bedeutung. Wir richten uns dabei nach dem Verlauf der Erkrankung. Es gibt nicht eine Therapie, die allen Patienten grundsätzlich zu empfehlen ist.

Wir unterscheiden zwischen einer milden und schweren Verlaufsform und versuchen auch die individuellen Unterschiede der Patienten dabei zu berücksichtigen. Dazu gehört natürlich auch, wie es z.B. mit einem Schwangerschaftswunsch aussieht oder welche Vortherapien die Patientin bereits gehabt hat. Tatsächlich empfehlen wir sehr vielen Patienten die Einnahme von Quensyl, da gerade bei der systemischen Verlaufsform bekannt ist, dass wir mit dieser Therapie Schübe bzw. einen schweren Verlauf vermeiden können. In Anbetracht der Tatsache, dass das Risiko von Nebenwirkungen relativ gering ist, sind wir sehr großzügig mit der Empfehlung der Therapie insbesondere auch bei Patientinnen, die in näherer Zeit schwanger werden wollen.

Was können Betroffene selbst tun?

Die Frage ist natürlich besonders häufig, da viele Patienten nicht alleine abhängig sein wollen von den Medikamenten. Grob gesagt, und sicherlich nicht erstaunlich, ist eine gesunde Lebensweise für solche Autoimmunerkrankung zuträglich. Eine ausgewogene Ernährung oder auch Vermeidung von viel Stress ist von Vorteil. Zweites ist nicht immer in der Entscheidung der Patienten, und wir wollen unserer Patienten auch nicht in einen Glaskasten sperren. Letztendlich soll unsere Therapie den Patienten ermöglichen, ein ganz normales Leben zu führen. Dazu gehört eben auch mal Stress.

Auf der anderen Seite sollten die Patienten sich freizeitliche Aktivitäten suchen, die z.B. zum Stressabbau führen können. Der Schlagwort ist heutzutage Achtsamkeit, dieses kann z.B. beinhalten mehr Sport und Bewegung zu machen, oder auch sonstige Entspannungstechniken zu lernen. Bezüglich der Ernährung ist es mir wichtig, dass die wissenschaftliche Grundlage für solche Empfehlungen tatsächlich sehr begrenzt ist. Dennoch kann man all unseren Patienten empfehlen, dass die Berücksichtigung einer mediterrane Kost sicherlich von Vorteil ist. Dieses beinhaltet möglichst wenig Fleisch und Alkohol und viel Omega 3 Fettsäuren, z.B. in entsprechenden Ölen wie Walnussöl oder Leinsamenöl oder auch in Form von Fischen. Die Einnahme von Omega 3 Fettsäurenkapseln ist sicherlich auch möglich, wird aber von den meisten Rheumatologen gegenüber der grundsätzlichen Ernährungsumstellung nicht bevorzugt.

Müssen Lupus Patienten bei bestehenden Kinderwunsch etwas beachten und kann die Therapie während der Schwangerschaft weiter geführt werden?

Es ist zu empfehlen, dass das Thema mit dem Rheumatologen im Vorwege besprochen wird. Dieses ist sicherlich nicht besonders Romantisch, kann aber für eine erfolgreiche Schwangerschaft von besonderer Bedeutung sein. In diesem Gespräch geht es darum, wann ein guter Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist. Wir wissen z.B. das Patienten mindestens 3-6 Monate vor der Empfängnisschutz einen kontrollierten Krankheitszustand (sogenannte Remission) haben sollten, weil damit das Risiko für eine zunehmende Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft vermieden werden kann.

Außerdem muss geschaut werden, welche Medikamente die Patienten zu dem Zeitpunkt des Kinderwunsches einnehmen. Einige Medikamente verbieten sich bei einem Schwangerschaftswunsch, andere Medikamente werden explizit empfohlen. Zudem sollten noch individuelle Risikofaktoren für eine Schwangerschaft untersucht werden, dabei sind z.B. Antikörper zu berücksichtigen, die z.B. für das Kind und die Entwicklung einer Hautveränderung von Bedeutung sein könnten, oder auch Antikörper, die etwas mit der Blutgerinnung zu tun haben.

Dr. Peer M. Aries ist Facharzt für Innere Medizin / Rheumatologie und betreibt in Hamburg eine Gemeinschaftspraxis für Rheumatologie und klinische Immunologie. Wesentlicher Bestandteil ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Lungen, Nieren und Bluterkrankungen sowie der Radiologie. Schwerpunkte sind Innere Medizin, Rheumatologie, Klinische Immunologie sowie Rheuma und Schwangerschaft.

Hautschutz im Winter

Die kalte Jahreszeit stellt Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte regelmäßig vor besondere Herausforderungen. Oft verstärken sich Symptome wie Juckreiz, Trockenheit und Rötungen. Mit einer geeigneten Hautpflege könnt ihr eure Haut unterstützen: Vom 14.-25.11.2025 gibt es 12% Rabatt auf SIRIDERMA MED Produkte.

Warum ist Hautpflege im Herbst und Winter besonders wichtig?

