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Neurodermitis: Die Geschichte von Carlotta

Neurodermitis: Carlottas Mut-Mach-Geschichte

Einleitung:
Name: Lotta
Alter: 28
Diagnose (welches Jahr gestellt bekommen): Neurodermitis, erstmals in der Kindheit aufgetreten

Interview:

Wie verlief dein Weg von den ersten Symptomen bis zur Diagnosestellung?

Laut meiner Mutter hatte ich bereits als Kind leichte Neurodermitis, was sich durch gute Hautpflege und Ernährung aber gelegt hat. Später bekam ich bei Stress, wenn ich mit der Ernährung nicht aufpasste oder zu viel Alkohol trank immer mal ein paar Stellen. Wirklich wahrgenommen habe ich die Neurodermitis im Jahr 2017, als ich mit einem Hormonring verhüten wollte und schnell merkte, dass meine Haut nach dem Einsatz des Ringes immer trockener und gereizter wurde, sodass ich ihn nach ein paar Monaten absetzen musste. Was dann folgte, war der schlimmste Schub meines Lebens: Plötzlich hatte ich am ganzen Körper Neurodermitis, musste zweimal im Krankenhaus behandelt werden und brauchte fast zwei Jahre, um meine Haut zu heilen.

Wie war es dann, als du die Diagnose erfahren hast? Was hat die Diagnose bei dir ausgelöst?

Dass mir meine Neurodermitis im Krankenhaut bestätigt wurde, wunderte mich nicht. Ich kannte die Krankheit ja. Was mich aber verwundert hatte, war, dass viele Ärzte und Ärztinnen den Zusammenhang zwischen den Hormonen und meiner Haut nicht herstellen konnten oder wollten. Dabei steht sogar in der Packungsbeilage des Verhütungsringes, den ich ausprobiert hatte, dass dieser zu Hautirritationen führen kann. Außerdem ist es ja auch kein Geheimnis, dass viele Frauen in oder nach der Schwangerschaft Schübe erleiden. Hier habe ich gelernt, dass ich mich selbst auf Ursachenforschung begeben musste, denn mit der Diagnose und dem Rat, ab jetzt nur noch mit Cortison behandeln zu können, wollte ich mich nicht zufriedengeben. Nicht, dass Ihr mich hier falsch versteht, ich bin keine grundsätzliche Cortison-Gegnerin und zum Glück gibt es derartige Medikamente, aber Cortison wird, wie ich finde, häufig recht inflationär genutzt, was ich einfach für mich vermeiden möchte, wenn es geht.

Wie hat deine Familie reagiert?

Freunde und Familie haben mich total unterstützt. Und auch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn am Anfang war ich sehr überfordert. Abgesehen davon, dass mein Schub einfach nicht abklingen wollte, habe ich viele verrückte Theorien aufgestellt, wie ich mich denn jetzt heilen könne. Ich habe sehr, sehr streng auf meine Ernährung geachtet und plötzlich vor vielen Lebensmitteln und auch äußeren Einflüssen Ängste entwickelt. Das geht leider schneller, als man denkt. Glücklicherweise habe ich es immer wieder geschafft, rational zu bleiben, Fakten zu checken und nicht auf ominöse Ernährungs- und Genesungstheorien zu vertrauen. Denn falsche Informationen gibt es im Internet so, so viele.

Wie hat sich dein Leben und das deiner Familie seither verändert?

Erst wusste ich nicht viel über meine Krankheit und bin auch öfter vom Weg abgekommen. Ich habe vieles ausprobiert und war viel zu streng mit mir. Irgendwann habe ich verstanden, dass meine Neurodermitis ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren reflektiert: Eine ausgewogene Ernährung ist für meinen Körper wichtig, aber nicht alles. Der Verhütungsring hatte meinen Hormonhaushalt und damit auch meinen Körper völlig durcheinandergebracht, das musste sich erstmal wieder einpendeln. Außerdem war ich mit meiner damaligen Lebenssituation total unzufrieden und in einer unglücklichen Beziehung. Ich wollte besser verstehen, was in meinem Körper passiert und warum. Ich wollte Informationen, deren Wahrheitsgehalt ich überprüfen konnte. Deshalb habe ich eine Ausbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin begonnen, in der auch Krankheiten wie Neurodermitis genau unter die Lupe genommen werden. Mittlerweile habe ich meine Ausbildung abgeschlossen und arbeite auch als Ernährungsberaterin.

