Arbeitsbedingte Hauterkrankungen: Berufskrankheit Handekzem (BK 5101)

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Erleichterte Anerkennung seit 2021: Du musst deinen Beruf nicht mehr aufgeben, um eine Anerkennung als Berufskrankheit BK 5101 zu erhalten – der Unterlassungszwang ist weggefallen und die Anerkennungszahlen sind dadurch um das Zehnfache auf rund 4.000 Fälle pro Jahr gestiegen.
  2. Klare Anerkennungskriterien: Dein Handekzem wird als BK 5101 anerkannt, wenn es entweder schwer ist (mehr als sechs Monate Behandlungsbedürftigkeit) oder wiederholt rückfällig (mindestens drei dokumentierte Erkrankungsschübe).
  3. Umfassende kostenfreie Leistungen: Die Berufsgenossenschaft übernimmt alle Behandlungskosten ohne Budgetbeschränkung – von der Diagnostik über Medikamente bis hin zu speziellen Hautschutzprodukten, ohne dass du Rezeptgebühren zahlen musst.
  4. Erfolgreiche Präventionsmaßnahmen: Durch das gestufte Hautarztverfahren mit ambulanten Hautschutzseminaren und stationären Heilverfahren können über 70 % der schwer Erkrankten in ihrem Beruf bleiben – nur 3 % müssen ihre Tätigkeit aufgeben.
  5. Einfacher Zugang über den Hautarztbericht: Jede Ärztin und jeder Arzt muss dich bei Verdacht auf eine berufsbedingte Hauterkrankung an eine Dermatologin oder einen Dermatologen überweisen, die oder der dann den entscheidenden Hautarztbericht F 6050 erstellt und das Verfahren einleitet.

Rissige, juckende Hände nach der Arbeit? Damit bist du nicht allein – Millionen Beschäftigte sind von beruflich bedingten Handekzemen betroffen. Die gute Nachricht: Seit 2021 bestehen deutlich bessere Chancen auf Unterstützung. Wird ein Handekzem als Berufskrankheit (BK 5101) anerkannt, kann das dein Leben entscheidend verbessern. Wichtig ist: Du musst deinen Beruf nicht aufgeben, um Hilfe zu erhalten. Die Berufsgenossenschaft übernimmt die Behandlungskosten und bietet dir gezielte Präventionsprogramme, damit du langfristig gesund arbeiten kannst. In diesem Ratgeber erfährst du, was du über die Anerkennung als Berufskrankheit wissen solltest – von den ersten Schritten beim Hautarzt über deine Rechte und Leistungen bis hin zu bewährten Strategien, die 97 % der Betroffenen den Verbleib in ihrem erlernten Beruf ermöglichen.

Berufskrankheit Handekzem: Wann BK 5101 anerkannt wird

Wenn du unter einem Handekzem leidest, das durch deine berufliche Tätigkeit entstanden oder verschlechtert wurde, hast du möglicherweise Anspruch auf Anerkennung als Berufskrankheit. Das Handekzem ist die häufigste beruflich bedingte Hauterkrankung. In Berufen mit hohem Risiko ist fast jede zweite Betroffene irgendwann davon betroffen [1]. Seit 2021 wurden die Anerkennungsvoraussetzungen erheblich erleichtert, sodass du deinen Beruf nicht mehr aufgeben musst, um Unterstützung zu erhalten.

Anerkennung von schweren Hauterkrankungen

Die Berufskrankheit BK 5101 umfasst „schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen“ und ist in der Berufskrankheiten-Liste der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) verankert. Diese Definition schließt alle Krankheiten der Haut oder Hautanhangsgebilde einschließlich der Augenbindehaut mit ein – ausgenommen ist Hautkrebs, der unter einer separaten BK-Nummer geführt wird.

Für dich als Betroffene oder Betroffenen bedeutet die Anerkennung als BK 5101 einen entscheidenden Wendepunkt: Seit dem 01.01.2021 ist die Anerkennung eines beruflichen Handekzems als Berufskrankheit durch den Wegfall des Unterlassungszwangs wesentlich erleichtert worden [2]. Du musst deine berufliche Tätigkeit nicht mehr aufgeben, um die Anerkennung zu erhalten. Diese Änderung des BK-Rechts hat bereits dazu geführt, dass die Zahl der anerkannten BK 5101-Fälle um das Zehnfache auf rund 4.000 Fälle pro Jahr angewachsen ist.

BK 5101 verstehen: Schweregrad und Rückfälle

Ob deine Hauterkrankung als Berufskrankheit BK 5101 anerkannt wird, hängt von zwei Punkten ab: wie stark die Beschwerden sind oder ob die Krankheit immer wiederkehrt. Eine genau dokumentierte Behandlungsbedürftigkeit bringt Aufschluss über die „Schwere“ [3]. Dabei geht es nicht nur um das äußere Erscheinungsbild deiner Hautveränderungen, sondern um eine umfassende medizinische Bewertung.

Die „Schwere“ hat mit der Dauer der Erkrankung zu tun – das bedeutet mehr als sechs Monate – sowie mit dem klinischen Bild und den Symptomen [4]. Auch die Ausdehnung und der Ort des Befalls spielen eine wichtige Rolle. Faktoren wie Therapieresistenz, schlechte Heilungstendenz oder die Notwendigkeit einer teilstationären oder stationären Behandlung fließen ebenfalls in die Beurteilung „schwere Hauterkrankung“ ein. Bei einer klinisch nicht schweren Erscheinungsform kann die Schwere dennoch gegeben sein, wenn eine dokumentierte ununterbrochene Behandlungsbedürftigkeit trotz angemessener Therapie von etwa sechs Monaten bestanden hat.

Alternativ zur Schwere kann deine Hautkrankheit auch über das Kriterium der Rückfälligkeit anerkannt werden. Die Hautkrankheit ist wiederholt rückfällig, wenn nach dem ersten Erkrankungsschub noch mindestens zwei weitere eingetreten sind [3]. Das bedeutet, du benötigst insgesamt mindestens drei dokumentierte Erkrankungsschübe, um dieses Kriterium zu erfüllen. Diese Dokumentation ist entscheidend für die erfolgreiche Anerkennung der Berufserkrankung.

Berufskrankheiten der Haut: Unterschied zwischen BK 5101 und BK 5103

Während die BK 5101 Ekzeme und andere entzündliche Hauterkrankungen umfasst, gibt es mit der BK 5103 eine separate Kategorie für Hautkrebserkrankungen. Die BK 5103 bezeichnet „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“ und betrifft vor allem langjährig im Freien Berufstätige. Diese Form des hellen Hautkrebses entsteht in direkter Abhängigkeit von der kumulativen UV-Exposition.

Der wesentliche Unterschied liegt in den Anerkennungsvoraussetzungen: Im Gegensatz zur BK 5101 gelten für die BK 5103 die besonderen Tatbestandsmerkmale „schwere“ oder „wiederholt rückfällige“ Hauterkrankung sowie „Unterlassung aller gefährdenden Tätigkeiten“ nicht. Für dich als Betroffene oder Betroffenen einer beruflich bedingten Hauterkrankung ist es wichtig zu verstehen, dass beide Berufskrankheiten unterschiedliche Ursachen haben und verschiedene Präventions- sowie Behandlungsansätze erfordern.

Häufig betroffene Berufe und frühzeitige Diagnostik

Beruflich bedingte Handekzeme entstehen nicht zufällig – bestimmte Berufsgruppen tragen ein deutlich erhöhtes Risiko. Die frühzeitige Erkennung und richtige Diagnostik sind entscheidend, um langwierige Krankheitsverläufe zu vermeiden und dir den Verbleib in deinem Beruf zu ermöglichen.

Diese Berufe sind häufig betroffen

Zu den Risikoberufen gehören Feuchtarbeitsberufe wie Friseurinnen und Friseure, Reinigungskräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Metallarbeiterinnen und Metallarbeiter sowie Zahntechnikerinnen und Zahntechniker, aber auch Berufe mit eher gemischter Exposition in der Nahrungsmittelindustrie [1]. Diese Tätigkeiten haben eines gemeinsam: den häufigen Kontakt mit Wasser, Chemikalien oder anderen hautbelastenden Substanzen.

Besonders dramatisch zeigt sich das Risiko im medizinischen Bereich: So trifft es bei medizinischem Personal etwa jeden Dritten [5]. Die ständige Händedesinfektion, das Tragen von Handschuhen und der Kontakt mit verschiedenen Allergenen machen diese Berufsgruppen besonders anfällig für beruflich bedingte Handekzeme. Auch in der Gastronomie, im Baugewerbe, bei Galvaniseurinnen und Galvaniseuren, Maschinenführerinnen und Maschinenführern sowie in der Oberflächenbearbeitung von Metallen entstehen häufig Kontaktekzeme durch die Kombination aus Feuchtarbeit und dem Umgang mit hautreizenden Stoffen.

So beantragst du die Anerkennung: Der Hautarztbericht

Der erste Schritt zur Anerkennung deiner beruflich bedingten Hautkrankheit führt über deinen behandelnden Arzt oder deine behandelnde Ärztin. Jeder Vertragsarzt – unabhängig welcher Fachrichtung – ist vertraglich verpflichtet gemäß § 41 Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger, Patientinnen und Patienten mit einer möglichen Berufsdermatose an einen Hautarzt zu überweisen [6]. Diese Überweisungspflicht stellt sicher, dass deine Hautveränderungen fachgerecht beurteilt werden.

Die Dermatologie spielt eine zentrale Rolle im Anerkennungsverfahren. Der Hautarzt oder die Hautärztin untersucht die Betroffenen und erstellt den Hautarztbericht F 6050 [7]. Dieser Hautarztbericht ist das zentrale Dokument für die Meldung an die gesetzliche Unfallversicherung und leitet das weitere Verfahren ein. Die frühzeitige Diagnostik durch Fachärztinnen und Fachärzte für Dermatologie ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung und Prävention.

Falls bereits eine schwere oder wiederholt rückfällige Hautkrankheit vorliegt, sind alle Ärztinnen und Ärzte gesetzlich verpflichtet, eine ärztliche Anzeige über eine Berufskrankheit zu erstatten. Diese wird mit dem Formular F 6000 an die gesetzliche Unfallversicherung gemeldet und kann parallel zum Hautarztverfahrens eingeleitet werden.

Das Hautarztverfahren: Frühzeitige Hilfe bei beruflich bedingten Hauterkrankungen

Das Hautarztverfahren der DGUV ermöglicht dir einen unkomplizierten Zugang zu Untersuchungen und Therapien. Nach der Meldung ergreifen die Unfallversicherungsträger abgestufte Präventionsmaßnahmen, um Hauterkrankungen frühzeitig zu erkennen, zu behandeln und vorzubeugen [1]. Dieses Stufenverfahren ermöglicht eine umfassende Versorgung hautkranker Beschäftigter, bei der die Maßnahmen nach dem Schweregrad der Hautveränderungen abgestuft werden.

Die Einleitung des Hautarztverfahrens ist nicht gleichbedeutend mit einer Anerkennung als Berufskrankheit – es handelt sich vielmehr um eine vorbeugende Maßnahme, die das Eintreten einer chronisch beruflich bedingten Hautkrankheit verhindern soll. Bereits bei dem begründeten Verdacht einer beruflich verursachten Hauterkrankung wird bei dem Unfallversicherungsträger ein Behandlungsauftrag beantragt, damit Therapie und Präventionsmaßnahmen starten können. Die Diagnostik- und Behandlungskosten werden von der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen und unterliegen nicht der Budgetierung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Leistungen der Berufsgenossenschaft und Prävention

Die Berufsgenossenschaft bietet dir als Betroffene oder Betroffenen eines beruflich bedingten Handekzems ein umfassendes Leistungsspektrum. Nach der Meldung stehen neben einem ambulanten Heilverfahren für die Betroffenen auch umfangreiche Präventionsangebote zur Verfügung, wie ambulante Hautschutzseminare und stationäre Heilverfahren [2]. Die Unterstützung erfolgt unabhängig vom Budget der gesetzlichen Krankenversicherung und sorgt dafür, dass du optimal versorgt wirst.

Diese Leistungen stehen dir zu

Als Versicherte oder Versicherter mit einem beruflich bedingten Handekzem profitierst du von einer Vielzahl kostenfreier Leistungen. Diese finanzielle Entlastung ist besonders wichtig, da chronische Hautveränderungen oft eine langfristige und intensive Behandlung erfordern.

Die Berufsgenossenschaft übernimmt sämtliche Kosten für deine medizinische Versorgung – von der ersten Diagnostik bis hin zur Rehabilitation. Dazu gehören spezialisierte dermatologische Untersuchungen, Allergietests und die gesamte medikamentöse Therapie. Auch moderne Behandlungsmethoden wie die UV-Strahlung bei chronischen Kontaktekzemen werden finanziert, wenn sie medizinisch indiziert sind.

Besonders praktisch ist die Versorgung außerhalb des Budgets: Im Gegensatz zur regulären Krankenversicherung gibt es bei den Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung keine Begrenzung, sodass du optimal versorgt wirst. Das bedeutet für dich, dass deine Ärztin oder dein Arzt alle notwendigen Maßnahmen verordnen kann, ohne sich Gedanken über Wirtschaftlichkeitsprüfungen machen zu müssen. Diese umfassende Absicherung erstreckt sich auch auf spezialisierte Hautschutzprodukte und individuelle Schutzausrüstung für deinen Arbeitsplatz.

Prävention: So bleibst du im Beruf

Die Präventionsmaßnahmen der Berufsgenossenschaft folgen einem bewährten Stufensystem, das sich nach dem Schweregrad der Hautveränderungen richtet. Zur sekundären Individualprävention zählen die ambulante hautärztliche Versorgung, Hautschutzseminare und Betriebsberatungen. In diesen Hautschutzseminaren lernst du, wie du deine Haut optimal schützen und pflegen kannst, ohne deine berufliche Tätigkeit aufgeben zu müssen.

Bei schwereren Verläufen kommt die tertiäre Individualprävention zum Einsatz. Diese beinhaltet eine integrierte ambulant-stationäre medizinische und gesundheitspädagogische Versorgung bei schweren Berufsdermatosen nach dem bewährten Osnabrücker Modell. Im Rahmen der tertiären Individualprävention mit stationärem Heilverfahren und intensiver ambulanter Nachsorge zeigte sich bei Nachbeobachtung über drei Jahre, dass über 70 % der vormals schwer Erkrankten am Arbeitsplatz bleiben konnten [6].

Die Erfolgsquote dieser Präventionsmaßnahmen ist beeindruckend: Die geschilderten Maßnahmen der sekundären und tertiären Individualprävention sind so wirksam, dass derzeit nur bei etwa 3 % der jährlich rund 25.000 gemeldeten Erkrankungsfälle eine Aufgabe der beruflichen Tätigkeit erforderlich wird [6]. Das bedeutet für dich konkret: Rund 97 % der Betroffenen können trotz beruflich bedingter Hautveränderungen weiterhin in ihrem erlernten Beruf arbeiten.

Zu den praktischen Präventionsmaßnahmen gehören:

  • Individuelle Hautschutzberatung: Entwicklung eines auf deine berufliche Tätigkeit abgestimmten Hautschutzkonzepts
  • Betriebsberatungen vor Ort: Experten analysieren deinen Arbeitsplatz und entwickeln Lösungen
  • Mobile Hautschutzberatung: Das „Hautschutzmobil“ kommt direkt zu dir ins Unternehmen
  • Tätigkeitsgeprüfte Hautschutzpläne: Bei stabilem Hautzustand wird ein individueller Schutzplan erstellt
  • Arbeiten im feuchten Milieu: Spezielle Beratung für besonders gefährdende Tätigkeiten

Langfristige Unterstützung bei beruflich bedingten Hauterkrankungen

Die Berufsgenossenschaft versteht sich als dein langfristiger Partner im Kampf gegen beruflich bedingte Hautveränderungen. Heute kann 70 % der betroffenen Arbeitnehmer geholfen werden, sodass sie – selbst in schweren Fällen – an ihrem Arbeitsplatz bleiben können [8]. Diese hohe Erfolgsquote zeigt, wie effektiv die moderne Berufsdermatologie und die Unterstützung durch die gesetzliche Unfallversicherung geworden sind.

Die Rolle der Berufsgenossenschaft geht weit über die reine Kostenübernahme hinaus. Sie koordiniert die gesamte Behandlungskette von der ersten Diagnostik über die Therapie bis hin zur beruflichen Rehabilitation. Dabei arbeitet sie eng mit spezialisierten Hautärztinnen und Hautärzten, Betriebsmedizinerinnen und Betriebsmedizinern sowie Arbeitsschutzexpertinnen und -experten zusammen. Diese interdisziplinäre Herangehensweise stellt sicher, dass du nicht nur medizinisch optimal versorgt wirst, sondern auch die bestmöglichen Bedingungen für den Verbleib in deinem Beruf erhältst.

FAQ

Was ist die Berufskrankheit BK 5101?

Die BK 5101 umfasst „schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen“, die durch Ihre berufliche Tätigkeit entstanden sind. Dazu gehören alle Krankheiten der Haut oder Hautanhangsgebilde einschließlich der Augenbindehaut – ausgenommen ist Hautkrebs. Seit 2021 wurden die Anerkennungsvoraussetzungen erheblich erleichtert: Du musst deinen Beruf nicht mehr aufgeben, um Unterstützung zu erhalten. Diese wichtige Änderung hat dazu geführt, dass die Zahl der anerkannten Fälle um das Zehnfache auf rund 4.000 pro Jahr angewachsen ist.

Wann wird ein Handekzem als Berufskrankheit anerkannt?

Dein Handekzem wird als BK 5101 anerkannt, wenn es entweder „schwer“ oder „wiederholt rückfällig“ ist. Als schwer gilt eine Hauterkrankung, die länger als sechs Monate andauert und eine dokumentierte ununterbrochene Behandlungsbedürftigkeit aufweist. Wiederholt rückfällig bedeutet, dass nach dem ersten Erkrankungsschub mindestens zwei weitere aufgetreten sind – Du benötigst also insgesamt drei dokumentierte Erkrankungsschübe. Wichtig ist eine lückenlose medizinische Dokumentation für die erfolgreiche Anerkennung.

Welche Berufe sind besonders häufig betroffen?

Zu den Risikoberufen gehören alle Feuchtarbeitsberufe wie Friseurinnen und Friseure, Reinigungskräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Metallarbeiterinnen und Metallarbeiter sowie Zahntechnikerinnen und Zahntechniker. Besonders dramatisch zeigt sich das Risiko im medizinischen Bereich: Hier trifft es etwa jeden dritten Beschäftigten. Auch in der Gastronomie, im Baugewerbe und in der Nahrungsmittelindustrie entstehen häufig beruflich bedingte Handekzeme durch den ständigen Kontakt mit Wasser, Chemikalien oder anderen hautbelastenden Substanzen.

Wie beantrage ich die Anerkennung als Berufskrankheit?

Der erste Schritt führt über deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt. Jeder Vertragsarzt ist verpflichtet, dich bei Verdacht auf eine Berufsdermatose an einen Hautarzt zu überweisen. Die Dermatologin oder der Dermatologe erstellt dann den wichtigen Hautarztbericht F 6050, der an die gesetzliche Unfallversicherung gemeldet wird. Falls bereits eine schwere oder wiederholt rückfällige Hautkrankheit vorliegt, muss zusätzlich eine ärztliche Anzeige über eine Berufskrankheit mit dem Formular F 6000 erstattet werden.

Welche Leistungen stehen mir von der Berufsgenossenschaft zu?

Die Berufsgenossenschaft übernimmt sämtliche Kosten für Ihre medizinische Versorgung – von der ersten Diagnostik bis zur Rehabilitation. Dazu gehören spezialisierte dermatologische Untersuchungen, Allergietests und die gesamte medikamentöse Therapie. Besonders wertvoll: Es fallen keine Rezeptgebühren an, und auch Basispflege ist rezeptierbar. Die Versorgung erfolgt außerhalb der Budgetierung der gesetzlichen Krankenversicherung, sodass deine Ärztin oder dein Arzt alle notwendigen Maßnahmen verordnen kann, ohne sich Gedanken über Wirtschaftlichkeitsprüfungen machen zu müssen.