In der kalten Jahreszeit entziehen Kälte und Heizungsluft der ohnehin trockenen Haut noch mehr Feuchtigkeit. So kommt es besonders leicht zu Ekzemen und Juckreiz. Deshalb ist die sogenannte Basispflege im Herbst und Winter umso wichtiger, um die Haut zu schützen und einem Schub möglichst vorzubeugen. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei auf folgenden Hautpartien liegen:

  • Hautstellen, die der Witterung besonders ausgesetzt sind, z.B. Gesicht und Hände
  • Hautstellen, die individuell empfindlich sind und ohnehin zu Irritationen neigen

Was sollte ich bei der Hautpflege in der kalten Jahreszeit beachten?

In der kalten Jahreszeit kann eine Anpassung der Basispflege sinnvoll sein. Während im Sommer mitunter eine leichtere Lotion zur Pflege der Haut ausreicht, sollte im Winter – wenn die Haut trockener wird – mehr Augenmerk auf rückfettenden Komponenten und Lipiden zum Schutz der Haut und zur Stärkung der Hautbarriere liegen. Besonders Hautpartien, die Wind und Wetter ausgesetzt sind, sollten mit einer reichhaltigen Creme oder Salbe mit hohem Fettanteil geschützt werden.

Anders sieht die Sache – auch im Winter – bei entzündlichen oder gar nässenden Hautstellen aus. Diese Hautpartien mögen keine fetthaltige Pflege, sondern brauchen eine leichte, beruhigende Pflege mit hohem Wasseranteil.

Wie finde ich die richtige Hautpflege?

Die Pflegeprodukte müssen hochverträglich – am besten auch klinisch getestet – sein und sollten keine Duftstoffe, austrocknenden Alkohole oder andere Reizfaktoren enthalten.

Die basische Spezialpflege SIRIDERMA MED wurde speziell für Menschen mit Neurodermitis oder Schuppenflechte entwickelt. Die Produkte sind auf die unterschiedlichen Hautzustände abgestimmt.

  • LIPID Intensivcreme: Die reichhaltige Intensivcreme mit hohem Lipidanteil und Nachtkerzenöl ist speziell für sehr trockene, schuppige und rissige Haut formuliert. Sie reduziert Hauttrockenheit und Spannungsgefühle, stärkt die Hautbarriere und reduziert nachweislich den Wasserverlust der Haut (TEWL).
  • HYDRO Intensivcreme: Die beruhigende Intensivcreme mit hohem Anteil an feuchtigkeitsspendenden Komponenten ist speziell auf die Bedürfnisse geröteter, gereizter und juckender Haut abgestimmt. Sie lindert Juckreiz und reduziert Rötungen und Reizungen.
  • AKUT Intensivmaske: Die Maske mit Zink und Sulfur wirkt leicht entzündungshemmend und wird zur Förderung der Regeneration akut betroffener Hautstellen als Maske – am besten über Nacht – eingesetzt. Sie kann sowohl für sehr trockene, rissige Haut, wie auch für gerötete, gereizte Haut eingesetzt werden. Im Anschluss sollte die Haut mit einer der beiden Intensivcremes – passend zum Hautzustand – gepflegt werden.

Vom 14.-25.11.2025 gibt es 12% Rabatt auf die SIRIDERMA MED Produkte im SIRIDERMA Onlineshop.*

* Ausgenommen von der Rabattaktion sind Kennenlern-Sets, Kombi-Angebote und das Basische Badekonzentrat 75g (Mini-Größe).

Mit freundlicher Unterstützung von:
Siriderma

Chronische Erkrankungen und die Psyche

Einleitung

Was hat Psychotherapie einem chronisch Kranken überhaupt zu bieten? Mit der Diagnose einer chronischen Erkrankung ist das Vertrauen in die Folgerichtigkeit der Welt erstmal dahin. Bisherige Sicherheiten gelten nicht mehr. Das, was sonst immer funktioniert, funktioniert nicht mehr. Sowohl die erste Zeit nach der Diagnose als auch das Sich-Einrichten in der mangelnden Intaktheit stellen eine erhebliche, manchmal nie gekannte Belastung dar. Die bisherigen Sicherheiten gelten nicht mehr, die Verhältnisse müssen erst einmal wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Es geht also um Krankheitsbewältigung, um einen klaren Kopf und um klare Gedanken. Dabei unterstützt die Psychotherapie als Ergänzung zur Schulmedizin. Der Vorteil einer psychotherapeutischen Situation ist, dass Zeit gegeben ist. Besonders wichtig ist: Hier muss nicht nur, hier darf alles ausgesprochen werden. Psychotherapie geschieht in einem besonders geschützten Raum, in dem nicht nur das Ziel, sondern auch der Prozess selbst ernst genommen wird. Ganz wichtig ist: ich werbe hier nicht für die Vorzüge der Psychotherapie, sondern ich berichte von Ergebnissen, Chancen und Konsequenzen.

Erster Blick

Mein Eindruck nach 30 Jahren der Arbeit mit chronisch kranken Menschen ist, dass Patienten mit aktiver Krankheitsbewältigung in der Regel mit der Situation am besten klarkommen. Aktive Krankheitsbewältigung ist ein bisschen die Heilige Kuh, der Begriff wirkt so schön sportlich. Und sicher ist es so, dass – wer in die Arbeit und auch sonst im Alltag integriert bleibt – eine gute Grundlage für eine aktive Krankheitsbewältigung hat. Heute sind alle Patienten, die wir als Psychotherapeuten sehen, über das Krankheitsgeschehen selbst gut informiert. Allerdings nützen diese Erkenntnisse und das Wissen wenig, wenn auf Grund der Schwere und der Umstände der Erkrankung die Verarbeitung schwer fällt. Also schauen wir genauer hin. Ein treffendes Bild dafür las ich kürzlich: Die Seele versteckt sich. Die bisher angewendeten Lebenshaltungen und Einstellungen geraten in die Krise. Guter Rat ist teuer.