Wie bewältigst du deinen Alltag?

Meinem Alltag kann ich mittlerweile wieder normal nachgehen, nachdem ich ein Jahr lang gar nicht gearbeitet habe. Ich habe aber gelernt, dass mir die Neurodermitis klar signalisiert, wenn etwas nicht stimmt. Stress, schlechte Ernährung, zu viel Rotwein oder Schokolade, Zyklusprobleme – das alles behalte ich im Hinterkopf und gestalte meinen Alltag möglichst so, dass ich mir und meinem Körper viel Gutes gebe. Mittlerweile merke ich schnell, wenn ich eine Pause brauche. Als Selbstständige übernehme ich mich oft, höre nun aber besser auf mein Gefühl.

Wie geht es dir aktuell?

Sehr gut! Im Winter ist meine Haut auch stellenweise weiterhin trocken. Aber ich komme gut klar und habe auch keine Angst mehr vor größeren Schüben, weil ich die Krankheit als einen Teil von mir akzeptiert habe.

Wie therapierst du zur Zeit?

An erster Stelle steht bei mir die gesunde Ernährung, mit der ich meinen Körper optimal unterstützen möchte. Ansonsten braucht es aktuell nicht viel. Um Stress zu reduzieren und besser auf mein Körpergefühl hören zu können, treibe ich Sport, gehe mit meinem Hund spazieren oder schreibe. Basenbäder mache ich auch unheimlich gern, die habe ich im Krankenhaus lieben gelernt.

Was hilft dir, deine Neurodermitis gut in den Griff zu bekommen?

Ich musste verschiedene Bereiche in Angriff nehmen, um meine Neurodermitis schlafen zu legen: Die Ernährung umstellen (vorzugsweise basisch und naturbelassen essen, auf Weizen verzichten, wenig Zucker konsumieren und anti-entzündliche Lebensmitteln integrieren), Stressfaktoren erkennen und Probleme lösen, meine Hormone wieder ins Gleichgewicht bringen und auf Naturkosmetik umstellen. Ich hatte auch einen ziemlichen Vitalstoffmangel, was mir ein Blutbild damals bestätigte. So waren es am Ende viele Faktoren, die das Fass bei mir im Jahr 2017 zum Überlaufen brachten. Wenn ich jetzt mal Mini-Schübe haben, helfen mir eine einfache Creme und Basenbäder gut.

Was ist dein Wunsch in Bezug auf deine Erkrankung?

Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Menschen (Ärzte und Ärztinnen eingeschlossen) lernen, wie Krankheiten wie Neurodermitis entstehen, was sie triggert und was wir auf ganzheitlicher Ebene dagegen unternehmen können. Obwohl ich durch meine Neurodermitis die schlimmsten zwei Jahre meines Lebens hatte und genau weiß, was es bedeutet, nicht mehr schlafen zu können und unglaubliche Schmerzen zu haben, konnte ich doch sehr viel über mich und meinen Körper lernen. Das heißt nicht, dass ich der Schulmedizin nicht vertraue, im Gegenteil: Sie hat mich in einer schlimmen Phase gerettet. Aber es gibt noch so viel über diese Krankheiten zu forschen und zu lernen. Ich hoffe, in den nächsten Jahren passiert auf diesem Gebiet noch viel. Auch ich möchte in Zukunft und nach Abschluss meiner Ausbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin hoffentlich vielen Menschen dabei helfen, diese und andere Krankheiten in den Griff zu bekommen.

Schlusswort:
Krankheiten wie Neurodermitis haben vielfältige Auslöser, der Leidensweg ist oft ein langer. Was ich gelernt habe: Versuchen, entspannt zu bleiben, auch mal Medikamenten zu nutzen, um den Körper zu unterstützen, ihn trotzdem ganzheitlich zu betrachten und kontinuierlich an ihm zu arbeiten. Was ich empfehle: Alle Lebensbereiche unter die Lupe zu nehmen – Ernährung, Stressfaktoren, eventuelle Allergien, hormonelle Probleme (besonders bei Frauen), alle anderen negativen Einflüsse und viel Geduld zu haben, denn kein Schub ist für immer. Was ich Betroffenen wünsche: Dass Ihr Eure persönlichen Auslöser und somit einen guten Weg findet, um mit der Krankheit leben zu lernen.