Interview Dr. Tatsis: Keine Angst bei Rheuma

Warum es genau Sie betrifft und nicht Ihren Nachbarn, weiß man nicht. Es wird davon ausgegangen, dass eine angeborene Neigung für eine Autoimmunerkrankung besteht und dann von außen ein Auslöser dazu kommt, um die Erkrankung in Gang zu setzen. So ein Auslöser kann eine Infektionserkrankung sein wie eine Grippe oder eine Lungenentzündung, es kann ein persönliches Ereignis sein, welches sehr belastend ist oder eine sehr stressreiche Lebensphase. Diese Auslöser sind nicht der Grund für die Erkrankung, können aber den ersten Krankheitszeichen vorausgehen. Sie selber oder ein anderer Mensch sind nicht schuld an der Erkrankung.

Für manche Patienten ist die Diagnose zunächst wie ein Schock, der verarbeitet werden muss. Man möchte es nicht wahrhaben und hadert mit seinem Schicksal. Hierbei sollten Sie sich Zeit nehmen, sich in die neue Situation einzugewöhnen. Bedenken Sie, dass die Erkrankung nicht nur nimmt, sondern auch gibt. Sie bietet Ihnen die Chance, Ihr Leben und Ihre Werte neu zu überdenken und zu ordnen. Sie können Ihre Ziele überprüfen und anpassen. Sie lernen achtsamer mit sich und Ihrem Umfeld umzugehen.

Muss es unbedingt eine medikamentöse Dauertherapie mit Spritzen oder Tabletten sein, die man regelmäßig einnimmt?

Da die rheumatischen Erkrankungen meistens nicht gleichbleibend aktiv sind, sondern wechseln zwischen Phasen der Krankheitsruhe und der Krankheitsaktivität (Schübe), wird versucht, die Therapie der Aktivitätsphase der Erkrankung anzupassen. Dies geschieht in Absprache mit dem Rheumatologen durch Anpassung der Dosierung, Änderung der Medikamente oder sogar -wenigstens zeitweise- Pausierung der Medikamente. Diese Anpassung nach unten erfolgen zumeist nicht schnell, sondern allmählich, also im Laufe von Wochen und Monaten. Im Falle eines Krankheitsschubes ist es erforderlich, rasch Kontakt mit dem Rheumatologen aufzunehmen, um zumindest kurzzeitig die Therapie zu intensivieren.

Rheuma geht fast immer mit Schmerzen einher. Meistens haben die Schmerzen ihre Ursache in einer Entzündung im Körper. Um einer akuten Entzündung entgegenzuwirken, die Schmerzen zu lindern und die entzündeten Gelenke zu schonen, werden Schmerzmittel eingesetzt – vor allem bei einem Schub kommen Rheumatiker nicht um Schmerzmedikamente herum. Für den dauerhaften Schutz der Gelenke und um die Krankheitsaktivität im Körper langfristig so gering wie möglich zu halten, gibt es mehrere Behandlungsformen, die sich nach den individuellen Symptomen richten und die häufig auch erfolgreich miteinander kombinierbar sind. Wie der Weg zum richtigen Therapieplan aussieht, wie lang er dauern kann und warum es für Rheumatiker wichtig ist, schon bei frühen Anzeichen einen Spezialisten aufzusuchen, erläutert uns heute die Hamburger Rheumatologin Dr. Tatsis.

Warum habe ich eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung bekommen?

Patient und Arzt legen gemeinsam Ziele fest, die mit der Therapie erreicht werden sollen. Völlige Krankheitsruhe ist das am häufigsten angestrebte Ziel und es gelingt oft dieses Ziel zu erreichen. Selbstverständlich sollte die Therapie nicht unangenehmer sein als die Erkrankung. Mittlerweile gibt es so viele Medikamente, dass es in den meisten Fällen gelingt, ein gut wirksames und verträgliches Medikament für jeden Patienten zu finden. Die Therapie soll Ihr Freund sein, sie soll Ihnen freundlich entgegenkommen und Sie begleiten auf Ihrem Weg.

Natürlich sind unterstützend eine gesunde Ernährung und viel Bewegung in Form von Ausdauersport und Krankengymnastik weitere wichtige Bausteine der Gesamttherapie. Eine medikamentöse Basistherapie ersetzen können diese Maßnahmen jedoch nicht. Sie wirken im Zusammenklang.

Wenn Sie auf eine medikamentöse Therapie komplett verzichten, obgleich diese angezeigt ist, läuft die Erkrankung frei weiter. Es besteht das hohe Risiko, dass Gelenke beschädigt und zerstört werden oder innere Organe dauerhaft geschädigt werden. Unter Umständen sind diese Schäden nicht mehr rückgängig zu machen, wenn Sie Ihre Meinung hinsichtlich der Therapie ändern. Man weiß auch, dass eine dauerhafte Entzündung das Risiko von Infektionen, Tumoren, Herz-Kreislauferkrankungen, Thrombosen und das Risiko früher zu sterben erhöht.

Insgesamt gesehen ist das Risiko einer medikamentösen Therapie weitaus geringer als das Risiko einer unbehandelten Erkrankung.

Was sind „Biologika“ und wann kommen Sie zum Einsatz?

Biologika sind Antikörpertherapie, die in lebenden Zellen „hergestellt“ werden. Das bedeutet, dass Zellen angeregt werden, diese Antikörper zu bilden. Seit dem Jahr 2000 werden solche Antikörper in der Therapie chronisch entzündlich rheumatischer Erkrankungen eingesetzt, wie bei vielen anderen Autoimmunerkrankungen auch. Die Antikörper müssen unter die Haut gespritzt oder auch als Tropfinfusion zugeführt werden. Für die meisten Patienten ist es praktisch diese Therapie selbsttätig unter die Haut zu spritzen mit „Pens“ oder Fertigspritzen. Der Spritzabstand schwankt zwischen einmal pro Woche und einmal alle 4 Wochen oder sogar alle 3 Monate, je nach Präparat. Das Spritzen ist sehr einfach und gut zu erlernen. Die medizinischen Fachassistenten in der Praxis üben die Injektion mit den Patienten. Die Antikörpertherapien sind sehr teuer, der Preis pro Jahr und Patient liegt zwischen ca. 6000 und 24000 Euro. In Deutschland sind wir in der glücklichen Lage, dass unsere Krankenversicherung für die hohen Kosten aufkommt. Für die Verordnung dieser hochpreisigen Therapien gibt es Regeln, die vom verordnenden Arzt eingehalten werden müssen. Dies gilt für alle, sowohl für Kassenpatienten wie für Privatpatienten.