Ängste

Jede Diagnose einer chronischen Krankheit wirft unerbittlich die Frage auf: Wie werde ich damit fertig, nicht mehr intakt zu sein? Bis an mein Lebensende? Schaffe ich das überhaupt? Dies sind existentielle Ängste, und sie sind sehr berechtigt und real. Typische Sorgen sind: „Auf einmal erscheint mir alles unberechenbar“, „Ich habe mich immer so stark gesehen, jetzt bin ich mit meiner Schwäche konfrontiert“, „Eigentlich möchte ich nur aufgeben, aber das darf ich nicht“, „Habe ich mein Leben noch in der Hand?“, „Werde ich jetzt abhängig von Maschinen, Medizin, Menschen?“, „Wem kann ich, wem soll ich vertrauen?“.

Bordmittel

Beim Versuch der Krankheitsbewältigung stützt man sich zunächst auf die aus der eigenen Alltagserfahrung gewonnenen Bordmittel: Internet Recherche, Foren, vielleicht ein Tagebuch mit Aufzeichnungen. Gespräche mit der Familie, mit Freunden, mit anderen Patienten, wenn es denn diese Verbindungen gibt. Aber auch das, was alle anderen Menschen bei Problemen tun: Rückzug, Beruhigungstabletten, Alkohol und Rauchen, Ablenkung durch Reisen. Der Einsatz dieser Mittel kann hilfreich sein, auf Dauer wird er aber nicht als ausreichend erlebt. Die Krankheit räumt mit allen Illusionen auf, schlägt unerbittlich zu. Alles Bisherige hat nichts genutzt. Viele meiner Patienten standen bei Therapiebeginn an diesem Punkt. Was hat sich dabei als hilfreich erwiesen? Wie kann Krankheitsbewältigung besser funktionieren, wie gewinnt man das Vertrauen in die Folgerichtigkeit der Welt wieder zurück?

Selbstberuhigung

Die Diagnose wird natürlich als Drama wahrgenommen, das muss in voller Wucht ausgehalten werden, statt sich zu verstecken, zu leugnen oder sich zu betäuben. Damit das Gefühl der Kopflosigkeit nicht übermächtig wird, muss das Drama dann wieder entdramatisiert werden: Geschwindigkeit herausnehmen, Druck abbauen und im eigenen Rhythmus wieder Tritt fassen. Fragen dabei könnten sein: Was ist wirklich wichtig, worauf kann ich mich verlassen? Wie kann ich mir selbst helfen? Was könnte ein erster praktischer Schritt sein? Gerade wenn alle um mich herum aufgeregt sind, ist es wichtig, zur Besinnung zu kommen. Jeder Mensch hat wichtige innere Sätze, die man wieder aufnehmen kann und dadurch den internen Kompass zu finden. Um es ganz klar zu sagen: Wahrheit in aller Deutlichkeit zu akzeptieren erfordert Mut. Krankheitsbewältigung ist nichts für Feiglinge. Nach meiner Erfahrung geht es also in einem ersten mutigen Schritt um gedankliche Klarheit, um Selbstreflektion. Wir alle kennen es, in uns zu gehen. In der Psychotherapie nennt man dies den Rückzug in den seelischen Binnenraum. Das ist der Ort, in dem wir auf unsere eigenen Erfahrungen, auf das, was uns bisher im Alltag vorangebracht hat, zurückgreifen. Zum Beispiel kann es unbedingt beruhigend sein, jeden Tag mit einem Vaterunser zu beginnen, regelmäßig Orte der Stille aufzusuchen, Licht und Natur konzentriert auf sich wirken zu lassen. In der Sprache der Psychotherapie geht es anfänglich immer um die Dekonstruktion des Bösen, um den Abbau leidvoller und schrecklicher Gedanken. Das ist die Funktion der Entdramatisierung.

Selbstfürsorge

Aber danach ist die Rekonstruktion, der Wiederaufbau des Guten, wichtig. Wer sich nur als Kranker sieht, kann sich im Krankheitsgeschehen verlieren. Diese Rolle ist fatal. Wir brauchen einen Rollenwechsel. Der neue Ansatz ist: Ich bin mehr als meine Krankheit! Zu meiner Persönlichkeit gehören nämlich auch noch andere Rollen: Geliebte, Vater, Kollegin, Genießer, Fußballfan. Etwas pathetisch formuliert: Vorhandene Ressourcen und Möglichkeiten dürfen nicht verschüttet werden, wir müssen uns unseren Reichtum erhalten. Das ist auch deshalb besonders wichtig, weil man Erfolge im Kampf gegen die Krankheit zunächst nicht erwarten kann. Die großartigen Fortschritte der medizinischen Behandlung chronischer Erkrankungen ermutigen dazu, nicht in der Forschung nachzulassen und dann doch noch zu Ergebnissen zu kommen. Wenn wir in anderen Rollen und Lebensbereichen erfolgreich sind, können wir daraus Stärke schöpfen und frustrierende Zeiten leichter bewältigen. Wir können uns Erfolge organisieren und damit wachsen. Zum Beispiel auf die eigene Ausbildung zurückgreifen und sich klarmachen: Was kann ich gut? Was hat schon früher immer wieder funktioniert?

