LAight®-Therapie: Sanfte Hilfe bei Akne inversa

Wenn Haut zur Belastung wird

Viele Menschen mit Akne inversa (auch Hidradenitis suppurativa genannt) erleben nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch starke Einschränkungen im Alltag. Die chronische Hauterkrankung führt zu eitrigen Entzündungen, wie Knoten, Abszessen oder Fistelgänge in Hautfalten, oft im Achsel-, Leisten- oder Intimbereich. Das kann sehr schmerzhaft sein – und die Lebensqualität massiv einschränken.

Viele Patient:innen berichten von:

  • Starken Schmerzen
  • Einschränkungen im Alltag
  • Schamgefühlen und sozialem Rückzug
  • Langer Odyssee bis zur Diagnose

Aber es gibt eine Behandlung, die sanft, wirksam und ohne Operation helfen kann: die LAight®-Therapie.

Was ist die LAight®-Therapie?

Die LAight®-Therapie ist eine innovative, nicht-invasive Behandlungsmethode, die speziell für Akne inversa entwickelt wurde. Sie kombiniert zwei bewährte Technologien:

  • Intensiv gepulstes Licht (IPL)
  • Radiofrequenz (RF)

Diese Kombination wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und unterstützt die Regeneration der Haut – ganz ohne Operation oder Medikamente.

Gut zu wissen: Die Behandlung ist schmerzarm und wird ambulant durchgeführt – also ohne Krankenhausaufenthalt.

Wie läuft die Behandlung ab?

Erstgespräch: In einem persönlichen Gespräch wird die Hautsituation analysiert und ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Behandlungssitzungen: In regelmäßigen Abständen (z. B. alle 2-6 Wochen) erfolgen die Sitzungen im spezialisierten Zentrum.

Langfristige Betreuung: Die Therapie kann über Monate oder Jahre fortgeführt werden – je nach Bedarf.

Viele Patient:innen berichten bereits nach wenigen Sitzungen von einer spürbaren Verbesserung.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Wirkung der LAight®-Therapie wurde bereits in mehreren Studien nachgewiesen. Sie zeigte sich dabei besonders hilfreich bei leichter bis mittelschwerer Akne inversa.

  • Entzündungen gehen deutlich zurück
  • Schmerzen werden gelindert
  • Lebensqualität der Patient:innen wird spürbar verbessert
  • Wiederauftreten von Läsionen wird entgegengewirkt

Offizielle Empfehlung in der medizinischen Leitlinie

Die S2k-Leitlinie zur Behandlung der Akne inversa – das ist sozusagen der „medizinische Fahrplan“ für Ärzt:innen – empfiehlt die LAight®-Therapie ausdrücklich:

  • Bei leichter bis mittelschwerer Akne inversa
  • Als Alternative oder Ergänzung zur medikamentösen Therapie
  • Zur Langzeitkontrolle, also um Rückfälle oder ein Fortschreiten zu vermeiden
  • Zur Aufrechterhaltung von Therapieergebnissen, unabhängig davon, mit welcher Therapie sie erlangt wurden

Für wen eignet sich die Therapie?

Die LAight®-Therapie ist besonders geeignet für:

  • Menschen mit Hurley-Stadium I oder II
  • Betroffene, die keine Operation möchten
  • Patient:innen, die nicht dauerhaft Medikamente einnehmen können oder möchten
  • Personen, die bereits andere Therapien ausprobiert haben – und nun eine neue Möglichkeit suchen

Gibt es Nebenwirkungen?

Die LAight®-Therapie gilt als sehr gut verträglich. Es kann gelegentlich zu leichten Hautrötungen kommen – vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Diese klingen aber in der Regel schnell wieder ab. Die meisten Patient:innen empfinden die Behandlung als angenehm oder neutral.

Wo kann man sich behandeln lassen?

Die LAight®-Therapie wird in vielen spezialisierten Arztpraxen und Wundzentren angeboten. Eine Übersicht über zertifizierte Behandlungszentren findest du z. B. auf der Website des Herstellers:

Fazit: Sanfte Therapie mit wissenschaftlicher Rückendeckung

Die LAight®-Therapie bietet Betroffenen mit Akne inversa eine moderne, sanfte und wirksame Behandlungsoption – ganz ohne Operation und mit wenigen Nebenwirkungen. Gerade bei früher Diagnosestellung und konsequenter Anwendung kann sie dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, ob LAight® für dich infrage kommt.

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Chronische Prurigo

Was ist eine chronische Prurigo und wie äußert sich die Erkrankung?

Chronische Prurigo ist eine seltene, meist schwere chronische Hauterkrankung, die durch stark juckende Knötchen, Knoten oder flächige Verdickungen der Haut gekennzeichnet ist und deine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Zur chronischen Prurigo gehört als häufigste Form die „noduläre Prurigo“ oder „Prurigo nodularis“, bei der größere Knoten im Vordergrund stehen.

Welche topischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer chronischen Prurigo?

Bei der ersten Behandlungsstufe kommen äußerliche (topische) Therapien zum Einsatz. Besonders wirksam sind hochpotente Kortikosteroide als Salbe oder Creme, die unter Okklusion (Abdeckung mit Plastikfolie) angewendet werden können. Alternativen sind Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus oder Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol. Wichtig ist auch die konsequente Hautpflege mit parfümfreien Emollientien statt Seifen. Bei akutem Juckreiz können kühlende Umschläge oder niedrig dosiertes Menthol (unter 5 %) Linderung verschaffen.

Wann kommt eine Phototherapie bei chronischer Prurigo zum Einsatz?

Die Phototherapie wird als zweite Behandlungsstufe eingesetzt, wenn topische Behandlungen allein nicht ausreichend wirken. Diese Lichttherapie nutzt verschiedene Wellenlängen des ultravioletten Lichts, um Entzündungen zu hemmen und den Juckreiz zu lindern. Besonders wirksam ist die Schmalband-UVB-Therapie, die zwei- bis dreimal wöchentlich über zwei bis drei Monate durchgeführt wird. Auch die PUVA-Therapie oder Behandlungen mit monochromatischem Exzimerlicht können gute Ergebnisse erzielen. Die Wirkung tritt meist erst nach mehreren Sitzungen ein.

Welche systemischen Therapien werden bei mittelschwerer bis schwerer chronischer Prurigo angewendet?

Bei stärkeren Krankheitsformen kommen Medikamente zum Einsatz, die im gesamten Körper wirken. Dazu gehören Antihistaminika (oft in Kombination aus nicht-sedierenden am Tag und sedierenden in der Nacht), Gabapentinoide wie Gabapentin oder Pregabalin sowie Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Methotrexat oder Azathioprin. Diese Therapien erfordern eine regelmäßige ärztliche Überwachung, da sie mit Nebenwirkungen verbunden sein können. Die Wahl der Behandlung hängt von deinem individuellen Krankheitsbild und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Was sind Biologika und welche Rolle spielen sie bei der Behandlung von chronischer Prurigo?

Biologika sind innovative Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen. Seit 2022 ist mit Dupilumab (Dupixent®) das erste Biologikum für chronische Prurigo zugelassen. Es blockiert die Signalübertragung von IL-4 und IL-13, zwei wichtigen Botenstoffen bei der Erkrankung. Die Anwendung erfolgt durch Injektionen alle zwei Wochen. Ein weiteres Biologikum ist Nemolizumab (Nemluvio), das seit 2025 verfügbar ist und den IL-31-Rezeptor hemmt, der maßgeblich am Juckreiz beteiligt ist. Diese modernen Therapien können den Juckreiz deutlich reduzieren – bei manchen Betroffenen verschwindet er sogar vollständig.

Wie können die neuen Therapien meine Lebensqualität verbessern?

Die innovativen Biologika-Therapien haben einen erheblichen Einfluss auf deine Lebensqualität. Durch die Reduktion des quälenden Juckreizes verbessern sich oft auch Schlafqualität, soziale Beziehungen und die Fähigkeit, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen. In Studien mit Nemolizumab konnten bis zu 58 % der Behandelten ihren Juckreiz deutlich reduzieren, bei etwa 30 % verschwand er sogar vollständig. Ergänzend können unterstützende Maßnahmen wie das Tragen von Baumwollkleidung, kühlende Umschläge und bei Bedarf eine psychosomatische Therapie dazu beitragen, dein Kratzverhalten zu reduzieren und deine Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Wie lange muss ich die Therapie fortsetzen und was passiert nach dem Absetzen?

Die Behandlungsdauer hängt von deinem individuellen Krankheitsverlauf ab. Bei Biologika wie Dupilumab oder Nemolizumab ist eine regelmäßige Anwendung wichtig, da Studien gezeigt haben, dass die Symptome nach Therapieende zurückkehren können. Experten empfehlen, die Therapie mindestens so lange fortzusetzen, bis alle Hautläsionen abgeheilt sind. Bei Nemolizumab ist eine Gabe alle 4 Wochen nötig, während bei Dupilumab alle 2 Wochen injiziert wird. Deine Ärztin oder dein Arzt wird den Behandlungsverlauf regelmäßig überprüfen und die Therapie entsprechend anpassen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung mit starkem Juckreiz und knotigen Hautveränderungen, die nach einem abgestuften Therapiekonzept behandelt wird – von topischen Mitteln bis zu systemischen Medikamenten.
  • Topische Behandlungen wie hochpotente Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren und konsequente Hautpflege bilden die erste Therapiestufe und können den Juckreiz-Kratz-Zyklus durchbrechen.
  • Bei mittelschweren bis schweren Formen kommen systemische Therapien zum Einsatz, darunter Antihistaminika, Gabapentinoide und Immunsuppressiva, die den Juckreiz und die Entzündungsprozesse im gesamten Körper bekämpfen.
  • Seit 2022 steht mit Dupilumab der erste zugelassene Antikörper für die chronische Prurigo zur Verfügung, der bei fast 60 % der Betroffenen innerhalb von 24 Wochen zu einer erheblichen Verbesserung führt.
  • Nemolizumab, seit 2025 verfügbar, blockiert gezielt den IL-31-Rezeptor („Juckreiz-Zytokin“) und zeigt eine schnelle Wirkung – viele Betroffene berichten bereits innerhalb der ersten Woche von einer deutlichen Linderung des Juckreizes.