Seit wenigen Jahren gibt es auch neue Medikamente, sogenannte „JAK-Hemmer“, die in ihrer Wirkung der Antikörpertherapie vergleichbar sind, aber als Tablette einmal täglich geschluckt werden. Der Preis für diese neue Medikamententherapie ist genauso hoch wie der für die Antikörpertherapie.

Bekomme ich Krebs von der Biologikatherapie?

Nein. Um dies zu klären, haben sehr viele Länder Europas und die USA im Jahr 2000 Register eingerichtet, in denen diese Therapien überwacht werden. Für die als erstes eingeführten Biologika, die TNF-alpha-Blocker wie Infliximab, Etanercept oder Adalimumab, überblickt man mittlerweile 20 Therapiejahre von mehreren zehntausend Patienten. In Deutschland führt das Deutsche Rheumaforschungszentrum Register wie das RABBIT-Register und beobachtet alle neueren Therapien. Dieses Register wird sehr sorgfältig geführt und die Daten werden regelmäßig veröffentlicht. Es nehmen seit 2001 bislang etwa 20000 Patienten allein in Deutschland teil an diesem Register. Auch für Kinder mit Rheuma werden solche Register geführt. Auch für Schwangere.

Die Ergebnisse dieser Beobachtungen in den Registern zeigen, dass eine unkontrolliert laufende chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung mit hoher Krankheitsaktivität das Risiko für Krebs, für Infektionen, für Herzinfarkte und Schlaganfälle, für Thrombosen deutlich erhöht. Auch die Gefahr zu sterben ist erhöht. Alle diese Risiken werden gesenkt durch eine effektive entzündungshemmende Therapie. Dies wurde in vielen Studien mehrfach nachgewiesen. Das allgemeine Krebsrisiko durch Therapie mit Biologika ist nicht erhöht. Eine kleine Ausnahme für den nicht streuenden weißen Hautkrebs wie das Basaliom muss gemacht werden. Die Patienten sollten sich sicherheitshalber einmal im Jahr dem Hautarzt vorstellen, um im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung die Haut absuchen zu lassen. Ein erhöhtes Risiko für den gefürchteten schwarzen Hautkrebs, das maligne Melanom, besteht nicht.

Es konnte auch gezeigt werden, dass bei Patienten, die in ihrer Vorgeschichte eine Krebserkrankung haben, diese nicht wieder aktiv wird, wenn eine Biologikatherapie begonnen wird.

Ja, das ist nötig, weil es sich um eine chronische Erkrankung handelt, die über Jahre läuft. Eine Dauererkrankung erfordert eine Dauertherapie. Leider ist es nicht möglich Autoimmunerkrankungen zu heilen. Man kann aber die Krankheitsaktivität sehr gut unterdrücken durch die medikamentöse Therapie. So ist es für die meisten Patienten möglich, ein Leben zu führen, bei dem sie von der Erkrankung nichts spüren. Für viele Medikamente ist auch nachgewiesen, dass sie ein Voranschreiten der Erkrankung verhindern können. Um dies zu erzielen, ist es erforderlich, dauerhaft die sogenannte „Basistherapie“ einzunehmen.

Interview Dr. Knop: Multiple Sklerose

Ich freue mich riesig, Herrn Dr. Knop als neuen Partner unseres Netzwerkes begrüßen zu dürfen.

Herr Dr. Knop ist Neurologe in der Hamburger Praxis „Neurologie am Neuen Wall“, eine der wohl schönsten Praxen der Stadt mit einem tollen Blick über unsere hanseatische Innenstadt.

In Hamburg studiert, hat er über ein paar Schlenker von Bad Pyrmont über die Schweiz und England den Weg wieder in unsere schöne Stadt zurückgefunden.

Seine Fachgebiet umfasst die Neuroimmunologie, Multiple Sklerose, Immunneuropathien, Myasthenia gravis und Myositis.

Nicht unerwähnt sollten ich lassen, dass unter seiner Leitung das Muskellabor, in der Fachsprache Neuromuskuläres Zentrum, im AK St. Georg aufgebaut wurde.

Herr Dr. Knop, schön, dass Sie NIK e.V. mit Antworten zur Seite stehen. Lassen Sie uns direkt mit der ersten Frage einsteigen: Gibt es das typische Anzeichen für eine MS?

Typische MS Symptome sind sensible Störungen, Koordinationsstörungen, Gangstörungen oder eine auch eine einseitige Sehstörung. Letztlich sind diese Beschwerden aber nicht spezifisch für eine MS und können bei einer Vielzahl von neurologischen und nicht neurologischen Erkrankungen auftreten. Viele MS Patienten klagen darüber hinaus über rasche Erschöpfbarkeit und Blasenentleerungsstörungen. Charakteristisch ist auch, dass sich Symptome nicht so plötzlich wie bei einem Schlaganfall, sondern meist über ein bis sieben Tage zunehmend entwickeln und teils auch von alleine wieder abklingen können. Nach Diagnosestellung lassen sich so teilweise erste Symptome schon lange zurück liegend erfragen.

Hat der Hausarzt Möglichkeiten zur Diagnose?

Bei Verdacht auf eine MS Diagnose kann vom Hausarzt, so wie von jedem Facharzt ein MRT veranlasst werden. Damit allein kann die Diagnose zwar nicht bestätigt werden, aber eine wichtige und frühe Weichenstellung erfolgen – und vor allem findet eine Abgrenzung von anderen Hirnerkrankungen, zum Beispiel Schlaganfall statt.

Warum ist es so wichtig, schnellstmöglich zu einem Neurologen zu gehen? Und auch zu therapieren?

Der Neurologe ist der Facharzt, der die MS Diagnose in der Regel absichert und bestätigt und er entscheidet zusammen mit dem Patienten ob, ab wann und wie eine verlaufsmodifizierende Immuntherapie erfolgen soll oder muss. Ferner kann es notwendig sein, eine schnelle Schubtherapie, meist mit hochdosiertem Methylprednisolon intravenös einzuleiten. Vor allem passiert das bei sehr ausgeprägten Schüben, beispielsweise bei einer schweren Sehnervenentzündung (Opticusneuritis) mit Blindheit oder einer Halbseitenlähmung oder auch Querschnitts-Rückenmarksentzündung (transverse Myelitis).