Selbststeuerung

Die Selbststeuerung ist der dritte Schritt, ein hoher Anspruch auch für unbelastete Menschen in mittleren Jahren, die von chronischen Krankheiten nicht betroffen sind. Wie oben dargestellt, haben wir Alle Ansätze, um uns zu beruhigen und für uns zu sorgen. Aber Selbststeuerung? Bewusste Überlegung, wie es weitergeht? Wir Alle sind oft genug im Blindflug unterwegs oder fahren nur auf Sicht. Ich bin in meiner Arbeit als Psychotherapeut damit konfrontiert, dass Chroniker weniger Ressourcen haben, schneller ermüden, häufig nicht in einer sorglosen ökonomischen Situation leben. Um so wichtiger ist es, bewusst zu leben und entsprechend zu handeln. Wesentliche Einsicht dabei ist, dass Empörung über die Zustände zu nichts führt. Wichtiger ist sich zu fragen, wie viel Kraft man heute tatsächlich hat. Kompromisse sind dabei ein sicherer Weg. Natürlich gibt es faule Kompromisse, die nur der Aufschieberei dienen. Die meine ich definitiv nicht. Ein guter Kompromiss besteht darin, die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse an die Realität anzupassen. Einer meiner Patienten kam mit seiner Erkrankung besonders schlecht zurecht. Alles hatte sich in Richtung einer Depression verändert. Die Berufstätigkeit als Produktmanager eines Markenartiklers musste er aufgeben, die Beziehung zu seiner Frau zerbrach, es gab keine Kinder, die eigenen Eltern waren hilflos und überfordert. Jeder Morgen begann mit dem Gefühl, „eine Gehwegplatte auf der Brust zu haben“, mühselig den Tag zu beginnen und den eigenen trüben Gedanken unterstützt durch exzessiven Computergebrauch nachzuhängen. An Kompromisse war nicht zu denken, da der Patient perfektionistische Ansprüche an sich selbst hatte, denen er in keiner Dimension gerecht werden konnte. Gesunde Kompromisse schienen ausgeschlossen, der Patient war fast süchtig nach Ohnmacht und Unfähigkeit.

Und dann kam das Umdenken, die Einstellungsänderung, die Bereitschaft zum Kompromiss. Der Patient beschloss sehr bewusst, „seinen Radius zu erweitern“. Man kann es befremdlich finden – ich könnte das nicht – aber er beschloss, alle Widerstände nur als positiv zu sehen. Fast verbissen, aber glaubwürdig, suchte er auch in schwierigen Situationen, seine positiven Möglichkeiten zu sehen. Zunächst mit dem Rollator unterwegs, dann mit dem Stock, eroberte er seinen Stadtteil zurück. Danach die Innenstadt, danach den Hafen. Er nutzte all dies, um seiner – man muss schon sagen – Liebhaberei nachzukommen: das Zeichnen und Beschreiben von Szenen in seinem Skizzenbuch. Das gelang nicht immer perfekt, aber zu seiner Zufriedenheit. Und in diesem Wort steckt der Begriff „Frieden“. So funktionieren Kompromisse.

Konzept

Natürlich ist Krankheitsbewältigung ein individueller Prozess. Aber man kann auch verallgemeinern. Meiner Erfahrung nach sollte ein chronisch Kranker jede der hier genannten drei Dimensionen in seiner Weise aufgreifen. Wichtig dabei sind nicht nur die einzelnen Schritte, sondern vor allem ihre Einbindung in ein Konzept von sich selbst. Es geht um Integration. Es geht darum, die Dinge wieder neu an ihren Platz zu stellen. Patienten haben gute Erfahrungen damit gemacht, sich fünf Minuten am Tag für wirklich klare Gedanken Zeit zu nehmen. Wo stehe ich in meiner Selbstberuhigung? Wie ist es mit meiner Selbstfürsorge bestellt? Und wie sorge ich dafür, dass eine konsequente Selbststeuerung auch funktioniert? Konkret: was sind die nächsten Schritte? Was steht mir entgegen? Wer kann mir helfen? Was sind meine inneren Widerstände? Geht das überhaupt alleine?

Beziehungen

Die Nagelprobe dafür, dass die drei Schritte auch funktionieren, findet immer in Beziehungen zu anderen Menschen statt. Hier haben auch die Psychotherapeuten dazu gelernt. Traditionell ging es ihnen darum, den Menschen einzig in seinen inneren Prozessen zu verstehen und ggf. zu behandeln und zu heilen. Heute sehen wir viel stärker darauf, wie der Patient im Dialog mit anderen Menschen Lösungen sucht und suchen kann. Ein erstes wichtiges Übungsfeld dabei ist die Beziehung zum Therapeuten. Hier kann man klare Gedanken, Dialog und praktische Schritte üben. Es geht um Aussprechen und Ausdruck. Etwas salopp zusammengefasst: Von der nach innen gerichteten Depression zur Expression.

