Bauchgefühl trifft Bettgeflüster: Bowel Urgency und Intimität

Liebe und Sexualität sind wesentliche Bestandteile unseres Lebens. Doch was passiert, wenn eine Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa die Intimität stört? Mario* weiß, wie sich das anfühlt: Aus einem fantastischen Date machte seine Bowel Urgency – der imperative Stuhldrang – eine Katastrophe.

Inmitten einer intimen Situation überkam Mario das plötzliche und unkontrollierbare Verlangen, die Toilette aufzusuchen. Er sprang sofort auf, doch er schaffte es nicht rechtzeitig. Vor den Augen seiner neuen Bekanntschaft kam es zum Malheur – er sah die Frau danach nie wieder.

Unsicherheit macht Vertrauen schwer

Leidet die Partnerin oder der Partner unter Bowel Urgency, können Intimität und sexuelle Beziehungen kompliziert sein. Die Angst vor einem plötzlichen Stuhldrang macht einen ungezwungenen Liebesakt nahezu unmöglich.

Dabei ist Sexualität mehr als nur ein körperlicher Akt. Sie ist Ausdruck von Zuneigung, Vertrauen und Bindung. Studien zeigen:

  • Bowel Urgency kann die Intimität stören und zu Angst, Scham und Unsicherheit führen. Nicht selten ziehen sich Betroffene zurück und schränken ihre sexuellen Aktivitäten ein. [1]
  • Dies kann sich auch auf die Familienplanung auswirken. So haben Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen im Durchschnitt weniger Kinder als Nicht-Erkrankte. [2]

Offene Kommunikation ist das Fundament

Bowel Urgency ist ein Thema, das oft nicht angesprochen wird, aber Teil des Lebens vieler Menschen mit Colitis ulcerosa ist. [3] Und genau deswegen ist es wichtig, über mögliche Ängste und Bedenken zu sprechen – sei es mit deiner behandelnden Ärztin bzw. deinem behandelnden Arzt und/oder deiner Partnerin bzw. deinem Partner. Oft scheuen sich selbst Fachleute, das Problem proaktiv anzusprechen, dabei ist der offene Umgang sehr wichtig.

Schlussgedanken

Bowel Urgency ist eine Herausforderung, aber sie muss nicht bedeuten, dass die Beziehung oder das Sexualleben auf der Strecke bleiben. Durch eine offene Kommunikation mit deiner Ärztin oder deinem Arzt kann die auf dich abgestimmte, passende Therapie gefunden werden.

Wenn du Fragen zu deiner Therapie mit einem Lilly-Produkt hast, melde dich gerne für den digitalen Therapiebegleiter an unter gastroplus.lilly-pharma.de.

* Name von der Redaktion geändert

[1] Travis S et al. [oral presentation] DDW; San Diego, USA/Virtual; 21-24 May 2022
[2] Leenhardt R et al. World J Gastroenterol. Sep 28, 2019; 25(36): 5423-5433
[3] Rubin D et al. [ePoster] DDW; San Diego, USA/Virtual; 21-24 May 2022: Sa1627

Mit freundlicher Unterstützung von:
Lilly Deutschland GmbH
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CED: Welche Signale sollte man ernst nehmen?

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen Welche Signale sollte man ernst nehmen und welche Möglichkeiten gibt es für mich? 

Leider sind Stuhlgang und Darmerkrankungen für viele immer noch ein Tabuthema. Es bestehen Ängste, die dem offenen Umgang mit der CED im Wege stehen. Das erschwert es Menschen mit einer CED nochmal mehr den Mut zu fassen, die Themen und Sorgen, die sie bewegen anzusprechen.

Das Krankheitsgeschehen bei CED wird heute nicht mehr als klassische Autoimmunerkrankung betrachtet, sondern als komplexe immunologische Störung in Verbindung mit einer Barriere-Erkrankung. Dabei lösen eigentlich harmlose Darmbakterien eine überschießende Immunreaktion aus, indem sie durch Schleimhautbarriere in die Darmwand eindringen.

CED ist nicht gleich CED.

Die Ausprägung der Krankheitsbilder ist individuell unterschiedlich und dabei einerseits vielgestaltig, andererseits jedoch unspezifisch. Das heißt, die Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder chronische Müdigkeit sind zwar typisch für CED, aber auch für zahlreiche andere Erkrankungen. Aus diesem Grund kommt es leider häufig zu einer verzögerten Diagnosestellung.

CED ist nicht nur Bauchweh.