Kann ich trotz Handekzem in meinem Beruf bleiben?

Ja, die Erfolgsaussichten sind sehr gut! Dank moderner Präventionsmaßnahmen können heute 70 Prozent der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz bleiben – selbst in schweren Fällen. Die Berufsgenossenschaft bietet ein umfassendes Stufensystem mit ambulanten Hautschutzseminaren, Betriebsberatungen und bei Bedarf stationären Heilverfahren. Derzeit resultiert nur bei 3 Prozent der jährlich etwa 25.000 gemeldeten Erkrankungsfälle eine Tätigkeitsaufgabe. Das bedeutet: Mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit kannst du trotz deiner beruflich bedingten Hautveränderungen in deinem erlernten Beruf bleiben.

Was ist das Hautarztverfahren und wie hilft es mir?

Das Hautarztverfahren ist ein niederschwelliger Zugang zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, den die DGUV eingeführt hat. Nach der Meldung werden gestufte Maßnahmen der Prävention veranlasst, die nach dem Schweregrad Ihrer Hautveränderungen abgestuft werden. Wichtig zu wissen: Die Einleitung des Hautarztverfahrens ist nicht gleichbedeutend mit einer Anerkennung als Berufskrankheit, sondern eine vorbeugende Maßnahme. Bereits bei begründetem Verdacht können Therapie und Präventionsmaßnahmen starten, deren Kosten die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt.

Quellen

[1] Unbekannter Autor (2023[KT1] ). Diagnostik, Prävention und Therapie des Handekzems. https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-053l_S2k_Diagnostik-Praevention-Therapie-Handekzem_2023-05.pdf (Stand: 10.09.2025)

  • “Das HE ist die häufigste berufsbedingte Hauterkrankung mit einer Punkt-Prävalenz von bis zu 40% in Berufen mit hohem Risiko”
  • “zu denen Feuchtarbeitsberufe (Friseur*innen, Reinigungskräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Metallarbeiter*innen, Zahntechniker*innen), aber auch Berufe mit eher gemischter Exposition in der Nahrungsmittelindustrie (Bäcker*innen, Fleischer*innen), Florist*innen, Kassierer*innen, Galvaniseur*innen, Maschinenführer*innen sowie Beschäftigte in Bauberufen und der Oberflächenbearbeitung von Metallen gehören”
  • “Nach der Meldung werden seitens der Unfallversicherungsträger gemäß dem Verfahren Haut im Rahmen von §3 BKV gestuft Maßnahmen der sekundären und tertiären Individualprävention veranlasst”

[2] John S M, Symanzik C, Skudlik C (2023). Handekzem und Unfallversicherung – was man für die Praxis wissen sollte. https://www.springermedizin.de/berufsdermatosen/allergisches-kontaktekzem/handekzem-und-unfallversicherung-was-man-fuer-die-praxis-wissen-/25394274 (Stand: 10.09.2025)

  • “Seit dem 01.01.2021 ist die Anerkennung eines beruflichen Handekzems als Berufskrankheit(BK)-Nr. 5101 durch den Wegfall des Unterlassungszwangs wesentlich erleichtert worden”
  • “Nach der Meldung steht neben der Gewährung eines ambulanten Heilverfahrens für den meldenden Dermatologen ein umfangreiches Instrumentarium an Präventionsangeboten zur Verfügung (u. a. ambulante Hautschutzseminare, stationäre Heilverfahren)”

[3] Krohn S, Palfner S (2017). Bamberger Empfehlung – Empfehlung zur Begutachtung von arbeitsbedingten Hauterkrankungen und Hautkrebserkrankungen. https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/2058 (Stand: 10.09.2025)

  • “Eine genau dokumentierte Behandlungsbedürftigkeit bringt Aufschluss über die „Schwere“”
  • “Die Hautkrankheit ist wiederholt rückfällig, wenn nach dem ersten Erkrankungsschub noch mindestens zwei weitere eingetreten sind”

[4]  Ramm-Fischer A (2021). Haut-Berufskrankheiten: Jobaufgabe nicht mehr zwingend. https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/haut-berufskrankheiten-recht (Stand: 10.09.2025)

  • “Die „Schwere“ hat mit der Dauer der Erkrankung zu tun (d.h. mehr als sechs Monate) sowie mit dem klinischen Bild und den Symptomen, der Ausdehnung und dem Ort des Befalls (Streuphänomene, großflächig oder generell)”

[5] Winterhagen I (2024). Was Apotheker über das Handekzem wissen sollten. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/07/05/was-apotheker-ueber-das-handekzem-wissen-sollten (Stand: 10.09.2025)

  • “So trifft es bei medizinischem Personal etwa jeden Dritten”

[6] John S M (2018). Hauterkrankungen am Arbeitsplatz: Frühzeitig alle Register ziehen. https://www.aerzteblatt.de/archiv/hauterkrankungen-am-arbeitsplatz-fruehzeitig-alle-register-ziehen-8c0a1009-6200-4a53-88bf-138d17e99b17 (Stand: 10.09.2025)

  • “jeder Vertragsarzt (unabhängig welcher Fachrichtung) vertraglich verpflichtet ist (§ 41 Vertrag Ärzte/UVT), Patienten mit einer möglichen Berufsdermatose an einen Hautarzt zu überweisen”
  • “Im Rahmen der tertiären Individualprävention (stationäres Heilverfahren mit intensiver ambulanter Nachsorge; siehe oben) bei fortgeschrittenen Berufsekzemen zeigte sich bei Nachbeobachtung über 3 Jahre, dass über 70 % der vormals schwer Erkrankten am Arbeitsplatz bleiben konnten”
  • “Die geschilderten Maßnahmen der sekundären und tertiären Individualprävention erweisen sich als so wirksam, dass derzeit nur bei 3 % der gemeldeten jährlich etwa 25 000 BK-5101-Erkrankungsfälle die Tätigkeitsaufgabe resultiert”

[7] Unbekannter Autor (k.A.). [KT2] BK 5101. https://www.dguv.de/bk-info/icd-10-kapitel/kapitel_12/bk5101/index.jsp (Stand: 10.09.2025)

  • “Der Hautarzt/die Hautärztin untersucht den Versicherten bzw. die Versicherte und erstellt den Hautarztbericht F 6050”

[8] Reinberger S (2020). Handekzeme: Was dagegen hilft. https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/handekzeme-was-dagegen-hilft-761657.html (Stand: 10.09.2025)

  • “Wir können heute 70 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer helfen, sodass sie an ihrem Arbeitsplatz bleiben können – selbst in schweren Fällen”

Chronisches Handekzem (CHE)

Rissige, juckende Hände, die einfach nicht heilen wollen – wenn du unter einem chronischen Handekzem leidest, kennst du diese belastenden Beschwerden nur zu gut. Diese hartnäckige Hauterkrankung betrifft Millionen von Menschen und kann den Alltag erheblich einschränken.

Chronisches Handekzem (CHE): Was ist das? Ursachen, Symptome und Behandlung – Der komplette Ratgeber

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Ein chronisches Handekzem liegt vor, wenn die Hauterkrankung länger als drei Monate andauert oder mindestens zweimal im Jahr auftritt – Menschen mit Neurodermitis haben ein vierfach erhöhtes Risiko.
  2. Typische Symptome sind anhaltender Juckreiz, Hautrötungen, schmerzhafte Einrisse (Rhagaden) und starke Verhornung der Haut, die sich oft in Schüben verschlechtern.
  3. Häufige Auslöser sind berufliche Faktoren wie häufiger Wasserkontakt, Reinigungsmittel, Seifen oder allergieauslösende Stoffe wie Nickel, Duftstoffe und Latex.
  4. Die Behandlung erfolgt stufenweise: von konsequenter Basispflege und topischen Kortikosteroiden bis hin zu systemischen Therapien wie Alitretinoin bei schweren Verläufen.
  5. Mit dem  Wirkstoff Delgocitinib steht eine  topische Langzeitbehandlung zur Verfügung, die über 16 Wochen gut vertragen wird und bei 29 % der Patient: innen eine fast vollständige Abheilung erreicht. Delsocitinib-Creme ist eine steroidfreie topische Therapie die für mittelschweres bis chweres CHE zugelassen ist wenn topische Kortikosteroide nicht ausreichen oder nicht geegnet sind und ist auch für die Langzeitanwendung geeignet ist.

Rissige, juckende Hände, die einfach nicht heilen wollen – wenn du unter einem chronischen Handekzem leidest, kennst du diese belastenden Beschwerden nur zu gut. Diese hartnäckige Hauterkrankung betrifft Millionen von Menschen und kann den Alltag erheblich einschränken. Doch es gibt Hoffnung: Die moderne Medizin bietet heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die weit über herkömmliche Cremes hinausgehen.

In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du alles Wichtige über chronische Handekzeme – von den Ursachen über die typischen Symptome bis hin zu den neuesten Therapieansätzen. Du lernst, wie du die Auslöser erkennst, welche Behandlungen wirklich helfen und wie innovative Wirkstoffe neue Perspektiven eröffnen. Mit dem richtigen Wissen und der passenden Therapie kannst du deine Beschwerden erfolgreich in den Griff bekommen und deine Lebensqualität zurückgewinnen.

Arbeitsbedingte Hauterkrankungen: Berufskrankheit Handekzem (BK 5101)

Leben mit Chronischem Handekzem: Leidensdruck, Herausforderungen und Behandlung

Chronisches Handekzem (CHE) behandeln: Basispflege und medikamentöse Therapie

Chronisches Handekzem (CHE): Dyshidrotisches Ekzem und andere Formen erkennen und behandeln

Chronisches Handekzem bei Kindern und Jugendlichen: Auslöser, Symptome und Behandlung


Chronisches Handekzem verstehen: Definition, Ursachen und häufige Auslöser der Hauterkrankung

Ein chronisches Handekzem ist eine der häufigsten Hauterkrankungen, die deine Hände betrifft und deinen Alltag erheblich beeinträchtigen kann. Diese entzündliche Erkrankung entwickelt sich oft schleichend und kann verschiedene Ursachen haben. Wenn du verstehst, was ein chronisches Handekzem ausmacht und welche Faktoren es auslösen, kannst du gezielt vorbeugen und die richtige Behandlung finden.

Was macht ein Handekzem chronisch?

Ein Handekzem wird als chronisch bezeichnet, wenn es länger als drei Monate andauert oder mindestens zweimal im Jahr auftritt [1]. Diese klare medizinische Definition hilft Ärztinnen und Ärzten dabei, zwischen einem akuten und einem chronischen Verlauf zu unterscheiden. Während ein akutes Handekzem oft plötzlich auftritt und nach wenigen Wochen wieder abheilt, entwickelt sich das chronische Handekzem zu einer langanhaltenden Erkrankung, die deine Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen kann.

Handekzeme werden nach verschiedenen Kriterien eingeteilt: nach ihrem Verlauf (akut, subakut, chronisch), ihrer Ätiopathogenese (allergisch, irritativ) und ihrer Morphologie, wie beispielsweise hyperkeratotisch, rhagadiform oder dyshidrotisch [1]. Diese Einteilung ist wichtig für die richtige Diagnose und Therapie der Erkrankung. Das chronische Handekzem stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, da es häufig in Schüben verläuft und eine längerfristige Behandlung erfordert.

Neurodermitis als häufige Ursache für chronische Handekzeme

Wenn du unter Neurodermitis (atopischer Dermatitis) leidest, hast du ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines chronischen Handekzems. Das Risiko für ein Handekzem ist bei Patientinnen und Patienten mit atopischer Dermatitis um das Vierfache erhöht [2]. Diese Verbindung zwischen Neurodermitis und Handekzemen ist kein Zufall, sondern hat biologische Ursachen.

Bei Menschen mit einer atopischen Hautdiathese oder manifester atopischer Dermatitis ist die natürliche Hautbarriere geschwächt [1]. Deine Haut kann dadurch weniger gut vor äußeren Einflüssen schützen und reagiert empfindlicher auf verschiedene Reizstoffe. Die Prävalenz von Handekzemen bei Patientinnen und Patienten mit atopischer Dermatitis ist im Vergleich zu Kontrollpersonen um das Drei- bis Vierfache erhöht [2].

Besonders bei älteren Kindern und Erwachsenen tritt die atopische Dermatitis häufig an den Händen auf [3]. Wenn du bereits in der Jugend ein atopisches Handekzem entwickelt hast, solltest du bei der Berufswahl besonders vorsichtig sein. Expertinnen und Experten empfehlen in solchen Fällen, die Aufnahme von Feuchtberufen zu vermeiden, da diese das Risiko für ein chronisches Handekzem zusätzlich erhöhen können [2].

Berufliche Ätiologie und Auslöser im Alltag erkennen

Das chronische Handekzem hat häufig eine berufsbedingte Ätiologie [1]. Bestimmte Reizstoffe können ein Handekzem auslösen, darunter häufiger Kontakt mit Wasser, Seifen, Reinigungs- und Lösemitteln, aber auch Kosmetika oder Pflanzenpollen [4]. Arbeiten im feuchten Milieu, starke Hautverschmutzungen, häufiges Händewaschen sowie der häufige Umgang mit hautreizenden Stoffen sind relevante Faktoren, die eine Verschlechterung eines vorbestehenden Handekzems oder dessen Neuauftreten bei atopischer Diathese begünstigen können [2].

Auch ohne eine bestehende Allergieneigung kannst du ein Kontaktekzem entwickeln. Dabei spielen oft reizende Stoffe wie Nickel, Chrom, Duftstoffe, Klebstoffe, Farb- und Konservierungsstoffe oder Latex eine wichtige Rolle [4]. Die auslösenden Faktoren zu identifizieren und konsequent zu meiden, ist daher essenziell für eine erfolgreiche Behandlung des chronischen Handekzems. Seit 2021 ist die Anerkennung des Handekzems als Berufskrankheit vereinfacht worden, was dir bei berufsbedingten Handekzemen zusätzliche Unterstützung ermöglichen kann [4].

Moderne Therapie des chronischen Handekzems: Von topischer Behandlung bis zur systemischen Therapie

Die moderne Therapie des chronischen Handekzems hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Von bewährten topischen Behandlungen bis hin zu innovativen systemischen Ansätzen stehen dir heute verschiedene wirksame Optionen zur Verfügung. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann nicht nur deine Symptome lindern, sondern auch das Fortschreiten der Hauterkrankung verhindern und deine Lebensqualität deutlich verbessern.

Symptome erkennen: Von Juckreiz bis zu schmerzhaften Rhagaden

Ein chronisches Handekzem äußert sich durch charakteristische Symptome, die sich von einem akuten Verlauf unterscheiden. Du erkennst die chronische Form an Hautrötung, Schwellungen, Juckreiz und Schmerzen – schließlich kommt es zu Fissuren (Risse), Rhagaden (spaltförmige Einrisse) und starker Verhornung (Hyperkeratosen) der Haut [4]. Diese Symptome entwickeln sich meist schleichend und können deine Handinnenflächen, Finger und Handgelenke betreffen.

Der quälende Juckreiz und Schmerzen gehören zu den belastendsten Beschwerden beim chronischen Handekzem. Während bei akuten Formen häufig juckende Bläschen im Vordergrund stehen, zeigt sich die chronische Variante durch schuppende, verdickte Hautareale mit schmerzhaften Einrissen. Das Erythem (Hautrötung) kann dabei unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die Symptome verlaufen oft in Schüben, wobei sich beschwerdefreie Phasen mit akuten Verschlechterungen abwechseln können.

Bewährte Behandlung mit topischen Kortikosteroiden und Basispflege

Die Grundlage jeder erfolgreichen Therapie des chronischen Handekzems bildet eine konsequente Basispflege, die in jedem Stadium der Hauterkrankung empfohlen wird [1]. Diese stärkt die geschwächte Hautbarriere und kann das Auftreten von Symptomen reduzieren. Topische Glukokortikoide sind in der Erstlinientherapie Mittel der Wahl und erweisen sich bei kurzfristiger Anwendung als sehr wirksam [1].

Topische Kortikosteroide wirken entzündungshemmend und können den Juckreiz sowie die Hautrötung effektiv lindern. Sie sollten jedoch nicht länger als sechs Wochen angewendet werden, da sie bei längerfristiger Nutzung eine Hautatrophie verursachen können [1]. Für eine ärztlich überwachte Langzeittherapie stehen als Alternative die Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus zur Verfügung, deren Anwendung bei chronischem Handekzem jedoch meist außerhalb der Zulassung erfolgt.

Die Basistherapie bildet das Fundament der Stufentherapie und sollte auch bei systemischen Behandlungsansätzen fortgeführt werden. Der Schweregrad deiner Beschwerden bestimmt dabei, ob zusätzliche Therapiemaßnahmen erforderlich sind. Bei Patienten mit chronischem Handekzem, die nicht ausreichend auf die Erstlinienbehandlung ansprechen, kommen weitere Behandlungsoptionen in Betracht.

Systemische Therapie bei mittelschweren bis schweren chronischen Handekzemen

Wenn topische Kortikosteroide nicht ausreichend wirken, kommt bei mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem eine systemische Therapie in Betracht. Eine der Therapien ist Alitretinoin. Es wurde 2008 in Deutschland spezifisch für die Behandlung des schweren chronischen Handekzems zugelassen, wenn dieses nicht auf potente topische Kortikosteroide anspricht [5]. Dieses Retinoid wirkt zugleich antiinflammatorisch und auf die Epidermis, ohne dass die Haut unter der Behandlung austrocknet [5].

Die Wirksamkeit von Alitretinoin ist klinisch gut belegt: Unter dieser Therapie zeigte sich bei 75 % der Patientinnen und Patienten eine Besserung [2]. Die Dosierung liegt bei 10 mg bis 30 mg pro Tag, wobei unter der höheren Dosierung innerhalb der Behandlungsphase jeder zweite Patient das Kriterium fast vollständige oder vollständige Abheilung erreichte [5]. Eine Alitretinoin-Behandlung sollte für drei bis sechs Monate geplant werden.

Für Patienten mit schwerem chronischem Handekzem, die auf eine Erst- und Zweitlinientherapie nicht ausreichend ansprechen, stehen weitere systemische Optionen zur Verfügung. Ciclosporin ist nur bei Patienten mit atopischen Dermatitis zur Behandlung des Handekzems zugelassen und sollte über sechs Monate erfolgen [1]. Zeigt sich nach acht Wochen keine klinische Besserung, sollte die Behandlung beendet werden.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist bei der Anwendung von Alitretinoin besondere Vorsicht geboten, da eine strikte Schwangerschaftsverhütung aufgrund der Teratogenität notwendig ist [1]. Je Verschreibung darf die Höchstmenge für diese Patientengruppe den Bedarf für 30 Tage nicht übersteigen [1]. Der Einsatz von Dupilumab ist bisher begrenzt auf Handekzeme im Zusammenhang mit einer atopischen Dermatitis [1].

Delgocitinib: Neue Hoffnung für steroidfreie topische Behandlung auch für die Langzeitanwendung

Eine Option in der Therapie des chronischen Handekzems stellt Delgocitinib dar. Diese topische Behandlung zeigte in klinischen Studien eine größere Verbesserung bei patienten- und arztberichteten Wirksamkeitsergebnissen im Vergleich zu Placebo und wurde über 16 Wochen gut vertragen [6]. In Woche 16 erreichte ein signifikant größerer Anteil an Delgocitinib-Patienten wichtige Therapieziele: 29,1 % versus 6,9 % bei der Placebo-Gruppe erreichten eine fast vollständige Abheilung [6].

Besonders bemerkenswert ist das günstige Sicherheitsprofil von Delgocitinib. Die systemische Exposition nach topischer Applikation war mindestens 30-fach niedriger als bei oraler Gabe [6]. Der Anteil an Patienten mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem, die unerwünschte Ereignisse berichteten, war bei Delgocitinib- und Vehikel-Creme nahezu gleich. Diese neue Behandlungsoption könnte künftig eine wichtige Rolle bei der längerfristigen Therapie spielen und das Behandlungsspektrum für Patienten mit schwerem Handekzem erweitern.

FAQ zum Thema: Symptome, Behandlung und Therapie

Was ist ein chronisches Handekzem?