Schluss

Nicht jedem ist Psychotherapie möglich, nicht jeder ist dazu bereit, nicht für jeden ist sie geeignet. Deshalb empfehle ich sie auch nicht allgemein. Schon lange geht es nicht darum, Werbung für Psychotherapie zu machen. Was aber definitiv gilt: Ängste müssen ausgesprochen werden, Dialog ist überlebenswichtig. Jeder braucht einen Vertrauten, bei dem er wirklich alles aussprechen kann. Das heißt genau zu überlegen, mit wem das am besten geht. Kein chronisch Kranker darf ohne Gesprächspartner sein, sei es der Ehepartner, der gute Freund, der Seelsorger – oder auch ein Therapeut.

Ein Gastbeitrag von:

Dipl.-Psych. Till Niewisch

Welt-Neurodermitis-Tag 2024: Deine Therapie. Deine Entscheidung.

Am 14. September ist Welt-Neurodermitis-Tag. Jährlich wird der Tag weltweit dazu genutzt, das Bewusstsein für Neurodermitis zu schärfen und die Bedürfnisse der Betroffenen ins Zentrum zu rücken. Weltweit sind Millionen Menschen von der chronisch-entzündlichen Erkrankung betroffen – manche bereits seit ihrer Geburt, andere erkranken im Laufe ihres Lebens, teilweise auch erst im Erwachsenenalter. Sie leiden unter quälendem Juckreiz, entzündeten Hautpartien am ganzen Körper und erleben oftmals Stigmatisierung, Einsamkeit und Einschränkungen in ihrem täglichen Leben. Viele Menschen mit Neurodermitis waren teilweise jahrelang auf der Suche nach einer passenden Therapie und sind frustriert. Die Folge: Betroffene finden sich mit dem Status quo ab – sie spüren nach wie vor Symptome und lassen sich von der Erkrankung weiterhin einschränken.

Die Aktion

Die Patienteninitiative „Neurodermitis? Wen juckt’s“ möchte den Welt-Neurodermitis-Tag zum Anlass nehmen, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, dass sich Betroffene am Entscheidungsprozess rund um ihre Gesundheit aktiv beteiligen. Unter dem Motto „Deine Therapie. Deine Entscheidung.“ möchte die Initiative ermutigen, die Erkrankung und die damit verbundenen Symptome hinzunehmen. Stattdessen kannst du mit einer aktiven Kommunikation im Arztgespräch an der Wahl deiner Therapie mitwirken. Wenn du und deine Ärztin oder dein Arzt ein Team seid, kann der Weg zur individuell passenden Therapie leichter werden.

Emotionale Geschichten von Patientinnen und hilfreiche Informationen rund um den Arztbesuch

Auf der Website der Initiative (https://www.neurodermitis-wen-juckts.de) findest du wertvolle Tipps, wie du dich selbst im Arztgespräch einbringen kannst. Auf dem Instagram-Kanal (https://www.instagram.com/wenjuckts.unsjuckts/) werden im September viele Erfahrungsberichte von Betroffenen geteilt – über ihren Weg zur passenden Behandlung und wie sie selbst in diesem Prozess aktiv geworden sind.

Mit freundlicher Unterstützung von: Abbvie

Begleiterkrankungen bei Rheuma

Interview mit Rheumatologe Dr. Peer Aries vom Immunologikum Hamburg zum Thema: Begleiterkrankungen/Komorbiditäten bei rheumatischen Erkrankungen. Dr. Aries gibt Einblicke in die häufigsten Begleiterkrankungen, wie sie sich auf die Behandlung auswirken können und was Betroffene beachten sollten.

Was versteht man unter Begleiterkrankungen bzw. Komorbiditäten bei rheumatischen Erkrankungen?

Begleiterkrankungen oder Komorbiditäten sind zusätzliche gesundheitliche Probleme, die neben der Hauptdiagnose, wie einer rheumatischen Erkrankung, auftreten. Diese können die Gesundheit und Lebensqualität weiter beeinträchtigen und die Behandlung komplexer machen.

Wie häufig treten solche Komorbiditäten bei Patienten mit Rheuma auf?

Komorbiditäten sind bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen sehr häufig. Studien zeigen, dass viele Rheumapatienten häufig eine weitere chronische Erkrankung haben, was ihre Behandlung und Pflege anspruchsvoller macht.

Welche sind die häufigsten Komorbiditäten bei rheumatischen Erkrankungen?

Zu den häufigsten Komorbiditäten bei rheumatischen Erkrankungen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Depressionen, Angststörungen und Infektionen. Diese Begleiterkrankungen können das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen.

Gibt es bestimmte rheumatische Erkrankungen, die häufiger mit bestimmten Komorbiditäten assoziiert sind?