Neben den prominenten Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfällen und Übelkeit treten häufig auch Begleiterscheinungen auf. Eine Entzündung im Verdauungstrakt, das ist das Hauptmerkmal von CED. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch andere Organe beteiligt sein können. Bei etwa 25 bis 40 % der Menschen mit CED treten Beschwerden außerhalb des Darms auf, bei rund einem Viertel sind es sogar mehrere.

Ob Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, auch an Haut, Leber, Augen, Gelenken oder Knochen kann sich die Erkrankung zeigen. Diese Beschwerden können zeitgleich mit einem Schub auftreten oder auch unabhängig davon sein. Es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass Beschwerden auch außerhalb des Darms mit der CED zusammenhängen können.

Wie kann das sein? Der Krankheitsprozess, dem eine Fehlleitung des Immunsystems zugrunde liegt, wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Was sollte man beachten?

Bei Begleiterkrankungen ist es vor allem wichtig, dass sie frühzeitig erkannt und behandelt werden. Damit das gelingt, sollte man wissen, welche möglichen Beschwerden auf eine Begleiterkrankung hinweisen können. Falls ein Verdacht besteht, dann lieber mal direkt mit dem Gastroenterlogen hierüber sprechen. Da gilt wie immer: Lieber einmal mehr nachgefragt, als eine Verschlechterung des Allgemeinzustands riskiert.

So kann den Symptomen auf den Grund gegangen und entschieden werden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind und ob ein ggf. ein weiterer Facharzt eingeschaltet werden sollte.

Ein Gastbeitrag von Chronisch Glücklich e.V.

Kolektomie bei Colitis Ulcerosa

Kolektomie?

Bei einer Kolektomie spricht man von der teilweisen oder vollständigen Entfernung des Dickdarms. Wird der Dickdarm inklusive des Rektums (der letzte Abschnitt vorm Anus) entfernt, handelt es sich um eine Proktokolektomie. Die Proktokolektomie ist die häufigste chirurgische Therapiemaßnahme bei Colitis Ulcerosa (CU), wenn Betroffene auf Medikamente und komplementäre Medizin nicht mehr oder nicht ausreichend ansprechen.

Kolektomie leitet sich ab von den Wörtern:
Colon dem griechischen Wort für Dickdarm
– ektome die griechische Bezeichnung für „Herausschneiden“

Gründe für eine Kolektomie

Die Erkrankung Colitis Ulcerosa (CU) und ihr Verlauf sind sehr unterschiedlich von Patient*in zu Patient*in. Die häufigsten Gründe für eine Kolektomie sind jedoch:

  • Notfall-Komplikationen: Manchmal treten schwere Komplikationen im Verlauf einer CU auf, die eine Kolektomie unumgänglich machen, um Betroffene vor dem Tode zu retten. Dazu gehören zum Beispiel Darmverschlüsse mit einem Darmdurchbruch als Folge oder ein toxisches Megakolon.
  • Absolutes Therapieversagen: Obwohl die meisten Patient*innen gut behandelbar sind, in Hinsicht auf ihre Colitis, gibt es jedoch hin und wieder doch Fälle, die als therapierefraktär (keine medikamentöse Therapie wirkt ausreichend) gelten. Solchen Betroffenen wird früher oder später zu einer Entfernung des Dickdarms als Therapie geraten, um die hohe Entzündungsaktivität zu stoppen und oben genannte Notfall-Komplikationen zu vermeiden.
  • Der Wunsch von Betroffenen: Auch wenn es für die meisten gesunden Menschen unvorstellbar ist, dass sich ein Mensch auch nur wünschen könnte, sich freiwillig ein Organ entnehmen zu lassen, ist bei machen CU-Betroffenen die Lebensqualität so enorm eingeschränkt und der Leidensdruck so groß, dass sie freiwillig sich für die Kolektomie entscheiden. Dies ist zwar drastisch und Patient*innen sollten sehr gründlich über Risiken und Auswirkungen aufgeklärt sein, aber dennoch ein valider Grund.

Dickdarm raus und dann?