Ein chronisches Handekzem ist eine entzündliche Hauterkrankung, die länger als drei Monate andauert oder mindestens zweimal im Jahr auftritt. Es zeigt sich durch Hautrötung, Schwellungen, Juckreiz und schmerzhafte Einrisse (Rhagaden). Im Gegensatz zu akuten Handekzemen entwickelt sich die chronische Form schleichend und kann Ihre Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen. Die Erkrankung verläuft oft in Schüben und erfordert eine längerfristige Behandlung.

Welche Ursachen hat ein chronisches Handekzem?

Die häufigste Ursache ist Neurodermitis (atopische Dermatitis) – Menschen mit dieser Erkrankung haben ein vierfach erhöhtes Risiko für Handekzeme. Berufliche Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: häufiger Kontakt mit Wasser, Seifen, Reinigungsmitteln oder hautreizenden Stoffen wie Nickel, Chrom oder Latex können ein Handekzem auslösen. Auch eine geschwächte Hautbarriere macht Ihre Hände empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen.

Wie erkenne ich die Symptome eines chronischen Handekzems?

Typische Anzeichen sind anhaltende Hautrötung, Schwellungen, quälender Juckreiz und Schmerzen an den Händen. Im chronischen Stadium entwickeln sich schmerzhafte Risse (Rhagaden), spaltförmige Einrisse und starke Verhornung der Haut. Anders als bei akuten Formen stehen nicht juckende Bläschen im Vordergrund, sondern schuppende, verdickte Hautareale. Die Beschwerden können Handinnenflächen, Finger und Handgelenke betreffen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie erfolgt stufenweise: Grundlage ist immer eine konsequente Basispflege zur Stärkung der Hautbarriere. In der Erstlinientherapie kommen topische Kortikosteroide zum Einsatz, die entzündungshemmend wirken. Bei unzureichender Wirkung stehen verschiedene Therapien wie z.B. Alitretinoin, (für eine schwere Erkrankung des Chronischen Handekzems) zur Verfügung, das bei 75 % der Patient:innen eine Besserung zeigt. Zusätzlich ist die steroidfreie Delgocitinib-Creme für CHE zugelassen und auch für die Langzeitanwendung geeignet

Kann ich einem chronischen Handekzem vorbeugen?

Ja, Vorbeugung ist möglich! Identifiziere und meide auslösende Faktoren wie hautreizende Stoffe. Trage bei der Arbeit Schutzhandschuhe und verwende milde, parfümfreie Pflegeprodukte. Eine regelmäßige Basispflege stärkt Ihre Hautbarriere. Wenn du unter Neurodermitis leidest, solltest du bei der Berufswahl Feuchtberufe vermeiden. Seit 2021 ist die Anerkennung als Berufskrankheit vereinfacht worden.

Wann sollte ich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?

Suche ärztliche Hilfe, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten oder wiederholt auftreten. Besonders wichtig ist ein Arztbesuch bei starken Schmerzen, tiefen Rissen oder wenn die Beschwerden deinen Alltag erheblich beeinträchtigen. Eine frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten verhindern und deine Lebensqualität deutlich verbessern. Bei berufsbedingten Handekzemen kann eine Anerkennung als Berufskrankheit zusätzliche Unterstützung ermöglichen.

Sind Bewegung und Physiotherapie Teil der Behandlung von Schuppenflechte an Ellenbogen und Knie?

Ja, regelmäßige Bewegung und gezielte Physiotherapie sind wichtige Bestandteile im Management von Psoriasis, insbesondere wenn die Gelenke betroffen sind. Sie helfen, die Beweglichkeit zu erhalten, Schmerzen zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Quellen

[1] Schnuch A (2022). Chronisches Handekzem: aktuelle Empfehlungen zur Behandlung erwachsener Patienten. https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2022/2022-4/chronisches-handekzem-aktuelle-empfehlungen-zur-behandlung-erwachsener-patienten (Stand: 10.09.2025)

  • “Als chronisch wird ein Handekzem bezeichnet, das länger als drei Monate andauert oder innerhalb eines Jahres mindestens zweimal auftritt”
  • “Handekzeme werden nach Verlauf (akut, subakut, chronisch), Ätiopathogenese (allergisch, irritativ) und Morphologie (z. B. hyperkeratotisch, rhagadiform, dyshidrotisch) eingeteilt”
  • “Patienten mit einer atopischen Hautdiathese oder manifester atopischer Dermatitis (Neurodermitis) haben ein erhöhtes Risiko zur Ausbildung eines chronischen Handekzems”
  • “Das chronische Handekzem hat häufig eine berufsbedingte Ätiologie”
  • “In jedem Stadium der Erkrankung wird eine topische Basispflege empfohlen”
  • “Mittel der Wahl in der Erstlinientherapie sind topische Glukokortikoide”
  • “Da sie bei längerfristiger Anwendung eine Hautatrophie verursachen können, sollten sie möglichst nicht länger als sechs Wochen angewendet werden und dann nur unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung”
  • “Ciclosporin (Sandimmun® optoral und Generika) ist nur bei Patienten mit atopischer Dermatitis zur Behandlung des Handekzems zugelassen”
  • “Zu beachten ist unter anderem die Teratogenität von Alitretinoin, sodass bei Frauen im gebährfähigen Alter eine strikte Schwangerschaftsverhütung notwendig ist”
  • “Nach § 3b Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) darf die Höchstmenge der Verschreibungen von oral anzuwendenden Arzneimitteln mit Acitretin oder Alitretinoin für Frauen im gebärfähigen Alter je Verschreibung den Bedarf für 30 Tage nicht übersteigen”
  • “Der Einsatz von Dupilumab ist bisher begrenzt auf Handekzeme im Zusammenhang mit einer atopischen Dermatitis”

[2] Werfel T, Heratizadeh A, Aberer W, Augustin M, Biedermann T, Bauer A, Fölster-Holst R, Kahle J, Kinberger M, Nemat K,Neustädter I, Peters E, Kiedrowski R, Schmid-Grendelmeier P, Schmitt J, Schwennesen T, Simon D, Spindler T, Traidl-Hoffmann C, Werner R N, Wollenberg A, Worm M, Ott H (2023). Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]. https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-027l_S3_Atopische-Dermatitis-AD-Neurodermitis-atopisches-Ekzem_2024-01.pdf (Stand: 10.09.2025)

  • “Das Risiko für ein Handekzem ist bei Patient:innen mit AD um das Vierfache erhöht”
  • “Die Prävalenz von HE bei AD-Patient:innen im Vergleich zu Kontrollpersonen um das Drei- bis Vierfache erhöht”
  • “Falls im Rahmen einer AD im Jugendalter bereits ein Handekzem aufgetreten ist, sollte die Aufnahme von Feuchtberufen nicht empfohlen werden”
  • “Arbeiten im feuchten Milieu, starke Hautverschmutzungen, häufiges Händewaschen sowie der häufige Umgang mit hautreizenden Stoffen sind relevante Faktoren, die eine Verschlechterung eines vorbestehenden Handekzems oder dessen Neuauftreten bei atopischer Diathese begünstigen können”
  • “Bei 75 % der Patient:innen wurde eine Besserung des Ekzems festgestellt”

[3] Ruenger T M (2025). Atopische Dermatitis (Ekzem). https://www.msdmanuals.com/de/heim/hauterkrankungen/juckreiz-und-dermatitis/atopische-dermatitis-ekzem (Stand: 10.09.2025)

  • “Bei älteren Kindern und Erwachsenen tritt die atopische Dermatitis an vereinzelten Stellen auf, meistens an den Händen, den Oberarmen, der Innenseite der Ellenbogen und in den Kniekehlen”

[4] Unbekannter Autor (2023). Handekzem: Entzündete, rissige Hände richtig behandeln. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Handekzem-Entzuendete-rissige-Haende-richtig-behandeln,handekzem100.html (Stand: 10.09.2025)

  • “Bestimmte Reizstoffe, wie häufiger Kontakt mit Wasser, Seifen, Reinigungs- und Lösemitteln, aber auch Kosmetika oder Pflanzenpollen können ein Handekzem auslösen”
  • “Auch ohne Allergieneigung kann es zu sogenannten Kontaktallergien kommen, dabei spielen oft reizende Stoffe wie Nickel, Chrom, Duftstoffe, Klebstoffe, Farb- und Konservierungsstoffe oder Latex eine Rolle”
  • “Seit 2021 ist die Anerkennung des Handekzems als Berufskrankheit vereinfacht worden”
  • “Ein chronisches Handekzem äußert sich durch Hautrötung, Schwellungen, Juckreiz, Schmerzen – schließlich kommt es zu Fissuren (Risse), Rhagaden (spaltförmige Einrisse) und starker Verhornung (Hyperkeratosen) der Haut”

[5] Bischoff M (2010). Chronisches Handekzem: Alitretinoin für therapierefraktäre Formen. https://www.aerzteblatt.de/archiv/chronisches-handekzem-alitretinoin-fuer-therapierefraktaere-formen-7ff93249-b240-4a5a-be61-9cacf2c4d3ac (Stand: 10.09.2025)

  • “Alitretinoin wurde 2008 in Deutschland spezifisch für die Behandlung des schweren chronischen Handekzems, das nicht auf potente topische Kortikosteroide anspricht, zugelassen”
  • “Ruzicka zufolge wirkt Alitretinoin zugleich antiinflammatorisch und epidermall”
  • “Unter der höheren Dosierung erreichte innerhalb der Behandlungsphase jeder zweite Patient das Kriterium fast vollständige oder vollständige Abheilung, unter 10 mg gelang dies jedem dritten”

[6] Funk T (2024). Dermatologie Kompakt and Praxisnah 2024 Abstracts. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ddg.15369_g?af=R (Stand: 10.09.2025)

  • “Delgocitinib-Creme zeigte eine größere Verbesserung in Patienten- und Arztberichteten Wirksamkeitsergebnissen vs. Vehikel-Creme und wurde über 16 Wo. gut vertragen”
  • “In Wo.16 erreichte ein signifikant größerer Anteil an Delgocitinib-Patienten IGA-CHE TS (29,1% vs. 6,9%; p <0,001), HECSI-75 (49,5% vs. 18,2%; p <0,001), HECSI-90 (31,0% vs. 8,8%; p <0,001)”
  • “Systemische Exposition nach topischer Applikation in DELTA2 war ≥30-fach niedriger”

LAight®-Therapie: Sanfte Hilfe bei Akne inversa

Wenn Haut zur Belastung wird

Viele Menschen mit Akne inversa (auch Hidradenitis suppurativa genannt) erleben nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch starke Einschränkungen im Alltag. Die chronische Hauterkrankung führt zu eitrigen Entzündungen, wie Knoten, Abszessen oder Fistelgänge in Hautfalten, oft im Achsel-, Leisten- oder Intimbereich. Das kann sehr schmerzhaft sein – und die Lebensqualität massiv einschränken.

Viele Patient:innen berichten von:

  • Starken Schmerzen
  • Einschränkungen im Alltag
  • Schamgefühlen und sozialem Rückzug
  • Langer Odyssee bis zur Diagnose

Aber es gibt eine Behandlung, die sanft, wirksam und ohne Operation helfen kann: die LAight®-Therapie.

Was ist die LAight®-Therapie?

Die LAight®-Therapie ist eine innovative, nicht-invasive Behandlungsmethode, die speziell für Akne inversa entwickelt wurde. Sie kombiniert zwei bewährte Technologien:

  • Intensiv gepulstes Licht (IPL)
  • Radiofrequenz (RF)

Diese Kombination wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und unterstützt die Regeneration der Haut – ganz ohne Operation oder Medikamente.

Gut zu wissen: Die Behandlung ist schmerzarm und wird ambulant durchgeführt – also ohne Krankenhausaufenthalt.

Wie läuft die Behandlung ab?

Erstgespräch: In einem persönlichen Gespräch wird die Hautsituation analysiert und ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Behandlungssitzungen: In regelmäßigen Abständen (z. B. alle 2-6 Wochen) erfolgen die Sitzungen im spezialisierten Zentrum.

Langfristige Betreuung: Die Therapie kann über Monate oder Jahre fortgeführt werden – je nach Bedarf.

Viele Patient:innen berichten bereits nach wenigen Sitzungen von einer spürbaren Verbesserung.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Wirkung der LAight®-Therapie wurde bereits in mehreren Studien nachgewiesen. Sie zeigte sich dabei besonders hilfreich bei leichter bis mittelschwerer Akne inversa.

  • Entzündungen gehen deutlich zurück
  • Schmerzen werden gelindert
  • Lebensqualität der Patient:innen wird spürbar verbessert
  • Wiederauftreten von Läsionen wird entgegengewirkt

Offizielle Empfehlung in der medizinischen Leitlinie

Die S2k-Leitlinie zur Behandlung der Akne inversa – das ist sozusagen der „medizinische Fahrplan“ für Ärzt:innen – empfiehlt die LAight®-Therapie ausdrücklich:

  • Bei leichter bis mittelschwerer Akne inversa
  • Als Alternative oder Ergänzung zur medikamentösen Therapie
  • Zur Langzeitkontrolle, also um Rückfälle oder ein Fortschreiten zu vermeiden
  • Zur Aufrechterhaltung von Therapieergebnissen, unabhängig davon, mit welcher Therapie sie erlangt wurden

Für wen eignet sich die Therapie?

Die LAight®-Therapie ist besonders geeignet für:

  • Menschen mit Hurley-Stadium I oder II
  • Betroffene, die keine Operation möchten
  • Patient:innen, die nicht dauerhaft Medikamente einnehmen können oder möchten
  • Personen, die bereits andere Therapien ausprobiert haben – und nun eine neue Möglichkeit suchen

Gibt es Nebenwirkungen?

Die LAight®-Therapie gilt als sehr gut verträglich. Es kann gelegentlich zu leichten Hautrötungen kommen – vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Diese klingen aber in der Regel schnell wieder ab. Die meisten Patient:innen empfinden die Behandlung als angenehm oder neutral.

Wo kann man sich behandeln lassen?

Die LAight®-Therapie wird in vielen spezialisierten Arztpraxen und Wundzentren angeboten. Eine Übersicht über zertifizierte Behandlungszentren findest du z. B. auf der Website des Herstellers:

Fazit: Sanfte Therapie mit wissenschaftlicher Rückendeckung

Die LAight®-Therapie bietet Betroffenen mit Akne inversa eine moderne, sanfte und wirksame Behandlungsoption – ganz ohne Operation und mit wenigen Nebenwirkungen. Gerade bei früher Diagnosestellung und konsequenter Anwendung kann sie dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, ob LAight® für dich infrage kommt.

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Hautpflege bei Chronischer Prurigo: Wirksame Strategien gegen chronischen Juckreiz

Was ist chronische Prurigo und wie entsteht der Juckreiz-Kratz-Zyklus?

Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung, die durch extrem starken, anhaltenden Juckreiz gekennzeichnet ist. Sie gilt als „Maximalvariante“ unter den Pruritus-Erkrankungen. Der quälende Teufelskreis entsteht, wenn der intensive Juckreiz zum Kratzen verleitet, wodurch charakteristische Knötchen und Papeln entstehen. Diese jucken wiederum stark und verschlimmern die Symptome weiter. Eine geschwächte Hautbarriere verstärkt diesen Kreislauf zusätzlich, da sie mehr Feuchtigkeit verliert und empfindlicher auf Reize reagiert.

Welche Rolle spielt die Hautbarriere bei chronischer Prurigo?

Bei der chronischen Prurigo ist Deine Hautbarriere oft geschwächt. Diese äußerste Schutzschicht hat normalerweise die Aufgabe, Feuchtigkeit zu bewahren und schädliche Umwelteinflüsse abzuwehren. Eine intakte Hautbarriere verhindert den Eintritt von Reizstoffen und Allergenen, die Entzündungen auslösen können. Auch bestimmte Bakterien wie Staphylococcus aureus können auf geschädigter Haut den Juckreiz verstärken. Nur durch eine konsequente Stärkung der Hautbarriere kannst Du den Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen durchbrechen.

Welche Inhaltsstoffe sind besonders wirksam bei der Behandlung von chronischer Prurigo?

Besonders wirksame Inhaltsstoffe sind:

  • Urea (Harnstoff) in Konzentrationen zwischen 5 und 10 % für intensive Feuchtigkeit
  • Ceramide zur Wiederherstellung der gestörten Hautbarriere
  • Lokalanästhetika oder Menthol für unmittelbare Juckreizlinderung
  • Capsaicin (0,025 bis 0,075 %), das bei regelmäßiger Anwendung die Substanz-P-Speicher der Nervenfasern entleert
  • Polidocanol in Kombination mit anderen Anti-Juckreiz-Substanzen

Wie sollte die tägliche Pflegeroutine bei chronischer Prurigo aussehen?

Eine wirksame Pflegeroutine beginnt mit einer sanften Reinigung mit lauwarmen Wasser und pH-neutralen, parfümfreien Produkten. Direkt nach der Reinigung, wenn die Haut noch leicht feucht ist, solltest Du Pflegeprodukte mit feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Eigenschaften auftragen. Im Laufe des Tages solltest Du Deine Haut bei Bedarf erneut eincremen, besonders nach dem Händewaschen. Bei akutem Juckreiz können kühlende Anwendungen schnelle Linderung verschaffen. Vor dem Schlafengehen ist eine besonders intensive Pflege wichtig, da der Juckreiz nachts oft zunimmt.

Welche Inhaltsstoffe sollten bei chronischer Prurigo vermieden werden?

Bei chronischer Prurigo solltest Du folgende Inhaltsstoffe meiden:

  • topische Antihistaminika (können irritierend wirken)
  • Parfüms und Duftstoffe
  • Alkohol in hoher Konzentration
  • Konservierungsstoffe wie Parabene
  • aggressive Tenside in Reinigungsprodukten
  • Farbstoffe
  • ätherische Öle
  • Glykolsäure und andere AHAs

Welche speziellen Behandlungsmöglichkeiten gibt es für stark betroffene Hautareale?

Für besonders stark betroffene Hautareale mit ausgeprägten Knoten reicht die Basispflege oft nicht aus. Hier können helfen:

  • Capsaicin in höherer Konzentration (unter ärztlicher Aufsicht)
  • topische Calcineurininhibitoren, die entzündungs- und juckreizfördernde Botenstoffe hemmen
  • intensive Feuchtigkeitspflege mit speziellen Urea- und Ceramid-haltigen Produkten
  • Kühlung der betroffenen Areale bei akutem Juckreiz
  • bei schweren Verläufen auch systemische Behandlungen wie IL31-Inhibitor Nemolizumab oder IL4/IL13-Hemmer Dupilumab

Wie kann die richtige Hautpflege die Lebensqualität bei einer chronischen Prurigo verbessern?

Die richtige Hautpflege kann Deine Lebensqualität deutlich verbessern, indem sie den Juckreiz lindert und den Teufelskreis aus Jucken und Kratzen durchbricht. Durch regelmäßige Anwendung rehydratisierender und rückfettender Pflegeprodukte stärkst Du Deine Hautbarriere. Emollienzien mit Urea oder Ceramiden, kühlende Anwendungen und atmungsaktive Kleidung tragen zur Symptomlinderung bei. Eine konsequente abendliche Pflegeroutine kann Dir helfen, besser zu schlafen. Mit den richtigen Produkten und einer angepassten Routine kannst Du trotz dieser belastenden Erkrankung eine spürbare Verbesserung Deiner Lebensqualität erreichen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung mit extrem starkem Juckreiz, die einen Teufelskreis aus Jucken und Kratzen verursacht, wodurch charakteristische Knötchen und Papeln entstehen, die wiederum den Juckreiz verstärken.
  • Eine konsequente Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Produkten bildet die unverzichtbare Basis jeder erfolgreichen Therapie, da sie die gestörte Hautbarriere stärkt und den Juckreiz-Kratz-Zyklus unterbricht.
  • Besonders wirksame Inhaltsstoffe bei der Behandlung von chronischer Prurigo sind Urea (5-10 %), Ceramide, Polidocanol, Menthol und Capsaicin, während Duftstoffe, Alkohol, Parabene und topische Antihistaminika vermieden werden sollten.
  • Eine optimale tägliche Pflegeroutine umfasst sanfte Reinigung mit pH-neutralen Produkten, mehrmaliges Eincremen mit speziellen Pflegeprodukten (besonders nach dem Waschen), kühlende Anwendungen bei akutem Juckreiz und eine intensive Nachtpflege.
  • Bei schweren Verläufen können neben der topischen Therapie auch systemische Behandlungsmöglichkeiten wie der IL31-Inhibitor Nemolizumab oder der IL4/IL13-Hemmer Dupilumab eingesetzt werden, die den Juckreiz signifikant reduzieren können.