Umfassende Therapiemöglichkeiten bei einer chronischen Prurigo

Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung, die durch extrem starken Juckreiz und charakteristische Hautveränderungen in Form von knotigen Läsionen gekennzeichnet ist. Der ständige Juckreiz führt zu einem Teufelskreis aus Kratzen und weiteren Hautschäden, der die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken kann. Die Therapie dieser entzündlichen Erkrankung erfolgt nach einem abgestuften Konzept gemäß der S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus [1]. Ziel aller Behandlungsansätze ist es, den Juckreiz-Kratz-Zyklus zu durchbrechen und die Abheilung der Hautläsionen zu fördern. Je nach Schweregrad der Erkrankung kommen verschiedene Therapiemöglichkeiten zum Einsatz – von äußerlichen Behandlungen bis hin zu systemischen Medikamenten, die auf das Immunsystem einwirken.

Topische Therapieansätze zur Behandlung bei chronischer Prurigo

Bei der Behandlung einer chronische Prurigo bilden topische Therapien die erste Stufe des Behandlungskonzepts. Diese äußerlichen Anwendungen zielen darauf ab, den Juckreiz zu lindern und die Entzündung zu hemmen. Besonders wirksam sind hochpotente topische Kortikosteroide, die als Salbe oder Creme auf die betroffenen Hautareale aufgetragen werden [2]. Sie reduzieren die Entzündung in der Haut und können den quälenden Juckreiz deutlich verringern. Für eine optimale Wirksamkeit empfiehlt sich die Anwendung unter Okklusion – dabei wird der behandelte Bereich mit Plastikfolie abgedeckt und über Nacht belassen [3].

Eine Alternative zu Kortikosteroiden stellen Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus dar. Diese Wirkstoffe haben ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften, enthalten jedoch keine Steroide und eignen sich daher besonders für eine längerfristige Anwendung [2]. Studien zeigen, dass Pimecrolimus 1% ähnlich wirksam sein kann wie Hydrocortison und sich gut für eine Langzeittherapie eignet [3]. Auch Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol können bei der topischen Behandlung zum Einsatz kommen und zeigen teilweise sogar eine bessere Wirksamkeit als bestimmte Kortikosteroide [3].

Neben diesen medikamentösen Ansätzen spielt die konsequente Hautpflege eine entscheidende Rolle. Verwende statt Seifen und Duschgels lieber parfümfreie Emollientien, die die Hautbarriere stärken und vor Austrocknung schützen [2]. Bei akutem Juckreiz können kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder im Kühlschrank aufbewahrte Pflegeprodukte Linderung verschaffen. Auch niedrig dosiertes Menthol (unter 5%) kann den Juckreiz reduzieren, indem es die Reizschwelle für Juckreiz erhöht [3]. Diese einfachen Maßnahmen können dir helfen, den Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen zu durchbrechen.

Phototherapie als wirksame Behandlungsmethode bei chronischer Prurigo

Wenn topische Behandlungen allein nicht ausreichend wirksam sind, stellt die Phototherapie eine wichtige zweite Behandlungsstufe dar. Diese Lichttherapie nutzt verschiedene Wellenlängen des ultravioletten Lichts, um entzündliche Prozesse in der Haut zu hemmen und den chronischen Juckreiz zu lindern. Für die Behandlung bei chronischer Prurigo haben sich mehrere Formen der Phototherapie als wirksam erwiesen: die PUVA-Therapie (Psoralen plus UVA-Licht), die Schmalband-UVB-Therapie und die Behandlung mit monochromatischem Excimerlicht der Wellenlänge 308 nm [3].

Die Schmalband-UVB-Therapie zeigt bei chronischer Prurigo besonders gute Ergebnisse. Studien belegen eine signifikante Verbesserung der Hautläsionen bei einer durchschnittlichen Dosis von 23,88-26,00 J/cm² [3]. Die Behandlung findet in der Regel zwei- bis dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten statt [2]. Interessanterweise kann ein Excimerlaser sogar wirksamer sein als topische Kortikosteroide wie Clobetasol [3]. Die Phototherapie wird in der Regel ambulant in spezialisierten Hautarztpraxen oder dermatologischen Kliniken durchgeführt. Für dich als Betroffene:r ist es wichtig zu wissen, dass die Wirkung oft erst nach mehreren Sitzungen eintritt und die Behandlung konsequent fortgeführt werden sollte, um einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen.

Systemische Therapieansätze für mittelschwere bis schwere Erkrankungsformen

Bei mittelschweren bis schweren Formen der chronischen Prurigo oder wenn topische Therapien und Phototherapie nicht ausreichend wirksam sind, kommen systemische Behandlungsansätze zum Einsatz. Diese Medikamente wirken im gesamten Körper und können den chronischen Juckreiz und die Entzündungsprozesse effektiver bekämpfen. Zu den systemischen Therapieoptionen gehören Antihistaminika, Gabapentinoide, Kortikosteroide und Immunsuppressiva [1].

Antihistaminika können den Juckreiz lindern, wobei eine Kombination aus nicht-sedierenden Antihistaminika am Tag und sedierenden Antihistaminika in der Nacht oft empfohlen wird. Eine Kombination aus Fexofenadin und Montelukast hat sich als besonders wirksam erwiesen [3]. Bei starkem Juckreiz können auch Gabapentinoide wie Gabapentin oder Pregabalin zum Einsatz kommen, die ursprünglich zur Behandlung von Nervenschmerzen entwickelt wurden, aber auch bei chronischem Pruritus helfen können.

Für schwere Fälle stehen verschiedene Immunsuppressiva zur Verfügung. Ciclosporin in einer mittleren Dosierung hat in Studien eine klinische Verbesserung und Reduktion des Juckreizes gezeigt [3]. Auch Methotrexat in einer Dosierung von 5 bis 20 mg/kg wöchentlich kann zu einer vollständigen oder teilweisen Remission führen [3]. Weitere Optionen sind Azathioprin und Cyclophosphamid [3]. Bei der Anwendung dieser Medikamente ist jedoch eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich, da sie mit potenziell schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden sein können [4]. Für dich als Patient:in ist es wichtig zu wissen, dass diese Therapien in der Regel eine regelmäßige Überwachung durch deine Ärztin oder deinen Arzt erfordern, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Biologika: Innovative Therapie und ihre Wirkung auf Lebensqualität bei chronischer Prurigo

Die chronische Prurigo stellt für Betroffene eine enorme Belastung dar. Lange Zeit gab es kaum zugelassene Medikamente, die gezielt auf die Mechanismen dieser quälenden Hautkrankheit einwirken konnten. Erst seit 2022 steht mit Dupilumab die erste offiziell zugelassene Therapie zur Verfügung [5]. Inzwischen haben Forschende weitere innovative Biologika entwickelt, die das Immunsystem und die Entstehung des chronischen Juckreizes beeinflussen können. Diese modernen Ansätze zielen darauf ab, die Botenstoffe zu blockieren, die für das ständige Jucken und die Bildung der charakteristischen Knötchen verantwortlich sind. Besonders die Interleukine 4, 13 und 31 spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffe.

Dupilumab: Der erste zugelassene Antikörper für die Behandlung bei chronischer Prurigo

Dupilumab markiert einen Meilenstein in der Versorgung von Menschen mit chronischer Prurigo. Als erster zugelassener Antikörper für diese Erkrankung bietet er vielen Betroffenen neue Hoffnung. Dupilumab ist ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, der sowohl für die Therapie der atopischen Dermatitis als auch der chronischen Prurigo(einer Dermatose mit juckenden Knötchen) zugelassen ist [6]. Der Wirkstoff greift gezielt in das fehlgeleitete Immunsystem ein und unterbricht die Signalübertragung von IL-4 und IL-13, zwei wichtigen Zytokinen, die bei der chronischen Prurigo eine entscheidende Rolle spielen [6].

Die Anwendung von Dupilumab erfolgt durch subkutane Injektionen. Nach einer Anfangsdosis von 600 mg (zwei Injektionen zu je 300 mg) folgen Injektionen mit 300 mg alle zwei Wochen [7]. Diese regelmäßige Anwendung ist wichtig, da Studien gezeigt haben, dass nach Therapieende die Symptome innerhalb eines zwölfwöchigen Nachbeobachtungszeitraums wieder auftreten können [7]. Die Wirksamkeit von Dupilumab ist beeindruckend: Bei fast 60 Prozent der Patienten verbesserte sich der stark juckende Zustand innerhalb von 24 Wochen erheblich, während dies nur bei 19 Prozent unter Placebo der Fall war [7].

