
Die Geschichte von Claudia
Wie verlief dein Weg von den ersten Symptomen bis zur Diagnose des chronischen Handekzems? Gab es Schwierigkeiten oder Wendepunkte auf dem Weg zur Diagnose?
2018 bemerkte ich ein starkes Jucken zwischen meinen Fingern, was teilweise echt unerträglich war. Zu der Zeit war es nur das Jucken. Ich habe mehrfach am Tag kaltes Wasser über meine Hände laufen lassen, damit das Jucken erträglich wurde. Abends im Bett habe ich mich auf meine Hände gelegt, damit ich nicht kratze. Das war aber immer nur phasenweise. Dann ging es wieder eine Zeit lang und dann kam es wieder.
Ende 2019 habe ich dann mal versucht, auf Zucker zu verzichten, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass das helfen würde. Ich habe es geschafft, 4 Wochen komplett auf Zucker zu verzichten, ich hatte meine Ernährung dahingehend umgestellt. Und ja, es hat mir auch geholfen. Leider ist es mir nicht gelungen, diese Ernährungsform auf Dauer durchzuhalten.
2020 bin ich dann zum Hautarzt und der hat bei mir einen ausgiebigen Allergietest gemacht und dabei wurde festgestellt, dass ich eine Allergie auf Latex und das Vulkanisationsmittel (Weichmacher) in Einmalhandschuhen entwickelt habe. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch stundenweise in einer Arztpraxis gearbeitet und ich war selbstständig als Fußpflegerin und Kosmetikerin, also musste ich die Handschuhe immer tragen.
Nachdem die Diagnose gestellt war, wurde mir Cortison aufgeschrieben und im Endeffekt wurde nur gesagt, dass ich auf die Handschuhe verzichten sollte. Woraufhin ich gefragt habe, wie ich das bei meinen Berufen machen solle. Die einzige Antwort, die ich bekam, war: „Dann wechseln Sie den Beruf.“
Das war für mich wirklich schlimm, weil ich dann 3 Berufe aufgeben musste, die ich aber sehr gerne gemacht habe.
Du bist als Holistic Skin & Health Expertin beruflich tief in die Welt der Haut eingestiegen. Was kam zuerst: dein chronisches Handekzem und daraus der Wunsch, dich beruflich mit Haut zu beschäftigen – oder dein Beruf? Und wie hat das eine das andere beeinflusst?
Ich habe ja schon als Kosmetikerin gearbeitet und dabei habe ich ja auch schon bemerkt, dass ich bei einigen Hautproblemen nur mit der Behandlung von außen nicht weiterkam. Nachdem mein Handekzem immer schlimmer wurde, habe ich mich dann schlau gemacht und bin auf die Ausbildung zur Holistic Skin & Health-Expertin gestoßen. Und habe diese dann 2022 gemacht. Die Sachen, die ich da gelernt habe, habe ich dann 1:1 selber an mir selbst umgesetzt und mein Handekzem war weg.
Wie hat sich dein Handekzem im Laufe der Jahre verändert und wann hast du angefangen, deine persönlichen Trigger und Warnzeichen für einen Schub zu erkennen?
Seit 2022 hatte ich dann eigentlich gar keine Probleme mehr mit meinen Händen. Ich konnte die Einmalhandschuhe tragen und es hat mir nichts mehr ausgemacht. Meine Haut war ruhig. Aber in den letzten 1 1/2 Jahren hatte ich sehr viele Herausforderungen. Finanziell durch die ganze wirtschaftliche Lage und auch privat (Krebserkrankung meines Vaters und Juli 2026 dann sein Tod, pflegebedürftige Schwiegermutter im Haus). Und plötzlich kam mein Handekzem wieder. Ich muss dazu sagen, dass ich in den letzten 1 1/2 Jahren mich und meinen Körper sehr vernachlässigt habe. Ich habe nicht mehr so auf die Ernährung geachtet, weil ich einfach keinen Kopf dafür hatte. Und die Wechseljahre darf man da dann auch nicht vergessen.
Wenn du an die Anfangszeit mit dem Handekzem zurückdenkst: Welche Informationen oder Unterstützung hätten dir damals geholfen?
Mir hätte es geholfen, wenn mir einer gesagt hätte, dass ich das Handekzem durch meinen Lebensstil positiv beeinflussen kann. Und dass mich jemand dabei unterstützt hätte (so wie ich es in meinem Programm mache).
Wie sieht ein Schub bei dir aus und was machst du, wenn du merkst, dass er sich ankündigt? Was hilft dir dann wirklich?
Ein Schub beginnt bei mir immer mit einem starken Juckreiz und dann bilden sich Bläschen, die aufplatzen und Krusten bilden. Meine Fingerkuppen platzen auf und es bildet sich ein Ekzem.