Im besten Fall wird eine Kolektomie geplant und ist keine Not-Operation. Es gibt verschiedene Möglichkeiten an künstlich geschaffenen Darmausgängen, zwischen denen die Patient*innen wählen können, wenn die sich den Dickdarm entfernen lassen möchten. Diese Entscheidung ist wieder sehr individuell abhängig vom Wunsch der Betroffenen als auch der Ausgangssituation. Die am häufigsten gewählten Optionen sind…

das Ileo-Stoma: Ein Dünndarm-Stoma ist ein künstlicher Darmausgang, bei dem nach Entfernung des Dickdarms, das Ende des Dünndarms durch die Bauchdecke gelegt wird und dort festgenäht wird. Stoma-Träger*innen erhalten dann medizinische Versorgung in Form von Stoma-Beuteln, in die der Stuhlgang dann fließen kann, sowie dort gesammelt wird. Diese Beutel werden an den Bauch geklebt und sind meist so unauffällig, dass sie unter der Kleidung nicht sichtbar sind.
Ein Stoma wird im Rahmen jeder Kolektomie angelegt. Entscheidet sich der*die Patient*in für ein dauerhaftes Stoma bleibt es bei einer Operation.

oder der J-Pouch: Ein sogenannter J-Pouch ist kurz beschrieben eine körper-innenliegende Verbindung zwischen Dünndarm und Anus inklusive eines Reservoirs für den Stuhlgang. Hierbei wird erst der Dickdarm entnommen, der Dünndarm in Form eines J gelegt und an der unteren Seite des damit gebildeten Reservoirs angeschnitten und an den Anus angenäht. Eine J-Pouch Anlage geht ebenso immer mit einer Stoma-Anlage einher und kann in zwei oder drei OPs fertiggestellt werden.

Ist eine Kolektomie die Heilung für Colitis Ulcerosa?

Im Gegensatz zur leider immer noch weit verbreiteten Meinung, eine Colitis Ulcerosa sei heilbar durch eine Kolektomie, ist dies leider nicht der Fall. Doch der Gedanke liegt nah: „Wo kein Dickdarm (Colon), da auch keine Entzündung (-itis).“ – Diese Aussage ist leicht gesagt, aber dennoch falsch.

  1. Der Heilungsbegriff
    In der Medizin ist der Begriff Heilung als Wiederherstellung der Gesundheit unter Erreichen des Ausgangszustandes definiert. (restitutio ad integrum). Die Entnahme eines (gesamten) Organs kann man wohl nicht darunter verstehen.
  2. Die Genetische Disposition und die Sache mit der multifaktoriellen Erkrankung
    Wie bereits im Artikel zu Colitis Ulcerosa erklärt, ist eine CU weitaus mehr als ein spontan entzündeter Blinddarm. Bei der Operation wird weder die genetische Disposition (Veranlagung) entfernt noch bestehende weitere Begleiterkrankungen oder extraintestinale Manifestationen. Diese werden durch die Entfernung des Dickdarms nicht einfach so geheilt. Dazu ist CU eine zu komplexe und eben multifaktorielle Erkrankung.
  3. Pouchitis und Stoma-Komplikationen
    Weder das Stoma noch der Pouch sind risikofrei von Komplikationen nach der Kolektomie und deren Anlage. So können sich klassische Entzündungen wie bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung auch am Ileo-Stoma oder im Bereich des Dünndarms vor dem Stoma bilden. Beim Pouch ist das Risiko ebenso gegeben. Über die Hälfte aller Patient*innen mit J-Pouch erleben in den ersten zwölf Monaten ihre erste Pouchitis (Entzündung des Pouches). 10% aller J-Pouch Anlagen sind leider Misserfolge und werden in der Regel wieder in ein Stoma umgewandelt.

Man kann also natürlich dem Kind (Colitis Ulcerosa) einen neuen Namen geben (Ulzera der Stomamukosa / Entzündung und Ulzera peristomal / Pouchitis), dennoch fallen diese Folgeerkrankungen bzw. Komplikationen nicht aus heiterem Himmel und sind letztendlich genauso auf die genetische Disposition der Chronisch Entzündlichen Darmerkrankung zurückzuführen, wie die Colitis Ulcerosa an sich.

Dennoch bleibt die Kolektomie mit ca. 70 % Remissionsrate, mit Abstand die Therapieoption mit der höchsten Remissionsrate im Gegensatz zu den einzelnen Medikamenten oder komplementärer Medizin. Gleichzeitig ist sie unumkehrbar, drastisch und ebenso mit den meisten und schweren Langzeitfolgen verbunden.

How To Kolektomie?

Vermutlich am wichtigsten zu verstehen ist, dass eine Kolektomie eine Entscheidung für das Leben ist. Also nicht nur der Gedanke, an ein bestmögliches Leben mit Chronisch Entzündlicher Darmerkrankung und ohne Dickdarm, sondern auch eine echte Entscheidung dafür, wirklich und wahrhaftig Leben zu wollen. Für ein glückliches Leben, für Träume und Wünsche und Lebensziele. Denn die meisten aller Betroffenen leben gut mit der Entscheidung für die Kolektomie, auch wenn sie einem zunächst vermutlich eine Riesenangst einjagt.