Optimale Hautpflege als Basis für die Therapie einer chronischen Prurigo

Wenn du unter einer chronischen Prurigo leidest, kennst du wahrscheinlich den quälenden Teufelskreis aus intensivem Juckreiz und Kratzen nur zu gut. Diese chronische Hauterkrankung gilt unter den Pruritus-Erkrankungen als „Maximalvariante“ mit extrem starkem, anhaltendem Juckreiz, der zum ständigen Kratzen verleitet [1]. Dadurch entstehen charakteristische knotenartige Hautveränderungen und Papeln, die wiederum stark jucken und die Symptome weiter verschlimmern [1]. Eine konsequente und durchdachte Hautpflege bildet die unverzichtbare Basis jeder erfolgreichen Therapie und kann deine Lebensqualität spürbar verbessern. Laut aktueller S2k-Leitlinie ist die richtige Hautpflege ein wesentlicher Bestandteil des abgestuften Behandlungskonzepts bei chronischem Juckreiz [1].

Warum die Hautbarriere bei chronischem Pruritus besonders wichtig ist

Bei einer chronischen Prurigo ist deine Hautbarriere oft geschwächt. Diese äußerste Schutzschicht deiner Haut hat normalerweise die wichtige Aufgabe, Feuchtigkeit zu bewahren und schädliche Umwelteinflüsse abzuwehren. Wenn diese Barriere gestört ist, verliert deine Haut schneller Feuchtigkeit, wird trocken und empfindlicher für Reize, die den Juckreiz verstärken können. Die trockene Haut sendet dann vermehrt Signale an dein Gehirn, was den Drang zu kratzen erhöht.

Eine intakte Hautbarriere ist besonders wichtig, weil sie den Eintritt von Reizstoffen und Allergenen verhindert, die Entzündungen auslösen können. Bei chronischer Prurigo können sogar bestimmte Bakterien wie Staphylococcus aureus auf der Haut den Juckreiz verschlimmern, indem sie eine molekulare Kettenreaktion in Gang setzen [2]. Eine gesunde Hautbarriere hilft, das Gleichgewicht des Hautmikrobioms zu bewahren und so Prozesse, die Juckreiz auslösen können, zu reduzieren.

Die ständigen Hautläsionen durch das Kratzen führen zu den typischen Knoten und Papeln, die das Erscheinungsbild der chronischen Prurigo prägen. Diese Hautveränderungen jucken wiederum extrem stark und verleiten zum weiteren Kratzen. Nur durch eine konsequente Stärkung der Hautbarriere kannst du diesen Teufelskreis durchbrechen und die Symptome deiner Erkrankung lindern. Eine gesunde Hautbarriere ist somit der Schlüssel zur Verbesserung deiner Lebensqualität bei dieser belastenden chronischen Hautkrankheit.

So stärkt regelmäßige Hautpflege deine Abwehr und lindert die Symptome

Eine regelmäßige und durchdachte Hautpflege kann den Juckreiz bei einer chronischen Prurigo deutlich lindern. Durch die konsequente Anwendung feuchtigkeitsspendender und rückfettender Pflegeprodukte stärkst du deine Hautbarriere und unterbrichst den Juckreiz-Kratz-Zyklus. Diese Basispflege ist nicht nur eine Ergänzung, sondern ein fundamentaler Bestandteil der Gesamttherapie, der die Wirksamkeit anderer Behandlungsmaßnahmen unterstützt und verbessert.

Die optimale Basispflege der Haut bei einer chronischen Prurigo umfasst mehrere wichtige Aspekte [3]:

  • feuchtigkeitsspendende Produkte: Verwende regelmäßig Emollienzien mit Urea (Harnstoff) oder Ceramid-Zusätzen, die sich besonders bei Hauttrockenheit bewährt haben
  • kühlende Anwendungen: Lotionen und Cremes mit kühlender Wirkung oder kühle, feuchte Umschläge können den Juckreiz unmittelbar lindern
  • atmungsaktive Kleidung: Trage leichte Kleidung aus Baumwolle, die deine Haut nicht zusätzlich reizt und Schwitzen reduziert
  • konsequente Anwendung: Nur durch regelmäßige Pflege mehrmals täglich kannst du langfristige Verbesserungen erzielen

Tipps für deine tägliche Pflegeroutine

Eine wirksame Pflegeroutine bei einer chronischen Prurigo sollte auf deine individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein und konsequent durchgeführt werden. Beginne deinen Tag mit einer sanften Reinigung. Verwende lauwarmes (nicht heißes) Wasser und pH-neutrale, parfümfreie Reinigungsprodukte, die deine Haut nicht zusätzlich austrocknen. Vermeide langes Duschen oder Baden, da dies die Hautbarriere weiter schwächen kann.

Direkt nach der Reinigung, wenn deine Haut noch leicht feucht ist, ist der ideale Zeitpunkt für das Auftragen deiner Pflegeprodukte. Wähle Cremes oder Lotionen mit feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Eigenschaften. Produkte mit Urea oder Ceramiden haben sich besonders bewährt, da sie die Hautbarriere stärken und Feuchtigkeit in der Haut halten [4]. Trage die Pflegeprodukte großzügig auf und massiere sie sanft ein, ohne zu reiben oder Druck auszuüben.

Im Laufe des Tages solltest du deine Haut bei Bedarf erneut eincremen, besonders nach dem Händewaschen oder wenn du Juckreiz verspürst. Halte dafür kleine Tuben deiner Pflegeprodukte griffbereit. Bei akutem Juckreiz können kühlende Anwendungen wie feuchte Umschläge oder spezielle kühlende Lotionen schnelle Linderung verschaffen [3]. Vermeide es, zu kratzen, auch wenn der Drang noch so stark ist – stattdessen kannst du die juckende Stelle sanft mit der flachen Hand klopfen oder kühlen.

Vor dem Schlafengehen ist eine besonders intensive Pflege wichtig, da der Juckreiz nachts oft zunimmt und Schlafstörungen verursachen kann. Trage eine reichhaltige Nachtcreme oder -salbe auf, die über Nacht einwirken kann. Bei stark betroffenen Stellen können spezielle Wirkstoffe wie Polidocanol oder Menthol den Juckreiz zusätzlich lindern [4]. Trage lockere, atmungsaktive Nachtwäsche aus Baumwolle und sorge für ein kühles Schlafzimmer, da Wärme den Juckreiz verstärken kann. Eine konsequente abendliche Pflegeroutine kann dir helfen, besser zu schlafen und den Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen zu durchbrechen.

Wirksame Produkte zur Behandlung einer chronischen Prurigo

Bei der Behandlung einer chronischen Prurigo spielen spezielle Pflegeprodukte mit speziellen Inhaltsstoffen eine entscheidende Rolle. Die richtige Auswahl kann den quälenden Juckreiz deutlich reduzieren und die Symptome dieser chronischen Erkrankung lindern. Während medikamentöse Therapieoptionen oft im Vordergrund stehen, bilden wirksame topische Produkte die Basis für eine erfolgreiche Behandlung im Alltag. Mit den richtigen Inhaltsstoffen kannst du die Barrierefunktion deiner Haut stärken und so die Lebensqualität trotz dieser belastenden Hautkrankheit spürbar verbessern.

Welche Lebensmittel können Symptome verbessern oder verschlechtern?

Das Leben mit einer chronischen Prurigo stellt dich täglich vor Herausforderungen. Der chronische Juckreiz und die charakteristischen Knötchen können deinen Alltag stark beeinträchtigen und zu erheblicher seelischer Belastung führen. Während die medizinische Therapie die Grundlage der Behandlung bildet, spielt bei chronischen Hauterkrankungen wie der chronischen Prurigo auch die Ernährung eine wichtige unterstützende Rolle. Was du isst, kann Entzündungsprozesse in deinem Körper entweder fördern oder hemmen – und damit direkten Einfluss auf die Intensität deines Pruritus nehmen.

Diese Inhaltsstoffe lindern Juckreiz bei chronischen Hauterkrankungen

Bei der Therapie einer chronischen Prurigo haben sich mehrere Inhaltsstoffe als besonders wirksam erwiesen, um den starken Juckreiz zu lindern. Urea (Harnstoff) ist einer der wichtigsten Bestandteile in Pflegeprodukten für diese chronische Hauterkrankung. In Konzentrationen zwischen 5 und 10 % spendet Urea intensive Feuchtigkeit und unterstützt die Regeneration der Haut. Bei höheren Konzentrationen (ab 10 %) wirkt es zusätzlich leicht schälend und kann so die Bildung der typischen Knötchen reduzieren, die das Hauptsymptom der chronischen Prurigo darstellen [4].

Ceramide sind ein weiterer essentieller Inhaltsstoff, der sich bei der Behandlung einer chronischen Prurigo bewährt hat. Diese natürlichen Bestandteile der Hautbarriere helfen, die gestörte Schutzfunktion wiederherzustellen und Feuchtigkeit in der Haut zu halten. Besonders in Kombination mit Urea können Ceramide die Beschwerden deutlich lindern und zur Verbesserung des Hautbildes beitragen. Für die unmittelbare Linderung des Juckreizes sind Lokalanästhetika oder Menthol in externen Anwendungen hilfreich: Sie blockieren die Reizweiterleitung und können dadurch die Beschwerden schnell reduzieren.

Ein besonders vielversprechender Wirkstoff ist Capsaicin, ein natürlicher Inhaltsstoff des Cayennepfeffers [3]. Bei regelmäßiger Anwendung in Konzentrationen von 0,025 bis 0,075 % entleert Capsaicin die Substanz-P-Speicher der Nervenfasern, die für die Übertragung des Juckreizes verantwortlich sind [3]. Dadurch wird der Juckreiz-Kreislauf unterbrochen, was bei verschiedenen Erkrankungen zu einer deutlichen Verbesserung führen kann. Auch spezielle Formulierungen mit omentalen Lipiden (10 %) in Kombination mit den Anti-Juckreiz-Substanzen Polidocanol, Stimutex und Palmitoylethanolamin haben in Studien eine signifikante Minderung des Juckreizes gezeigt.

Welche Pflegeprodukte deine Lebensqualität bei einer chronischen Prurigo verbessern

Die Auswahl der richtigen Pflegeprodukte kann einen entscheidenden Unterschied in der Behandlung einer chronischen Prurigo machen. Für die tägliche Basispflege eignen sich besonders Emollienzien – reichhaltige, rückfettende Cremes und Salben, die die Hautbarriere stärken. Achte dabei auf Produkte, die speziell für sehr trockene, zu Juckreiz neigende Haut entwickelt wurden und die oben genannten wirksamen Inhaltsstoffe enthalten. Besonders empfehlenswert sind:

  • Basis-Pflegecremes mit Urea: Diese sollten in verschiedenen Konzentrationen (5-10 % für den ganzen Körper, höhere Konzentrationen für stark betroffene Stellen) zur Verfügung stehen
  • ceramid-haltige Reparaturcremes: Ideal für die Nachtpflege, um die Hautbarriere während des Schlafs zu regenerieren
  • kühlende Gele oder Lotionen mit Menthol: Für die akute Linderung bei Juckreizattacken
  • Spezialprodukte mit Polidocanol: Wirken lokalanästhetisch und können den Juckreiz schnell reduzieren
  • capsaicin-haltige Präparate: Für die langfristige Therapie besonders hartnäckiger Stellen (nur unter ärztlicher Anleitung)

Für eine optimale Wirkung ist nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die richtige Anwendung entscheidend. Trage die Pflegeprodukte mehrmals täglich auf, besonders nach dem Waschen auf die noch leicht feuchte Haut. Bei stark juckenden Knötchen, die häufig an den Streckseiten der Arme und Beine auftreten, kann eine konsequente Pflegeroutine mit speziellen Produkten die Beschwerden deutlich reduzieren. Achte darauf, die Produkte sanft einzumassieren, ohne zu reiben oder Druck auszuüben, um die empfindliche Haut nicht zusätzlich zu reizen.

Inhaltsstoffe, die du bei Neurodermitis und chronischer Prurigo meiden solltest

Bei chronischer Prurigo und anderen juckenden Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder atopischer Dermatitis ist es ebenso wichtig zu wissen, welche Inhaltsstoffe du vermeiden solltest. Topische Antihistaminika, die früher häufig zur Behandlung von Juckreiz eingesetzt wurden, gelten mittlerweile als umstritten. Aufgrund ihrer potenziell irritierenden Wirkung werden sie für die lokale Therapie nicht mehr empfohlen [3]. Sie können die Symptome in manchen Fällen sogar verschlimmern und die Beeinträchtigung durch die Erkrankung verstärken.

Weitere Inhaltsstoffe, die bei einer chronischen Prurigo gemieden werden sollten:

  • Parfüms und Duftstoffe: Können Irritationen auslösen und den Juckreiz verschlimmern
  • Alkohol in hoher Konzentration: Trocknet die Haut zusätzlich aus
  • Konservierungsstoffe wie Parabene: Häufig Auslöser von Kontaktallergien
  • aggressive Tenside in Reinigungsprodukten: Schädigen die Hautbarriere
  • Farbstoffe: Können allergische Reaktionen hervorrufen
  • ätherische Öle: Trotz natürlichem Ursprung oft reizend für empfindliche Haut
  • Glykolsäure und andere AHAs: Können bei entzündlicher Haut brennen und reizen

Stattdessen solltest du auf hypoallergene, parfümfreie Produkte setzen, die speziell für empfindliche, zu Juckreiz neigende Haut entwickelt wurden. Die psychologische Belastung durch eine chronische Prurigo ist erheblich – umso wichtiger ist es, keine zusätzlichen Reizfaktoren durch ungeeignete Pflegeprodukte zu schaffen. Achte auf Produkte, die dermatologisch getestet und für atopische Haut geeignet sind.

Spezielle Behandlungsmöglichkeiten für stark betroffene Hautareale

Für besonders stark betroffene Hautareale mit ausgeprägten Knoten auf der Haut reicht die Basispflege oft nicht aus. Hier kommen spezielle Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz, die gezielt auf die knotenartigen Hautveränderungen wirken. Eine bewährte Methode ist die Anwendung von Capsaicin in höherer Konzentration. Nach wiederholter lokaler Anwendung werden die Substanz-P-Speicher der Nervenfasern entleert, sodass der Juckreiz deutlich reduziert wird. Die Anwendung sollte jedoch unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da es anfänglich zu einem brennenden Gefühl kommen kann.

Bei stark ausgeprägten Symptomen werden häufig topische Calcineurininhibitoren eingesetzt. Diese hemmen entzündungs- und juckreizfördernde Botenstoffe und können so zur Linderung des Juckreizes beitragen. Im Gegensatz zu Kortikosteroiden verursachen sie keine Hautverdünnung und eignen sich daher auch für die Langzeitanwendung. Für besonders hartnäckige Fälle von chronischer Prurigo wird oft eine Kombination aus verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten empfohlen:

  1. intensive Feuchtigkeitspflege mit speziellen Urea- und Ceramid-haltigen Produkten als Basis
  2. gezielte Behandlung der Knötchen mit wirkstoffhaltigen Präparaten
  3. Kühlung der betroffenen Areale bei akutem Juckreiz
  4. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung zur Reduktion des Juckreizempfindens

Neben der topischen Therapie können bei schweren Verläufen auch systemische Behandlungsmöglichkeiten und Biologika zum Einsatz kommen. Neuere Forschungen zeigen vielversprechende Ergebnisse mit dem IL31-Inhibitor Nemolizumab, der eine deutlich Juckreiz-senkende Wirkung bei chronischer Prurigo bewiesen hat [4]. Auch der IL4/IL13-Hemmer Dupilumab kann den Juckreiz signifikant reduzieren [4]. Diese Therapieoptionen werden in der Regel dann eingesetzt, wenn topische Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind. Die Behandlung der Erkrankung erfordert oft Geduld und eine Kombination verschiedener Ansätze. Die genauen Ursachen von chronischer Prurigo sind noch nicht vollständig geklärt, was die Therapie komplex macht. Mit einer konsequenten Pflegeroutine und den richtigen Produkten kannst du dein alltägliches Wohlbefinden deutlich verbessern. Vergiss nicht: Du bist mit dieser Herausforderung nicht allein, und es

Referenzen

[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dupilumab-lindert-massiven-juckreiz-145308/

  • „Prurigo nodularis gilt unter unter den Pruritus-Erkrankungen als »Maximalvariante«. Der extrem starke, anhaltende Juckreiz verleitet die Betroffenen zu intensivem permanenten Kratzen.“
  • „Die ständigen Hautläsionen führen zu Knoten und Papeln, die wiederum extrem jucken und der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung den Namen gegeben haben.“
  • „Die Therapie erfolgt abgestuft gemäß der S2k-Leitline zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus. Diese sieht – neben der Hautpflege – zunächst topische Therapien, unter anderem mit Corticosteroiden, Lokalanästhetika und Calcineurin-Inhibitoren sowie die UV-Phototherapie vor.”

[2] https://www.netdoktor.de/news/neurodermitis-wie-bakterien-schweren-juckreiz-ausloesen/

  • „Staphylococcus aureus verursacht den Juckreiz demnach im Alleingang, indem es eine molekulare Kettenreaktion in Gang setzt, die zu unerträglichem Juckreiz führt.“

[3] https://www.aerzteblatt.de/archiv/juckreiz-eine-diagnostische-und-therapeutische-crux-74d58b23-377f-4bee-93b4-63815611fddf

  • „Juckreiz jeglicher und auch unbekannter Ursache kann durch einige Allgemeinmaßnahmen, wie regelmäßige Hautpflege mit rehydratisierenden und rückfettenden Externa sowie leichte Kleidung, vorzugsweise aus Baumwolle, gemildert werden“
  • „Zur Lokalbehandlung des Juckreizes eignen sich neben einer sorgfältigen Hautpflege kühlende Lotionen und Cremes oder kühle, feuchte Umschläge.“
  • „Capsaicin, ein Inhaltsstoff des Cayennepfeffers, hat sich bei unterschiedlichen pruritusassoziierten Erkrankungen zur Linderung des Juckreizes bewährt“
  • „Nach wiederholter, lokaler Anwendung von 0,025 bis 0,075 Prozent Capsaicincreme werden konsekutiv die Substanz-P-Speicher der C-Nervenfasern entleert, sodass kein Juckreiz ausgelöst werden kann.“
  • „Die Wirksamkeit topischer Antihistaminika ist umstritten. Aufgrund ihrer irritierenden Wirkung sollten sie zur Lokalbehandlung nicht mehr eingesetzt werden.“

[4] . https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/juckreiz-aeltere-diagnostik-therapie

  • „Emollienzien mit Urea oder Ceramid-Zusatz“ haben sich bei Hauttrockenheit bewährt”.
  • „Lokalanästhetika oder Menthol in den Externa können den Juckreiz bremsen.“
  • „eine Creme mit omentalen Lipiden von 10 % und drei Anti-Juckreiz-Substanzen (Polidocanol/Stimutex/Palmitoylethanolamin) [ergab] eine deutliche Minderung des Juckreizes bei Älteren.“
  • „der IL31-Inhibitor Nemolizumab [hat] eine deutlich Pruritus-senkende Wirkung bewiesen […] – auch in der höheren Altersgruppe“ bei Prurigo nodularis.”
  • „der IL4/IL13-Hemmer Dupilumab [senkt] auch bei Älteren mit AD den Pruritus.“

Leben mit chronischer Prurigo: Mehr Lebensqualität durch die richtige Ernährung

Was ist eine chronische Prurigo und wie beeinflusst Ernährung die Symptome?

Die chronische Prurigo ist eine hartnäckige Hauterkrankung mit quälendem Juckreiz und charakteristischen Hautknötchen. Deine Ernährung kann die Symptome maßgeblich beeinflussen, da bestimmte Lebensmittel entzündliche Prozesse im Körper entweder verstärken oder reduzieren können. Eine entzündungshemmende Ernährung kann den Juckreiz lindern und den Teufelskreis aus Jucken und Kratzen durchbrechen.