Was passiert, wenn ich meine Schübe ignoriere?

Ein Großteil der Schübe bildet sich von allein nach einiger Zeit wieder zurück, teilweise komplett, teilweise auch nur unvollständig. Wir wissen heute, dass der Langzeitverlauf der MS durch die Schubtherapie mit Kortison nicht beeinflusst wird. Allerdings können sich Schübe schneller zurückbilden und es steigt die Chance einen Schub ohne oder mit nur geringen Beschwerden zu überstehen

Hatten Sie schon Covid 19 MS Patienten? Wenn ja, was können Sie uns zum Verlauf sagen?

Ja, zwei jüngere Patientinnen, die die Infektion glücklicherweise ohne gravierende Symptome oder Nachwirkungen überstanden haben. Insgesamt stellt die MS an sich bei jüngeren Betroffenen ohne andere Begleiterkrankungen kein erhöhtes Risiko dar für einen schwereren COVID19 Verlauf. Die Situation kann sich aber ändern, bei bestimmten (aber nicht allen) Immuntherapien, bei langem MS Verlauf mit stärkerer körperlicher Beeinträchtigung, fortgeschrittenem Lebensalter und Begleiterkrankungen, so wie Übergewicht, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauferkrankungen.

Gibt es etwas, um die MS positiv zu beeinflussen?

Es gibt einen wissenschaftlichen Konsens, die MS heute früh immuntherapeutisch zu behandeln, häufig schon mit dem ersten Ereignis. Das Ansprechen auf diese Therapien bei kurzem Verlauf und jungem Diagnosealter ist sehr viel besser, als wenn erst in höherem Lebensalter und längerem Krankheitsverlauf behandelt wird. Die meisten MS Patienten haben eine entzündlich-dominierte, schubförmige Verlaufsform, deren Beeinflussung auch auf die nächsten 10-20 Jahre nach Diagnosestellung maßgeblich durch diese frühe Therapie erfolgt.

Neben einer spezifischen MS Therapie sind auch Lebensstil modifizierende Faktoren wichtig. Erwiesen ist der positive Effekt auf neurologische Erkrankungen im Allgemeinen durch regelmäßige Bewegung und Sport, erholsamen – und regenerierenden Schlaf, eine ausgewogene, abwechslungsreiche und nicht so zuckerlastige Ernährung, sowie Nikotinkarenz.

Wir suchen alle nach dem einen Satz. Haben Sie ein Rezept um Ihren Patienten Mut zu machen?

MS ist die häufigste neurologische Autoimmunerkrankung, es gibt ca. 240.000 Betroffene in Deutschland und Sie sind nicht allein!

Das Wissen um die Erkrankung und deren Therapie ist in den letzten 20 Jahren dramatisch gewachsen und wir können einem Großteil der Betroffenen inzwischen ermöglichen, trotz MS ein vielfach normales, in jedem Fall erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Lupus erythematodes: Experteninterview mit Dr. Peer M. Aries

Laut Angaben der Berliner Charité leiden in Deutschland rund 20.000 Menschen an der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes oder auch „Schmetterlingsflechte“ genannt. Die Ausprägung der Krankheit reicht dabei von Gesichtsrötungen bis zu Gelenkschmerzen und hat eine Vielfalt an Symptomen. Dr. Peer M. Aries von der Rheumatologie im Struenseehaus in Hamburg erzählt uns, welche Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten es gibt, was Betroffene selbst tun können und was man bei Kinderwunsch beachten sollte.

Was ist Lupus erythematodes (LE)?

Der Lupus erythematodes gehört zu den Formen des Weichteilrheuma, auch genannt Kollagenosen. Es ist eine Autoimmunerkrankung, die insbesondere die Haut und Schleimhäute betreffen kann. Bei der systemischen Verlaufsform kann es auch zu entzündlichen Veränderungen der Gelenke bzw. der inneren Organe (Herz, Lunge und Niere) kommen. Für die Patienten ist es wichtig zu wissen, dass nicht jeder Patient mit einem Lupus einen schweren Verlauf mit Beteiligung aller Organe haben wird. Die meisten Patienten haben eine mildere Verlaufsform.

Was ist die Ursache von LE und wie entsteht er?

Einen einzelnen Auslöser für den Lupus erythematodes gibt es – wie für viele andere Autoimmunerkrankung – tatsächlich nicht. Wir wissen heute, dass offensichtlich einige Gene zu dieser Erkrankung prädisponieren, das heißt die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Patient diese Erkrankung bekommt. Diese Gene sind jedoch nicht allein entscheidend. Es gibt viele Menschen mit solchen Genen, die keine Autoimmunerkrankung bekommen. Es müssen also noch andere Faktoren hinzu kommen, wie z.B. Umweltfaktoren oder auch Infektionen. Auch dabei spielt es eine wichtige Rolle das nicht der einzelne Umweltfaktoren oder die einzelne Infektion letztendlich für die Autoimmunerkrankung entscheidend ist, es scheint in der Hinsicht aber eine Rolle zu spielen, dass es das Immunsystem durcheinanderbringt und zu einer autoaggressiven handelsweise verleitet.

Welche Formen des LE gibt es?

Wir unterscheiden grob zwischen dem auf die Haut begrenzten Lupus erythematodes und der systemischen Verlaufsform, bei dem auch außerhalb der Haut entzündliche Veränderungen auftreten können.

Welche Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Therapie hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel getan. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass wir eine Vielzahl von Medikamenten inzwischen zur Verfügung stehen haben, sondern auch das Konzept, wann man welche Therapie einsetzt ist heutzutage von entscheidender Bedeutung. Wir richten uns dabei nach dem Verlauf der Erkrankung. Es gibt nicht eine Therapie, die allen Patienten grundsätzlich zu empfehlen ist.

Wir unterscheiden zwischen einer milden und schweren Verlaufsform und versuchen auch die individuellen Unterschiede der Patienten dabei zu berücksichtigen. Dazu gehört natürlich auch, wie es z.B. mit einem Schwangerschaftswunsch aussieht oder welche Vortherapien die Patientin bereits gehabt hat. Tatsächlich empfehlen wir sehr vielen Patienten die Einnahme von Quensyl, da gerade bei der systemischen Verlaufsform bekannt ist, dass wir mit dieser Therapie Schübe bzw. einen schweren Verlauf vermeiden können. In Anbetracht der Tatsache, dass das Risiko von Nebenwirkungen relativ gering ist, sind wir sehr großzügig mit der Empfehlung der Therapie insbesondere auch bei Patientinnen, die in näherer Zeit schwanger werden wollen.