Bestimmte rheumatische Erkrankungen sind wissenschaftlich nachgewiesen häufiger mit spezifischen Komorbiditäten assoziiert. Zum Beispiel haben Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) ein signifikant erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose sowie Depressionen und Angststörungen. Dies liegt unter anderem an der chronischen Entzündung, die Arteriosklerose fördern kann, sowie an der Verwendung von Glukokortikoiden, die das Risiko für Knochenschwund erhöhen. Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) ist häufig mit Nierenerkrankungen, insbesondere Lupusnephritis, verbunden und erhöht ebenfalls das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Infektionen aufgrund der immunsuppressiven Therapie. Bei Psoriasis-Arthritis (PsA) besteht ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom und Depressionen, was auf die Kombination von Haut- und Gelenkerkrankungen zurückzuführen ist, die erhebliche psychische Belastungen mit sich bringen. Diese Assoziationen sind durch zahlreiche epidemiologische Studien, Kohortenstudien und Metaanalysen gut dokumentiert und unterstreichen die Notwendigkeit eines umfassenden Managements von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, das sowohl die Kontrolle der Grunderkrankung als auch die Prävention und Behandlung von Komorbiditäten umfasst.

Was sind die Hauptursachen für das Auftreten von Begleiterkrankungen bei Rheuma?

Die Hauptursachen sind die chronische Entzündung, die das Immunsystem schwächt und verschiedene Organe schädigen kann, sowie die Nebenwirkungen von Medikamenten. Zudem tragen Lebensstilfaktoren und genetische Prädispositionen bei.

Warum haben Patienten mit rheumatoider Arthritis ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Chronische Entzündungen, die bei rheumatoider Arthritis auftreten, können die Blutgefäße schädigen und zur Arterienverkalkung fördern. Dies erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erheblich.

Welche Maßnahmen können zur Prävention und Behandlung von kardiovaskulären Komorbiditäten ergriffen werden?

Regelmäßige körperliche Aktivität, eine gesunde Ernährung, Raucherentwöhnung und das Management der rheumatischen Erkrankung durch geeignete Medikamente sind wichtig. Auch regelmäßige kardiologische Untersuchungen können helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Wie häufig treten Depressionen und Angststörungen bei Rheumapatienten auf?

Depressionen und Angststörungen sind bei Rheumapatienten relativ häufig, etwa ein Drittel der Patienten kann davon betroffen sein. Die Belastung durch chronische Schmerzen und Einschränkungen im Alltag trägt wesentlich dazu bei.

Welche Strategien gibt es zur Unterstützung der psychischen Gesundheit bei Menschen mit rheumatischen Erkrankungen?

Psychologische Unterstützung, wie Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung, kann hilfreich sein. Auch Selbsthilfegruppen und regelmäßige Bewegung können das psychische Wohlbefinden verbessern.

Warum sind Rheumapatienten anfälliger für Osteoporose?

Die chronische Entzündung bei rheumatischen Erkrankungen und der Einsatz von Kortikosteroiden erhöhen das Risiko für Knochenschwund. Dies führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche.

Welche Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Osteoporose bei Rheumapatienten?

Eine kalzium- und vitamin-D-reiche Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und gezielte Medikamente können helfen, Osteoporose vorzubeugen und zu behandeln. Es ist auch wichtig, die Einnahme von Kortikosteroiden auf das notwendige Minimum zu beschränken.

Wie wichtig ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz bei der Behandlung von Rheuma und seinen Begleiterkrankungen?

Ein ganzheitlicher Behandlungsansatz ist sehr wichtig, da er alle Aspekte der Gesundheit des Patienten berücksichtigt. Dies umfasst die Behandlung der rheumatischen Erkrankung, der Komorbiditäten sowie die Unterstützung der psychischen Gesundheit und die Förderung eines gesunden Lebensstils.

Ein Gastbeitrag von:

Dr. med. Peer Aries
Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Immunologie und Ernährungsmediziner

Therapiemöglichkeiten bei Rheuma: Welche Medikamente gibt es?

Bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen gibt es heute eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten, die darauf abzielen, die Entzündung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Wahl der Therapie hängt dabei von der Art und Schwere der Erkrankung, den individuellen Bedürfnissen des Patienten und den möglichen Nebenwirkungen ab. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige der wichtigsten Medikamente und Therapien vor, die aktuell zur Verfügung stehen.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen werden häufig zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. Sie wirken, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen, die Entzündungen und Schmerzen im Körper fördern. NSAR sind in der Regel gut verträglich, können aber bei langfristiger Anwendung Magenprobleme verursachen.

Kortikosteroide (Kortison)

Kortikosteroide wie Prednison sind starke entzündungshemmende Medikamente, die bei akuten Schüben von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden. Sie wirken schnell, indem sie das Immunsystem unterdrücken und so die Entzündung reduzieren. Aufgrund ihrer potenziellen Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, Osteoporose und erhöhtem Infektionsrisiko, werden Kortikosteroide oft nur kurzfristig eingesetzt.

Basistherapeutika (DMARDs)

DMARDs (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs) sind Medikamente, die das Fortschreiten rheumatischer Erkrankungen verlangsamen. Sie wirken, indem sie das Immunsystem modulieren und die Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Zu den klassischen DMARDs gehören:

  • Methotrexat (MTX): Eines der am häufigsten verwendeten DMARDs, das die Zellteilung hemmt und dadurch das Immunsystem dämpft.
  • Sulfasalazin: Wirkt entzündungshemmend und wird häufig bei rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn eingesetzt.
  • Leflunomid: Reduziert die Aktivität bestimmter Immunzellen und wird zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt.