Besonders hervorzuheben ist, dass Dupilumab den Juckreizes unabhängig vom atopischen Hintergrund der Patienten verbessert [7]. Gemäß Langzeitdaten kann die Ansprechrate auf die Behandlung sogar bis auf 80 Prozent steigen, und manche Patienten werden sogar beschwerdefrei [7]. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Nasopharyngitis und Kopfschmerz, in einigen Fällen kann auch eine Konjunktivitis auftreten [4]. Für dich als Betroffene:r ist es wichtig zu wissen, dass diese Biologika-Therapie eine regelmäßige Betreuung durch deine Ärztin oder deinen Arzt erfordert, um den Verlauf zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Nemolizumab bei chronischem Pruritus

Mit Nemolizumab steht seit 2025 eine weitere innovative Therapieoption für Menschen mit einer chronischen Prurigo zur Verfügung [8]. Dieser Antikörper unterscheidet sich von Dupilumab durch seinen Wirkmechanismus: Er hemmt gezielt den IL-31-Rezeptor, der maßgeblich für den Juckreiz verantwortlich ist [8]. Interleukin-31 wird auch als „Juckreiz“-Zytokin bezeichnet, da es eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des quälenden Juckens spielt [8]. Personen mit einer chronischen Prurigo weisen erhöhte IL-31-Spiegel auf, die sensorische Neurone im Hinterhorn des Rückenmarks aktivieren und so den chronischen Juckreiz verstärken [3].

Die Wirksamkeit von Nemolizumab wurde in mehreren klinischen Studien nachgewiesen. In den OLYMPIA-Studien konnten 58,4 % und 56,3 % der Patientinnen und Patienten mit chronischer Prurigo unter Nemolizumab ihren Juckreiz in Woche 16 um 4 oder mehr Punkte reduzieren, verglichen mit nur 16,7 % und 20,9 % in den Placebogruppen [8]. Bemerkenswert ist die schnelle Wirkung: Viele Behandelte berichten bereits innerhalb der ersten Woche von einem Nachlassen des Juckreizes, manchmal sogar schon nach 2 Tagen [8]. Etwa 30 % der Betroffenen verspüren durch die Therapie gar keinen Juckreiz mehr, was zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führt [8].

Die Anwendung von Nemolizumab erfolgt durch subkutane Injektionen von 30 mg alle 4 Wochen [8]. Im Gegensatz zu Patienten mit atopischer Dermatitis, die nach einem klinischen Ansprechen die Behandlungsintervalle auf 8 Wochen ausdehnen können, sind Menschen mit einer chronischen Prurigo auf eine Gabe alle 4 Wochen angewiesen [8]. Experten empfehlen, die Therapie mindestens so lange fortzusetzen, bis alle Läsionen abgeheilt sind [8]. Nemolizumab ist indiziert für die Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Prurigo, die für eine innerliche Therapie in Frage kommen. Ein Vorteil gegenüber anderen Medikamenten ist das gute Sicherheitsprofil, das darauf zurückzuführen ist, dass Nemolizumab im Vergleich etwa zu JAK-Inhibitoren nicht immunsupprimierend wirkt [8].

Verbesserung der Lebensqualität durch moderne Therapieansätze

Die innovativen Biologika-Therapien haben einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit einer chronischen Prurigo. Der ständige, quälende Juckreiz führt oft zu Schlafstörungen, sozialer Isolation und psychischen Belastungen. Studien mit Nemolizumab zeigen, dass sich durch die Reduktion des Juckreizes auch der Schlaf, zwischenmenschliche Beziehungen und die Fähigkeit, sozialen oder beruflichen Aktivitäten nachzugehen, deutlich verbessern [6]. Diese positiven Effekte sind nicht zu unterschätzen, da die chronische Prurigo eine selten auftretende, aber äußerst belastende Erkrankung ist, bei der es kaum milde Verläufe gibt.

Neben den Biologika können auch andere Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Dazu gehören äußerliche Behandlungen wie kühlende Umschläge, das Tragen von Schichten aus Baumwollkleidung statt schwerer, kratzender oder synthetischer Stoffe sowie das Vermeiden von Wolle oder Polyester [2]. Auch eine psychosomatische Therapie kann hilfreich sein, da die Symptome von Schmerz und Juckreiz bei einer chronischen Prurigo sehr belastend sein können [2]. In manchen Fällen können auch Antidepressiva eingesetzt werden, die nicht nur die psychische Belastung reduzieren, sondern auch direkt auf den Juckreiz einwirken können [3]. Die Kombination aus modernen Biologika und unterstützenden Maßnahmen bietet dir als Betroffene:r die besten Aussichten, dein Kratzverhalten zu reduzieren und deine Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Referenzen

[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dupilumab-lindert-massiven-juckreiz-145308/

  • “Die Therapie erfolgt abgestuft gemäß der S2k-Leitline zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus.”
  • “Ab Stufe 3 sind Systemtherapien, zum Beispiel mit Antihistaminika, Corticosteroiden, Gabapentinoiden und Immunsuppressiva, angezeigt..”

[2] https://www.bad.org.uk/pils/nodular-prurigo/

  • „Topical corticosteroids. Your healthcare provider may prescribe a potent (or strong) steroid cream or ointment that will help reduce the inflammation in the skin. A very potent (or very strong) steroid will help relieve itch.“
  • „Tacrolimus 0.1% ointment. This treatment can have anti-inflammatory effects to help decrease itching and does not contain steroids.“
  • „Emollients. It is very important to stop using soaps, shower gels, or other cosmetics to wash with as they can lead to dry skin. A fragrance-free emollient should be used instead of soap and rinsed away.“
  • “Phototherapy. Some examples include narrowband UVB phototherapy and psoralen and UVA phototherapy. These treatments normally take place in the hospital 2-3 times a week over the course of usually 2-3 months.”
  • „You may find that laying a cool damp flannel on the skin can reduce the feeling of itch. A cooled emollient which has been kept in the refrigerator, or has added menthol, may also help.“
  • „Wearing layers of cotton clothing can be better than heavy, scratchy, or synthetic fabrics. It is advisable to avoid wool or polyester clothing.“
  • „Psychological treatment. Symptoms of pain and itch related to nodular prurigo can be very distressing. People affected by this may benefit from psychological support or medication.“

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459204/

  • „The suggested first-line therapy consists of topical corticosteroids, such as clobetasol dipropionate 0.05% ointment, applied under occlusion with plastic wrap once at nighttime for at least 2 to 4 weeks.“
  • „Pimecrolimus 1% is as effective as hydrocortisone and can be implemented in a long-term regimen.“
  • „Calcipotriol ointment shows greater efficacy than betamethasone valerate 0.1%.“
  • „Low concentrations of menthol (<5%) alleviate pruritus by heightening the threshold for pruritic stimuli.“
  • „Phototherapy with psoralen–ultraviolet-A (PUVA), including bath and topical PUVA, long-wavelength UVA, narrowband UVB, and monochromatic excimer light of 308 nm, have been used and shown improvement of PN nodules.“
  • „Narrow band UVB phototherapy significantly improves PN at an average dose of 23.88-26.00 j/cm2.“
  • „An excimer laser is more beneficial than topical clobetasol.“
  • „High-dose nonsedating antihistamines can be used during the day, followed by first-generation sedating antihistamines at bedtime; a combination of fexofenadine and montelukast gives good results.“
  • „A single-institution retrospective study demonstrated clinical improvement and decreased pruritus with cyclosporine at a mean dose of 3.1 mg/kg.“
  • „Methotrexate dosed at 5 to 20 mg/kg weekly demonstrated complete or partial remission of 2.4 months. These patients showed a mean duration of response of 19 months.“
  • „Treatment with azathioprine and cyclophosphamide has also been reported to be successful.“
  • „Individuals with PN also show elevated levels of interleukin 31 (IL-31), a T-cell–derived highly prurigogenic cytokine.“
  • „Both selective serotonin reuptake inhibitors and tricyclic antidepressants can also be considered for chronic pruritus.“

[4] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2023/02/13/dupilumab-bei-prurigo-nodularis-erste-spezifische-behandlungsoption-zugelassen

  • „Eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte unbedingt vor dem Einsatz systemischer Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Methotrexat oder Azathioprin.“
  • „Die häufigsten Nebenwirkungen waren Nasopharyngitis und Kopfschmerz. Eine Konjunktivitis trat öfter auf als unter Placebo.“

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38869847/

  • „Despite the high burden in patients with chronic prurigo (CPG), the first and so far only approved systemic therapy for this disease, dupilumab, has only been available since 2022.“

[6] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/11/19/neue-therapieoptionen-bei-chronischem-juckreiz

  • „Dupilumab (Dupixent®), ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, der unter anderem für die Therapie der atopischen Dermatitis und der Prurigo nodularis (Dermatose mit juckenden Knötchen) zugelassen ist.“
  • „Dupilumab hemmt die Signalübertragung von IL-4 und IL-13, damit geht die Hautentzündung zurück, aber auch der begleitende Juckreiz lässt nach.“
  • „Dadurch verbesserte sich auch die Lebensqualität, darunter Schlaf, zwischenmenschliche Beziehungen und die Fähigkeit, sozialen oder beruflichen Aktivitäten nachzugehen.“

[7] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dupilumab-lindert-massiven-juckreiz-145308/

  • “Dosiert wird wie bei atopischer Dermatitis: Nach einer Anfangsdosis von 600 mg, also zwei subkutanen Injektionen zu je 300 mg, folgen Injektionen mit 300 mg alle zwei Wochen.”
  • “Nach Therapieende gab es innerhalb des zwölfwöchigen Nachbeobachtungszeitraums jedoch Hinweise auf ein Wiederauftreten von Symptomen.”
  • “Bei fast 60 Prozent der Patienten unter Verum (alle zwei Wochen 300 mg Dupilumab) und bei 19 Prozent unter Placebo habe sich der Juckreiz innerhalb von 24 Wochen erheblich gebessert (gepoolte Daten).”
  • “Dupilumab verbesserte den Juckreiz unabhängig vom atopischen Hintergrund der Patienten.”
  • “Gemäß Langzeitdaten (nicht placebokontrolliert) könne die Ansprechrate bis auf 80 Prozent steigen und manche Patienten würden sogar beschwerdefrei.”