Was können Betroffene selbst tun?

Die Frage ist natürlich besonders häufig, da viele Patienten nicht alleine abhängig sein wollen von den Medikamenten. Grob gesagt, und sicherlich nicht erstaunlich, ist eine gesunde Lebensweise für solche Autoimmunerkrankung zuträglich. Eine ausgewogene Ernährung oder auch Vermeidung von viel Stress ist von Vorteil. Zweites ist nicht immer in der Entscheidung der Patienten, und wir wollen unserer Patienten auch nicht in einen Glaskasten sperren. Letztendlich soll unsere Therapie den Patienten ermöglichen, ein ganz normales Leben zu führen. Dazu gehört eben auch mal Stress.

Auf der anderen Seite sollten die Patienten sich freizeitliche Aktivitäten suchen, die z.B. zum Stressabbau führen können. Der Schlagwort ist heutzutage Achtsamkeit, dieses kann z.B. beinhalten mehr Sport und Bewegung zu machen, oder auch sonstige Entspannungstechniken zu lernen. Bezüglich der Ernährung ist es mir wichtig, dass die wissenschaftliche Grundlage für solche Empfehlungen tatsächlich sehr begrenzt ist. Dennoch kann man all unseren Patienten empfehlen, dass die Berücksichtigung einer mediterrane Kost sicherlich von Vorteil ist. Dieses beinhaltet möglichst wenig Fleisch und Alkohol und viel Omega 3 Fettsäuren, z.B. in entsprechenden Ölen wie Walnussöl oder Leinsamenöl oder auch in Form von Fischen. Die Einnahme von Omega 3 Fettsäurenkapseln ist sicherlich auch möglich, wird aber von den meisten Rheumatologen gegenüber der grundsätzlichen Ernährungsumstellung nicht bevorzugt.

Müssen Lupus Patienten bei bestehenden Kinderwunsch etwas beachten und kann die Therapie während der Schwangerschaft weiter geführt werden?

Es ist zu empfehlen, dass das Thema mit dem Rheumatologen im Vorwege besprochen wird. Dieses ist sicherlich nicht besonders Romantisch, kann aber für eine erfolgreiche Schwangerschaft von besonderer Bedeutung sein. In diesem Gespräch geht es darum, wann ein guter Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist. Wir wissen z.B. das Patienten mindestens 3-6 Monate vor der Empfängnisschutz einen kontrollierten Krankheitszustand (sogenannte Remission) haben sollten, weil damit das Risiko für eine zunehmende Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft vermieden werden kann.

Außerdem muss geschaut werden, welche Medikamente die Patienten zu dem Zeitpunkt des Kinderwunsches einnehmen. Einige Medikamente verbieten sich bei einem Schwangerschaftswunsch, andere Medikamente werden explizit empfohlen. Zudem sollten noch individuelle Risikofaktoren für eine Schwangerschaft untersucht werden, dabei sind z.B. Antikörper zu berücksichtigen, die z.B. für das Kind und die Entwicklung einer Hautveränderung von Bedeutung sein könnten, oder auch Antikörper, die etwas mit der Blutgerinnung zu tun haben.

Dr. Peer M. Aries ist Facharzt für Innere Medizin / Rheumatologie und betreibt in Hamburg eine Gemeinschaftspraxis für Rheumatologie und klinische Immunologie. Wesentlicher Bestandteil ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Lungen, Nieren und Bluterkrankungen sowie der Radiologie. Schwerpunkte sind Innere Medizin, Rheumatologie, Klinische Immunologie sowie Rheuma und Schwangerschaft.

Welt-Neurodermitis-Tag 2024: Deine Therapie. Deine Entscheidung.

Am 14. September ist Welt-Neurodermitis-Tag. Jährlich wird der Tag weltweit dazu genutzt, das Bewusstsein für Neurodermitis zu schärfen und die Bedürfnisse der Betroffenen ins Zentrum zu rücken. Weltweit sind Millionen Menschen von der chronisch-entzündlichen Erkrankung betroffen – manche bereits seit ihrer Geburt, andere erkranken im Laufe ihres Lebens, teilweise auch erst im Erwachsenenalter. Sie leiden unter quälendem Juckreiz, entzündeten Hautpartien am ganzen Körper und erleben oftmals Stigmatisierung, Einsamkeit und Einschränkungen in ihrem täglichen Leben. Viele Menschen mit Neurodermitis waren teilweise jahrelang auf der Suche nach einer passenden Therapie und sind frustriert. Die Folge: Betroffene finden sich mit dem Status quo ab – sie spüren nach wie vor Symptome und lassen sich von der Erkrankung weiterhin einschränken.

Die Aktion

Die Patienteninitiative „Neurodermitis? Wen juckt’s“ möchte den Welt-Neurodermitis-Tag zum Anlass nehmen, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, dass sich Betroffene am Entscheidungsprozess rund um ihre Gesundheit aktiv beteiligen. Unter dem Motto „Deine Therapie. Deine Entscheidung.“ möchte die Initiative ermutigen, die Erkrankung und die damit verbundenen Symptome hinzunehmen. Stattdessen kannst du mit einer aktiven Kommunikation im Arztgespräch an der Wahl deiner Therapie mitwirken. Wenn du und deine Ärztin oder dein Arzt ein Team seid, kann der Weg zur individuell passenden Therapie leichter werden.

Emotionale Geschichten von Patientinnen und hilfreiche Informationen rund um den Arztbesuch

Auf der Website der Initiative (https://www.neurodermitis-wen-juckts.de) findest du wertvolle Tipps, wie du dich selbst im Arztgespräch einbringen kannst. Auf dem Instagram-Kanal (https://www.instagram.com/wenjuckts.unsjuckts/) werden im September viele Erfahrungsberichte von Betroffenen geteilt – über ihren Weg zur passenden Behandlung und wie sie selbst in diesem Prozess aktiv geworden sind.

Mit freundlicher Unterstützung von: Abbvie

Therapiemöglichkeiten bei Rheuma: Welche Medikamente gibt es?

Bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen gibt es heute eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten, die darauf abzielen, die Entzündung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Wahl der Therapie hängt dabei von der Art und Schwere der Erkrankung, den individuellen Bedürfnissen des Patienten und den möglichen Nebenwirkungen ab. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige der wichtigsten Medikamente und Therapien vor, die aktuell zur Verfügung stehen.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen werden häufig zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. Sie wirken, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen, die Entzündungen und Schmerzen im Körper fördern. NSAR sind in der Regel gut verträglich, können aber bei langfristiger Anwendung Magenprobleme verursachen.

Kortikosteroide (Kortison)

Kortikosteroide wie Prednison sind starke entzündungshemmende Medikamente, die bei akuten Schüben von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden. Sie wirken schnell, indem sie das Immunsystem unterdrücken und so die Entzündung reduzieren. Aufgrund ihrer potenziellen Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, Osteoporose und erhöhtem Infektionsrisiko, werden Kortikosteroide oft nur kurzfristig eingesetzt.

Basistherapeutika (DMARDs)

DMARDs (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs) sind Medikamente, die das Fortschreiten rheumatischer Erkrankungen verlangsamen. Sie wirken, indem sie das Immunsystem modulieren und die Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Zu den klassischen DMARDs gehören:

  • Methotrexat (MTX): Eines der am häufigsten verwendeten DMARDs, das die Zellteilung hemmt und dadurch das Immunsystem dämpft.
  • Sulfasalazin: Wirkt entzündungshemmend und wird häufig bei rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn eingesetzt.
  • Leflunomid: Reduziert die Aktivität bestimmter Immunzellen und wird zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt.

Biologika

Biologika sind eine fortschrittliche Form der Therapie, die gezielt auf bestimmte Komponenten des Immunsystems einwirkt. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente sind oft als Injektionen oder Infusionen erhältlich und werden bei Patienten eingesetzt, bei denen DMARDs nicht ausreichend wirken. Hier sind die wichtigsten Therapiekonzepte bei Biologika:

TNF-Alpha-Inhibitoren

Diese Biologika blockieren den Tumor-Nekrose-Faktor Alpha (TNF-α), ein Zytokin, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Entzündungen spielt.

Beispiele: Adalimumab, Infliximab, Etanercept, Certolizumab Pegol, Golimumab

IL-1-Inhibitoren

Diese Medikamente blockieren das Interleukin-1 (IL-1), ein weiteres proinflammatorisches Zytokin, das an entzündlichen Prozessen beteiligt ist.

Beispiel: Anakinra

IL-6-Inhibitoren

IL-6-Inhibitoren blockieren das Interleukin-6 (IL-6), ein Zytokin, das an der Entzündungsreaktion und an der Stimulierung der Akut-Phase-Reaktion beteiligt ist.

Beispiele: Tocilizumab, Sarilumab

B-Zell-Therapien

Diese Biologika richten sich gegen B-Zellen, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die an der Produktion von Antikörpern und an der Auslösung von Entzündungen beteiligt sind.

Beispiel: Rituximab (anti-CD20-Antikörper)

T-Zell-Kostimulationshemmer

Diese Medikamente verhindern die Aktivierung von T-Zellen, die eine Schlüsselrolle in der Immunantwort spielen.

Beispiel: Abatacept (CTLA-4-Ig)

IL-12/IL-23-Inhibitoren

Diese Biologika blockieren die Zytokine IL-12 und IL-23, die an der Differenzierung und Aktivierung von T-Zellen beteiligt sind, insbesondere bei der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis.

Beispiel: Ustekinumab

IL-17-Inhibitoren

Diese Therapie blockiert das Interleukin-17 (IL-17), ein Zytokin, das eine Rolle bei der Pathogenese von entzündlichen Erkrankungen wie Psoriasis und ankylosierender Spondylitis spielt.

Beispiele: Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab

IL-23-Inhibitoren

Diese Biologika wirken spezifisch auf das Interleukin-23 (IL-23), das an der Entzündungsreaktion bei Krankheiten wie Psoriasis beteiligt ist.

Beispiele: Guselkumab, Tildrakizumab, Risankizumab

Anti-BAFF/BLyS-Therapie

Diese Medikamente zielen auf den B-Zell-aktivierenden Faktor (BAFF/BLyS), der für das Überleben und die Aktivierung von B-Zellen wichtig ist.

Beispiel: Belimumab

RANKL-Inhibitor

Dieser Inhibitor blockiert den RANK-Liganden (RANKL), der eine Rolle bei der Osteoklasten-Aktivierung und damit beim Knochenabbau spielt.

Beispiel: Denosumab

JAK-Inhibitoren

Eine neuere Klasse von Medikamenten sind die JAK-Inhibitoren (Januskinase-Inhibitoren). Diese Tabletten blockieren spezifische Enzyme, die an der Signalübertragung von Entzündungsprozessen beteiligt sind. Beispiele sind Tofacitinib, Upadacitinib, Filgotinib und Baricitinib. JAK-Inhibitoren bieten eine orale Alternative zu Biologika und sind besonders bei Patienten wirksam, die auf andere Behandlungen nicht ausreichend ansprechen.

Phosphodiesterase-4-Hemmer (PDE4-Hemmer)

Apremilast ist ein Beispiel für einen PDE4-Hemmer, der die entzündlichen Prozesse im Körper beeinflusst, indem er bestimmte Enzyme blockiert. Es wird bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis eingesetzt und bietet eine weitere orale Behandlungsoption.

Zusammenfassung

Die Therapie von rheumatischen Erkrankungen ist vielfältig und individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt. Während traditionelle Medikamente wie NSAR und Kortikosteroide häufig zur schnellen Linderung von Symptomen eingesetzt werden, bieten, DMARDs, Biologika und JAK-Inhibitoren langfristige Lösungen zur Kontrolle der Erkrankung und zur Verhinderung von Gelenkschäden. Die Wahl der richtigen Therapie erfolgt in enger Absprache mit dem behandelnden Rheumatologen, um die bestmögliche Lebensqualität für den Patienten zu gewährleisten.

Biologika und JAK-Hemmer im Kampf gegen den Juckreiz

Eine frühzeitige Behandlung von Neurodermitis, die darauf abzielt, den Juckreiz zu lindern, ist entscheidend, um den Teufelskreis aus Jucken und Kratzen zu durchbrechen. Zunächst mag es zwar Erleichterung bringen, sich zu kratzen oder zu reiben, doch dies kann zu kleinen Hautverletzungen führen, die bestehende Entzündungen verschlimmern und neue hervorrufen. Dies wiederum verstärkt den Juckreiz, führt zu weiterem Kratzen, mehr Entzündungen und so weiter. Um nachhaltige Linderung zu erzielen, muss dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan.