Damit eine Kolektomie die besten Startbedingungen birgt, ist es vor allem wichtig sich im Vorhinein gut mit ihr auseinander zu setzen: Gespräche mit den eigenen Gastroenterolog*innen und CED-Spezialist*innen rechtzeitig zu führen, sich bei mehreren spezialisierten Chirurg*innen vorzustellen und sich am Ende die eigene beste Entscheidung zu treffen.

Und dann braucht man nur noch eine kleine Prise Glück für die oft lang ersehnte Remission.

Ein Beitrag von Jana Sophie Gottert aka @nocolon.stillrollin
Betroffene einer Chronisch Entzündlichen Darmerkrankung
Aktivistin, Bloggerin und Speakerin für chronische Erkrankungen und*oder Behinderungen
CED-Patient*innen-Expertin

Wirklich dringend! 3 Tipps bei Bowel Urgency

Winterzeit bedeutet auch gemütliche Stunden im Kreise der Lieben oder ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Aber Menschen mit Colitis ulcerosa wissen nur zu gut, dass das alles abrupt enden kann. Viele Betroffene leiden unter Bowel Urgency, dem imperativen Stuhldrang. Er lässt ihnen zum Teil nur wenige Sekunden bis Minuten, um die nächste Toilette zu finden. Wie kürzlich eine Umfrage ergab, tragen nicht wenige Menschen mit Colitis ulcerosa aus Angst regelmäßig Windeln oder Einlagen.[1]


Gleichzeitig ist die Scham oft so groß, dass nicht einmal mit der Ärztin oder dem Arzt über potenzielle oder tatsächlich erlebte „Unfälle“ gesprochen wird.[1] Damit sinken aber auch die Chancen darauf, eine passende Therapie zu finden. Dabei würde die offene Ansprache helfen! Hier kommen Tipps, wie man dieses heikle Thema in der Arztpraxis ansprechen könnte – nur Mut!

Drei Tipps für das Arztgespräch:

1. Tagebuch führen – wie geht es dir?

Schreib auf, wie es dir geht und welche Symptome du hast. Dazu kannst du auch ein Patiententagebuch nutzen. Oft liegen zwischen einem Schub bzw. einem „Unglück“ und dem nächsten Arztbesuch mehrere Wochen. So gehen keine Informationen verloren. Vielleicht ist es auch einfacher, beim nächsten Termin die Notizen vorzulesen, als frei über das Erlebte zu sprechen.

2. Dreamteam

Deine Ärztin oder dein Arzt ist deine Partnerin bzw. dein Partner bei deiner erfolgreichen Therapie. Manche Ärztinnen oder Ärzte erwarten aber, dass du selbst die für dich heiklen Themen ansprichst.[1] Versuche, die Scham außen vor zu lassen und frage alles, was für dich wichtig ist. Es gibt keine dummen Fragen! Nur gemeinsam könnt ihr eine geeignete Therapie finden, die möglichst viele Symptome lindert. Wenn es dir schwerfällt, die Erlebnisse in Worte zu fassen, kannst du dir auch Unterstützung mitbringen, zum Beispiel eine Freundin oder einen Freund.

3. Bitte um mehr Zeit beim nächsten Termin

Alle wissen, dass Ärztinnen und Ärzte oft wenig Zeit haben. Aber das heißt nicht, dass sie kein offenes Ohr für dich haben. Gerade, wenn du noch nicht weißt, wie du ein für dich heikles Thema ansprechen möchtest, bitte im Vorfeld darum, mehr Zeit im Termin einzuplanen. Dann ist klar, dass es für dich beim nächsten Arztbesuch nicht nur um eine Kontrolle geht.


Fazit: Ein stilles Leiden ist keine Option. Bowel Urgency kann die Lebensqualität massiv beeinflussen und sogar das Risiko für Depressionen erhöhen.[2] Lass es nicht so weit kommen und such das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Vielleicht ist dann auch ein Weihnachtsmarktbesuch nicht mehr so unrealistisch, wie es gerade erscheinen mag.

Wenn du Fragen zu deiner Therapie mit einem Lilly-Produkt hast, melde dich gerne für den digitalen Therapiebegleiter an unter gastroplus.lilly-pharma.de.


Mit freundlicher Unterstützung von:
Lilly Deutschland
PP-MR-DE-1518
Foto: ©Adobe Stock | Sinisa Botas | #22903895

Referenzen:

[1] Travis S et al. Inflamm Bowel Dis 2024; 30(6): 939-949.
[2] Nigam GB et al. Clin Gastroenterol Hepatol 2024; 22(8): 1731-1733.e2.

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