[8] https://www.aerzteblatt.de/archiv/atopische-dermatitis-und-prurigo-nodularis-weniger-juckreiz-bei-atopie-aeed5fc0-9c54-4b71-9f95-8c2b9828c125

KONTROLLE GEWINNEN: NEUE WEGE MIT NEURODERMITIS GEHEN

Den Kreislauf aus Schüben und Akuttherapie durchbrechen

Entzündete, juckende und schmerzhafte Haut – auf einen wiederkehrenden Neurodermitis-Schub folgt meist eine topische Therapie, kurzfristige Besserung, dann geht alles wieder von vorn los. Der Kreislauf aus akuten Schüben und vorübergehender Linderung durch Akuttherapien kann frustrierend und belastend sein. Sorge und Unsicherheit, wann der nächste Schub kommt, werden zum ständigen Begleiter. Du hast Neurodermitis und dieser ewige Kreislauf ist dir wohlbekannt? Dann wird es Zeit, dass du dich über neue Wege im Umgang mit der quälenden Hauterkrankung informierst. Denn Tatsache ist, dass es mit neuartigen systemischen Therapieansätzen gelingen kann, die Neurodermitis dauerhaft zu kontrollieren und Hauterscheinungen sowie Juckreiz in die Schranken zu weisen.

Moderne Therapie sorgt für neue Perspektiven

Eine wichtige Tatsache vorweg: Bei Neurodermitis handelt es sich um eine Hauterkrankung, bei der sich das vielschichtige Entzündungsgeschehen nicht nur in der Haut abspielt, sondern innerhalb des Körpers im Immunsystem. Daher wird Neurodermitis zu den Systemerkrankungen gezählt. Moderne Therapieoptionen haben innovative Wirkmechanismen, die im Gegensatz zu äußerlichen (topischen) Anwendungen von innen (systemisch) wirken. Sie zielen nicht nur darauf, die akuten Symptome zu bekämpfen, sondern die Ursache, das Entzündungsgeschehen, zu kontrollieren, indem sie gezielt auf das Immunsystem einwirken. Neben den Beschwerden lassen sich so auch Häufigkeit und Intensität der Schübe langanhaltend reduzieren. Biologika und JAK-Hemmer zählen zu diesen modernen innovativen Therapieoptionen. In der Regel zeigen sie eine gute Verträglichkeit, und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sorgen dafür, dass mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden.

BIOLOGIKA

Bei Biologika handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das fehlgeleitete Immunsystem eingreifen. Sie blockieren einzelne entzündungsfördernde Botenstoffe und unterbrechen so den Entzündungsprozess. Biologika werden als Injektion unter die Haut verabreicht und können bei guter Verträglichkeit langfristig eingesetzt werden.

JAK-HEMMER

JAK-Hemmer zählen zu den sogenannten „Small Molecules“, kleinen Molekülen. Sie binden an die sogenannten  Januskinasen (JAK). Diese Enzyme sind an der Weiterleitung von Entzündungssignalen in das Innere von Immunzellen beteiligt. Die Signalweiterleitung wird verhindert und der Entzündungsprozess kann anhaltend unterbrochen werden. JAK-Hemmer werden als Tabletten eingenommen und können auch langfristig angewendet werden, um neue Neurodermitis-Schübe möglichst zu verhindern.

Jetzt beginnen: Umdenken bei Neurodermitis

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Umdenken bei Neurodermitis und zu einer langfristigen Behandlungsstrategie ist das Gespräch mit deiner Dermatologin oder deinem Dermatologen. Gemeinsam lassen sich alle Fragen klären: Es kann entschieden werden, ob und welche systemische Therapie zu dir passt und ein individueller Behandlungsplan entwickelt werden. Die Initiative „Neurodermitis? Wen juckt’s?“ bietet dir mit dem Alltags-Check unter www.neurodermitis-wen-juckts.de Unterstützung für die gezielte Vorbereitung auf dein nächstes Arztgespräch. Nimm es in die Hand und entdecke neue Wege im Umgang mit deiner Neurodermitis.

Mit freundlicher Unterstützung von:
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG

Quelle: S3-Leitlinie „Atopische Dermatitis“ (AWMF-Registernr. 013-027) (2023), verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-027 (Zugriff: 11.04.2025).

Neue Entwicklungen in der MS-Diagnostik und Therapie

Die Diagnose Multiple Sklerose stellt für viele Betroffene eine emotionale und medizinische Zäsur dar – oft nach einer langen Phase der Ungewissheit. Neue diagnostische Verfahren, individualisierte Therapien und ein stärkeres Bewusstsein für die Rolle der Patient:innen in ihrer Behandlung verändern jedoch zunehmend den Umgang mit der Erkrankung. Wie diese Entwicklungen konkret aussehen, welche Hoffnungen sich daraus ableiten lassen und wo noch Herausforderungen bestehen, darüber haben wir mit Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen und einer der führenden MS-Experten in Deutschland, gesprochen.

Viele MS-Betroffene erleben lange Unsicherheiten bis zur Diagnose. Gibt es bald einfachere Bluttests, die diesen Prozess beschleunigen?

Ja, tatsächlich sind sogenannte Biomarker in der Entwicklung, insbesondere Bluttests. Ein Test ist bereits weit fortgeschritten – der sogenannte Neurofilament-Test. Neurofilamente sind Eiweißstoffe, die nur in Nervenzellen vorkommen. Wenn Nervenzellen im Gehirn beschädigt werden, wird dieses Eiweiß freigesetzt und kann mittlerweile mit sehr empfindlichen Nachweismethoden auch im Blut nachgewiesen werden.

Dieser Biomarker zeigt an, dass zum Beispiel bei MS eine Entzündungsaktivität vorliegt oder wie gut jemand auf bestimmte Therapien anspricht. Wenn eine Therapie wirkt, gehen in der Regel weniger Nervenzellen kaputt, was sich dann auch in einem niedrigeren Neurofilamentwert zeigt. Der Test ersetzt jedoch nicht andere diagnostische Verfahren wie die Kernspintomographie oder die Untersuchung des Nervenwassers, da er nicht spezifisch für MS ist – auch andere Erkrankungen können zu erhöhten Werten führen. Aber er ist ein wertvoller zusätzlicher Baustein in der Diagnostik. Der Test kann bereits eingesetzt werden und wird aktuell von großen Firmen kommerzialisiert.

Sie forschen zu Entzündungen bei MS. Was bedeutet das konkret für die Therapie?

MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen im Gehirn und Rückenmark angreift. Entzündungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Unser Ziel ist es, diese Entzündungsprozesse zu kontrollieren. Die heutigen Medikamente richten sich gezielt gegen das Immunsystem: Sie können entzündungsfördernde Zellen hemmen, zerstören oder daran hindern, ins Gehirn einzudringen. So lässt sich die Entzündung unterdrücken und das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringen.

Wie können Hausärzte und Neurologen besser zusammenarbeiten, um Wartezeiten zu verkürzen?

Das ist nicht nur bei MS ein Problem, sondern betrifft viele neurologische Erkrankungen. Wichtig ist ein direkter Draht zwischen Hausärzt:innen und Neurolog:innen. Persönlicher Austausch, idealerweise in lokalen Netzwerken, funktioniert hier am besten. Die Ressourcen in den Praxen sind allerdings begrenzt, das muss auch politisch berücksichtigt werden.

Patient:innen wissen oft viel über ihre eigene MS. Wie kann dieses Wissen besser genutzt werden?

Das fällt unter den wichtigen Bereich des „Patient Empowerment“. Viele Betroffene informieren sich intensiv – meist über das Internet, aber auch über andere Quellen. Ärzt:innen sollten dieses Wissen ernst nehmen, empathisch zuhören und offen für alle Symptome sein – gerade bei sensiblen Themen wie Blasenstörungen oder Sexualfunktion. Auch die Nebenwirkungen von Therapien müssen ernst genommen und abgeklärt werden. Letztlich müssen wir das subjektive Erleben mit objektiven Befunden abgleichen und daraus den Handlungsbedarf ableiten.

Welche nicht-medikamentösen Maßnahmen helfen MS-Betroffenen wirklich?

Ein sehr wichtiger Bereich ist die symptomatische Therapie. An erster Stelle steht hier die neurologisch spezialisierte Physiotherapie, zum Beispiel zur Behandlung von Spastiken oder zur Sturzprävention. Auch Ergotherapie kann helfen, etwa bei Einschränkungen der Handfunktion. Darüber hinaus sind Reha-Maßnahmen – ambulant oder stationär – sehr wirksam, wenn sie bewilligt werden. Viele brauchen auch psychologische Unterstützung, etwa bei Depressionen oder kognitiven Einschränkungen. Und natürlich helfen auch Sport und gesunde Ernährung – hier gibt es tatsächlich Studien, die positive Effekte auf den Krankheitsverlauf zeigen.