Bei milderen Formen von Neurodermitis können topische Medikamente oft ausreichen. Bei moderater bis schwerer Neurodermitis mit ausgeprägten Ekzemen und unerträglichem Juckreiz, die auf topische Behandlungen nicht ansprechen, sind jedoch systemische Therapien erforderlich. Neue Medikamente mit hoher Wirksamkeit und Verträglichkeit stehen mittlerweile zur Verfügung: spezifische Antikörper und sogenannte kleine Moleküle.

Innere Therapie

Bei moderater bis schwerer Neurodermitis kommen Medikamente zum Einsatz, die nicht nur lokal auf die Hautentzündung wirken. Diese Medikamente gelangen in Form von Tabletten oder Injektionen in den Blutkreislauf und werden daher als systemische oder innere Therapien bezeichnet. Ihr Ziel ist es, das Immunsystem zu regulieren und den Entzündungsprozess zu stoppen.

Das Problem bei klassischen systemischen Medikamenten, die das gesamte Immunsystem beeinflussen und Abwehrreaktionen unterdrücken (z. B. Glukokortikoidtabletten oder Cyclosporin), liegt in ihren häufigen Nebenwirkungen. Aus diesem Grund werden sie nur für begrenzte Zeit empfohlen.

Gefragt sind daher Medikamente, die gezielt in den Entzündungsmechanismus der Neurodermitis eingreifen. In den letzten Jahren hat die Forschung große Fortschritte gemacht, indem sie die Signalwege der Entzündung im Körper genau untersucht hat.

Derzeit gibt es zwei moderne Therapieansätze, die die Signalübertragung auf unterschiedliche Weise blockieren: Biologika und Januskinasehemmer (JAK-Hemmer).

Biologika

Als Biologika werden im Allgemeinen Medikamente bezeichnet, deren Wirkstoffe aus biologischen Substanzen bestehen und biotechnologisch hergestellt werden. Zur Behandlung von Neurodermitis werden monoklonale Antikörper (biotechnologisch hergestellte Eiweiße) eingesetzt. Diese Antikörper können gezielt die Signalübertragung bestimmter Zytokine blockieren, die bei Neurodermitis eine Rolle spielen (z. B. Interleukine [IL] vom Typ IL-4, IL-13, IL-3). Der passende Antikörper für ein bestimmtes Interleukin bindet an den entsprechenden Rezeptor auf der Immunzelle und verhindert so die Aktivierung der Zelle sowie die Freisetzung weiterer Entzündungsstoffe. Charakteristisch für diesen Therapieansatz ist, dass die Wirkstoffe jeweils nur die Signalwege einzelner Interleukine blockieren.

Biologika können aufgrund ihrer Struktur nicht über den Magen-Darm-Trakt in den Blutkreislauf gelangen und müssen daher unter die Haut gespritzt werden. Da sie in vorgefertigten Dosierungen als Fertigspritze oder Fertigpen erhältlich sind, können sie in der Regel nach ärztlicher Anleitung selbst verabreicht werden.

Januskinasehemmer (JAK-Hemmer)

JAK-Hemmer greifen ebenfalls in den Signalweg der Entzündung ein, jedoch an einer anderen Stelle als Biologika. Zudem richten sie sich nicht gegen einzelne Typen von Zytokinen, sondern unterdrücken, wie der Name schon sagt, die Aktivität von Januskinasen (JAK).

Januskinasen sind spezielle Enzyme, die im Inneren von Zellen vorkommen und biochemische Reaktionen steuern. Um aktiviert zu werden, benötigen sie ein Signal, das sie erhalten, wenn Zytokine an den Rezeptoren auf der Zelloberfläche binden. Aktivierte Januskinasen lösen eine Signalkaskade innerhalb der Zelle aus, die letztendlich zur Verstärkung der Entzündungsreaktion und Freisetzung weiterer Zytokine führt.

Januskinasen sind Schaltstellen für die Signalweiterleitung vom Äußeren ins Innere der Zelle im gesamten Entzündungsprozess. Dieses Wissen führte zur Entwicklung von JAK-Hemmern. Diese Wirkstoffe hemmen die Aktivität der Januskinasen in der Zelle und verhindern so die Auslösung der Signalkaskade, was den gesamten Entzündungsprozess einschließlich des Juckreizes reduziert. Da Januskinasen auch Einfluss auf neurosensorische Signalwege und die Aktivität von Nervenfasern haben, tragen JAK-Hemmer auch dazu bei, den Juckreiz zu lindern.

JAK-Hemmer gehören zu einer Klasse von Wirkstoffen, die aufgrund ihrer geringen Größe als Small Molecules bezeichnet werden. Sie können in Form von Tabletten eingenommen werden, in der Regel einmal täglich. Es ist wichtig, die Dosierungsanweisungen des Arztes genau zu befolgen.

Die für die Therapie mittelschwerer und schwerer Neurodermitis zugelassenen Biologika und JAK-Hemmer sind in der Regel gut verträglich. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen können etwaige Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und die Therapie individuell angepasst werden. Die Wahl der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Hautzustand und die Stärke des Juckreizes, und sollte im Rahmen eines Arztgesprächs mit dem behandelnden Dermatologen getroffen werden.

Kortison ist nicht gleich Kortison

Was ist Kortison?

„Kortison“ – In der Apotheke höre ich bei der Beratung von meinen Kunden häufig Bedenken gegenüber Kortison-haltigen Medikamenten. In diesem Beitrag geht es darum, ob diese Bedenken gerechtfertigt sind. In jedem Fall ist eine ausführliche Aufklärung bei einer Kortisonbehandlung enorm wichtig.