Biologika

Biologika sind eine fortschrittliche Form der Therapie, die gezielt auf bestimmte Komponenten des Immunsystems einwirkt. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente sind oft als Injektionen oder Infusionen erhältlich und werden bei Patienten eingesetzt, bei denen DMARDs nicht ausreichend wirken. Hier sind die wichtigsten Therapiekonzepte bei Biologika:

TNF-Alpha-Inhibitoren

Diese Biologika blockieren den Tumor-Nekrose-Faktor Alpha (TNF-α), ein Zytokin, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Entzündungen spielt.

Beispiele: Adalimumab, Infliximab, Etanercept, Certolizumab Pegol, Golimumab

IL-1-Inhibitoren

Diese Medikamente blockieren das Interleukin-1 (IL-1), ein weiteres proinflammatorisches Zytokin, das an entzündlichen Prozessen beteiligt ist.

Beispiel: Anakinra

IL-6-Inhibitoren

IL-6-Inhibitoren blockieren das Interleukin-6 (IL-6), ein Zytokin, das an der Entzündungsreaktion und an der Stimulierung der Akut-Phase-Reaktion beteiligt ist.

Beispiele: Tocilizumab, Sarilumab

B-Zell-Therapien

Diese Biologika richten sich gegen B-Zellen, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die an der Produktion von Antikörpern und an der Auslösung von Entzündungen beteiligt sind.

Beispiel: Rituximab (anti-CD20-Antikörper)

T-Zell-Kostimulationshemmer

Diese Medikamente verhindern die Aktivierung von T-Zellen, die eine Schlüsselrolle in der Immunantwort spielen.

Beispiel: Abatacept (CTLA-4-Ig)

IL-12/IL-23-Inhibitoren

Diese Biologika blockieren die Zytokine IL-12 und IL-23, die an der Differenzierung und Aktivierung von T-Zellen beteiligt sind, insbesondere bei der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis.

Beispiel: Ustekinumab

IL-17-Inhibitoren

Diese Therapie blockiert das Interleukin-17 (IL-17), ein Zytokin, das eine Rolle bei der Pathogenese von entzündlichen Erkrankungen wie Psoriasis und ankylosierender Spondylitis spielt.

Beispiele: Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab

IL-23-Inhibitoren

Diese Biologika wirken spezifisch auf das Interleukin-23 (IL-23), das an der Entzündungsreaktion bei Krankheiten wie Psoriasis beteiligt ist.

Beispiele: Guselkumab, Tildrakizumab, Risankizumab

Anti-BAFF/BLyS-Therapie

Diese Medikamente zielen auf den B-Zell-aktivierenden Faktor (BAFF/BLyS), der für das Überleben und die Aktivierung von B-Zellen wichtig ist.

Beispiel: Belimumab

RANKL-Inhibitor

Dieser Inhibitor blockiert den RANK-Liganden (RANKL), der eine Rolle bei der Osteoklasten-Aktivierung und damit beim Knochenabbau spielt.

Beispiel: Denosumab

JAK-Inhibitoren

Eine neuere Klasse von Medikamenten sind die JAK-Inhibitoren (Januskinase-Inhibitoren). Diese Tabletten blockieren spezifische Enzyme, die an der Signalübertragung von Entzündungsprozessen beteiligt sind. Beispiele sind Tofacitinib, Upadacitinib, Filgotinib und Baricitinib. JAK-Inhibitoren bieten eine orale Alternative zu Biologika und sind besonders bei Patienten wirksam, die auf andere Behandlungen nicht ausreichend ansprechen.

Phosphodiesterase-4-Hemmer (PDE4-Hemmer)

Apremilast ist ein Beispiel für einen PDE4-Hemmer, der die entzündlichen Prozesse im Körper beeinflusst, indem er bestimmte Enzyme blockiert. Es wird bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis eingesetzt und bietet eine weitere orale Behandlungsoption.

Zusammenfassung

Die Therapie von rheumatischen Erkrankungen ist vielfältig und individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt. Während traditionelle Medikamente wie NSAR und Kortikosteroide häufig zur schnellen Linderung von Symptomen eingesetzt werden, bieten, DMARDs, Biologika und JAK-Inhibitoren langfristige Lösungen zur Kontrolle der Erkrankung und zur Verhinderung von Gelenkschäden. Die Wahl der richtigen Therapie erfolgt in enger Absprache mit dem behandelnden Rheumatologen, um die bestmögliche Lebensqualität für den Patienten zu gewährleisten.

Stressfrei pflegen – Eincreme-Tipps für Eltern aus der NIK-Community

Wenn euer Kind von Neurodermitis betroffen ist, wisst ihr, wie wichtig regelmäßige und liebevolle Pflege ist. Leider ist das manchmal gar nicht so einfach, weil viele Kinder und Babys sich nicht gerne eincremen lassen. Hier lest ihr, welche Eincreme-Tipps Eltern aus der NIK-Community haben, und welche Hautpflege der empfindlichen Haut guttut.