Welche Lebensmittel sollte ich bei einer chronischen Prurigo meiden?

Bei einer chronischen Prurigo solltest Du besonders auf Lebensmittel verzichten, die Entzündungen fördern können. Dazu gehören:

  • Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index (Weißmehlprodukte, Süßigkeiten)
  • Milchprodukte, besonders bei bestehenden Unverträglichkeiten
  • stark verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen
  • Alkohol, der die Hautbarriere schwächen kann
  • Lebensmittel mit hohem Natriumgehalt

Welche Lebensmittel können bei einer chronischen Prurigo helfen?

Folgende Lebensmittel können Deine Symptome positiv beeinflussen:

  • omega-3-reiche Lebensmittel wie Lachs, Leinsamen und Walnüsse
  • ballaststoffreiche Kost (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse)
  • antioxidantienreiche Lebensmittel wie buntes Obst und Gemüse
  • probiotische Lebensmittel (Naturjoghurt, Kefir)
  • Gewürze mit entzündungshemmender Wirkung (Kurkuma, Ingwer, Zimt)

Welche Nährstoffe sind besonders wichtig für die Hautgesundheit bei einer chronischen Prurigo?

Für die Hautgesundheit bei einer chronischen Prurigo sind folgende Nährstoffe besonders wertvoll:

  • Omega-3-Fettsäuren mit natürlich entzündungshemmender Wirkung
  • Antioxidantien zum Schutz vor oxidativem Stress
  • Zink zur Unterstützung der Wundheilung
  • Vitamin D für die Hautgesundheit und Immunregulation
  • kurzkettige Fettsäuren, die bei der Verdauung von Ballaststoffen entstehen

Wie kann ich Nahrungsmittelallergien erkennen, die meine chronische Prurigo verschlimmern?

Um Nahrungsmittelallergien zu identifizieren, die Deine Symptome verschlimmern könnten, empfehle ich Dir:

  • ein Ernährungstagebuch zu führen, in dem Du Mahlzeiten und Symptome dokumentierst
  • eine Eliminationsdiät unter ärztlicher Begleitung durchzuführen
  • allergietests in Betracht zu ziehen (sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt)
  • auf Kreuzreaktionen zu achten (z.B. bei bestehenden Pollenallergien)
  • Stress zu reduzieren, da dieser allergische Reaktionen verstärken kann

Wie kann Ernährung in ein ganzheitliches Therapiekonzept bei chronischer Prurigo integriert werden?

Ernährung sollte als ergänzende Maßnahme neben der medikamentösen Therapie betrachtet werden. Ein individueller Ernährungsplan kann die Wirksamkeit konventioneller Therapien unterstützen. Sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt über die Möglichkeit, Deine Ernährung als unterstützende Maßnahme in Dein Behandlungskonzept zu integrieren. Gemeinsam könnt Ihr einen Plan entwickeln, der auf Deine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die chronische Prurigo ist eine hartnäckige Hauterkrankung mit quälendem Juckreiz, bei der die Ernährung als unterstützende Therapie eine wichtige Rolle spielen kann.
  • Entzündliche Prozesse sind zentral bei dieser Erkrankung, wobei bestimmte Nahrungsmittel diese Entzündungen verstärken können, während andere entzündungshemmend wirken und zur Linderung des Juckreizes beitragen.
  • Besonders wertvoll für die Hautgesundheit sind Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, Zink, Vitamin D und kurzkettige Fettsäuren, die bei der Verdauung von Ballaststoffen entstehen.
  • Lebensmittel mit hohem glykämischen Index, Milchprodukte, verarbeitete Lebensmittel, Alkohol und natriumreiche Nahrung können die Symptome verschlimmern und sollten besser gemieden werden.
  • Ein Ernährungstagebuch kann helfen, persönliche Juckreiz-Auslöser zu identifizieren, wobei eine individuell angepasste Ernährung als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann.

Ernährung als unterstützende Therapie bei chronischer Prurigo

Die chronische Prurigo (CPG), ist eine hartnäckige Hauterkrankung, die dich mit quälendem Juckreiz und charakteristischen Knötchen konfrontieren kann. Obwohl die genaue Ursache in vielen Fällen ungeklärt bleibt, wissen wir heute, dass verschiedene Faktoren die Symptome beeinflussen können – darunter auch deine Ernährung [1]. Während medikamentöse Therapien oft im Vordergrund stehen, gewinnt die Rolle der Ernährung als unterstützende Maßnahme zunehmend an Bedeutung. Neuere Forschungen zeigen, dass das Hautmikrobiom – die Gemeinschaft von Mikroorganismen auf deiner Haut – eine entscheidende Rolle beim Juckreiz spielen kann. In diesem Artikel erfährst du, wie du durch bewusste Ernährungsstrategien deine Symptome lindern und deine Lebensqualität verbessern kannst.

Wie Ernährung die entzündlichen Prozesse bei einer chronischen Prurigo beeinflussen kann

Lange Zeit nahm man an, dass der quälende Juckreiz bei Hauterkrankungen wie bei der chronischen Prurigo ausschließlich durch Entzündungsprozesse in der Haut verursacht wird [2]. Doch neuere Erkenntnisse zeigen: Es ist komplizierter. Forscher haben entdeckt, dass bestimmte Bakterien auf der Haut – insbesondere Staphylococcus aureus – direkt Juckreiz auslösen können. Bei vielen Hauterkrankungen gerät das gesunde Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, wodurch diese problematischen Bakterien sich vermehren können [2]. Deine Ernährung kann dieses Gleichgewicht maßgeblich beeinflussen.

Entzündliche Prozesse spielen bei chronischer Prurigo eine zentrale Rolle. Durch den chronischen Juckreiz und das daraus resultierende Kratzen entsteht ein Teufelskreis, der als Juck-Kratz-Zyklus bekannt ist [3]. Bestimmte Nahrungsmittel können entzündliche Reaktionen im Körper verstärken und damit diesen Zyklus befeuern. Andere Lebensmittel hingegen haben entzündungshemmende Eigenschaften und können zur Linderung des Juckreizes beitragen.

Dein Immunsystem reagiert auf das, was du isst. Bei chronischer Prurigo werden vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) ausgeschüttet, die den Juckreiz verstärken. Eine ausgewogene Ernährung mit entzündungshemmenden Lebensmitteln kann die Ausschüttung von Botenstoffen positiv beeinflussen. Interessanterweise deuten Studien darauf hin, dass auch die Zufuhr von Natrium eine Rolle spielen könnte – eine niedrige Natriumaufnahme wird bereits als mögliche präventive Maßnahme bei verwandten Hauterkrankungen wie der atopischen Dermatitis diskutiert [4].

Wichtige Nährstoffe zur Unterstützung der Hautgesundheit

Für Menschen mit einer chronischen Prurigo ist eine optimale Versorgung mit unterstützenden Nährstoffen besonders wichtig. Die Zufuhr von Vitaminen, Mineralien und Pflanzenstoffen kann die Abheilung von Hautläsionen fördern und zur Linderung des Juckreizes beitragen. Besonders wertvoll sind:

  • Omega-3-Fettsäuren: Diese wirken entzündungshemmend und können in Fisch, Leinsamen und Walnüssen gefunden werden
  • Antioxidantien: Schützen deine Hautzellen vor oxidativem Stress (enthalten in buntem Obst und Gemüse)
  • Zink: Unterstützt die Wundheilung und reguliert Entzündungsprozesse
  • Vitamin D: Wichtig für die Hautgesundheit und Immunregulation
  • kurzkettige Fettsäuren: Entstehen bei der Verdauung von Ballaststoffen und können zur Therapie und Prävention von Allergien beitragen

Besonders spannend ist die Rolle kurzkettiger Fettsäuren, die bei der Fermentation von Ballaststoffen durch Darmbakterien entstehen. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass diese Fettsäuren dazu beitragen könnten, allergische Reaktionen zu vermindern [5]. Da bei der chronischen Prurigo häufig immunologische Prozesse beteiligt sind, könnte eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten deine Symptome positiv beeinflussen.

Medikamente und ihre Rolle bei der chronischen Prurigo Symptomatik

Bestimmte Medikamente können ebenfalls Juckreiz auslösen oder verstärken und dadurch zur Entwicklung der chronischen Prurigo beitragen. Substanzen wie Opioide können direkt pruritogen wirken oder die Wirkung anderer juckreizvermittelnder Faktoren verstärken [2]. Es ist daher wichtig, bei der Diagnose von chronsicher Prurigo auch die Medikamentenanamnese zu berücksichtigen.

Interessanterweise können einige Medikamente, die für andere Zwecke entwickelt wurden, auch bei der Behandlung von chronischer Prurigo wirksam sein. Thalidomid hat sich beispielsweise bei einigen juckreizassoziierten Dermatosen als wirksam erwiesen [2]. Neuere Therapieansätze zielen auf die Blockade spezifischer Rezeptoren oder Botenstoffe ab. So könnte ein PAR1-Blocker als Grundlage für Cremes oder Tabletten bei juckenden Hauterkrankungen dienen, die mit einem Ungleichgewicht des Hautmikrobioms einhergehen [6]. Auch Dupilumab, ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, ist mittlerweile für die Therapie der chronischen Prurigo zugelassen und bietet vielen Betroffenen neue Hoffnung auf Linderung ihrer Beschwerden [7].

Ernährung als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts bei chronischen Hautveränderungen

Die Behandlung bei chronischer Prurigo erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Während medikamentöse Therapien wie Dupilumab oder andere Wirkstoffe wie Nemolizumab und Nalbuphin wichtige Säulen der Behandlung darstellen, solltest du die Ernährung als ergänzende Maßnahme nicht unterschätzen [6]. Eine gesunde Ernährung kann sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken und die Wirksamkeit konventioneller Therapien unterstützen.

Ein individueller Ernährungsplan sollte Teil deines Therapiekonzepts sein. Da nur bei etwa einem Fünftel der Menschen, die glauben, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, dies tatsächlich zutrifft, kann eine ärztliche Abklärung von Unverträglichkeiten sinnvoll sein. Ein Ernährungstagebuch kann dir helfen, persönliche Auslöser zu identifizieren und zu meiden. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über die Möglichkeit, deine Ernährung als unterstützende Maßnahme in dein Behandlungskonzept zu integrieren. Gemeinsam könnt Ihr einen Plan entwickeln, der auf deine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist und dir hilft, die stark juckenden Hautveränderungen zu lindern und deine Lebensqualität zu verbessern.

Welche Lebensmittel können Symptome verbessern oder verschlechtern?

Das Leben mit einer chronischen Prurigo stellt dich täglich vor Herausforderungen. Der chronische Juckreiz und die charakteristischen Knötchen können deinen Alltag stark beeinträchtigen und zu erheblicher seelischer Belastung führen. Während die medizinische Therapie die Grundlage der Behandlung bildet, spielt bei chronischen Hauterkrankungen wie der chronischen Prurigo auch die Ernährung eine wichtige unterstützende Rolle. Was du isst, kann Entzündungsprozesse in deinem Körper entweder fördern oder hemmen – und damit direkten Einfluss auf die Intensität deines Pruritus nehmen.

Entzündungsfördernde Lebensmittel, die die Symptome der chronischen Prurigo verschlimmern können

Bei chronischer Prurigo reagiert dein Körper mit verstärkten Entzündungsreaktionen, die den Juckreiz intensivieren und zum Kratzen verleiten. Bestimmte Nahrungsmittel können diese Entzündungsprozesse zusätzlich verstärken und damit den Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen verschlimmern. Ähnlich wie bei anderen Hauterkrankungen wie Psoriasis können Ernährungsfaktoren die Schwere der Erkrankung maßgeblich beeinflussen [7].

Zu den Lebensmitteln, die du bei chronischer Prurigo besser meiden solltest, gehören:

  • Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index: Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und stark verarbeitete Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und können Entzündungsreaktionen fördern
  • Milchprodukte: Besonders bei Menschen mit Unverträglichkeiten können sie Entzündungen verstärken und die Hautbarriere beeinträchtigen
  • verarbeitete Lebensmittel: Fertigprodukte mit künstlichen Zusatzstoffen, Konservierungsmitteln und Geschmacksverstärkern
  • Alkohol: Kann Entzündungen fördern und die Hautbarriere schwächen
  • Nahrungsmittel mit hohem Natriumgehalt: Eine erhöhte Natriumzufuhr könnte die Hautreaktionen verstärken

Besonders auf den Streckseiten der Arme und Beine, wo die chronische Prurigo häufig auftritt, können sich die Hautveränderungen durch ungünstige Ernährung verschlimmern. Studien zeigen, dass ähnlich wie bei Akne hauptsächlich Milchprodukte und Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index die Beschwerden verstärken können [8]. Diese Lebensmittel regen die Produktion von entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffen an, die den chronischen Juckreiz intensivieren.

Entzündungshemmende Ernährung zur Linderung von Juckreiz und Hautveränderungen

Eine entzündungshemmende Ernährung kann die Therapie der chronischen Prurigo wirksam unterstützen und den Juckreiz reduzieren. Durch die richtige Lebensmittelauswahl kannst du die Ausschüttung entzündungsfördernder Substanzen verringern und so die Intensität deiner Beschwerden mindern.

Folgende Lebensmittel können bei Menschen mit chronsicher Prurigo sinnvoll sein:

  • Gewürze mit entzündungshemmender Wirkung: Kurkuma, Ingwer und Zimt können Entzündungsprozesse hemmen
  • Omega-3-reiche Lebensmittel: Fettreiche Kaltwasserfische (Lachs, Makrele, Hering), Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse wirken natürlich entzündungshemmend
  • ballaststoffreiche Kost: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse fördern die Bildung kurzkettiger Fettsäuren im Darm, die laut zahlreichen Studien dazu beitragen können, allergische Reaktionen zu vermindern und zu verhindern
  • antioxidantienreiche Lebensmittel: Buntes Obst und Gemüse (Beeren, Brokkoli, Paprika) schützen vor oxidativem Stress
  • probiotische Lebensmittel: Naturjoghurt, Kefir und fermentierte Speisen unterstützen eine gesunde Darmflora, was sich positiv auf Hauterkrankungen auswirken kann

Nahrungsmittelallergien erkennen und klinisch relevante Zusammenhänge verstehen

Allergien und Unverträglichkeiten können die Symptome der chronsichen Prurigo erheblich verschlimmern. Nach einer US-amerikanischen Studie glaubt annähernd jeder Fünfte, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden – bei mehr als der Hälfte davon ist dies auch tatsächlich der Fall [9]. Bei chronischer Prurigo ist es daher besonders wichtig, mögliche Zusammenhänge zwischen deiner Ernährung und dem Auftreten von Beschwerden zu erkennen.

Um deine persönlichen Juckreiz-Auslöser zu identifizieren, empfehle ich dir folgende Vorgehensweise:

  1. führe ein Ernährungstagebuch: Notiere täglich, was du isst und wie sich dein Juckreiz und deine Hautveränderungen entwickeln
  2. Eliminationsdiät unter ärztlicher Begleitung: Verzichte probeweise auf verdächtige Lebensmittel und führe sie nach und nach wieder ein
  3. Allergietests in Betracht ziehen: Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über die Möglichkeit, Nahrungsmittelallergien durch Tests abklären zu lassen
  4. auf Kreuzreaktionen achten: Manche Menschen mit Pollenallergien reagieren auch auf bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Äpfel bei Birkenpollenallergie)
  5. psychischen Stress reduzieren: Stress kann Allergien verstärken – Entspannungstechniken wie autogenes Training können hilfreich sein

Die Ursache der chronischen Prurigo ist noch nicht vollständig geklärt, aber bei manchen Betroffenen kann sie auch kontaktallergischer Ursache sein. Eine individuell angepasste Ernährung, die deine persönlichen Unverträglichkeiten berücksichtigt, kann einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung deiner Beschwerden leisten. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt oder einer Ernährungsberatung über einen auf dich zugeschnittenen Ernährungsplan, der deine Behandlungsmöglichkeiten optimal ergänzt und deine Lebensweise verbessert.

Referenzen

[1] https://www.springermedizin.de/chronische-prurigo/pruritus/eine-unerwartete-entdeckung-bei-einer-patientin-mit-chronischer-/24617378

  • „Die CPG (zuvor als Prurigo nodularis bezeichnet) ist eine chronische Dermatose, die verschiedene Ursachen haben kann, in vielen Fällen bleibt die zugrunde liegende Ätiologie jedoch ungeklärt.“

[2] https://www.netdoktor.de/news/neurodermitis-wie-bakterien-schweren-juckreiz-ausloesen/

  • „Bisher ging man davon aus, dass der Juckreiz, der bei Ekzemen und Neurodermitis auftritt, durch die begleitende Entzündung der Haut verursacht wird.“
  • „Das Bakterium sei bei fast allen Patienten mit Neurodermitis zu finden. Denn bei ihnen gerät das gesunde Mikrobiom der Haut oft aus dem Gleichgewicht, sodass Staphylococcus aureus besonders gut gedeihen könne“

[3] https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-der-haut/dermatitis/lichen-simplex-chronicus

  • “Kratzen oder Reiben führt zu weiterem Juckreiz und dann zu weiterem Kratzen und/oder Reiben, wodurch ein Teufelskreis entsteht (Juck-Kratz-Zyklus).”

[4] https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/nachrichten-dermatologie

  • „Eine niedrige Natriumzufuhr als präventive Maßnahme bei atopischer Dermatitis?“

[5] https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/fettsaeuren-allergie

  • „Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass kurzkettige Fettsäuren dazu beitragen könnten, Allergien zu therapieren oder gar zu verhindern.“

[6] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dupilumab-bei-eosinophiler-oesophagitis-zugelassen-138424/

  • “Dupilumab hemmt die Signalgebung der Interleukine 4 und 13.”

[7] https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/psoriasis-ernaehrung

  • „Ernährungsfaktoren beeinflussen die Schwere der Psoriasis.“

[8] https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/nahrungsmittel-akne-therapie

  • „Hauptsächlich Milchprodukte und Nahrungsmittel, die einen hohen glykämischen Index aufweisen, fördern die Akne.“

[9] . http://gelbe-liste.de/dermatologie/nahrungsmittelallergie-erwachsene

  • „Nach einer US-amerikanischen Studie glaubt annähernd jeder Fünfte, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Bei mehr als der Hälfte davon ist dies auch tatsächlich der Fall.”

Chronische Prurigo: Ursachen und Auslöser der chronischen Hautkrankheit

Was ist eine chronische Prurigo und wodurch entsteht sie?

Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung, die durch stark juckende Knötchen gekennzeichnet ist. Sie entsteht häufig durch einen Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen. Der anfängliche Juckreiz wird oft durch andere Erkrankungen ausgelöst, und das wiederholte Kratzen führt zur Bildung der typischen Hautknötchen. Diese Erkrankung kann deine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, besonders wenn nächtlicher Juckreiz zu Schlafstörungen führt.

Welche Grunderkrankungen können eine chronische Prurigo auslösen?

Verschiedene systemische Erkrankungen können eine chronische Prurigo begünstigen. Dazu zählen Lebererkrankungen, bei denen erhöhte Gallensäuren im Blut juckreizauslösend wirken können, sowie hämatologische Erkrankungen. Auch primäre Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder atopisches Ekzem erhöhen das Risiko. Menschen mit Atopie sind besonders anfällig für die Entwicklung dieser chronischen Hauterkrankung, da sie bereits eine Prädisposition für Juckreiz haben.

Wie funktioniert der Juck-Kratz-Zyklus bei chronischer Prurigo?

Der Juck-Kratz-Zyklus beginnt mit einem anfänglichen Juckreiz, der zum Kratzen verleitet. Das fortwährende Kratzen schädigt deine Haut und führt zu Entzündungen, die wiederum den Juckreiz verstärken. Durch regelmäßiges Kratzen an derselben Stelle verdickt sich die Haut als Schutzreaktion, was zur Bildung der typischen Knoten führt. Dieser Teufelskreis entwickelt sich oft zu einem täglichen Ritual mit unbewusstem Kratzverhalten.