Die Bezeichnung. „Kortison“, oft auch Cortison mit „C“, bezeichnet eine natürliche, im Körper nicht wirksame, Vorstufe des eigentlich wirksamen Glukokortikoids Kortisol oder Cortisol (Synonym in Hydrokortison). Das natürliches Glukokortikoid Kortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet und ist für viele Funktionen im Körper essenziell: es macht uns wach und bereit für den Tag. Denn Kortisol wird nicht kontinuierlich, sondern schubweise in einem zirkadianen Rhythmus ausgeschüttet. In den frühen Morgenstunden wird Kortisol ausgeschüttet und lässt die Kortisol-Konzentration im Blut anstiegen. Im Laufe des Tages sinken die Blutspiegel wieder ab, um zum nächsten Morgen wieder anzusteigen, das ist der zirkadiane Rhythmus. Zu den natürlichen Funktionen von Kortisol gehört, unter anderem, eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels, um uns Energie für die Herausforderungen des Tages bereitzustellen. Weil Kortisol in Stress- oder in Belastungssituationen in deutlich höheren Mengen produziert und ausgeschüttet wird; gehört Kortisol zu der Gruppe der Stresshormone wie auch z.B. Adrenalin oder Noradrenalin. Eine erhöhte Produktion von Kortisol reguliert und blockiert entzündliche Prozesse im Organismus durch immunsuppressive Eigenschaften. In diesem Prozess erkennt man eigentliche Schutzfunktion von Kortisol – durch eine kurzzeitige Hemmung des Immunsystems, kann sich der Organismus auf die Bewältigung der akuten Stressreaktion konzentrieren.

Pharmakologisch wird diese entzündungshemmende (Fachbegriffe: antiphlogistische oder antiinflammatorische) Eigenschaft von Glukokortikoiden zur Behandlung entzündungsbedingter Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel bei Hautproblemen, Allergien, Asthma bronchiale, Rheuma, MS oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Werden Tabletten verschrieben, ist in der Regel eine „systemische“ (im gesamten Organismus) Wirkung erwünscht. Der Wirkstoff wird dann über den Darm ins Blut aufgenommen und wirkt im gesamten Körper. Alternativ setzt man Glukokortikoide lokal ein, zum Beispiel in Form von Cremes, Salben, Inhalatoren oder Nasensprays.

In der Medizin stehen natürliche und synthetische Glukokortikoide zur Verfügung. Aber Achtung, natürlich ist in diesem Fall nicht mit „besser“ gleichzusetzen. Zumal werden natürliche und synthetische Wirkstoffe gleichermaßen in Laboren chemisch hergestellt und zusätzlich sind die letzteren in Ihrer Wirkung den Natürlichen überlegen. Die Unterteilung „natürlich“ bedeutet lediglich, dass die Glukokortikoide Kortison und Kortisol in ihrem chemischen Aufbau identisch zu den Formen sind, welche die Nebennierenrinde produziert. Synthetische Glukokortikoide hingegen sind in ihrer chemischen Struktur so verändert worden, dass deren Wirkung (in Relation zu Kortison bzw. Kortisol) länger bzw. stärker ist oder diese ein günstigeres Wirkung-zu-Nebenwirkung-Profil aufweisen.

Systemische Therapie mit Glukokortikoiden

Bei entzündlichen Erkrankungen wie beispielsweise Rheuma, MS, oder bei schweren Formen des Asthma bronchiale ist eine systemische Wirkung gewünscht. Hierbei sind Glukokortikoide in Tablettenform Mittel der Wahl. Man kann diese, je nach Dosis und Wirkstoff zur Akut- oder zur Langzeittherapie einsetzen. Grundsätzlich sollten Glukokortikoide nur einmal täglich vor 8 Uhr morgens eingenommen werden. Beträgt die Anwendungsdauer länger als 3 Wochen, muss am Ende der Therapie eine schrittweise Reduktion der Dosis erfolgen. Damit unterstütz man die Nebennierenrinde die körpereigene Kortisol-Produktion wieder aufzunehmen. Das Auftreten von Nebenwirkungen schränkt den langfristigen systemischen Gebrauch ein. Mögliche Nebenwirkungen einer Langzeitanwendung sind, unter anderem, Osteoporose, Hautatrophie, Muskelabbau, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Entwicklung einer Insulinresistenz, Vollmondgesicht, gesteigerte Magensäureproduktion, Infektanfälligkeit oder grauer Star.

Die Gruppe der Glukokortikoide unterweilt man in kurzwirksame, wie Prednisolon oder Predison, mittellangwirksame, wie Triamcinolon, oder langwirksame, wie Betamethason oder Dexamethason. Im Gegensatz dazu sind Kortisol und Kortison „sehr kurz“ wirksam, da diese vom Körper am schnellsten wieder abgebaut werden. Das therapeutische Prinzip besteht darin, die Entzündung möglichst schnell „einzudämmen“ und den Körper vor Schäden durch Entzündungsprozesse zu bewahren. Zum Beispiel in einer Akutphase eines entzündlichen Schubs. Eine Langzeittherapie hingegen wird durchgeführt, um Entzündungsprozesse möglichst gar nicht erst wieder „aufflammen“ zu lassen; wie etwa in der Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Je nach Erkrankung versucht man mit hohen Dosierungen zu Beginn, die Entzündungsreaktion zu stoppen. Anschließend reduziert man die Dosis auf ein Maß, das noch ausreicht, um ein „Wiederaufflammen“ zu verhindern. Danach folgt ein schrittweises Ausschleichen der Dosis. Durch dieses Vorgehen kann man der Entwicklung von Nebenwirkungen reduzieren.

Dermatische Anwendung von Glukokortikoiden

Werden Glukokortikoide auf der Haut angewendet ( = topisch) wirken diese entzündungshemmend, abschwellend, juckreizlindernd und antiallergisch. Die Wirkung ergibt sich durch eine Anreicherung in der obersten Schicht der Epidermis (Stratum corneum). Je nach physikochemischen Eigenschaften kann man die Wirkstoffe nach „Wirkstärken“ in 4 Klassen einteilen.

  • Klasse I: schwach wirksam (Hydrokortison, Prednisolon, Dexamethason)
  • Klasse II: mittelstark wirksam (Triamcinolon, Prednicarbat)
  • Klasse III: stark wirksam (Bethametason, Mometason)
  • Klasse IV: sehr stark wirksam (Clobetasol)