Kleine Rituale sorgen für Spaß – so klappt es mit dem Eincremen

Viele Eltern kennen das: Schon der Anblick der Cremetube sorgt für Diskussionen oder sogar Tränen und Geschrei. Denn für Kinder ist das Eincremen nicht nur „lästige Pflicht“, es ist oft langweilig, nervig und doof. Und wenn dann auch noch die Creme kalt ist, dann ist es mit der guten Laune schnell vorbei. Wir haben in der NIK-Community gefragt, was das Eincremen von Babys und Kindern erleichtert und ein paar tolle Tipps für euch erhalten, die wir hier zusammenfassen:

Feste Routine und Rituale: Feste Abläufe geben Kindern Sicherheit. Es kann helfen, wenn das Eincremen ein fester Bestandteil der Routine am Morgen und am Abend ist und mit einem schönen, wiederkehrenden Ritual verknüpft wird. Die Kinder wissen dann, was sie erwartet, und können sich darauf einstellen.

  • „Wir cremen mindestens morgens und abends! Ritual mit spielen und singen!“
  • „Abends ist das Eincremen ein festes Ritual. Es gehört dazu wie Zähneputzen.“
  • „Mit einem Lied – morgens und abends.“

Spielerisch und mit Musik: Es kann helfen, das lästige Eincremen mit etwas zu verbinden, das dem Kind Freude macht. Das lenkt nicht nur ab, es kann im Optimalfall das Eincremen sogar in ein positives Erlebnis verwandeln. Gemeinsames Singen, ein Buch oder ein kleines Video ansehen oder direkt das Eincremen zum Spiel machen – all das kann helfen, das Eincremen in ein richtiges Erlebnis zu verwandeln.

  • „Wir machen Punkte mit der Creme wie bei einem Marienkäfer, die das Kind dann verreiben kann.
  • „Unsere Kleine lässt sich wunderbar durchs Vorsingen ablenken.“
  • „Wir cremen morgens und abends und der Kleine (18 Monate) guckt dabei Wimmelbücher. Nach dem Baden gibt es eine Massage mit viel Creme und Gesang.“
  • „Unserem Jungen in der Familie helfen da auch oft Spiele, wie z.B. in einen Superhelden oder Geist verwandeln.“
  • „Mein kleiner Mann darf dabei Bagger-Videos anschauen.“
  • „Bei uns hilft es öfter mal, dass er sich in einen Geist verwandelt durchs Cremen. Kind findet es lustig und eincremen wird dadurch angenehmer.“

Mitmachen lassen: Kinder sind stolz, wenn sie mithelfen können und auch schon mal etwas allein machen dürfen. Das kann auch das Eincremen von Mama und Papa sein.

  • „Er ist so stolz, dass er die Cremetuben nun endlich selbst öffnen kann und es hilft, dass er abwechselnd auch mich eincremen darf.“
  • „Meine Kinder haben Spaß daran sich selbst einzucremen. Deshalb brauchen wir ständig neue Cremes, weil sie einfach zu viel davon benutzen.“
  • „Mein Kind (2,5) liebt eincremen, wenn er selbst mitmachen darf. Am besten auf ein Handtuch setzen, da nicht alles auf der Haut landet. Mama darf dann auch meist verstreichen.“

Hilfsmittel und Neues austesten: Zwar mögen die meisten Kinder feste Abläufe. Wenn sich die tägliche Eincreme-Routine aber schon zu einem vorhersehbaren Drama entwickelt hat, kann das Ausprobieren von neuen Dingen oder kleinen Hilfsmitteln helfen. Dann fühlt sich das Eincremen vielleicht einfach mal anders, lustig oder spannend statt unangenehm an.

  • „Mit einem Make-up-Schwamm geht es bei uns super.“
  • „Mit einem Schminkpinsel funktioniert es super gut.“

Creme anwärmen: Wer kennt das nicht? Creme direkt aus der Tube auf die Haut – das fühlt sich kalt und unangenehm an. Nur haben Erwachsene dafür ein sehr viel höhere Toleranzschwelle als Kinder. Daher ist es immer hilfreich, die Creme vor dem Auftragen in der Hand etwas anzuwärmen.

  • „Unsere große Tochter war von klein an (6. Lebenswoche) von Neurodermitis betroffen und ja eincremen wollte sie auch nicht, aber wir haben ein festes Ritual daraus gemacht. Ich habe die Creme zwischen den Händen erwärmt und sie dann mit einem spontanen Lied abgelenkt. Mit 3 hat sie alle Stellen, wo sie selbst drankam, allein eingecremt und sich meist nur für die Rückseite Hilfe geholt.“

Die passende Pflegecreme finden: Neben kleinen, hilfreichen Ritualen ist auch die Auswahl der richtigen Pflegecreme wichtig. Die Cremes sollten hochverträglich sein und die empfindliche Haut nicht zusätzlich reizen. Und eine Creme, die einmal auf der Haut gebrannt hat, wird ein Kind bei nächsten Mal mit großer Wahrscheinlichkeit ablehnen. Daher sollten die Produkte frei von Duftstoffen, Konservierungsstoffen und austrocknenden Alkoholen sein. Die hochverträglichen Hautpflegeprodukte von SIRIDERMA wurden speziell für die Bedürfnisse empfindlicher, zu Neurodermitis neigender Haut entwickelt und sind besonders für Babys und Kinder geeignet. Mit dem Code BABYPFLEGE10 könnt ihr euch 10% Rabatt auf die SIRIDERMA BABY Produkte (für die tägliche Basispflege) sowie die SIRIDERMA MED Produkte (für die Pflege bei akuten Hautproblemen) sichern.*

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Mit freundlicher Unterstützung von:
Siriderma

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