Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Der Mensch wird ständig von Viren und Bakterien angegriffen. Unser Immunsystem spielt bei der Abwehr dieser Krankheitserreger eine lebenswichtige Rolle.

Richtet sich unser Abwehrsystem aber gegen körpereigene Strukturen und bekämpft diese wie Krankheitserreger, entsteht eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Der Körper kämpft also fälschlicherweise gegen sich selbst (die griechische Vorsilbe „auto“ bedeutet „selbst“). Die Folgen sind Entzündungen und Schädigungen von Organen, Gewebe oder Gelenken.

Das Immunsystem richtet sich entweder selektiv gegen ein bestimmtes Organ (z.B. Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Darm, Haut oder Nerven) wodurch eine sogenannte organspezifische Autoimmunerkrankung entsteht. Oder es geht gegen das gesamte System vor und verursacht damit eine nichtspezifische, systemische Autoimmunerkrankung. In dem Fall attackiert das Immunsystem verschiedene Körperorgane.

1. Organspezifische
Autoimmunerkrankungen:

MULTIPLE SKLEROSE
(betrifft die Myelinscheide der Nervenfasern)
COLITIS ULCEROSA oder MORBUS CROHN
(betrifft die Darmschleimhaut)

2. Systemische
Autoimmunerkrankungen:

RHEUMATOIDE ARTHRITIS
(betrifft die Gelenke)
PSORIASIS
(betrifft Haut, Gelenke und Fingernägel)

Autoimmunerkrankungen sind in der Regel nicht heilbar und bestehen ein Leben lang. Sie können jedoch symptomatisch, z.B. mit Entzündungshemmern, Immunsuppressiva (die Arbeit des Immunsystems gegen den eigenen Körper wird unterdrückt) oder Biologika (biotechnologisch hergestellte Eiweißsubstanzen, die gegen bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers gerichtet sind) behandelt werden.

Der Verlauf einer Autoimmunreaktion lässt sich in drei Phasen einteilen:

1. Phase: INITIATION

Die Ursachen einer Autoimmunerkrankung sind sehr komplex. Üblicherweise reicht eine genetische Neigung nicht aus, um tatsächlich eine Autoimmunerkrankung auszulösen. Kommen Einflüsse über Umweltfaktoren (wie Rauchen, Alkohol, UV-Strahlung, Medikamente) oder Infektionen dazu, kann eine Autoimmunerkrankung ausgelöst werden. Dieses Zusammenspiel nennt man Initiation.

2. Phase: PROPAGATION

In der Propagation reagiert das Immunsystem auf körpereigene Strukturen und gerät außer Kontrolle (eskaliert). Dadurch verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen entzündungshemmenden und entzündungsfördernden Strukturen im Körper.

3. Phase: RESOLUTION

Idealerweise steuert der Körper selbst wieder gegen und bringt während der Resolution die Verschiebung der Immunreaktion wieder in Ordnung.