Typische Anwendungsgebiete sind entzündliche, allergische Hauterkrankungen oder Ekzeme. Leichter Sonnenbrand, leichte allergische Hautreaktionen und Insektenstiche können mit freiverkäuflichen niedrigdosierten Hydrokortison-Cremes in der Selbstmedikation gut behandelt werden (gilt für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren). Wirkstoffe aus der Klasse III und IV werden hauptsächlich bei der Behandlung von Psoriasis oder schweren Fällen von Neurodermitis bzw. Dermatosen eingesetzt. Zur Behandlung von Akne vulgaris, Rosacea oder zur „Hautpflege“ hingegen sind Glukokortikoide nicht geeignet. Der Grund dafür ist, dass in diesen Fällen keine primär-entzündlichen Prozesse vorliegen. Leider sind auch bei längerer topischer Anwendung Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. In den Wirkstoffklassen I und II sind Nebenwirkungen seltener, bei den Wirkstoffklassen III und IV beobachtet man am häufigsten Änderungen in der Pigmentierung (Verblassen), stärkere Behaarung oder ein dünner werden der Haut. Insbesondere an empfindlichen Hautstellen wie der Gesichtshaut, Hautfalten oder an verletzten Hautarealen können diese Nebenwirkungen auftreten. Eine plötzliche Kontaktallergie mit Juckreiz könnte durch eine Langzeitanwendung bedingt sein. Um der Entstehung von Nebenwirkungen bestmöglich entgegenzuhandeln wird eine Stufentherapie empfohlen. Das bedeutet, dass man die Therapie mit einem Wirkstoff der Klasse III und IV beginnt und nach max. 2 Wochen die Dosierung reduziert. Alternativ kann man die Behandlung mit einem Wirkstoff der Klasse II fortsetzen und dann diesen ausschleichen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man dadurch das Risiko eines erneuten Aufflammens der Symptome (nach Beendigung der Behandlung) reduzieren kann. Eine sogenannte Intervalltherapie ist eine weitere Möglichkeit; hierbei erfolgt die Behandlung nicht einmal täglich, sondern alle zwei oder drei Tage. Die behandlungsfreien Tage werden schrittweise erhöht, zusätzlich kann man an diesen „Pausen-Tagen“ die Therapie mit pflegenden Produkten unterstützen.

Ist der schlechte Ruf von Kortison berechtigt?

Nebenwirkungen wie Knochenschwund, Muskelabbau, Förderung einer Insulinresistenz oder erhöhte Blutfettwerte sind besorgniserregend und tragen zum negativen Image von Glukokortikoiden bei. Das Auftreten der Nebenwirkungen limitiert die Langzeitanwendung, die bei vielen Erkrankungen sinnvoll ist und den Patienten eigentlich guttut. Denn Glukokortikoide sind in der Medizin eine enorm wichtige Wirkstoffgruppe, bei denen die gewollten Wirkungen die unerwünschten Wirkungen deutlich übersteigen. Der Verlauf der Erkrankung bzw. die Folgen können gemildert werden, in dem der Organismus vor einer anhaltenten generalisierten akuten Entzündungsreaktion geschützt wird. Bei strenger Einhaltung des Therapieplans überwiegen die Hauptwirkungen die möglichen unerwünschten Wirkungen. Ist eine Langzeittherapie erforderlich berücksichtig der behandelnde Arzt oder die Ärztin zudem individuelle Voraussetzungen, sowie die sogenannte Cushing-Schwelle (Dosis, bei der der Patient/Patientin Cushing-Symptome entwickelt).

In jedem Fall ist dringend davon abzuraten, die Therapie abzubrechen aufgrund vom „schlechten Ruf“ von Glukokortikoiden. Lassen Sie sich im Zweifelsfall nochmal in der Arztpraxis oder in einer spezialisierten Apotheke ausführlich beraten: es können einerseits Bedenken dadurch aufgelöst werden oder Ihre Behandlung könnte durch individuell Anpassungen für Sie optimiert werden. Noch ein wichtiger Hinweis, einige der genannten sind Nebenwirkungen reversibel, wie z.B. Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit. Durch eine offene Kommunikation gepaart mit einem guten Monitoring, ermöglicht man ein schnelles Eingreifen und Gegenwirken, es muss also in keinem Fall zu einer Ausprägung aller genannten, möglichen Nebenwirkungen kommen.

Dr. Nina Unger
Apothekerin
apo.com

„Beratung ist mir in meiner Tätigkeit sehr wichtig, besonders online. Ich kläre meine Kunden über die Medikamente auf und unterstütze Sie dabei für Ihre Therapie ein Gefühl der Sicherheit zu bekommen. Durch eine gute Beratung kann man den Menschen Sorgen und Zweifel nehmen und „den inneren Arzt“ der Patienten wecken und zum „Arzneimitteltherapie-Erfolg“ beitragen.“ Dr. Nina Unger

Unterschied zwischen Immunmodulation und Immunsuppression

Wir haben unseren Netzwerkpartner Dr. med. Karl Knop gefragt, was der Unterschied zwischen Immunmodulation und Immunsuppression ist:

Die Abgrenzung ist begrifflich unscharf. Immunmodulation beschreibt jedwede Form der Beeinflussung des Immunsystems und könnte somit ein Überbegriff für verschiedene Immuntherapien sein, während die Immunsuppression, also die Unterdrückung der Immunantwort nur eine bestimmte Form der Therapie darstellt.

Auf der Website MS-Gateway.de fand ich folgende Erläuterung:

„… was ist der Unterschied zwischen Immunmodulation und Immunsuppression? Zur besseren Erklärung hilft vielleicht diese Analogie: Ein Musikstück kann mit Höhen und Tiefen moduliert werden – der Ton ist anders als im Original-Musikstück, aber der Ton ist da, nur verändert. Genauso kann ein Musikstück viel zu leise sein, weil es supprimiert wurde – der Ton ist nicht mehr hörbar“.

Immunmodulation wird meist verwendet, wenn die medikamentöse Behandlung einen regulierenden, teils hemmenden, teils aktivierenden Effekt auf das Immunsystem hat mit dem Ziel möglichst gezielt und selektiv die überschießende, krankheitsverursachende Autoaggression zu hemmen oder zu begrenzen.

Bei der Immunsuppression kommt es infolge der Medikamentengabe zur Unterdrückung des Immunsystems, damit auch zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr. Bei der Immunsuppression handelt es häufig um eine milde Form der Chemotherapie, bei der die Funktion von Immunzellen vorsichtig unterdrückt wird oder einzelne Bestandteile des körpereigenen Abwehrsystems gehemmt werden. Ältere Medikamente wirken dabei häufig weniger selektiv oder auch nachhaltig auf das Immunsystem, auch noch nach Beendigung der Therapie. Inzwischen gibt es aber auch neuere Medikamente, die sehr viel spezifischer und gezielter auf das Immunsystem wirken.
Mir gefällt der Begriff der verlaufsmodifizierenden Therapie, das heißt eine Behandlung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt eingesetzt den längerfristigen Verlauf und die Schwere der Multiple Sklerose günstig und nachhaltig verändert.

Barrierefreiheits-Toolbar