MS-Patient:innen haben häufig weitere Autoimmunerkrankungen. Braucht es dafür mehr vernetzte Spezialisten?

Ja, das ist durchaus häufig. Das weist darauf hin, dass bei diesen Menschen das Immunsystem insgesamt eine Art „Bauplanfehler“ aufweist. Daher ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen – etwa bei Schuppenflechte, Diabetes oder rheumatischen Erkrankungen – enorm wichtig. In Unikliniken ist das meist einfacher, weil viele Fachbereiche unter einem Dach sind. Aber auch im ambulanten Bereich entstehen zunehmend spezialisierte Versorgungszentren und neue Abrechnungsformen wie die ambulante spezialärztliche Versorgung.

Was gibt Ihnen im Umgang mit MS-Patient:innen immer wieder Hoffnung?

Rückblickend ist es erstaunlich, wie weit wir gekommen sind. Wir verstehen die Erkrankung heute viel besser – sowohl, was das Immunsystem als auch das zentrale Nervensystem betrifft. Darauf aufbauend wurden viele wirksame Medikamente entwickelt, die es vielen Betroffenen ermöglichen, ein weitgehend normales Leben zu führen. In der Zukunft setzen wir große Hoffnung auf regenerative Therapien, also Behandlungen, die geschädigte Nerven wiederherstellen – durch Nervenwachstum oder Reparatur der Nervenhüllen. Erste Studien laufen bereits, und das stimmt mich sehr zuversichtlich.

Prof. Dr. med. Christoph Kleinschnitz
Direktor der Klinik für NeurologieUniversitätsklinikum Essen, Klinik für Neurologie

Neurodermitis richtig behandeln

Zusammengefasst:

  • Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt individuell und stufenweise, basierend auf dem Schweregrad der Erkrankung.
  • Die Basistherapie umfasst die tägliche Anwendung einer Hautpflege mit wirkstofffreien Zubereitungen wie Cremes, die z. B. rückfettend und feuchtigkeitsspendend wirken. Die Basistherapie sollte unabhängig vom Hautzustand täglich am gesamten Körper erfolgen.
  • Die topische Therapie beinhaltet die Verwendung von Kortisoncremes und Calcineurininhibitoren zur Behandlung akuter Schübe bei leicht-mittelschweren Formen des Ekzems.
  • Bei mittelschweren bis schweren Fällen sollte die Systemtherapie z.B. mit monoklonalen Antikörpern oder Januskinase-Inhibitoren in Erwägung gezogen werden.
  • Alternative Therapien und Entspannungstechniken umfassen ergänzende Maßnahmen wie Akupunktur, werden jedoch nicht von Leitlinien-Experten empfohlen.

Therapie der Neurodermitis

  • Wie wird die Neurodermitis behandelt?Neurodermitis, auch bekannt als atopische Dermatitis, ist eine chronische, schubartig verlaufende Hauterkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Obwohl die Erkrankung nicht geheilt werden kann, gibt es eine Reihe wissenschaftlich gut untersuchter Therapieoptionen.So kann eine gezielte, auf Deine individuellen Bedürfnisse angepasste Therapie und Pflege helfen, die Symptome zu lindern und die Kontrolle über die Krankheit zu gewinnen.
  • Was versteht man unter einem Stufenschema?Die Therapie der atopischen Dermatitis wird individuell an den Schweregrad der Erkrankung angepasst. Dabei folgt die Behandlung einem Stufenschema, das aufeinander aufbauende Maßnahmen umfasst.

Basistherapie

  • Was kann man bei trockener Haut bzw. leichten Ekzemen machen?Die tägliche Anwendung einer Hautpflege mit wirkstofffreien Zubereitungen wie Cremes, die z. B. rückfettend und feuchtigkeitsspendend wirken am gesamten Körper in ausreichender Menge stärkt die Hautbarriere. Die Basistherapie bildet so die Grundlage aller Therapiestufen, unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Die Auswahl des idealen Produkts ist individuell und sollte parfüm-, farbstoff- und konservierungsstofffrei sein. Die Konsistenz des Produkts sollte an den Hautbefund angepasst werden – ist die Haut sehr trocken, eignet sich ein fettigeres Präparat. Nässt die Haut, ist ein Produkt mit einem höheren Wassergehalt (z.B. eine Lotio) besser.

Äußerliche anzuwendende (topische) Therapie

  • Kortisonsalbe – was heißt dasBei leichten bis mittelschweren Formen des atopischen Ekzems kommen äußerlich anzuwendende Therapien, auch topische Therapien genannt, zum Einsatz. Hierbei sind topische Steroide (Kortisoncremes/-salben) und topische Calcineurininhibitoren (nicht Cortison-haltig, dennoch entzündungshemmend wirksam) relevant. Calcineurininhibitoren können insbesondere im Gesicht oder an den Augenlidern hilfreich sein. Langfristig erfolgt die äußerliche Behandlung als sogenannte proaktive Therapie, bei der nach Abklingen der akuten Entzündung vorbeugend die ehemals betroffenen Stellen ein- bis zweimal in der Woche behandelt werden.

Systemtherapie

  • Das Ekzem ist trotz regelmäßiger Basistherapie weiterhin ausgeprägt, was hilft weiter? Bei Patient*innen mit mittelschwerem bis schwerem atopischen Ekzem (Neurodermitis) oder bei Patienten, bei denen mit einer lokalen Therapie kein ausreichender Therapieerfolg erzielt wird, ist eine Systemtherapie (innerliche Therapie) in Tabletten- oder Spritzenform häufig unerlässlich.
  • Was gibt es für Optionen für eine Systemtherapie? Verschiedene systemische Therapieoptionen stehen zur Behandlung der atopischen Dermatitis zu Verfügung. Hierzu zählen Biologika, JAK-Hemmer und konventionelle Immunsuppressiva.
  • Was sind Immunsuppressiva und wie wirken sie? Arzneimittel, die schon seit längerem bei mittelschweren bis schweren Formen der Neurodermitis eingesetzt werden, sind konventionelle Immunsuppressiva. Sie unterdrücken relativ unspezifisch die Reaktionen des Immunsystems. Die Gruppe der Immunsuppressiva beinhaltet eine Reihe von verschiedenen Wirkstoffen, beispielsweise Ciclosporin.  Auch die Einnahme von Glukokortikoiden (Kortison) in Tabletten- oder flüssiger Form zählen zu den Immunsuppressiva. Die Anwendung erfolgt normalerweise nur über eine kurze Zeit, bis die Symptome unter Kontrolle gebracht wurden.
  • Was sind Biologika und wie wirken sie? Monoklonale Antikörper gehören zur Gruppe der sogenannten Biologika. Sie werden aus Zellkulturen gewonnen und ähneln körpereigenen Abwehrstoffen (Antikörpern). Sie greifen besonders zielgerichtet in die Entzündungskaskade der atopischen Dermatitis ein, in dem sie spezifisch Entzündungsbotenstoffe  oder deren Rezeptoren blockieren. Diese Wirkstoffe wirken präzise, indem sie nur einen oder zwei Botenstoffe hemmen, die bei der Entzündung und dem Juckreiz in der Haut eine Rolle spielen. Die zur Behandlung der Neurodermitis eingesetzten Biologika werden in der Regel gut vertragen, Abbrüche aufgrund von Nebenwirkungen sind selten. Die Therapie mit monoklonalen Antikörpern zeigt meistens nach einigen Wochen erste Zeichen der Wirksamkeit und sollte langfristig (über Jahre) erfolgen.
  • Wie Januskinase-Inhibitoren und wie wirken sie? Januskinase-Inhibitoren hemmen Enzyme, die eine Rolle in verschiedenen Signalwegen spielen, unter anderem im Entzündungsprozess der atopischen Dermatitis. Da diese Enzyme auch bei anderen Entzündungsprozessen beteiligt sind, werden diese Wirkstoffe auch bei anderen Krankheiten, z.B. aus dem rheumatologischen und gastroenterologischen Formenkreis eingesetzt. Die Wirkung ist im Vergleich zu Biologika breiter, jedoch nicht mit den ‚klassischen‘ Immunsuppressiva gleichzusetzen. Januskinase-Inhibitoren werden in Tablettenform täglich eingenommen. Eine erste Wirksamkeit zeigt sich innerhalb von einigen Tagen bis wenigen Wochen. Bei diesen Präparaten sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten.

Alternative Therapien und Entspannungstechniken

  • Was ist der Unterschied zwischen alternative Therapien und medizinische Therapien?Neben den oben beschriebenen schulmedizinischen Maßnahmen gibt es auch alternative Therapien wie Akupunktur, Phytotherapie und traditionelle chinesische Medizin. Diese werden jedoch aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Belege nicht von den Leitlinien-Experten empfohlen. Ergänzend zur medikamentösen Therapie können Entspannungstechniken wie autogenes Training und progressive Muskelentspannung zur Juckreizlinderung beitragen.
  • Gibt es zusätzlich zur medikamentösen Therapie auch weitere Optionen, die zur Juckreizlinderung führen können?Es gibt verschiedene Entspannungstechniken, die ergänzend zur medikamentösen Therapie gegen Juckreizattacken wirksam sein können. Dazu gehören vor allem autogenes Training und progressive Muskelentspannung. Beide Maßnahmen werden als Ergänzung zur medizinischen Therapie empfohlen, jedoch nicht als alleinige Behandlung der atopischen Dermatitis.

Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis
(https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-027); Braun Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie

Mit freundlicher Unterstützung von:
Almirall

Neurodermitis richtig behandeln- kein Leben von Schub zu Schub
Neurodermitis richtig behandeln Zusammengefasst: Therapie der Neurodermitis Basistherapie Äußerliche anzuwendende (topische) Therapie Systemtherapie Alternative Therapien und Entspannungstechniken Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis(https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-027); Braun Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie Mit freundlicher Unterstützung von:Almirall

Juckreiz lindern bei Neurodermitis

„Hör auf, dich zu kratzen.“ Diesen Satz hast du dir als Neurodermitis-Patient*in sicherlich schon häufiger anhören müssen. Das ist allerdings viel einfacher gesagt als getan, denn Juckreiz als Hauptsymptom der Neurodermitis ist für viele Betroffene quälend und sehr belastend.
In diesem Beitrag gehen wir dem Symptom Juckreiz auf den Grund und geben dir hilfreiche Tipps an die Hand, was du selbst tun kannst, ihn zu lindern.

Der Kampf gegen Juckreiz: Strategien und Behandlungen für dich

Jucken, kratzen, stärkeres Jucken… Ein Teufelskreis, der sehr belastend ist und es immer schlimmer macht. Auch wenn Kratzen eine nachvollziehbare Reaktion auf den Juckreiz ist – und für eine kurze Zeit Erleichterung bringt – kann es diesen sogar verstärken. Viele Menschen mit Neurodermitis wissen das und versuchen, sich zurückzuhalten, was aber gar nicht so einfach ist.  Das geht den meisten Patient*innen so und daher musst du keinesfalls bei jedem Kratzen ein schlechtes Gewissen haben.

Aber gerade darum ist es wichtig für dich, Strategien zu finden, die deinen Juckreiz lindern. Diese Aspekte solltest du dabei immer im Hinterkopf haben: An erster Stelle steht eine auf dich zugeschnittene, effektive Behandlung, das wichtigste Mittel gegen Juckreiz. Neben der Basistherapie gibt es je nach Schweregrad der Erkrankung noch die äußerliche (topische) und innerliche (systemische) Behandlung. Zu den innovativen, systemischen Behandlungsoptionen gehören Biologika und JAK-Inhibitoren:

Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente. Sie beeinflussen gezielt die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems, indem sie beispielsweise bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe blockieren und so den Entzündungsprozess unterbrechen. Sie werden als Injektion unter die Haut verabreicht und können bei guter Wirkung und Verträglichkeit langfristig eingesetzt werden, um neue Schübe möglicherweise zu verhindern. Die Medikamente stehen in festgelegten Dosierungen als Fertigspritze oder Fertigpen zur Verfügung. Nach einer ärztlichen Einweisung kannst Du Dir das Medikament meistens selbst spritzen.

JAK-Inhibitoren gehören zu einer Klasse von Wirkstoffen, die aufgrund ihrer geringen Molekülgröße als „Small Molecules“ bezeichnet werden. Sie hemmen das Enzym Januskinase (JAK), das am Entzündungsprozess beteiligt ist, und reduzieren dadurch das Entzündungsgeschehen, inklusive Juckreiz. Sie werden als Tablette – meistens einmal täglich – eingenommen, gelangen über den Magen-Darm-Trakt ins Blut und wirken so im gesamten Körper. JAK-Inhibitoren können zur möglichen Vermeidung von neuen Neurodermitis-Schüben langfristig angewendet werden.
Die zur Therapie der mittelschweren und schweren Neurodermitis zugelassenen Biologika und JAK-Inhibitoren sind in der Regel gut verträglich. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen können etwaige Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und die Therapie individuell angepasst werden.

Welche Therapie und Hautpflege für wen in Frage kommt, ist sehr unterschiedlich und unter anderem abhängig vom Hautzustand und der Stärke des Juckreizes. Deine Dermatologin oder dein Dermatologe wird dir hier zu Seite stehen und die passende Behandlung für dich finden.

Außerdem wichtig für dich: Stressbewältigung. Denn Stress kann den Juckreiz beeinflussen. Auch, wenn es im hektischen Alltag nicht immer möglich ist, Stress komplett aus dem Weg zu gehen, gibt es Möglichkeiten, ihn zu reduzieren. Beispielsweise können Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation bei leichtem Juckreiz helfen.

Zu guter Letzt: Du solltest Faktoren, die deine Haut reizen, so gut es geht meiden. Das können beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel, Pollen oder auch Tierhaare sein. Diese Faktoren sind in der Tat sehr individuell – beobachte daher am besten, welche Faktoren bei dir Symptome verschlimmern können.  Sprich über deine Beobachtungen und Vermutungen hinsichtlich sogenannter Trigger-Faktoren bzw. Allergien mit deinem Hautarzt oder deiner Hautärztin und lasse diese medizinisch mit einem Testverfahren überprüfen.

Lass den Kopf nicht hängen – es gibt immer einen Ausweg!

Die Herausforderungen, die durch den Juckreiz bei Neurodermitis entstehen, sind vielfältig und nicht zu unterschätzen. Wir wissen, wie schwierig das für dich sein muss und möchten dich an dieser Stelle daran erinnern, dass du dich damit nicht abfinden, sondern eine Lösung anstreben solltest. Vergiss nicht, auch deine Dermatologin oder deinen Dermatologen darauf anzusprechen – gemeinsam könnt ihr eine Therapie finden, die zu dir persönlich passt.

Wenn Du an weiteren interessanten Artikeln, wissenschaftlich belegten Informationen und Neuigkeiten rund um Neurodermitis interessiert bist, schau doch mal auf diesem Blog vorbei: www.neurodermitis-wen-juckts.de/blog.html.

Mit freundlicher Unterstützung von:
AbbVie

Was sind Biologika / Systemtherapien?

Was sind Biologika / Systemtherapien?

Wenn es nicht mehr reicht, eine Chronische Hauterkrankung von außen z.B. mit Cremes zu behandeln oder man damit nicht ausreichend Erfolg erzielt, ist eine innerliche Behandlung mit Medikamenten indiziert, eine sog. Systemtherapie. Hierbei handelt es sich bevorzugt um Tabletten oder Spritzen. Bei Tabletten gelangen die Wirkstoffe über den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn, bei Spritzen erfolgt dies direkt. Ihre Wirksamkeit ist dadurch stärker, doch steigt damit auch das Risiko von Nebenwirkungen. Wirkstoffe mit gezielter Wirkung nach einem sog. Schlüssel-Schloss-Prinzip erhalten daher immer mehr Bedeutung, weil sie z. B. die Aktivität bestimmter Immunzellen ganz gezielt und damit mit wenig unerwünschten Wirkungen blockieren. Zu diesen Wirkstoffen gehören z.B. Biologika, Medikamente die biotechnologisch hergestellt werden.

Wie wirken Systemtherapien bei chronischen Hauterkrankungen und was macht Biologika dabei besonders?

Systemtherapien sind Therapien mit z.B. Tabletten oder Spritzen, die von innen auf die Erkrankung wirken. Sie nehmen bei chronischen Hauterkrankungen Einfluss auf das Immunsystem. Einige altbewährte Medikamente wie Methotrexat und Ciclosporin wirken sich breitbasig auf das Immunsystem aus, fahren es also allgemein etwas herunter. Mittlerweile gibt es modernere Systemtherapeutika wie Biologika und JAK-Inhibitoren. Bei den Biologika handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Medikamente in Form von Antikörpern , die an bestimmten Stellen im Immunsystem wirken. Man spricht von einem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Sie blockieren bestimmte Botenstoffe, die meist hochreguliert sind, und reduzieren so die Entzündungsaktivität. Hierbei gibt es komplizierte Kaskaden in unserem Immunsystem, die so blockiert werden. Durch die gezielte Wirkung haben die Patienten meistens weniger Nebenwirkungen als bei den Immunsuppressiva.

Welche Systemtherapien gibt es?

Bei den Systemtherapien gibt es die altbewährten Medikamente die das Immunsystem drosseln wie MTX oder Ciclosporin. MTX nimmt dabei Einfluss auf die Zellteilung und reduziert die sich schnell teilenden Zellen des Immunsystems. Ciclosporin hingegen kommt häufig auch in der Orantransplantation zur Anwendung, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Es verhindert die Ausschüttung immunsystemstimulierender Stoffe und somit die Aktivierung und Vermehrung von Abwehrzellen. Modernere Medikamente wie Biologika oder JAK-Hemmer hingegen wirken gezielt an bestimmten Stellen im Immunsystem ohne es breitbasig zu beeinflussen. Das Immsunsytem arbeitet in Kaskaden oder Hierarchien mit Kettenreaktionen. Moderne Systemtherapeutika wirken nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip und sind speziell auf die jeweilen Kaskaden der Erkrankung abgestimmt. Sie blockieren bestimmte Botenstoffe, die meist übermäßig produziert werden, regulieren so das Immunsystem hin zu normalen Leveln und reduzieren dadurch die Krankheitsaktivität. Biologika sind hier biotechnologisch hergestellte Antikörper, die an bestimmte Botenstoffe andocken und sie dadurch blockieren. JAK-Inhibitoren blockieren ebenfalls proinflammatorische Stoffwechselprozesse in der Zelle.

Biologika sind mittlerweile für viele Erkrankungen zugelassen. Bei der Haut sind es v.a. die Psoriasis, die Neurodermitis und die Acne inversa. Aber auch Rheuma und chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden mit Biologika behandelt.