Wie erlebst du die Blicke oder Kommentare anderer Menschen? Gab es eine Reaktion, eine Geste oder eine Unterstützung aus deinem Umfeld, die dir besonders gutgetan hat?
Bei den kosmetischen Behandlungen hatte ich immer das Gefühl, meine Hände verstecken zu müssen, weil es für mich unangenehm war, mit solchen Händen Menschen anzufassen. Unterstützung von außen habe ich eigentlich überhaupt nicht bekommen.
Welche Fragen oder Missverständnisse begegnen dir rund um dein Handekzem immer wieder? Gibt es einen „Mythos“, von dem du dir wünschen würdest, dass er endlich verschwindet?
Es wird bei so was ja immer erst mal Kortison gegeben. Dann soll man die äußeren Faktoren weglassen, die zu dem Ekzem führen (bei mir waren es die Einmalhandschuhe). Und man muss einfach nur die richtige Creme benutzen und sonst muss man halt damit leben. Das ärgert mich schon sehr, dass man damit von den Ärzten so allein gelassen wird.
Welche Behandlungen und Medikamente hast du bisher ausprobiert? Was hat dir geholfen, was hat nicht den gewünschten Effekt gehabt? Gab es vielleicht auch etwas, von dem du im Nachhinein sagen würdest: Das hätte ich mir sparen können?
Ich habe viele verschiedene Handcremes benutzt und Kortisoncreme. Das hätte ich mir sparen können. Was mir im Endeffekt geholfen hat, ist, meine Ernährung umzustellen, und ich habe durch gezielte Bluttests herausgefunden, was meinem Körper fehlt, wie es meinem Darm geht usw., und ich habe dann gezielt meine Nährstoffmängel aufgefüllt und mein Darmmikrobiom wieder aufgebaut. Und dann meinen Lebensstil angepasst (Auszeiten nehmen, Spaziergänge, Sport usw.). Das war das Einzige, was mir wirklich geholfen hat. Und ich habe halt gemerkt, nachdem ich das alles 1 1/2 Jahre vernachlässigt habe, dass mein Ekzem wiedergekommen ist.
Du beschäftigst dich auch mit ganzheitlichen Ansätzen. Welche ergänzenden Methoden oder Strategien hast du selbst ausprobiert und was davon hat dir tatsächlich geholfen?
Ich habe durch Bluttests herausgefunden, was meinem Körper wirklich fehlt (z. B. Omega 3, Magnesium, Vitamin D und ein gestörtes Darmmikrobiom). Als ich die Nährstoffmängel aufgefüllt hatte und meinen Lebensstil angepasst hatte (z. B. Stressreduktion durch Atemtechniken, Spaziergänge usw.), ging es mir schnell besser.
Chronische Hauterkrankungen können nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belasten. Was macht das Handekzem mit dir und was hilft dir, wenn die Belastung besonders groß wird?
Die Schmerzen bei bestimmten Arbeiten belasten schon sehr. Ich hatte schon eine richtige Abneigung gegen die Handschuhe entwickelt und die Lust an meiner Arbeit verloren.
Was bedeutet das Handekzem für deinen Alltag? Beeinflusst es beispielsweise deinen Schlaf, deine Energie, deine Konzentration oder Dinge, die du eigentlich gerne machst?
Der Juckreiz lässt mich teilweise nachts wach werden und viele Dinge sind sehr unangenehm, wie z. B. Putzen. In der akuten Phase drehen sich die Gedanken schon stark um meine Hände und das Ekzem.
Welche Unterstützung würdest du dir gesellschaftlich, beruflich oder privat im Umgang mit sichtbaren Hauterkrankungen wünschen?
Ich denke mal, dass so was nicht als wirkliche Erkrankung anerkannt ist und Außenstehende auch gar nicht verstehen, was das mit dem Betroffenen macht.
Welche Trigger hast du bei dir festgestellt?
Bei mir ist es Stress und schlechte Ernährung.
Hast du ergänzend alternative Heilmethoden ausprobiert? Was hat dir hier geholfen und was eher nicht?
Ich habe die Ernährungsumstellung und gezielte Nahrungsergänzung für mich als große Hilfe empfunden und zudem auch Meditation und Atemtechniken.
Wie geht es dir aktuell?
Im Moment habe ich wieder einen Schub, aber ich bin gerade wieder dabei, mehr auf mich und meinen Körper zu achten.
Hast du einen Wunsch in Bezug auf deine Erkrankung? Dein Schlusswort:
Ich würde mir wünschen, dass Personen mit solchen Erkrankungen nicht nur oberflächlich behandelt werden von der Schulmedizin, sondern dass auch ganzheitlich auf die Erkrankung geschaut wird. Und dass sie insgesamt mehr Unterstützung bekommen.
Stand 2026
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