Welche Rolle spielen Bakterien und das Immunsystem bei chronischer Prurigo?

Bakterielle Infektionen, besonders durch Staphylococcus aureus, können eine chronische Prurigo verschlimmern. Diese Bakterien lösen eine molekulare Kettenreaktion aus, die zu starkem Juckreiz führt. Gleichzeitig spielt dein Immunsystem eine entscheidende Rolle: Botenstoffe wie die Interleukine 4, 13 und 31 aktivieren Nervenzellen in der Haut und verstärken das Juckreizempfinden. Diese komplexe Wechselwirkung zwischen Immunsystem und Nervensystem hält die Erkrankung aufrecht.

Welche modernen Behandlungsansätze gibt es für die chronische Prurigo?

Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, den Juck-Kratz-Zyklus zu durchbrechen. Ein vielversprechender Ansatz ist Dupilumab, ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, der für die Therapie der chronischen Prurigo zugelassen ist. Dieses Medikament blockiert die Signalwege von IL-4 und IL-13, zwei wichtigen entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffen. Auch andere Wirkstoffe wie Thalidomid, Immunsuppressiva und Calcineurininhibitoren können in manchen Fällen zur Linderung beitragen.

Wie verändert sich das Nervensystem bei chronischem Juckreiz?

Bei chronischem Juckreiz kommt es zu neurologischen Veränderungen. Die Nervenzellen von Menschen mit dieser Erkrankung sind stärker verzweigt als bei gesunden Personen. Durch die permanente Aktivierung durch Botenstoffe und Entzündungszellen sprießen immer mehr Nervenverzweigungen. Diese Veränderungen führen zu einer Sensibilisierung deines Nervensystems, wodurch selbst leichte Reize, die normalerweise keinen Juckreiz auslösen würden, starke Juckreizempfindungen hervorrufen können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine chronische Prurigo entsteht durch einen Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen, der oft durch andere Grunderkrankungen ausgelöst wird und zu charakteristischen, stark juckenden Hautknötchen führt.
  • Systemische Erkrankungen wie Leberprobleme und hämatologische Erkrankungen können eine chronische Prurigo begünstigen, indem sie chronischen Juckreiz verursachen, der deine Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
  • Hauterkrankungen wie Neurodermitis erhöhen das Risiko für eine chronische Prurigo, wobei bestimmte Botenstoffe (Interleukine 4, 13 und 31) eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Juckreizes spielen.
  • Bakterielle Infektionen, besonders mit Staphylococcus aureus, können den Juckreiz verstärken und eine molekulare Kettenreaktion auslösen, die den Zustand verschlimmert.
  • Neue Behandlungsansätze wie Dupilumab, ein Interleukin-4-Rezeptor-Antikörper, und Nemolizumab, ein Interleukin-31-Rezeptor-Antikörper,  bieten vielversprechende Therapieoptionen, indem sie als Biologika gezielt in die immunologischen Prozesse eingreifen und den Juck-Kratz-Zyklus durchbrechen.

Grundlegende Ursachen der einer chronischen Prurigo Erkrankung

Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung, die durch stark juckende Knötchen gekennzeichnet ist und deine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Die genauen Ursachen dieser seltenen entzündlichen Hauterkrankung sind komplex und nicht immer eindeutig zu bestimmen. In vielen Fällen bleibt die zugrunde liegende Ätiologie sogar ungeklärt [1]. Was wir jedoch wissen: Eine chronische Prurigo entsteht häufig durch andauerndes Kratzen bei Juckreiz, der ursprünglich durch andere Erkrankungen ausgelöst wurde [2]. Der chronische Juckreiz ist dabei nicht nur ein quälendes Symptom, sondern auch ein wichtiges Warnsignal für möglicherweise ernstere gesundheitliche Probleme [3]. Besonders herausfordernd ist, dass meist nicht nur eine einzelne Erkrankung, sondern verschiedene Faktoren zusammenwirken und den Pruritus verursachen oder verstärken [3].

Systemische Erkrankungen als Auslöser für juckende Knötchen

Wenn du unter einer chronischen Prurigo leidest, können verschiedene systemische Erkrankungen die Ursache sein. Besonders internistische Erkrankungen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Hautveränderungen. Der Juckreiz, der durch diese Grunderkrankungen ausgelöst wird, führt durch wiederholtes Kratzen zu den typischen knötchenartigen Hautveränderungen.

Zu den systemischen Erkrankungen, die eine chronsiche Prurigo begünstigen können, zählen unter anderem Lebererkrankungen. Bei bestimmten Lebererkrankungen können erhöhte Gallensäuren im Blut auftreten, die direkt auf der Haut Juckreiz auslösen können. Auch hämatologische Erkrankungen können mit chronischem Pruritus und der Entwicklung von chronischer Prurigo in Verbindung stehen. Interessanterweise gibt es sogar Fallberichte, die einen Zusammenhang zwischen Ovarialkarzinomen und der Entwicklung dieser Hauterkrankung beschreiben.

Der chronische Pruritus, der mit diesen systemischen Erkrankungen einhergeht, kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei moderaten bis schweren Formen belastet er die Betroffenen erheblich und kann die Lebensqualität deutlich reduzieren [4]. Besonders quälend ist nächtlicher Juckreiz, der zu Schlafstörungen führt und in der Folge Müdigkeit, Abgeschlagenheit und sogar Depressionen verursachen kann [4]. Daher ist es wichtig, bei anhaltenden Symptomen ärztlichen Rat einzuholen, um die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren.

Neurodermitis und andere Hauterkrankungen als Risikofaktoren

Neben systemischen Erkrankungen können auch primäre Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder atopisches Ekzem das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Prurigo erhöhen. Menschen mit Atopie oder atopischer Dermatitis sind aufgrund ihrer Prädisposition für Juckreiz besonders anfällig für die Entwicklung dieser chronischen Hauterkrankung [5]. Der bei diesen Erkrankungen auftretende Juckreiz kann den Teufelskreis aus Jucken und Kratzen in Gang setzen, der letztendlich zur Bildung der charakteristischen Läsionen führt.

Bei entzündlichen Hauterkrankungen spielen bestimmte Botenstoffe eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Juckreiz. Besonders die Interleukine (IL) 4, 13 und 31 sind bei pruritischen Erkrankungen von großer Bedeutung. Diese Entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffe aktivieren Nervenzellen in der Haut und verstärken das Juckreizempfinden. Zudem kann die Hautbarriere gestört sein, was die Haut anfälliger für Reize und Infektionen macht. Bakterien wie Staphylococcus aureus können dann eine molekulare Kettenreaktion auslösen, die zu unerträglichem Juckreiz führt [6]. Dies erklärt, warum Hautinfektionen die Symptome von chronischer Prurigo oft verschlimmern können.

Medikamente und ihre Rolle bei der chronsichen Prurigo Symptomatik

Bestimmte Medikamente können ebenfalls Juckreiz auslösen oder verstärken und dadurch zur Entwicklung von chronsicher Prurigo beitragen. Substanzen wie Opioide können direkt pruritogen wirken oder die Wirkung anderer juckreizvermittelnder Faktoren verstärken [2]. Es ist daher wichtig, bei der Diagnose einer chronsichen Prurigo auch die Medikamentenanamnese zu berücksichtigen.

Interessanterweise können einige Medikamente, die für andere Zwecke entwickelt wurden, auch bei der Behandlung von chronsicher Prurigo wirksam sein. Dupilumab, ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, ist mittlerweile für die Therapie der chronischen Prurigo zugelassen und bietet vielen Betroffenen neue Hoffnung auf Linderung ihrer Beschwerden [7]. Auch Thalidomid hat sich beispielsweise bei einigen juckreizassoziierten Dermatosen als wirksam erwiesen [2]. Neuere Therapieansätze zielen auf die Blockade spezifischer Rezeptoren oder Botenstoffe ab. So könnte ein PAR1-Blocker als Grundlage für Cremes oder Tabletten bei juckenden Hauterkrankungen dienen, die mit einem Ungleichgewicht des Hautmikrobioms einhergehen [6].

Der Juck-Kratz-Zyklus: Wie Pruritus zur Hautkrankheit führt

Bei der chronischen Prurigo spielt der sogenannte Juck-Kratz-Zyklus eine entscheidende Rolle. Dieser Teufelskreis beginnt mit einem anfänglichen Juckreiz, der zum Kratzen verleitet. Das fortwährende oder starke Kratzen schädigt die Haut, wodurch Entzündungen aufrechterhalten oder verstärkt werden. Diese Entzündungen fördern wiederum den Juckreiz, was zu weiterem Kratzen führt. So entsteht ein Circulus vitiosus, der sich häufig zu einem täglichen Ritual mit automatischem oder unbewusstem Kratzverhalten entwickelt [8]. Besonders bei Menschen mit chronsicher Prurigo ist dieser Mechanismus stark ausgeprägt und führt zu den charakteristischen Hautveränderungen.

Wie Kratzen die Haut verändert und den Juckreiz verstärkt

Wiederholtes Kratzen spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung der juckenden Knoten bei der chronischen Prurigo. Wenn du regelmäßig an derselben Stelle kratzt, verdickt sich die Haut als Schutzreaktion. Diese Verdickung führt zur Bildung der typischen knotenartige Hautveränderungen, die besonders häufig an den Streckseiten der Arme und Beinen auftreten. Die Läsionen können sich im Laufe der Zeit verändern und zu atrophen Hautbereichen, Einrissen und sogar Depigmentierungen führen.

Der chronische Juckreiz und das wiederholte Kratzen führen nicht nur zu sichtbaren Hautveränderungen, sondern auch zu neurologischen Veränderungen. Die Nervenzellen von Menschen mit chronischem Juckreiz sind viel stärker verzweigt als bei gesunden Personen. Weil die Neuronen permanent von Botenstoffen und Entzündungszellen aktiviert werden, sprießen immer mehr Verzweigungen [7]. Diese Veränderungen führen zu einer Sensibilisierung des Nervensystems, wodurch die Reizschwelle für Juckreiz sinkt [7]. Das bedeutet: Selbst leichte Reize, die normalerweise keinen Juckreiz auslösen würden, können bei Betroffenen starke Juckreizempfindungen hervorrufen.

Durch diesen Sensibilisierungsprozess reagierst du möglicherweise überempfindlich auf leichte Reize, die normalerweise keinen Juckreiz auslösen. Dieses Phänomen wird als Alloknesis bezeichnet und ist vergleichbar mit dem unangenehmen Gefühl, das viele Menschen verspüren, wenn ein Wollpullover auf ihrer Haut reibt [6]. Diese hyperaktive Reaktion tritt häufig bei Menschen mit chronisch juckenden Hauterkrankung wie chronsicher Prurigo auf und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Wenn Bakterien den Juckreiz verstärken: Infektionen als Risikofaktor bei chronsicher Prurigo

Bakterielle Infektionen können eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Verschlimmerung bei chronischer Prurigo spielen. Besonders Staphylococcus aureus kann den Juckreiz im Alleingang verursachen, indem es eine molekulare Kettenreaktion in Gang setzt, die zu unerträglichem Juckreiz führt. Durch das wiederholte Kratzen entstehen kleine Verletzungen in der Haut, die eine Eintrittspforte für Bakterien darstellen. Diese Hautschäden können sich zunehmend ausbreiten und den Zustand verschlimmern.

Interessanterweise könnte der durch Staphylococcus aureus verursachte starke Juckreiz dem Keim einen Überlebensvorteil bieten. Wissenschaftler:innen vermuten, dass der Juck-Kratz-Zyklus die Ausbreitung der Mikroben auf entfernte Körperstellen und auf nicht infizierte Personen ermöglichen könnte [6]. Dies erklärt, warum die Behandlung von bakteriellen Infektionen ein wichtiger Bestandteil der chronsichen Prurigo Therapie sein kann. Künftig könnten spezielle PAR1-Blocker als Grundlage von Cremes oder Tabletten bei juckenden Hauterkrankung dienen, die mit einem Ungleichgewicht des Hautmikrobioms einhergehen, wie es bei Prurigo nodularis der Fall ist.

Immunsystem und Entzündungsprozesse bei chronischem Juckreiz

Das Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung von chronischer Prurigo. Bei dieser seltenen entzündlichen Hautkrankheit kommt es zu komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Immunsystem und dem Nervensystem. Die Interaktion zwischen kutanen Nervenendigungen und umliegenden Zellen wird durch verschiedene Botenstoffe vermittelt, darunter Zytokine und Chemokine sowie deren Rezeptoren [8]. Diese Mediatoren sind nicht nur für die Auslösung von Juckreiz verantwortlich, sondern auch für die Entstehung von Entzündungsreaktionen.

Besonders relevant sind die Interleukine (IL) 4, 13 und 31, die bei entzündlichen juckreizfördernden Prozessen eine zentrale Rolle spielen [8]. Diese Botenstoffe aktivieren spezifische Rezeptoren auf Nervenzellen und verstärken dadurch das Juckreizempfinden. Gleichzeitig fördern sie Entzündungsreaktionen in der Haut, die wiederum den Juckreiz verstärken können. Die freien Nervenendigungen in der Epidermis setzen zudem Neuropeptide wie Substanz P und Calcitonin-gene related peptide (CGRP) frei [8]. Diese Neuropeptide können Mastzellen zur Freisetzung von Histamin anregen, was den Juckreiz weiter verstärkt.

Neben Histamin gibt es mittlerweile andere bekannte Mediatoren, die direkt an den Nervenfasern Juckreiz auslösen können, darunter Vanilloide wie Capsaicin, Tryptase, Interleukin 6 oder Endothelin [3]. Auch Prostaglandine und Bradykinin können die Nervenfasern sensibilisieren und die Empfindlichkeit der Nervenfasern gegenüber Histamin erhöhen [3]. Dies erklärt, warum Antihistaminika bei vielen Menschen mit chronischer Prurigo nur begrenzt wirksam sind, da Histamin bei dieser Krankheit oft nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Therapie: Dupilumab und andere Behandlungsansätze

Die Behandlung einer chronischen Prurigo zielt in erster Linie darauf ab, den Juck-Kratz-Zyklus zu durchbrechen und die Linderung des Juckreizes zu erreichen. In den letzten Jahren wurden neue Therapieoptionen entwickelt, die gezielt auf die immunologischen Prozesse einwirken, die bei dieser Krankheit eine Rolle spielen. Besonders vielversprechend sind dabei Biologika, die spezifische Botenstoffe oder deren Rezeptoren blockieren.

Dupilumab, ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, ist mittlerweile für die Therapie der chronischen Prurigo zugelassen. Dieses Biologikum blockiert die Signalwege von IL-4 und IL-13, zwei wichtigen entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffen. Dadurch kann es den chronischen Juckreiz lindern und die Bildung neuer Knoten auf der Haut verhindern. Neben Dupilumab haben sich auch andere Wirkstoffe als hilfreich erwiesen. Thalidomid beispielsweise hat sich bei einigen juckreizassoziierten Dermatosen als wirksam gezeigt. Auch Immunsuppressiva und Calcineurininhibitoren können in manchen Fällen zur Linderung beitragen. Bei einer chronischen Prurigo, deren genauen Ursachen nicht vollständig geklärt sind, kann eine Kombination verschiedener Behandlungsansätze notwendig sein, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Referenzen

[1] https://www.springermedizin.de/chronische-prurigo/pruritus/eine-unerwartete-entdeckung-bei-einer-patientin-mit-chronischer-/24617378

  • „Die CPG (zuvor als Prurigo nodularis bezeichnet) ist eine chronische Dermatose, die verschiedene Ursachen haben kann, in vielen Fällen bleibt die zugrunde liegende Ätiologie jedoch ungeklärt.“

[2] https://www.aerzteblatt.de/archiv/juckreiz-eine-diagnostische-und-therapeutische-crux-74d58b23-377f-4bee-93b4-63815611fddf

  • „Prurigoerkrankungen […] entstehen häufig durch andauerndes Kratzen bei Juckreiz durch internistische Erkrankungen.“
  • „Substanzen, wie Opioide, können ebenfalls Juckreiz induzieren oder Stimuli potenzieren, die pruritogen wirken können“
  • „Thalidomid hat sich bei einigen Hauterkrankungen als wirksam erwiesen, insbesondere auch bei juckreizassoziierten Dermatosen, wie Prurigo nodularis“

[3] https://www.aerzteblatt.de/archiv/chronischer-pruritus-eine-interdisziplinaere-diagnostische-und-therapeutische-herausforderung-0f29d73c-a321-4414-b0f8-67bd6030b2f5

  • „Chronischer, generalisierter oder lokalisierter Pruritus ist ein Warnsymptom für eine zugrunde liegende Erkrankung.“
  • „Häufig besteht nicht nur eine Erkrankung, sondern verschiedene Kofaktoren treffen zusammen und verursachen oder begünstigen Pruritus.“
  • „Histamin galt lange als einziger Mediator, der direkt pruritogen an den Nozizeptoren wirkt. Mittlerweile sind andere Mediatoren beschrieben worden, die direkt an den Nervenfasern Pruritus auslösen können, unter anderem Vanilloide wie Capsaicin, Tryptase, Interleukin 6 oder Endothelin“
  • „Prostaglandine und Bradykinin sensibilisieren die Nervenfasern und erniedrigen die Reizschwelle für Histamin.“

[4] https://www.springermedizin.de/hauterscheinungen-bei-internistischen-krankheiten/pruritus/systemischer-pruritus-was-gibt-es-neues-in-diagnostik-und-therap/23223734

  • „Chronischer Pruritus kann mild und tolerabel sein, aber auch moderate bis schwere Formen annehmen. Moderate bis schwerwiegende Intensitäten belasten die betroffenen Patienten häufig sehr und können deren Lebensqualität deutlich reduzieren.“
  • „Vor allem quälender nächtlicher Pruritus kann gravierenden Schlafmangel verursachen, der Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Depression und sogar Selbstmordgedanken zur Folge haben kann.“

[5] https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-der-haut/dermatitis/lichen-simplex-chronicus

  • „Patienten mit Atopie oder atopischer Dermatitis sind aufgrund ihrer Prädisposition für Juckreiz besonders anfällig.“

[6] https://www.netdoktor.de/news/neurodermitis-wie-bakterien-schweren-juckreiz-ausloesen/schweren-juckreiz-ausloesen/

  • „Staphylococcus aureus verursacht den Juckreiz demnach im Alleingang, indem es eine molekulare Kettenreaktion in Gang setzt, die zu unerträglichem Juckreiz führt.“
  • „Künftig könnte der PAR1-Blocker als Grundlage von Cremes oder Tabletten bei juckenden Hauterkrankungen dienen, die mit einem Ungleichgewicht des Hautmikrobioms einhergehen. Dazu gehören neben Neurodermitis auch Psoriasis und Prurigo nodularis.“
  • „Außerdem reagierten Tiere auch überempfindlich auf leichte Reize, die normalerweise keinen Juckreiz auslösen. Das sei vergleichbar mit dem Gefühl, das viele Menschen verspüren, wenn ein Wollpullover auf ihrer Haut reibt. Diese hyperaktive Reaktion nennt man in der Medizin Alloknesis. Sie tritt häufig bei Patienten und Patientinnen mit chronisch juckenden Hauterkrankungen auf.“
  • „Dass Staphylococcus aureus starken Juckreiz verursacht, könnte dem Keim einen Überlebensvorteil bieten, mutmaßen die Forschenden: „Der Juck-Kratz-Zyklus könnte die Ausbreitung der Mikroben auf entfernte Körperstellen und auf nicht infizierte Wirte ermöglichen.“

[7] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/11/19/neue-therapieoptionen-bei-chronischem-juckreiz

  • “Hierzu zählt Dupilumab (Dupixent®), ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, der unter anderem für die Therapie der atopischen Dermatitis und der Prurigo nodularis (Dermatose mit juckenden Knötchen) zugelassen ist.”
  • „Die Nervenzellen von Patienten mit chronischem Juckreiz sind viel stärker verzweigt als bei gesunden Menschen. Weil die Neuronen permanent von Botenstoffen und Entzündungszellen aktiviert werden, sprießen immer mehr Verzweigungen.“
  • „Ein Juck-Kratz-Zyklus entsteht und es kommt zu Sensibilisierungsprozessen in der Haut sowie im peripheren und zentralen Nervensystem.“

[8] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/teufelskreis-aus-jucken-und-kratzen/

  • „Fortwährendes oder starkes Kratzen schädigt die Haut, wodurch Entzündungen aufrechterhalten oder verstärkt werden, die wiederum Pruritus fördern. Somit entsteht ein Circulus vitiosus (Juck-Kratz-Zirkel), der nicht selten in einem täglichen Ritual mit automatischem oder unbewusstem Kratzverhalten mündet“
  • „Bei der Interaktion kutaner Nervenendigungen und umliegender Zellen müssen auch Zytokine und Chemokine sowie deren Rezeptoren mit einbezogen werden. In jüngster Zeit haben diese Mediatoren an Bedeutung gewonnen – nicht nur bei der Auslösung von Pruritus, sondern auch bei Entzündungsreaktionen.“
  • „Klinisch besonders relevant sind die Interleukine (IL) 4, 13 und 31, die bei entzündlichen pruritischen Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen.“
  • „Diese Neuriten interagieren sehr eng mit epidermalen Keratinozyten sowie Entzündungszellen in der Haut, zum Beispiel Mastzellen. Dabei werden von den freien Nervenendigungen in der Epidermis Neuropeptide wie Substanz P (SP) und Calcitonin-gene related peptide (CGRP) sezerniert.“

Chronische Prurigo

Was ist eine chronische Prurigo und wie äußert sich die Erkrankung?