Ein Beitrag von derma2go

Neurodermitis und Psoriasis: Was Du jetzt wissen solltest.

Wie oft kommt eine Erkrankung mit Neurodermitis und Psoriasis vor?

Neurodermitis ist besonders bei Kindern weit verbreitet. Bis zu 15% aller Kinder leiden unter der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung, die sich mit fortschreitendem Alter jedoch meist verläuft. So sind in der Regel nur noch 3% aller Erwachsenen von der atopischen Dermatitis betroffen. Zum Vergleich: Von der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Psoriasis (=Schuppenflechte) sind rund 3% der Gesamtbevölkerung (in DE) betroffen. Hierbei unterscheidet man zudem Typ 1 und Typ 2: Bei Typ 1 tritt die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr in Erscheinung und nimmt meist einen schweren Verlauf, während bei Typ 2 die Erkrankung sich erstmal nach dem 50. Lebensjahr zeigt und eher milde Verläufe mit sich bringt.

Was sind die typischen Symptome für Neurodermitis und Psoriasis?

Kennst Du die Formulierung „das triggert mich“? Betroffene der chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen können ein Lied davon singen, da in der Regel aktive Schübe durch sogenannte Trigger ausgelöst werden. Doch mit welchen Symptomen äußern sie sich? Allgemeine Anzeichen für einen Schub sind starker Juckreiz gepaart mit einer starken Rötung, nässende Entzündungen und die Bildung von Bläschen und kleinen Knoten. Dabei sind besonders Gesicht, Kopfhaut, Nacken, Hände wie Füße, Körperseiten und die Beugefalten der Arme und Beine betroffen. Je nach Altersphase unterscheidet sich das Erscheinungsbild der Neurodermitis noch einmal. Auch eine Haut ohne aktiven Schub ist von der atopischen Dermatitis gekennzeichnet: trocken, empfindlich, gerötet und neigt zur Schuppung. Gut zu unterscheiden ist zudem die Psoriasis (=Schuppenflechte): Hier zeigt die Haut scharf begrenzte, rötliche Hautverdickungen (sog. Plaques), silbrig-glänzende, weiße Schuppen, die Größe der betroffenen Areale variiert stark, Juckreiz kann auftreten und die Haut ist generell trocken und empfindlich mit Spannungsgefühl.

Worin liegen die Ursachen für Neurodermitis und Psoriasis?

Betroffene der chronisch entzündlichen Hauterkrankung Neurodermitis stellen sich oft die Frage, wieso gerade sie davon betroffen sind. Die Antwort darauf ist leider, dass es genetisch bedingt ist. Forscher konnten Gene identifizieren, die für einen Mangel an Eiweißen verantwortlich sind und so die schützende Hornschicht fehlerhaft aufgebaut ist, wodurch die Barrierefunktion der Haut geschwächt ist. Auch wird durch diesen Gendefekt die Zusammensetzung der Hautfette beeinflusst, weshalb die Haut an Feuchtigkeit verliert und schneller austrocknet. Diese Umstände alleine reichen jedoch nicht für eine Aktivierung der Erkrankung. Erst mit äußeren Faktoren (Antigene aus der Umwelt) kommt es zu einer Sensibilisierung und Abwehrstoffe werden gebildet. Ebenfalls genetisch bedingt ist die Psoriasis: Forscher konnten feststellen, dass Kinder von Psoriasis-Betroffenen mit einer 10%igen Wahrscheinlichkeit ebenfalls erkranken, wenn ein Elternteil betroffen ist – bei beiden Elternteilen liegt das Risiko sogar bei 40%. Ergänzend dazu kommt ein fehlgeleitetes Immunsystem, welches eine chronische Aufrechterhaltung des Abwehrmechanismus gegen Entzündungen vorweist.

Neurodermitis & der atopische Formenkreis

Neurodermitis gehört zum atopischen Formenkreis. Betroffene leiden daher meist nicht nur unter den krankhaften Hautveränderungen, sondern neigen auch zu allergischem Asthma und Heuschnupfen. Es besteht eine generelle Überempfindlichkeit auf Kontakt mit Allergenen und anderen Reizstoffen. Im Internet ist zudem oft zu lesen, dass eine Ernährungsumstellung die Neurodermitis erfolgreich behandeln kann. Richtig ist: Eine Umstellung der Ernährung kann die Behandlung der Neurodermitis unterstützen. Liegt eine Reaktion auf Milchprodukte vor, ist es ratsam und sinnvoll darauf zu verzichten. Eine vollwertige Behandlung kann die richtige Ernährung jedoch nicht ersetzen, da es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung handelt, die von einem Facharzt behandelt werden muss. Psoriasis zählt hingegen nicht zum atopischen Formenkreis.

Was ist eine leitliniengerechte Therapie?

Die Therapie bei Neurodermitis und Psoriasis muss individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Um für den Einzelfall eine optimale Therapie gewährleisten zu können, gibt es in Deutschland Therapieleitlinien, welche von Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet verfasst werden. An diesen Leitlinien können sich die behandelnden Ärzte orientieren, um stets eine aktuelle, auf den Patienten zugeschnittene Therapie anwenden zu können.

So findet die Therapie bei der Psoriasis und Neurodermitis abhängig vom Schweregrad statt:
Bei leichten Erkrankungsformen steht die sogenannte topische Therapie (=Auftragen von Medikamenten auf der Haut) im Vordergrund, bei mittelschweren und schweren Symptomen kommen zusätzlich die Phototherapie und systemische Therapien (=Medikamente zur oralen Einnahme) zum Zuge.

Hautwoche anlässlich des Welt-Neurodermitis-Tags vom 14. Bis 24. September 2021

Solltest Du Dir nun die Frage stellen, ob Du möglicherweise selbst von Neurodermitis oder Psoriasis betroffen bist, haben wir eine gute Nachricht für Dich: Am 14. September startet unsere gemeinsame Aktionswoche mit derma2go. Vom 14. bis 24. September 2021 kannst Du Dich kostenfrei von einem ausgewiesenen Experten der chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen beraten lassen.

Autoimmunerkrankungen – So erklär ich‘s meinem Kind

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Normalerweise kämpft unser Immunsystem (das heißt Abwehrsystem) gegen fremde Eindringlinge. Wenn z.B. Bakterien oder Viren in den Körper eindringen, erkennt es sie und bekämpft sie. Im Fall von Autoimmunerkrankungen macht das Immunsystem etwas Falsches, es denkt, dass Teile unseres eigenen Körpers „fremd“ sind und bekämpft sie genauso wie sonst nur die schädlichen Eindringlinge. Dadurch können ganz verschiedene Organe angegriffen und krank werden, z.B. die Haut oder die Gelenke oder der Darm. Wir bekommen dann Probleme mit diesem Organ, weil es z.B. rot wird, anschwillt oder schmerzt.

Wie entsteht so eine Erkrankung? Warum habe gerade ich das bekommen?

Manchmal hat man von seinen Verwandten sogenannte Gene vererbt bekommen, die das Risiko erhöhen, eine Autoimmunerkrankung zu bekommen. Bei manchen Menschen bricht aber, obwohl sie solche Gene haben, gar keine Erkrankung aus. Warum andere dann plötzlich eine Autoimmunerkrankung bekommen, wissen wir bisher nicht.
Es kann sein, dass Infekte, die sozusagen Stress für den Körper bedeuten, oder psychischer Stress (zum Beispiel viel Ärger in der Schule oder mit den Freunden) oder vielleicht auch schmutzige Luft dazu beitragen, dass unser Immunsystem plötzlich solche falschen Reaktionen macht und Teile unseres eigenen Körpers angreift.
Bisher ist aber noch sehr viel über die Ursachen von Autoimmunerkrankungen unerforscht. Vielleicht wirst Du ja später Forscher und kannst helfen solche Rätsel zu lösen.

Ist das ansteckend?

Nein

Haben so etwas viele Menschen?

Ja, es bekommen etwa 10% der Menschen, vielleicht sogar mehr, im Laufe des Lebens eine Autoimmunerkrankung. Wenn alle Schüler auf dem Schulhof stehen, ist das jeder Zehnte oder noch mehr. Davon haben manche Kinder ein Problem mit der Haut, manche haben vielleicht mal ein schmerzendes dickes Gelenk, wieder andere haben oft Bauchweh und Durchfall. Du bist also nicht allein. So etwas kann jeder bekommen und Du bist nicht schuld daran, dass Du diese Krankheit bekommen hast.

Wie geht es jetzt weiter? Werde ich das immer haben?

Autoimmunerkrankungen verlaufen in den meisten Fällen in Schüben, das heißt mal geht es besser, mal geht es schlechter und zwischendurch merkt man manchmal gar nichts von der Krankheit und vergisst sie sogar. Manchmal gibt es dann „Trigger“, die wieder einen Schub auslösen, wie z.B. Infekte. Das lässt sich nicht verhindern aber gut behandeln.

Kann man verhindern, dass man so eine Krankheit bekommt?

Bisher weiß niemand, wie man es verhindern kann, dass solche Krankheiten entstehen.

Was kann man dagegen tun?

Es gibt heutzutage viele verschiedene Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen, die so gut helfen, dass man meist nicht mehr viel von der Krankheit merkt. Im Lauf des Lebens muss man allerdings oft immer mal wieder Medikamente bekommen und sie regelmäßig nehmen. Es ist aber sehr gut, dass Du diese Krankheit jetzt und nicht vor hundert oder auch nur vor fünfzig Jahren bekommen hast, denn da gab es all diese Medikamente noch nicht.