Chronische Prurigo ist eine seltene, meist schwere chronische Hauterkrankung, die durch stark juckende Knötchen, Knoten oder flächige Verdickungen der Haut gekennzeichnet ist und deine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Zur chronischen Prurigo gehört als häufigste Form die „noduläre Prurigo“ oder „Prurigo nodularis“, bei der größere Knoten im Vordergrund stehen.

Welche topischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer chronischen Prurigo?

Bei der ersten Behandlungsstufe kommen äußerliche (topische) Therapien zum Einsatz. Besonders wirksam sind hochpotente Kortikosteroide als Salbe oder Creme, die unter Okklusion (Abdeckung mit Plastikfolie) angewendet werden können. Alternativen sind Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus oder Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol. Wichtig ist auch die konsequente Hautpflege mit parfümfreien Emollientien statt Seifen. Bei akutem Juckreiz können kühlende Umschläge oder niedrig dosiertes Menthol (unter 5 %) Linderung verschaffen.

Wann kommt eine Phototherapie bei chronischer Prurigo zum Einsatz?

Die Phototherapie wird als zweite Behandlungsstufe eingesetzt, wenn topische Behandlungen allein nicht ausreichend wirken. Diese Lichttherapie nutzt verschiedene Wellenlängen des ultravioletten Lichts, um Entzündungen zu hemmen und den Juckreiz zu lindern. Besonders wirksam ist die Schmalband-UVB-Therapie, die zwei- bis dreimal wöchentlich über zwei bis drei Monate durchgeführt wird. Auch die PUVA-Therapie oder Behandlungen mit monochromatischem Exzimerlicht können gute Ergebnisse erzielen. Die Wirkung tritt meist erst nach mehreren Sitzungen ein.

Welche systemischen Therapien werden bei mittelschwerer bis schwerer chronischer Prurigo angewendet?

Bei stärkeren Krankheitsformen kommen Medikamente zum Einsatz, die im gesamten Körper wirken. Dazu gehören Antihistaminika (oft in Kombination aus nicht-sedierenden am Tag und sedierenden in der Nacht), Gabapentinoide wie Gabapentin oder Pregabalin sowie Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Methotrexat oder Azathioprin. Diese Therapien erfordern eine regelmäßige ärztliche Überwachung, da sie mit Nebenwirkungen verbunden sein können. Die Wahl der Behandlung hängt von deinem individuellen Krankheitsbild und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Was sind Biologika und welche Rolle spielen sie bei der Behandlung von chronischer Prurigo?

Biologika sind innovative Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen. Seit 2022 ist mit Dupilumab (Dupixent®) das erste Biologikum für chronische Prurigo zugelassen. Es blockiert die Signalübertragung von IL-4 und IL-13, zwei wichtigen Botenstoffen bei der Erkrankung. Die Anwendung erfolgt durch Injektionen alle zwei Wochen. Ein weiteres Biologikum ist Nemolizumab (Nemluvio), das seit 2025 verfügbar ist und den IL-31-Rezeptor hemmt, der maßgeblich am Juckreiz beteiligt ist. Diese modernen Therapien können den Juckreiz deutlich reduzieren – bei manchen Betroffenen verschwindet er sogar vollständig.

Wie können die neuen Therapien meine Lebensqualität verbessern?

Die innovativen Biologika-Therapien haben einen erheblichen Einfluss auf deine Lebensqualität. Durch die Reduktion des quälenden Juckreizes verbessern sich oft auch Schlafqualität, soziale Beziehungen und die Fähigkeit, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen. In Studien mit Nemolizumab konnten bis zu 58 % der Behandelten ihren Juckreiz deutlich reduzieren, bei etwa 30 % verschwand er sogar vollständig. Ergänzend können unterstützende Maßnahmen wie das Tragen von Baumwollkleidung, kühlende Umschläge und bei Bedarf eine psychosomatische Therapie dazu beitragen, dein Kratzverhalten zu reduzieren und deine Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Wie lange muss ich die Therapie fortsetzen und was passiert nach dem Absetzen?

Die Behandlungsdauer hängt von deinem individuellen Krankheitsverlauf ab. Bei Biologika wie Dupilumab oder Nemolizumab ist eine regelmäßige Anwendung wichtig, da Studien gezeigt haben, dass die Symptome nach Therapieende zurückkehren können. Experten empfehlen, die Therapie mindestens so lange fortzusetzen, bis alle Hautläsionen abgeheilt sind. Bei Nemolizumab ist eine Gabe alle 4 Wochen nötig, während bei Dupilumab alle 2 Wochen injiziert wird. Deine Ärztin oder dein Arzt wird den Behandlungsverlauf regelmäßig überprüfen und die Therapie entsprechend anpassen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung mit starkem Juckreiz und knotigen Hautveränderungen, die nach einem abgestuften Therapiekonzept behandelt wird – von topischen Mitteln bis zu systemischen Medikamenten.
  • Topische Behandlungen wie hochpotente Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren und konsequente Hautpflege bilden die erste Therapiestufe und können den Juckreiz-Kratz-Zyklus durchbrechen.
  • Bei mittelschweren bis schweren Formen kommen systemische Therapien zum Einsatz, darunter Antihistaminika, Gabapentinoide und Immunsuppressiva, die den Juckreiz und die Entzündungsprozesse im gesamten Körper bekämpfen.
  • Seit 2022 steht mit Dupilumab der erste zugelassene Antikörper für die chronische Prurigo zur Verfügung, der bei fast 60 % der Betroffenen innerhalb von 24 Wochen zu einer erheblichen Verbesserung führt.
  • Nemolizumab, seit 2025 verfügbar, blockiert gezielt den IL-31-Rezeptor („Juckreiz-Zytokin“) und zeigt eine schnelle Wirkung – viele Betroffene berichten bereits innerhalb der ersten Woche von einer deutlichen Linderung des Juckreizes.

Umfassende Therapiemöglichkeiten bei einer chronischen Prurigo

Die chronische Prurigo ist eine chronische Hauterkrankung, die durch extrem starken Juckreiz und charakteristische Hautveränderungen in Form von knotigen Läsionen gekennzeichnet ist. Der ständige Juckreiz führt zu einem Teufelskreis aus Kratzen und weiteren Hautschäden, der die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken kann. Die Therapie dieser entzündlichen Erkrankung erfolgt nach einem abgestuften Konzept gemäß der S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus [1]. Ziel aller Behandlungsansätze ist es, den Juckreiz-Kratz-Zyklus zu durchbrechen und die Abheilung der Hautläsionen zu fördern. Je nach Schweregrad der Erkrankung kommen verschiedene Therapiemöglichkeiten zum Einsatz – von äußerlichen Behandlungen bis hin zu systemischen Medikamenten, die auf das Immunsystem einwirken.

Topische Therapieansätze zur Behandlung bei chronischer Prurigo

Bei der Behandlung einer chronische Prurigo bilden topische Therapien die erste Stufe des Behandlungskonzepts. Diese äußerlichen Anwendungen zielen darauf ab, den Juckreiz zu lindern und die Entzündung zu hemmen. Besonders wirksam sind hochpotente topische Kortikosteroide, die als Salbe oder Creme auf die betroffenen Hautareale aufgetragen werden [2]. Sie reduzieren die Entzündung in der Haut und können den quälenden Juckreiz deutlich verringern. Für eine optimale Wirksamkeit empfiehlt sich die Anwendung unter Okklusion – dabei wird der behandelte Bereich mit Plastikfolie abgedeckt und über Nacht belassen [3].

Eine Alternative zu Kortikosteroiden stellen Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus dar. Diese Wirkstoffe haben ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften, enthalten jedoch keine Steroide und eignen sich daher besonders für eine längerfristige Anwendung [2]. Studien zeigen, dass Pimecrolimus 1% ähnlich wirksam sein kann wie Hydrocortison und sich gut für eine Langzeittherapie eignet [3]. Auch Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol können bei der topischen Behandlung zum Einsatz kommen und zeigen teilweise sogar eine bessere Wirksamkeit als bestimmte Kortikosteroide [3].

Neben diesen medikamentösen Ansätzen spielt die konsequente Hautpflege eine entscheidende Rolle. Verwende statt Seifen und Duschgels lieber parfümfreie Emollientien, die die Hautbarriere stärken und vor Austrocknung schützen [2]. Bei akutem Juckreiz können kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder im Kühlschrank aufbewahrte Pflegeprodukte Linderung verschaffen. Auch niedrig dosiertes Menthol (unter 5%) kann den Juckreiz reduzieren, indem es die Reizschwelle für Juckreiz erhöht [3]. Diese einfachen Maßnahmen können dir helfen, den Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen zu durchbrechen.

Phototherapie als wirksame Behandlungsmethode bei chronischer Prurigo

Wenn topische Behandlungen allein nicht ausreichend wirksam sind, stellt die Phototherapie eine wichtige zweite Behandlungsstufe dar. Diese Lichttherapie nutzt verschiedene Wellenlängen des ultravioletten Lichts, um entzündliche Prozesse in der Haut zu hemmen und den chronischen Juckreiz zu lindern. Für die Behandlung bei chronischer Prurigo haben sich mehrere Formen der Phototherapie als wirksam erwiesen: die PUVA-Therapie (Psoralen plus UVA-Licht), die Schmalband-UVB-Therapie und die Behandlung mit monochromatischem Excimerlicht der Wellenlänge 308 nm [3].

Die Schmalband-UVB-Therapie zeigt bei chronischer Prurigo besonders gute Ergebnisse. Studien belegen eine signifikante Verbesserung der Hautläsionen bei einer durchschnittlichen Dosis von 23,88-26,00 J/cm² [3]. Die Behandlung findet in der Regel zwei- bis dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten statt [2]. Interessanterweise kann ein Excimerlaser sogar wirksamer sein als topische Kortikosteroide wie Clobetasol [3]. Die Phototherapie wird in der Regel ambulant in spezialisierten Hautarztpraxen oder dermatologischen Kliniken durchgeführt. Für dich als Betroffene:r ist es wichtig zu wissen, dass die Wirkung oft erst nach mehreren Sitzungen eintritt und die Behandlung konsequent fortgeführt werden sollte, um einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen.

Systemische Therapieansätze für mittelschwere bis schwere Erkrankungsformen

Bei mittelschweren bis schweren Formen der chronischen Prurigo oder wenn topische Therapien und Phototherapie nicht ausreichend wirksam sind, kommen systemische Behandlungsansätze zum Einsatz. Diese Medikamente wirken im gesamten Körper und können den chronischen Juckreiz und die Entzündungsprozesse effektiver bekämpfen. Zu den systemischen Therapieoptionen gehören Antihistaminika, Gabapentinoide, Kortikosteroide und Immunsuppressiva [1].

Antihistaminika können den Juckreiz lindern, wobei eine Kombination aus nicht-sedierenden Antihistaminika am Tag und sedierenden Antihistaminika in der Nacht oft empfohlen wird. Eine Kombination aus Fexofenadin und Montelukast hat sich als besonders wirksam erwiesen [3]. Bei starkem Juckreiz können auch Gabapentinoide wie Gabapentin oder Pregabalin zum Einsatz kommen, die ursprünglich zur Behandlung von Nervenschmerzen entwickelt wurden, aber auch bei chronischem Pruritus helfen können.

Für schwere Fälle stehen verschiedene Immunsuppressiva zur Verfügung. Ciclosporin in einer mittleren Dosierung hat in Studien eine klinische Verbesserung und Reduktion des Juckreizes gezeigt [3]. Auch Methotrexat in einer Dosierung von 5 bis 20 mg/kg wöchentlich kann zu einer vollständigen oder teilweisen Remission führen [3]. Weitere Optionen sind Azathioprin und Cyclophosphamid [3]. Bei der Anwendung dieser Medikamente ist jedoch eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich, da sie mit potenziell schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden sein können [4]. Für dich als Patient:in ist es wichtig zu wissen, dass diese Therapien in der Regel eine regelmäßige Überwachung durch deine Ärztin oder deinen Arzt erfordern, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Biologika: Innovative Therapie und ihre Wirkung auf Lebensqualität bei chronischer Prurigo

Die chronische Prurigo stellt für Betroffene eine enorme Belastung dar. Lange Zeit gab es kaum zugelassene Medikamente, die gezielt auf die Mechanismen dieser quälenden Hautkrankheit einwirken konnten. Erst seit 2022 steht mit Dupilumab die erste offiziell zugelassene Therapie zur Verfügung [5]. Inzwischen haben Forschende weitere innovative Biologika entwickelt, die das Immunsystem und die Entstehung des chronischen Juckreizes beeinflussen können. Diese modernen Ansätze zielen darauf ab, die Botenstoffe zu blockieren, die für das ständige Jucken und die Bildung der charakteristischen Knötchen verantwortlich sind. Besonders die Interleukine 4, 13 und 31 spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffe.

Dupilumab: Der erste zugelassene Antikörper für die Behandlung bei chronischer Prurigo

Dupilumab markiert einen Meilenstein in der Versorgung von Menschen mit chronischer Prurigo. Als erster zugelassener Antikörper für diese Erkrankung bietet er vielen Betroffenen neue Hoffnung. Dupilumab ist ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, der sowohl für die Therapie der atopischen Dermatitis als auch der chronischen Prurigo(einer Dermatose mit juckenden Knötchen) zugelassen ist [6]. Der Wirkstoff greift gezielt in das fehlgeleitete Immunsystem ein und unterbricht die Signalübertragung von IL-4 und IL-13, zwei wichtigen Zytokinen, die bei der chronischen Prurigo eine entscheidende Rolle spielen [6].

Die Anwendung von Dupilumab erfolgt durch subkutane Injektionen. Nach einer Anfangsdosis von 600 mg (zwei Injektionen zu je 300 mg) folgen Injektionen mit 300 mg alle zwei Wochen [7]. Diese regelmäßige Anwendung ist wichtig, da Studien gezeigt haben, dass nach Therapieende die Symptome innerhalb eines zwölfwöchigen Nachbeobachtungszeitraums wieder auftreten können [7]. Die Wirksamkeit von Dupilumab ist beeindruckend: Bei fast 60 Prozent der Patienten verbesserte sich der stark juckende Zustand innerhalb von 24 Wochen erheblich, während dies nur bei 19 Prozent unter Placebo der Fall war [7].

Besonders hervorzuheben ist, dass Dupilumab den Juckreizes unabhängig vom atopischen Hintergrund der Patienten verbessert [7]. Gemäß Langzeitdaten kann die Ansprechrate auf die Behandlung sogar bis auf 80 Prozent steigen, und manche Patienten werden sogar beschwerdefrei [7]. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Nasopharyngitis und Kopfschmerz, in einigen Fällen kann auch eine Konjunktivitis auftreten [4]. Für dich als Betroffene:r ist es wichtig zu wissen, dass diese Biologika-Therapie eine regelmäßige Betreuung durch deine Ärztin oder deinen Arzt erfordert, um den Verlauf zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Nemolizumab bei chronischem Pruritus

Mit Nemolizumab steht seit 2025 eine weitere innovative Therapieoption für Menschen mit einer chronischen Prurigo zur Verfügung [8]. Dieser Antikörper unterscheidet sich von Dupilumab durch seinen Wirkmechanismus: Er hemmt gezielt den IL-31-Rezeptor, der maßgeblich für den Juckreiz verantwortlich ist [8]. Interleukin-31 wird auch als „Juckreiz“-Zytokin bezeichnet, da es eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des quälenden Juckens spielt [8]. Personen mit einer chronischen Prurigo weisen erhöhte IL-31-Spiegel auf, die sensorische Neurone im Hinterhorn des Rückenmarks aktivieren und so den chronischen Juckreiz verstärken [3].

Die Wirksamkeit von Nemolizumab wurde in mehreren klinischen Studien nachgewiesen. In den OLYMPIA-Studien konnten 58,4 % und 56,3 % der Patientinnen und Patienten mit chronischer Prurigo unter Nemolizumab ihren Juckreiz in Woche 16 um 4 oder mehr Punkte reduzieren, verglichen mit nur 16,7 % und 20,9 % in den Placebogruppen [8]. Bemerkenswert ist die schnelle Wirkung: Viele Behandelte berichten bereits innerhalb der ersten Woche von einem Nachlassen des Juckreizes, manchmal sogar schon nach 2 Tagen [8]. Etwa 30 % der Betroffenen verspüren durch die Therapie gar keinen Juckreiz mehr, was zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führt [8].

Die Anwendung von Nemolizumab erfolgt durch subkutane Injektionen von 30 mg alle 4 Wochen [8]. Im Gegensatz zu Patienten mit atopischer Dermatitis, die nach einem klinischen Ansprechen die Behandlungsintervalle auf 8 Wochen ausdehnen können, sind Menschen mit einer chronischen Prurigo auf eine Gabe alle 4 Wochen angewiesen [8]. Experten empfehlen, die Therapie mindestens so lange fortzusetzen, bis alle Läsionen abgeheilt sind [8]. Nemolizumab ist indiziert für die Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Prurigo, die für eine innerliche Therapie in Frage kommen. Ein Vorteil gegenüber anderen Medikamenten ist das gute Sicherheitsprofil, das darauf zurückzuführen ist, dass Nemolizumab im Vergleich etwa zu JAK-Inhibitoren nicht immunsupprimierend wirkt [8].

Verbesserung der Lebensqualität durch moderne Therapieansätze

Die innovativen Biologika-Therapien haben einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit einer chronischen Prurigo. Der ständige, quälende Juckreiz führt oft zu Schlafstörungen, sozialer Isolation und psychischen Belastungen. Studien mit Nemolizumab zeigen, dass sich durch die Reduktion des Juckreizes auch der Schlaf, zwischenmenschliche Beziehungen und die Fähigkeit, sozialen oder beruflichen Aktivitäten nachzugehen, deutlich verbessern [6]. Diese positiven Effekte sind nicht zu unterschätzen, da die chronische Prurigo eine selten auftretende, aber äußerst belastende Erkrankung ist, bei der es kaum milde Verläufe gibt.

Neben den Biologika können auch andere Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Dazu gehören äußerliche Behandlungen wie kühlende Umschläge, das Tragen von Schichten aus Baumwollkleidung statt schwerer, kratzender oder synthetischer Stoffe sowie das Vermeiden von Wolle oder Polyester [2]. Auch eine psychosomatische Therapie kann hilfreich sein, da die Symptome von Schmerz und Juckreiz bei einer chronischen Prurigo sehr belastend sein können [2]. In manchen Fällen können auch Antidepressiva eingesetzt werden, die nicht nur die psychische Belastung reduzieren, sondern auch direkt auf den Juckreiz einwirken können [3]. Die Kombination aus modernen Biologika und unterstützenden Maßnahmen bietet dir als Betroffene:r die besten Aussichten, dein Kratzverhalten zu reduzieren und deine Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Referenzen

[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dupilumab-lindert-massiven-juckreiz-145308/

  • “Die Therapie erfolgt abgestuft gemäß der S2k-Leitline zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus.”
  • “Ab Stufe 3 sind Systemtherapien, zum Beispiel mit Antihistaminika, Corticosteroiden, Gabapentinoiden und Immunsuppressiva, angezeigt..”