Was kann ich selber machen damit es mir besser geht?

Außerdem ist es immer gut, sich gesund zu ernähren, viel Obst und Gemüse zu essen, viel an der frischen Luft zu sein, Sport zu treiben und Freunde zu treffen.
Wenn Du Fragen hast, kannst Du Deine Eltern oder Deinen Arzt fragen. Manchmal hilft es auch mit seinen Freunden darüber zu reden, vielleicht haben sie ja etwas Ähnliches oder kennen jemanden in ihrer Familie der auch eine Autoimmunerkrankung hat. Und manchmal hilft es auch die Krankheit für eine Weile zu vergessen und einfach fröhlich zu sein, denn Gute Laune ist auch eine Art Medikament.

 



Rheumatherapie – warum ist sie so wichtig?

Es gibt Rheuma-Erkrankte, die über Jahre die Augen vor ihrer Erkrankung verschießen. Sie überwinden schlimme und weniger schlimme Schübe und das ganz ohne Medikamente. Diese Menschen leiden und holen sich dennoch keine medizinische Hilfe. Warum passiert sowas und was kann dagegen getan werden?

Aus meiner Erfahrung ist dieses Verhaltensmuster eine Mischung aus Frustration bezüglich bisheriger Erfahrungen mit der Schulmedizin, Unkenntnis über die heutigen Möglichkeiten der Therapien und auch Fehlinformationen über das Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung der heutigen therapeutischen Möglichkeiten. Da bei jedem einzelnen Patienten die drei genannten Punkte sehr unterschiedlich ausgeprägt sind, gibt es kein allgemeines Rezept, wie man alle Patienten abholen kann. Aus meiner Erfahrung ist aber ein Austausch innerhalb der Patientengruppen häufig ein entscheidender Moment, der bei dem einen oder anderen Patienten doch den Wunsch wachsen lässt, es noch mal mit einer adäquaten Therapie nochmal zu versuchen. Gute Informationen sind das A&O, von anderen Mitpatienten kommend, im Internet oder auch beim Hausarzt. Gut informierte Patienten leiden nicht nur weniger, sondern sie haben auch die beste Prognose, langfristig sogar auch ohne Medikamente gut zurechtzukommen.

Warum ist es so wichtig, sich seiner Erkrankung zu stellen?

Die Vorstellung vieler Patienten ist doch, dass die Medikamente häufig gefährlicher sind als die Erkrankung an sich. Zum Teil beruhen die Aussagen auf der eigenen Erfahrung, dass eine erste oder eine zweite Therapie nicht vertragen wurde. Die Frustration ist dann sehr hoch und das Gefühl, alle Medikamente seien mit Nebenwirkungen verbunden führt dazu, dass keine weiteren Therapieversuche gewünscht werden. Dieses ist durchaus auch als Mediziner nachvollziehbar. Unsere Aufgabe ist es dem Patienten zu erklären, dass es durchaus zu Nebenwirkungen kommen kann, es aber heutzutage so viele unterschiedliche Therapien gibt, dass es für jeden Patienten definitiv mindestens ein Medikament gibt, dass er verträgt und das eine adäquate Wirkung hat. Das Entscheidende ist die Kenntnis, dass wenn die Krankheit gut behandelt ist, diese auch die Möglichkeit hat einzuschlafen und keine weiteren Therapien notwendig sind. Lässt man die Krankheit laufen, führt sie nicht nur zu aktuellen Schmerzen, sondern auch zu langfristigen Schäden, die später auch mit der gleichen Therapie nicht mehr annähernd so gut zu behandeln sind, wie es heute noch möglich wäre.

Was passiert im Körper, wenn Erkrankte nicht therapieren werden?

Wir sprechen insbesondere Jahr über Erkrankungen mit chronischen Entzündungen. Unabhängig davon, wo diese chronische Entzündung abläuft, führt sie häufig zu einer Narbenbildung an dem Ort der Entzündung. Sei es der Darm, die Gelenksinnenhaut, das Auge oder an dem Nerven. Diese narbigen Veränderungen führen dann dazu, dass das Organ nicht mehr adäquat arbeiten kann, es kann sich nicht mehr so gut bewegen, es kann nicht mehr so gut die Nahrung aufnehmen, sehen oder fühlen. Unabhängig von der Tatsache, dass Entzündungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht selten mit Schmerzen verbunden sind, führen sie also auch langfristig zu konkreten Schädigungen des Körpers. Des Weiteren wissen wir, dass eine chronische Entzündung dazu führt, dass die Blutgefäße auf der Innenseite der Wände klebrig werden und sich z.B. Cholesterin leicht ablagert. Dies erklärt auch, warum Patienten mit einer über mehrere Jahre bestehenden Entzündung häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle bekommen. Es ist also neben der Schädigung des eigentlichen Organs, bei dem die Entzündung sitzt, auch zusätzlich noch andere langfristige Schädigungen verursacht. Allein durch die Behandlung der Entzündung können wir es heutzutage schaffen, das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle unserer Patienten auf das normale Maß zurückzudrängen. Und wer möchte nicht gerne schmerzfrei sein und auch langfristig noch die Gelenke, den Darm, das Auge einwandfrei benutzen können.

Ist der Zeitpunkt wichtig, wann die Therapie bei eine Autoimmunerkrankung beginnt, oder sind die Erfolgsaussichten auch nach Jahren unerkannter Symptome genauso gut?

Wie bereits oben schon genannt, ist die Prognose der entzündlichen Erkrankung unter anderem davon abhängig, wann mit einer Therapie begonnen wird. Es ist gar nicht mal so wichtig mit welchem Medikament die Entzündung behandelt wird, viel wichtiger ist es, dass die Einleitung früher erfolgt und eine regelmäßige Kontrolle gewährleistet ist, sodass eine unzureichende Therapie weiter angepasst werden kann. Manchmal ist es nicht das erste oder zweite Medikament, dass die Entzündung ausreichend unterdrückt, manchmal ist es eben auch das dritte oder vierte. Dieses ist sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte zum Teil ärgerlich und schwierig, deshalb aber das Ziel aus den Augen zu lassen, die Krankheit gut unter Kontrolle zu haben und Spätschäden zu verhindern, ist das Schlechteste, was man machen kann.

Was raten Sie speziell Rheumapatienten, die mit ihrem Hausarzt trotz kontinuierlicher Beschwerden nicht weiterkommen, aber keine Zeit bis zu einer Diagnose vergeuden möchten. Worauf sollten die Patienten besonders achten, wenn Sie einen Verdacht haben, dass ihre Symptome vielleicht auf eine rheumatische Erkrankung hindeuten?

Der Hausarzt ist im eigentlichen Sinne tatsächlich der erste Ansprechpartner für jeden Patienten. Der Hausarzt muss die Erkrankung nicht allein diagnostizieren und perfekt behandeln können, seine Aufgabe ist es aber als ein Wegweiser zu agieren und dem Patienten aufzuzeigen, wann er sich wo am besten vorstellen sollte. Hat man das Gefühl, der Hausarzt kann einem nicht erklären, warum man diese Beschwerden hat, und hilft einem auch nicht, eine weitere Abklärung voranzutreiben, da muss man sich ernsthaft fragen, ob es der richtige Hausarzt für einen ist. Ich halte nicht sehr viel davon, dass die Patienten sich eigenständig beim Facharzt vorstellen. Von den Patienten, die sich ohne Hausarzt beim Rheumatologen vorstellen, habe nur 25 % tatsächlich eine entzündlich rheumatische Erkrankung und 75 % eine andere Erklärung für ihre Beschwerden. Würden diese Patienten vom Hausarzt bereits vorab an die richtige Fachrichtung verwiesen werden, hätten wir viermal mehr Termine für neue rheumatologische Patienten als aktuell.

Haben Erkrankte, die hohe Dosen an Medikamenten einnehmen eine kürzere Lebenserwartung?

Ich fürchte, dass ist die Befürchtung von vielen Patienten, dass die Medikamente in normaler oder auch höherer Dosis zu einer kürzeren Lebenserwartung führen. Die Ärzte würden dann tatsächlich einen schlechten Job machen, wenn wir unsere Patienten zwar schmerzfrei therapieren könnten, aber alle früher sterben. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich die Therapeutika für die entzündlichen Erkrankung wesentlich verbessert. Dabei waren immer folgende Ziele im Fokus der Studienärzte: Verbesserung der Lebensqualität jetzt und gute Verträglichkeit langfristig. Somit wägt jeder Arzt ab, ob seine empfohlene Therapie tatsächlich besser oder schlechter als die Erkrankung an sich ist. Empfiehlt der Arzt eine Therapie, z.B. auch in höherer Dosis, dann hat er sich vorab selbst überlegt, ob das damit verbundene Risiko im Verhältnis zu dem Risiko der Erkrankung steht. Dies schließt natürlich nicht aus, dass es auch Nebenwirkungen geben kann, auch mal tödliche Nebenwirkungen. Diese sind in jedem Einzelfall absolut zu bedauern, ob es aber tatsächlich an der Therapie oder nicht doch auch an der unzureichenden Kontrolle der Erkrankung gelegen hat, ist in jedem Einzelfall herauszufinden. Zusammenfassend ist aber zu betonen, dass auch bei der Zulassung der Medikamente immer darauf geachtet wird, ob das kurz und langfristige Risiko der Therapie im Verhältnis zu dem aktuellen Therapieerfolg steht.


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