[2] https://www.bad.org.uk/pils/nodular-prurigo/

  • „Topical corticosteroids. Your healthcare provider may prescribe a potent (or strong) steroid cream or ointment that will help reduce the inflammation in the skin. A very potent (or very strong) steroid will help relieve itch.“
  • „Tacrolimus 0.1% ointment. This treatment can have anti-inflammatory effects to help decrease itching and does not contain steroids.“
  • „Emollients. It is very important to stop using soaps, shower gels, or other cosmetics to wash with as they can lead to dry skin. A fragrance-free emollient should be used instead of soap and rinsed away.“
  • “Phototherapy. Some examples include narrowband UVB phototherapy and psoralen and UVA phototherapy. These treatments normally take place in the hospital 2-3 times a week over the course of usually 2-3 months.”
  • „You may find that laying a cool damp flannel on the skin can reduce the feeling of itch. A cooled emollient which has been kept in the refrigerator, or has added menthol, may also help.“
  • „Wearing layers of cotton clothing can be better than heavy, scratchy, or synthetic fabrics. It is advisable to avoid wool or polyester clothing.“
  • „Psychological treatment. Symptoms of pain and itch related to nodular prurigo can be very distressing. People affected by this may benefit from psychological support or medication.“

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459204/

  • „The suggested first-line therapy consists of topical corticosteroids, such as clobetasol dipropionate 0.05% ointment, applied under occlusion with plastic wrap once at nighttime for at least 2 to 4 weeks.“
  • „Pimecrolimus 1% is as effective as hydrocortisone and can be implemented in a long-term regimen.“
  • „Calcipotriol ointment shows greater efficacy than betamethasone valerate 0.1%.“
  • „Low concentrations of menthol (<5%) alleviate pruritus by heightening the threshold for pruritic stimuli.“
  • „Phototherapy with psoralen–ultraviolet-A (PUVA), including bath and topical PUVA, long-wavelength UVA, narrowband UVB, and monochromatic excimer light of 308 nm, have been used and shown improvement of PN nodules.“
  • „Narrow band UVB phototherapy significantly improves PN at an average dose of 23.88-26.00 j/cm2.“
  • „An excimer laser is more beneficial than topical clobetasol.“
  • „High-dose nonsedating antihistamines can be used during the day, followed by first-generation sedating antihistamines at bedtime; a combination of fexofenadine and montelukast gives good results.“
  • „A single-institution retrospective study demonstrated clinical improvement and decreased pruritus with cyclosporine at a mean dose of 3.1 mg/kg.“
  • „Methotrexate dosed at 5 to 20 mg/kg weekly demonstrated complete or partial remission of 2.4 months. These patients showed a mean duration of response of 19 months.“
  • „Treatment with azathioprine and cyclophosphamide has also been reported to be successful.“
  • „Individuals with PN also show elevated levels of interleukin 31 (IL-31), a T-cell–derived highly prurigogenic cytokine.“
  • „Both selective serotonin reuptake inhibitors and tricyclic antidepressants can also be considered for chronic pruritus.“

[4] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2023/02/13/dupilumab-bei-prurigo-nodularis-erste-spezifische-behandlungsoption-zugelassen

  • „Eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte unbedingt vor dem Einsatz systemischer Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Methotrexat oder Azathioprin.“
  • „Die häufigsten Nebenwirkungen waren Nasopharyngitis und Kopfschmerz. Eine Konjunktivitis trat öfter auf als unter Placebo.“

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38869847/

  • „Despite the high burden in patients with chronic prurigo (CPG), the first and so far only approved systemic therapy for this disease, dupilumab, has only been available since 2022.“

[6] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/11/19/neue-therapieoptionen-bei-chronischem-juckreiz

  • „Dupilumab (Dupixent®), ein Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Antikörper, der unter anderem für die Therapie der atopischen Dermatitis und der Prurigo nodularis (Dermatose mit juckenden Knötchen) zugelassen ist.“
  • „Dupilumab hemmt die Signalübertragung von IL-4 und IL-13, damit geht die Hautentzündung zurück, aber auch der begleitende Juckreiz lässt nach.“
  • „Dadurch verbesserte sich auch die Lebensqualität, darunter Schlaf, zwischenmenschliche Beziehungen und die Fähigkeit, sozialen oder beruflichen Aktivitäten nachzugehen.“

[7] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dupilumab-lindert-massiven-juckreiz-145308/

  • “Dosiert wird wie bei atopischer Dermatitis: Nach einer Anfangsdosis von 600 mg, also zwei subkutanen Injektionen zu je 300 mg, folgen Injektionen mit 300 mg alle zwei Wochen.”
  • “Nach Therapieende gab es innerhalb des zwölfwöchigen Nachbeobachtungszeitraums jedoch Hinweise auf ein Wiederauftreten von Symptomen.”
  • “Bei fast 60 Prozent der Patienten unter Verum (alle zwei Wochen 300 mg Dupilumab) und bei 19 Prozent unter Placebo habe sich der Juckreiz innerhalb von 24 Wochen erheblich gebessert (gepoolte Daten).”
  • “Dupilumab verbesserte den Juckreiz unabhängig vom atopischen Hintergrund der Patienten.”
  • “Gemäß Langzeitdaten (nicht placebokontrolliert) könne die Ansprechrate bis auf 80 Prozent steigen und manche Patienten würden sogar beschwerdefrei.”

[8] https://www.aerzteblatt.de/archiv/atopische-dermatitis-und-prurigo-nodularis-weniger-juckreiz-bei-atopie-aeed5fc0-9c54-4b71-9f95-8c2b9828c125

KONTROLLE GEWINNEN: NEUE WEGE MIT NEURODERMITIS GEHEN

Den Kreislauf aus Schüben und Akuttherapie durchbrechen

Entzündete, juckende und schmerzhafte Haut – auf einen wiederkehrenden Neurodermitis-Schub folgt meist eine topische Therapie, kurzfristige Besserung, dann geht alles wieder von vorn los. Der Kreislauf aus akuten Schüben und vorübergehender Linderung durch Akuttherapien kann frustrierend und belastend sein. Sorge und Unsicherheit, wann der nächste Schub kommt, werden zum ständigen Begleiter. Du hast Neurodermitis und dieser ewige Kreislauf ist dir wohlbekannt? Dann wird es Zeit, dass du dich über neue Wege im Umgang mit der quälenden Hauterkrankung informierst. Denn Tatsache ist, dass es mit neuartigen systemischen Therapieansätzen gelingen kann, die Neurodermitis dauerhaft zu kontrollieren und Hauterscheinungen sowie Juckreiz in die Schranken zu weisen.

Moderne Therapie sorgt für neue Perspektiven

Eine wichtige Tatsache vorweg: Bei Neurodermitis handelt es sich um eine Hauterkrankung, bei der sich das vielschichtige Entzündungsgeschehen nicht nur in der Haut abspielt, sondern innerhalb des Körpers im Immunsystem. Daher wird Neurodermitis zu den Systemerkrankungen gezählt. Moderne Therapieoptionen haben innovative Wirkmechanismen, die im Gegensatz zu äußerlichen (topischen) Anwendungen von innen (systemisch) wirken. Sie zielen nicht nur darauf, die akuten Symptome zu bekämpfen, sondern die Ursache, das Entzündungsgeschehen, zu kontrollieren, indem sie gezielt auf das Immunsystem einwirken. Neben den Beschwerden lassen sich so auch Häufigkeit und Intensität der Schübe langanhaltend reduzieren. Biologika und JAK-Hemmer zählen zu diesen modernen innovativen Therapieoptionen. In der Regel zeigen sie eine gute Verträglichkeit, und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sorgen dafür, dass mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden.

BIOLOGIKA

Bei Biologika handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das fehlgeleitete Immunsystem eingreifen. Sie blockieren einzelne entzündungsfördernde Botenstoffe und unterbrechen so den Entzündungsprozess. Biologika werden als Injektion unter die Haut verabreicht und können bei guter Verträglichkeit langfristig eingesetzt werden.

JAK-HEMMER

JAK-Hemmer zählen zu den sogenannten „Small Molecules“, kleinen Molekülen. Sie binden an die sogenannten  Januskinasen (JAK). Diese Enzyme sind an der Weiterleitung von Entzündungssignalen in das Innere von Immunzellen beteiligt. Die Signalweiterleitung wird verhindert und der Entzündungsprozess kann anhaltend unterbrochen werden. JAK-Hemmer werden als Tabletten eingenommen und können auch langfristig angewendet werden, um neue Neurodermitis-Schübe möglichst zu verhindern.

Jetzt beginnen: Umdenken bei Neurodermitis

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Umdenken bei Neurodermitis und zu einer langfristigen Behandlungsstrategie ist das Gespräch mit deiner Dermatologin oder deinem Dermatologen. Gemeinsam lassen sich alle Fragen klären: Es kann entschieden werden, ob und welche systemische Therapie zu dir passt und ein individueller Behandlungsplan entwickelt werden. Die Initiative „Neurodermitis? Wen juckt’s?“ bietet dir mit dem Alltags-Check unter www.neurodermitis-wen-juckts.de Unterstützung für die gezielte Vorbereitung auf dein nächstes Arztgespräch. Nimm es in die Hand und entdecke neue Wege im Umgang mit deiner Neurodermitis.

Mit freundlicher Unterstützung von:
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG

Quelle: S3-Leitlinie „Atopische Dermatitis“ (AWMF-Registernr. 013-027) (2023), verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-027 (Zugriff: 11.04.2025).

Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis – Ein Zungenbrecher mit vielen Facetten

Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die Entzündungen in kleinen und mittelgroßen Blutgefäßen verursacht. Diese Entzündungen können verschiedene Organe betreffen, am häufigsten jedoch die Lunge, Nase und das Herz. Asthma und Nasenpolypen sind häufige frühe Symptome. 1,2,3

Gut zu wissen!Die EGPA wird erst seit 2012 als eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis bezeichnet. Davor wurde sie Churg-Strauss-Syndrom genannt – nach den zwei US-amerikanischen Pathologen Jacob Churg und Lotte Strauss, die die Erkrankung 1951 als Erste beschrieben haben.4

Selten, aber nicht nie

Da EGPA selten ist und Symptome oft unspezifisch sind, wird die Diagnose häufig verzögert. Erhöhtes Bewusstsein kann dazu beitragen, die Früherkennung zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern. Die häufigsten Symptome sind: Asthma, eine Beteiligung der Nasennebenhöhlen und des Magen-Darm-Traktes, sowie Nierenbeteiligungen und Hautveränderungen.5

Die 3 Phasen der EGPA

Ärzt:innen unterteilen die Erkrankung in drei Phasen, wobei nicht zwingend alle Phasen auftreten müssen.5 Zudem können sich diese auch überschneiden oder in unterschiedlicher Reihenfolge vorkommen, sodass die Einteilung nur als grobe Richtlinie gilt.5 Die Symptome sind jedoch sehr individuell.

  • Die Anfangsphase (Prodromalphase): In dieser Phase setzen die ersten Symptome ein, häufig ist es das Asthma. Darüber hinaus können auch allgemeine Symptome wie Unwohlsein, Erschöpfung oder Fieber auftreten.5,6
  • Die eosinophile Phase: Durch das überschießende Immunsystem steigt die Anzahl der Eosinophilen jetzt stark an. Diese gelangen insbesondere in die Lunge, das Herz oder den Magen-Darm-Trakt. Erste Schäden im Gewebe und an den Organen können entstehen.6
  • Die vaskulitische Phase: Phase 3 ist vor allem durch Gefäßentzündungen (Vaskulitiden) gekennzeichnet. Patient:innen erleben dies häufig als Abgeschlagenheit und rheumatische Beschwerden. Diese Phase kann jedoch auch zu organ- bis hin zu lebensbedrohenden Situationen führen.5

Leben mit EGPA: Tipps für den Alltag

Auch bei der EGPA gibt es ein paar grundsätzliche Dinge, die dir den Alltag erleichtern können:

  • Selbstfürsorge: Achte auf deinen Körper und gönne dir Pausen. Selbstfürsorge ist entscheidend.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, das Wohlbefinden zu steigern.
  • Bewegung: Wähle sanfte körperliche Aktivitäten, die dir Spaß machen und deine Beweglichkeit erhalten.
  • Stressmanagement: Finde Methoden zur Stressreduktion wie Yoga oder Meditation.
  • Austausch: Der Kontakt zu anderen Betroffenen kann helfen, das Gefühl von Isolation zu reduzieren und nützliche Tipps zu teilen.

Weitere Hinweise zur EGPA und praktische Tipps findest du in der Patient:innenbroschüre, diese erhältst du bei deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Patient:innen Broschüre Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA)

Gemeinsames Ziel Remission – Spricht mit deinen Ärzt:innen

EGPA mag selten und kompliziert sein, aber mit der richtigen Unterstützung und Information kannst du ein erfülltes und aktives Leben führen und die Remission erreichen, also deine Symptome unter Kontrolle haben. Bewusstsein zu schaffen ist der erste Schritt, um das Verständnis und die mit der Krankheit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Lass uns gemeinsam daran arbeiten, mehr über EGPA zu erfahren und Betroffenen weltweit den Rücken zu stärken.


1https://www.orpha.net/de/disease/detail/183?name=EGPA&mode=name (letzter Zugriff: Januar 2025)

2https://www.rheuma-liga.de/rheuma/krankheitsbilder/eosinophile-granulomatosemitpolyangiitis (letzter Zugriff: Januar 2025)

3Furuta S et al. Allergol Int 2019; 68: 430–436

4Churg J und Strauss L. Am J Pathol 1951; 27(2): 277–301

5Trivioli G et al. Rheumatology (Oxford) 2020; 59(suppl 3): iii84–iii94

6Chakraborty RK, et al. Churg-Strauss Syndrome. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 23. März 2023.

Mit freundlicher Unterstützung von
AstraZeneca

Neue Entwicklungen in der MS-Diagnostik und Therapie

Die Diagnose Multiple Sklerose stellt für viele Betroffene eine emotionale und medizinische Zäsur dar – oft nach einer langen Phase der Ungewissheit. Neue diagnostische Verfahren, individualisierte Therapien und ein stärkeres Bewusstsein für die Rolle der Patient:innen in ihrer Behandlung verändern jedoch zunehmend den Umgang mit der Erkrankung. Wie diese Entwicklungen konkret aussehen, welche Hoffnungen sich daraus ableiten lassen und wo noch Herausforderungen bestehen, darüber haben wir mit Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen und einer der führenden MS-Experten in Deutschland, gesprochen.

Viele MS-Betroffene erleben lange Unsicherheiten bis zur Diagnose. Gibt es bald einfachere Bluttests, die diesen Prozess beschleunigen?

Ja, tatsächlich sind sogenannte Biomarker in der Entwicklung, insbesondere Bluttests. Ein Test ist bereits weit fortgeschritten – der sogenannte Neurofilament-Test. Neurofilamente sind Eiweißstoffe, die nur in Nervenzellen vorkommen. Wenn Nervenzellen im Gehirn beschädigt werden, wird dieses Eiweiß freigesetzt und kann mittlerweile mit sehr empfindlichen Nachweismethoden auch im Blut nachgewiesen werden.

Dieser Biomarker zeigt an, dass zum Beispiel bei MS eine Entzündungsaktivität vorliegt oder wie gut jemand auf bestimmte Therapien anspricht. Wenn eine Therapie wirkt, gehen in der Regel weniger Nervenzellen kaputt, was sich dann auch in einem niedrigeren Neurofilamentwert zeigt. Der Test ersetzt jedoch nicht andere diagnostische Verfahren wie die Kernspintomographie oder die Untersuchung des Nervenwassers, da er nicht spezifisch für MS ist – auch andere Erkrankungen können zu erhöhten Werten führen. Aber er ist ein wertvoller zusätzlicher Baustein in der Diagnostik. Der Test kann bereits eingesetzt werden und wird aktuell von großen Firmen kommerzialisiert.

Sie forschen zu Entzündungen bei MS. Was bedeutet das konkret für die Therapie?

MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen im Gehirn und Rückenmark angreift. Entzündungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Unser Ziel ist es, diese Entzündungsprozesse zu kontrollieren. Die heutigen Medikamente richten sich gezielt gegen das Immunsystem: Sie können entzündungsfördernde Zellen hemmen, zerstören oder daran hindern, ins Gehirn einzudringen. So lässt sich die Entzündung unterdrücken und das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringen.

Wie können Hausärzte und Neurologen besser zusammenarbeiten, um Wartezeiten zu verkürzen?

Das ist nicht nur bei MS ein Problem, sondern betrifft viele neurologische Erkrankungen. Wichtig ist ein direkter Draht zwischen Hausärzt:innen und Neurolog:innen. Persönlicher Austausch, idealerweise in lokalen Netzwerken, funktioniert hier am besten. Die Ressourcen in den Praxen sind allerdings begrenzt, das muss auch politisch berücksichtigt werden.

Patient:innen wissen oft viel über ihre eigene MS. Wie kann dieses Wissen besser genutzt werden?

Das fällt unter den wichtigen Bereich des „Patient Empowerment“. Viele Betroffene informieren sich intensiv – meist über das Internet, aber auch über andere Quellen. Ärzt:innen sollten dieses Wissen ernst nehmen, empathisch zuhören und offen für alle Symptome sein – gerade bei sensiblen Themen wie Blasenstörungen oder Sexualfunktion. Auch die Nebenwirkungen von Therapien müssen ernst genommen und abgeklärt werden. Letztlich müssen wir das subjektive Erleben mit objektiven Befunden abgleichen und daraus den Handlungsbedarf ableiten.

Welche nicht-medikamentösen Maßnahmen helfen MS-Betroffenen wirklich?

Ein sehr wichtiger Bereich ist die symptomatische Therapie. An erster Stelle steht hier die neurologisch spezialisierte Physiotherapie, zum Beispiel zur Behandlung von Spastiken oder zur Sturzprävention. Auch Ergotherapie kann helfen, etwa bei Einschränkungen der Handfunktion. Darüber hinaus sind Reha-Maßnahmen – ambulant oder stationär – sehr wirksam, wenn sie bewilligt werden. Viele brauchen auch psychologische Unterstützung, etwa bei Depressionen oder kognitiven Einschränkungen. Und natürlich helfen auch Sport und gesunde Ernährung – hier gibt es tatsächlich Studien, die positive Effekte auf den Krankheitsverlauf zeigen.

MS-Patient:innen haben häufig weitere Autoimmunerkrankungen. Braucht es dafür mehr vernetzte Spezialisten?

Ja, das ist durchaus häufig. Das weist darauf hin, dass bei diesen Menschen das Immunsystem insgesamt eine Art „Bauplanfehler“ aufweist. Daher ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen – etwa bei Schuppenflechte, Diabetes oder rheumatischen Erkrankungen – enorm wichtig. In Unikliniken ist das meist einfacher, weil viele Fachbereiche unter einem Dach sind. Aber auch im ambulanten Bereich entstehen zunehmend spezialisierte Versorgungszentren und neue Abrechnungsformen wie die ambulante spezialärztliche Versorgung.

Was gibt Ihnen im Umgang mit MS-Patient:innen immer wieder Hoffnung?

Rückblickend ist es erstaunlich, wie weit wir gekommen sind. Wir verstehen die Erkrankung heute viel besser – sowohl, was das Immunsystem als auch das zentrale Nervensystem betrifft. Darauf aufbauend wurden viele wirksame Medikamente entwickelt, die es vielen Betroffenen ermöglichen, ein weitgehend normales Leben zu führen. In der Zukunft setzen wir große Hoffnung auf regenerative Therapien, also Behandlungen, die geschädigte Nerven wiederherstellen – durch Nervenwachstum oder Reparatur der Nervenhüllen. Erste Studien laufen bereits, und das stimmt mich sehr zuversichtlich.

Prof. Dr. med. Christoph Kleinschnitz
Direktor der Klinik für NeurologieUniversitätsklinikum Essen, Klinik für Neurologie

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